{"id":1228143,"date":"2026-08-10T11:02:17","date_gmt":"2026-08-10T11:02:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1228143\/"},"modified":"2026-08-10T11:02:17","modified_gmt":"2026-08-10T11:02:17","slug":"antisemitismus-wenn-der-hoersaal-zur-angstzone-wird-so-werden-juedische-studenten-vom-campus-verdraengt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1228143\/","title":{"rendered":"Antisemitismus: Wenn der H\u00f6rsaal zur Angstzone wird \u2013 So werden j\u00fcdische Studenten vom Campus verdr\u00e4ngt"},"content":{"rendered":"<p>An der Universit\u00e4t Hamburg w\u00e4chst ein Antisemitismus, den man sehen, h\u00f6ren und f\u00fchlen kann: Schmierereien, Parolen, Drohungen. J\u00fcdische Studenten ziehen sich zur\u00fcck, w\u00e4hrend Universit\u00e4t und Senat um Kontrolle \u00fcber einen Ort ringen, der l\u00e4ngst zum politischen Feld geworden ist.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Es ist ein warmer Sommertag auf dem Campus der Universit\u00e4t Hamburg. Unter den B\u00e4umen im Von-Melle-Park \u2013 gelegen zwischen Rothenbaumchaussee und Grindelallee \u2013 suchen Studenten nach Schatten, besprechen Seminararbeiten, die Laptops auf dem Scho\u00df. Vor dem Audimax und dem Philosophenturm dr\u00e4ngen sich weitere Kommilitonen in Shorts und Sandalen, Rucksack \u00fcber der Schulter, Kopfh\u00f6rer im Ohr. Aus den benachbarten Caf\u00e9s dringt Musik nach au\u00dfen.<\/p>\n<p>Student zu sein, bedeutet, sich frei zu f\u00fchlen. So beschreibt es Mirjam, als WELT AM SONNTAG mit ihr \u00fcber den Campus geht. Es hei\u00dft, offenstehende Bereiche wie Vorlesungen, Seminare und Bibliotheken zu betreten, ohne dar\u00fcber nachzudenken. \u201eEs ist das Gef\u00fchl, dass man an einem Ort ist, der einem geh\u00f6rt, weil er allen geh\u00f6rt.\u201c Doch \u201edieses Grundvertrauen\u201c besitzt Mirjam nicht mehr. Sie ist eine von 43.000 Studenten an der Universit\u00e4t Hamburg, sie ist J\u00fcdin \u2013 und werde ausgerechnet dort, wo sie die Freiheit der Wissenschaft leben sollte, systematisch beschimpft, bedroht und verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Eine Situation, die weitere J\u00fcdinnen und Juden an <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article6a34ea587e682fc37fc002d7\/uni-finanzierung-keine-kostenstelle-studierende-fordern-millionen-fuer-hamburgs-hochschulen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article6a34ea587e682fc37fc002d7\/uni-finanzierung-keine-kostenstelle-studierende-fordern-millionen-fuer-hamburgs-hochschulen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Norddeutschlands gr\u00f6\u00dfter Hochschule<\/a> best\u00e4tigen. So liegen dieser Zeitung etliche Schilderungen aus den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren vor, festgehalten in Aufzeichnungen und Fotografien. Um die Betroffenen zu sch\u00fctzen, sind ihre Namen ge\u00e4ndert und Quellen anonymisiert. \u201eIn diesem Klima der Angst denke ich nicht ans Studieren\u201c, betont Mirjam \u2013 und f\u00fchlt sich von der Universit\u00e4tsleitung und den politisch Verantwortlichen im Stich gelassen. Der Campus ist f\u00fcr sie nicht neutral, ihr widerfahre ein verbreiteter Antisemitismus.<\/p>\n<p>Aus den Erz\u00e4hlungen der j\u00fcdischen Studenten und solidarischen Kommilitonen ergibt sich ein Bild, das \u00fcber einzelne Vorf\u00e4lle hinausgeht. Bereits vor dem 7. Oktober sei \u201eJude\u201c in vielen F\u00e4llen als Schimpfwort gemeint gewesen, erz\u00e4hlt Maria von der Fakult\u00e4t f\u00fcr Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. \u201eW\u00e4hrend der Eingew\u00f6hnungswoche h\u00f6rte ich Formulierungen wie \u201aAch, du Jude\u2018, gefolgt von lautem Gel\u00e4chter.