{"id":1227981,"date":"2026-08-10T09:19:20","date_gmt":"2026-08-10T09:19:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1227981\/"},"modified":"2026-08-10T09:19:20","modified_gmt":"2026-08-10T09:19:20","slug":"soundtracks-zum-untergang-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1227981\/","title":{"rendered":"Soundtracks zum Untergang \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>\u00bbHell is open\u00ab prangt gro\u00df \u00fcber dem B\u00fchnenbollwerk, von dem 34 Bands ihre Soundtracks zum Untergang hinab schleudern. Flankiert wird sie von zwei Haubitzen und \u00e4hnlichem Milit\u00e4rger\u00e4t, das seine L\u00e4ufe ins Publikumsrund richtet. Die Dreifaltigkeit Death und Black Metal sowie Grind Core regiert hier, auch die f\u00fcr unbekanntere Bands eingerichtete Zeltb\u00fchne bestimmen diese Genres. Im Gegensatz zu anderen Festivals wird das Partysan Open Air von der extremen Gangart dominiert. Und das bereits im 30. Jahr.<\/p>\n<p>Was 1996 klein in Bad Berka begann, wuchs in den 2000ern zum Treffen von 10.000 Metalfans heran. Gr\u00f6\u00dfer wollen die Veranstalter das Festival bis heute nicht werden lassen. So bleibt der relativ intime Charakter bestehen. Viele Besucher sind Wiederg\u00e4nger. 2011 zog das Festival auf den Flugplatz in Schlotheim bei M\u00fchlhausen. Eine Regenkatastrophe (\u00bbWar\u2019s schlimm?\u00ab \u00bbNe, Schlamm!\u00ab) machte die Suche nach einem Gel\u00e4nde mit festerem Untergrund notwendig.<\/p>\n<p>Weder Busenwettbewerb noch Wei\u00dfbiergarten oder Wikingerdorf: Wer mit Metal nichts anfangen kann, hat auf dem Partysan keinen Spa\u00df. Nichts lenkt ab vom schnellen Stromgitarren-Sound, der mal melodisch, mal brachial-fraktal daherkommt oder als dr\u00f6hnende Walze auf scheppernde Drum-Stakkati und wuchtigem Bass. F\u00fcr den am Donnerstagnachmittag angereisten Berichterstatter beginnt das Festival gleich mit einem Highlight: Misery Index (USA) laden zum 16-Uhr-Tee mit verfrickeltem Death Metal. Brutale Riffs vereinen sich hier mit abrupten Br\u00fcchen und neuem melodi\u00f6sen Ansetzen. Das ist abwechslungsreich und bringt das Tanzbein in Schwung. Bereits hier bildet sich ein gr\u00f6\u00dferer Circlepit vorne vor der B\u00fchne. Das hei\u00dft, die Menge gibt eine Fl\u00e4che frei, auf der einige Dutzend Menschen gemeinsam im Kreis rennen und die hoch gereckten Arme im Rhythmus mitschwingen. In den letzten Jahren wuchs der weibliche Anteil im Pit immer weiter an, finden auch Frauen zu ihrem St\u00fcck Selbsterm\u00e4chtigung durch Tanzwut.<\/p>\n<p>So ausgelassen ist die Stimmung auch an den anderen Tagen bereits mittags, als klassischerweise zwei Grindcore-Bands (Gut und Guttural Slag) die B\u00fchne er\u00f6ffnen. Das bringt gleich Bewegung ins Areal, wenn zum Teil Kost\u00fcmierte ausgelassen herum rasen. Alle anderen haben etwas zu gucken. \u00c4hnliche Nackenbrecher liefern Wormed (Spanien), die mit h\u00fcbschen Br\u00fcchen und einer enormen tiefsonoren Gesangskraft beeindrucken. Noch etwas sch\u00e4rferen Death bringen Deceased (USA) zu Geh\u00f6r, w\u00e4hrend bei Internal Bleeding (USA) glasklar Hardcore-Elemente mitschwingen.<\/p>\n<p>Atmosph\u00e4rischer und harmonischer geht es bei Sear Bliss (Ungarn) vernebelt im Zelt zu. Ihr melodischer Black Metal nimmt die Zuschauenden mit auf eine Traumreise, ber\u00fchrt und \u00fcberrascht mit pl\u00f6tzlichen harten Ausbr\u00fcchen. Live erweisen sie sich einmal mehr als eine Bank. Ebenfalls tr\u00e4umerisch sind Alcest (Frankreich) zu erleben, die eine eigene Klangsph\u00e4re erschaffen. Vielleicht etwas gewagt, sie auf ein Extrem-Festival einzuladen, aber der Plan geht auf. Das Duo liefert einen fantastischen Auftritt, der verz\u00fcckt.<\/p>\n<p>Im 30. Jahr geben sich alle Bands M\u00fche, beim Publikum zu punkten. Selbst Nergal versucht, nahbar zu sein unter seiner Theaterschminke, als er die erste Platte von Behemoth (Polen) mit Gastmusikern vortr\u00e4gt. Nicht abgehangen oder museal klingt dieser Eigen-Tribut. Die alten Herren von Testament (USA) sind spielfreudig und erinnern an einen Hybrid aus Metallica und Megadeath. Bloody Vengeance aus Leipzig servieren so etwas wie Brutal Black. Ihr Gescherbel kennt nur eine Drum-Geschwindigkeit, also Turbo, begleitet von Gitarrenges\u00e4ge und finsteren Growls.<\/p>\n<p>Ein letztes Mal rotiert der Circle Pit bei Hypocrisy, die mit Schweden-Death das Festival abschlie\u00dfen. Dann ziehen die Fans noch traditionell zu einem Abba-Medley als Polonaise durchs Zelt, bevor sich um vier am Sonntagmorgen der Mantel des Schweigens \u00fcbers Partysan legt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00bbHell is open\u00ab prangt gro\u00df \u00fcber dem B\u00fchnenbollwerk, von dem 34 Bands ihre Soundtracks zum Untergang hinab schleudern.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1227982,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[53542,4056,5564,7422,254990,15998,3364,194811,29,5561,254991,2701,30,2491,1310,71,3969,254992,5565,225920,859,75766],"class_list":["post-1227981","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-53542","tag-90er","tag-air","tag-bad","tag-berka","tag-black","tag-de","tag-death","tag-deutschland","tag-festival","tag-festivalbericht","tag-geburtstag","tag-germany","tag-jahre","tag-konzert","tag-leipzig","tag-metal","tag-metalfan","tag-open","tag-partysan","tag-sachsen","tag-veranstaltungsbericht"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117070473771012669","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1227981","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1227981"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1227981\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1227982"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1227981"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1227981"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1227981"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}