{"id":122694,"date":"2025-05-19T11:20:21","date_gmt":"2025-05-19T11:20:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/122694\/"},"modified":"2025-05-19T11:20:21","modified_gmt":"2025-05-19T11:20:21","slug":"estlands-verteidigungsminister-exklusiv-in-bild-endet-der-ukraine-krieg-steigt-fuer-uns-die-gefahr-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/122694\/","title":{"rendered":"Estlands Verteidigungsminister exklusiv in BILD: Endet der Ukraine-Krieg, STEIGT f\u00fcr uns die Gefahr | Politik"},"content":{"rendered":"<p><b>Das kleine Estland sieht sich einem riesigen aggressiven Nachbarn gegen\u00fcber. Darum gibt es anteilig dreimal so viel f\u00fcr seine Verteidigung aus wie Deutschland. <\/b><\/p>\n<p>BILD sprach mit Esten-Verteidigungsminister Hanno Pevkur \u00fcber die russische Bedrohung, steigende Verteidigungsausgaben und das Versagen des Westens in der Ukraine.<\/p>\n<p>Auch interessant<\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p>Auch interessant<\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p><b>BILD: \u201eDer deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius sagt, Russland k\u00f6nnte die Nato schon 2029 angreifen. Sie stehen an vorderster Front. Haben Sie Angst vor einem russischen Angriff?\u201c<\/b><\/p>\n<p><b>Hanno Pevkur:<\/b> \u201eWenn ich als Verteidigungsminister Angst vor Russland h\u00e4tte, w\u00fcrde ich wohl nicht hier sitzen. Ich habe keine Angst vor Russland, aber ich bin pragmatisch. Ich schaue mir die Informationen an, die mir unsere Experten, der Geheimdienst und unsere Verb\u00fcndeten liefern.<\/p>\n<p>Die Realit\u00e4t ist: Wenn der Krieg in der Ukraine vorbei ist, wird Russland seine Kr\u00e4fte umverteilen. Laut ihres Planes wollen sie die Truppenst\u00e4rke auf 1,5 Millionen erh\u00f6hen. Sie verst\u00e4rken viele Divisionen in unserer Nachbarschaft, bringen neue Ausr\u00fcstung, Panzer, Kampfhubschrauber.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"558\" alt=\"Aktuell trainiert Estland bei \u201eOperation Igel\u201c die Verteidigung des Landes gegen einen russischen Angriff\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/86cabe3ed042dbe7267bf66159952ebc,e341c1cc\"   class=\"landscape\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"fig__caption__text\">Aktuell trainiert Estland bei der \u201eOperation Igel\u201c die Verteidigung des Landes gegen einen russischen Angriff<\/p>\n<p>Foto: Quelle: Julian R\u00f6pcke<\/p>\n<p>Darauf m\u00fcssen wir reagieren \u2013 gemeinsam mit unseren Verb\u00fcndeten. Deshalb erh\u00f6ht Estland ab 2026 die Verteidigungsausgaben auf 5,4 Prozent. Deshalb gibt es derzeit die gr\u00f6\u00dfte Nato-\u00dcbung mit 18.000 Soldaten. Deshalb investieren wir massiv in neue F\u00e4higkeiten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie rund 800.000 russischen Soldaten in der Ukraine werden nicht einfach nach Hause gehen\u201c<\/p>\n<p><b>Sie sagen, wenn der Krieg in der Ukraine vorbei ist, wird Russland umverteilen und im schlimmsten Fall Estland angreifen. Bedeutet das, Sie sind nicht gl\u00fccklich \u00fcber die ganzen Diskussionen \u00fcber einen baldigen Diktatfrieden?<\/b><\/p>\n<p><b>Pevkur:<\/b> \u201eNat\u00fcrlich wollen wir alle, dass der Krieg endet. Aber wir verstehen auch: Die rund 800.000 russischen Soldaten in der Ukraine werden nicht einfach nach Hause gehen, um von 200 Euro im Monat zu leben. Die werden wahrscheinlich weiter von der russischen Armee bezahlt, aktuell bekommen sie 2000 bis 3000 Euro im Monat. Das bedeutet: Die Bedrohung f\u00fcr uns wird im Fall eines Endes der K\u00e4mpfe in der Ukraine steigen.\u201c<\/p>\n<p><b>Sind Sie vor diesem Hintergrund als kleines Land auf einen m\u00f6glichen russischen Angriff vorbereitet?<\/b><\/p>\n<p><b>Pevkur:<\/b> \u201eIch glaube, Estland ist eines der am besten vorbereiteten L\u00e4nder in der Nato. Wir haben die Wehrpflicht, eine Kriegsstruktur mit fast 44.000 Soldaten. Diese Kampfdivision k\u00f6nnen wir in weniger als 48 Stunden zusammenziehen. Ich kenne wenige L\u00e4nder, die so schnell so viele Kr\u00e4fte mobilisieren k\u00f6nnen. Zudem haben wir heute 32 Verb\u00fcndete und zusammen viel mehr Feuerkraft als die Russen.