\u201c Seit Herbst 2023 habe sich die Lage versch\u00e4rft. Auf dem Campus existieren Schmierereien \u2013 etwa durchgestrichene Davidsterne, Parolen, die das Existenzrecht Israels infrage stellen, Symbole extremistischer Gruppen, propal\u00e4stinensische Slogans. <\/p>\n<p>\u201eDas Gel\u00e4nde ist voll damit, vor allem innerhalb der Uni-Geb\u00e4ude\u201c, berichtet Student Jakob \u2013 und f\u00fcgt hinzu: \u201eMan geht auf die Toilette, und da steht an den Fliesen auf Deutsch \u00fcbersetzt \u201aTod den israelischen Streitkr\u00e4ften\u2018, zudem mit Herzen verzierte <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/80-jahre-welt\/article6a42785e919638f80e7029e3\/hamas-terror-2023-ich-sah-den-hass-ich-sah-das-boese.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/80-jahre-welt\/article6a42785e919638f80e7029e3\/hamas-terror-2023-ich-sah-den-hass-ich-sah-das-boese.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hamas<\/a>-Kritzeleien.\u201c Nicht selten sehe er auf dem Campus Personen mit Pal\u00e4stinenser-T\u00fcchern und -Flaggen.<\/p>\n<p>Die beschriebenen Vorf\u00e4lle lassen eine Art Ohnmacht unter jenen vermuten, die eingreifen m\u00fcssten, ein Tolerieren von Ausgrenzung, ein Wegschauen der Gesellschaft insgesamt. Dabei sollen Hamburgs Hochschulen laut Hochschulgesetz die Freiheit von Forschung und Lehre gew\u00e4hrleisten, Diskriminierung verhindern, pluralistische Debatten erm\u00f6glichen und die Menschenw\u00fcrde achten. \u00dcberdies m\u00fcssen sie Verantwortung f\u00fcr ein Umfeld tragen, das Sicherheit, Respekt und Neutralit\u00e4t garantiert. Nicht zuletzt wird auch die Universit\u00e4t Hamburg aus Landesmitteln finanziert. Sie ist folglich dem \u00f6ffentlichen Auftrag verpflichtet, nicht parteipolitischen oder aktivistischen Gruppen. <\/p>\n<p>\u201eAntisemitismus ist kein Meinungsstreit\u201c<\/p>\n<p>Viele j\u00fcdische Studenten verweisen im Gespr\u00e4ch darauf, dass Antisemitismus kein \u201eMeinungsstreit\u201c sei, sondern eine Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. \u201eAber wenn sich Studenten eingesch\u00fcchtert f\u00fchlen, ist die Wissenschaftsfreiheit gef\u00e4hrdet. Wenn staatlich finanzierte Hochschulen diesbez\u00fcglich kaum handeln, stellt sich die Frage nach der Erf\u00fcllung ihres gesetzlichen Auftrags\u201c, betont Studentin Mirjam. Und das alles, erg\u00e4nzt Kommilitone Jakob, vor dem Hintergrund des Grundgesetzes, wonach Artikel 5 Absatz 3 ausdr\u00fccklich den freien Austausch wissenschaftlicher Positionen sch\u00fctzt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Hoffnung auf Hilfe unter vielen j\u00fcdischen Betroffenen schwindet, beteuern die Leitung der Universit\u00e4t und die im rot-gr\u00fcnen Senat zust\u00e4ndige Wissenschaftsbeh\u00f6rde auf Anfrage, dass sie die geschilderten Vorkommnisse \u201esehr ernst\u201c n\u00e4hmen. Pr\u00e4sident <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article69b2d1fcbb08f846c0ba61fe\/wissenschaft-unter-druck-der-praesident-der-im-jubel-leise-bleibt-und-die-politik-an-ihre-verantwortung-erinnert.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article69b2d1fcbb08f846c0ba61fe\/wissenschaft-unter-druck-der-praesident-der-im-jubel-leise-bleibt-und-die-politik-an-ihre-verantwortung-erinnert.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hauke Heekeren<\/a> sagt: \u201eAntisemitismus hat an der Universit\u00e4t Hamburg keinen Platz.\u201c Als Universit\u00e4t im j\u00fcdisch gepr\u00e4gten Grindelviertel wisse die Hochschule um ihre besondere Verantwortung. \u201eJ\u00fcdische Studierende und Besch\u00e4ftigte sollen bei uns sicher studieren, lehren und forschen. Wir h\u00f6ren zu, nehmen jeden Hinweis ernst und handeln konsequent, wo Antisemitismus auftritt\u201c, so Heekeren. <\/p>\n<p>Nach Angaben des Sprechers des Pr\u00e4sidenten, Alexander Lemonakis, gelten auf dem Campus, in R\u00e4umen und bei Veranstaltungen der Universit\u00e4t die gesetzlichen und universit\u00e4ren Regeln, die die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit aller gew\u00e4hrleisten. Die Universit\u00e4t setze sich daf\u00fcr ein, dass j\u00fcdische Hochschulangeh\u00f6rige ebenso wie Personen mit unterschiedlichen Positionen auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung studieren und lehren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Zentrale