\u201c<\/p>\n<p>Lieber im Frieden 5 Prozent ausgeben als 20 Prozent im Krieg<\/p>\n<p><b>Sie sprachen von 5,4 Prozent Verteidigungshaushalt im n\u00e4chsten Jahr. Das wird mehr als dreimal so viel sein, wie Deutschland ausgibt. Wie schaffen Sie das? Wo sparen Sie stattdessen? Und wie erkl\u00e4ren Sie das Ihrer Bev\u00f6lkerung?<\/b><\/p>\n<p><b>Pevkur:<\/b> \u201eEhrlichkeit ist das Wichtigste. Wir sagen offen, dass die russische Bedrohung real ist. Das darf man nicht verschweigen. Den Weg zu 5,4 Prozent zu schaffen war nicht einfach, es waren harte Entscheidungen. Wir haben an vielen Stellen gespart, eine sogenannte Sicherheitssteuer eingef\u00fchrt. Das alles ist schwer f\u00fcr die Gesellschaft, aber wir verstehen alle: Es ist viel g\u00fcnstiger, heute im Frieden 5 Prozent zu investieren als sp\u00e4ter 20 Prozent im Krieg oder gar k\u00e4mpfen zu m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Lesen Sie auch<\/p>\n<p><b>Sie sagen, Ehrlichkeit ist wichtig. Aber in Deutschland f\u00fchrt ehrliche Rede \u00fcber die russische Bedrohung und notwendige steigende Verteidigungsausgaben oft dazu, dass extreme Parteien noch mehr Prozente holen. Haben Sie Tipps f\u00fcr deutsche Politiker, wie sie diesen Spagat hinbekommen?<\/b><\/p>\n<p><b>Pevkur:<\/b> \u201eIch kenne Boris Pistorius gut, wir haben ein gutes Verh\u00e4ltnis, und ich finde, seine Botschaften sind klar. Aber es braucht Zeit, der Bev\u00f6lkerung solche Themen zu erkl\u00e4ren. Ich hoffe, dieses Interview hilft zu verstehen, warum es wichtig ist, f\u00fcr Freiheit zu k\u00e4mpfen. Freiheit wird nie geschenkt, man muss sie jeden Tag verteidigen \u2013 und seine Bedrohungen kennen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"558\" alt=\"Moskau am 9. Mai 2025 \u2013 Russland r\u00fcstet massiv auf. Auch mit Langstrecken-Kamikaze-Drohnen gegen zivile Ziele\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/0188304ae304798f4e246cc6a10e621e,7ba1cc37\"   class=\"landscape\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"fig__caption__text\">Moskau am 9. Mai 2025 \u2013 Russland r\u00fcstet massiv auf. Auch mit Langstrecken-Kamikaze-Drohnen gegen zivile Ziele<\/p>\n<p>Foto: Getty Images<\/p>\n<p>Europa hat lange gehofft, Russland w\u00fcrde ein normales, demokratisches Land werden. Nach dem Zerfall der Sowjetunion gab es Hoffnung, aber seit der Jahrtausendwende hat sich das radikal ge\u00e4ndert: Georgien, Krim, jetzt der gro\u00dfe Krieg in der Ukraine \u2013 alle 6 bis 8 Jahre greift Russland seine Nachbarn an.<\/p>\n<p>Das zeigt: Der Wunsch der russischen F\u00fchrung, das Imperium wieder aufzubauen, ist nicht verschwunden. Deshalb m\u00fcssen wir ehrlich sein und gemeinsam eine starke Abschreckung senden \u2013 und bereit sein, unsere L\u00e4nder zu verteidigen.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"558\" alt=\"BILD-Reporter Julian R\u00f6pcke (links) traf Hanno Pevkur im estnischen Verteidigungsministerium in Tallinn\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/30ecba41b9e08894563f2bd653896be8,366b47a\"   class=\"landscape\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"fig__caption__text\">Hanno Pevkur (r.) empfing BILD-Reporter Julian R\u00f6pcke zum Interview im estnischen Verteidigungsministerium in Tallinn<\/p>\n<p>Foto: Luca Wittkowski<\/p>\n<p>\u201eNein, wir haben f\u00fcr die Ukraine nicht genug getan\u201c<\/p>\n<p><b>Estland ist ein gro\u00dfer Unterst\u00fctzer der Ukraine. Aber nach fast dreieinhalb Jahre Krieg sieht es so aus, als w\u00fcrde Russland den Krieg langsam aber sicher gewinnen. Meine Frage an Sie als westlicher Verteidigungsminister: Haben wir genug getan, um die Ukraine zu retten?<\/b><\/p>\n<p><b>Pevkur:<\/b> \u201eNein, wir haben nicht genug getan. Es gab eine klare Chance f\u00fcr die ukrainische Armee, mehr Gebiet zur\u00fcckzuerobern, zum Beispiel w\u00e4hrend der Gegenoffensive in Charkiw, als sie noch nicht die ganze Ausr\u00fcstung hatten, die wir jetzt liefern. Auch den Vorschlag Estlands, 0,25 Prozent des BIP jedes Landes in die ukrainische Verteidigung zu investieren, haben viele L\u00e4nder bislang nicht umgesetzt. Also nein, wir tun nicht genug.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das kleine Estland sieht sich einem riesigen aggressiven Nachbarn gegen\u00fcber. 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