Anlaufstelle bei Vorf\u00e4llen ist das Zentrum f\u00fcr Antidiskriminierung (ZAD). Es steht laut Lemonakis allen Studenten und Besch\u00e4ftigten als Beratungs- und Meldestelle zur Verf\u00fcgung, insbesondere bei antisemitischen Vorf\u00e4llen und israelbezogenem Antisemitismus. Das ZAD berate, dokumentiere und koordiniere das weitere Vorgehen. Erg\u00e4nzend gebe es zwei Vertrauenspersonen f\u00fcr j\u00fcdische Hochschulangeh\u00f6rige. <\/p>\n<p>So seien Mobilisierungskampagnen, die auf Ausgrenzung, Einsch\u00fcchterung oder die Behinderung von Studium und Lehre abzielten, mit den Grundwerten der Universit\u00e4t unvereinbar. Rechtswidrige Flyer und Schmierereien w\u00fcrden schnellstm\u00f6glich durch das Liegenschaftsmanagement entfernt. Bei Straftaten stelle die Universit\u00e4t Strafanzeige. Lemonakis z\u00e4hlt noch Fortbildungen f\u00fcr Studenten und Lehrende auf, pr\u00e4ventive Awareness-Wochen, Ringvorlesungen sowie Erinnerungsformate. Auch bestehe die Zusammenarbeit mit israelischen Wissenschaftseinrichtungen unver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Aus Sicht der Wissenschaftsbeh\u00f6rde von Senatorin <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article-689d9bc45c023b6b4d665189\/neue-wissenschaftssenatorin-ich-bin-politikerin-und-werde-es-bleiben-mit-einer-klaren-gruenen-haltung.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article-689d9bc45c023b6b4d665189\/neue-wissenschaftssenatorin-ich-bin-politikerin-und-werde-es-bleiben-mit-einer-klaren-gruenen-haltung.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Maryam Blumenthal<\/a> (Gr\u00fcne) hat die Bek\u00e4mpfung von Antisemitismus \u201eh\u00f6chste Priorit\u00e4t\u201c und beinhaltet \u201ekeine Kompromisse\u201c. Daher habe die Beh\u00f6rde mit den Hochschulen vereinbart, dass sie Programme gegen Antisemitismus fortentwickeln, sagt eine Sprecherin der Beh\u00f6rde. Bei der Landesstrategie des Senats gegen Antisemitismus und zur F\u00f6rderung j\u00fcdischen Lebens seien die Hochschulen mit mehreren Aktionen vertreten, wie etwa der Besch\u00e4ftigung mit Antisemitismus in Lehre und Forschung.<\/p>\n<p>\u201eIm AStA gehen Extremisten ein und aus\u201c<\/p>\n<p>Viele Betroffene erleben die Realit\u00e4t anders, nehmen eine Kluft zwischen Worten und Taten wahr. So auch Samuel. Er ist Mitglied einer Hochschulvereinigung, die j\u00fcdisches Leben am Campus sichtbarer machen m\u00f6chte. Besonders aus den selbstverwalteten Studentencaf\u00e9s wird dies \u201emassiv verdr\u00e4ngt\u201c. Im Caf\u00e9 \u201eKnallhart\u201c habe monatelang eine deutsche Perversion des j\u00fcdischen Gebets \u201eSh\u2019ma Israel\u201c \u2013 \u201eH\u00f6re Israel\u201c in Gedichtform gehangen, das Passagen wie \u201eFr\u00fcher waren wir die Verfolgten, nun sind wir zu den M\u00f6rdern geworden\u201c enthielt. Beim Abrei\u00dfen von antisemitischen Plakaten werde einem mit Schl\u00e4gen gedroht. <\/p>\n<p>Studentin Hila f\u00fcgt hinzu, dass sich \u201eantisemitische und extremistische Gruppen wie BDS Hamburg, Students for Palestine, Thawra und Young Struggle in den R\u00e4umen des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) treffen, um sich zu organisieren und Material wie Banner herzustellen\u201c. Antisemitische Propaganda und Demonstrationsschilder w\u00fcrden in den AStA-B\u00fcros gelagert.<\/p>\n<p>\u00c4hnliches berichtet Mirjam: In von Studenten selbstverwalteten R\u00e4umen hat sie Sticker mit Aufrufen, \u201eZios zu jagen\u201c fotografiert, Plakate, die demokratische Politiker als \u201einternationale Terroristen\u201c darstellen, und Graffiti, die Gewalt gegen Israel verherrlichen. Und Hila wei\u00df, wohin jener Hass f\u00fchrt: \u201eJ\u00fcdische Mitarbeiter werden in Arbeitsr\u00e4umen angeschrien, \u00fcber den Campus bis in umliegende Stadtviertel verfolgt und von Sympathisanten extremistischer Gruppen bedroht.\u201c Das habe nichts mit sachlicher Kritik zu tun.<\/p>\n<p>Samuel zufolge gehen die \u00dcbergriffe so weit, dass im Internet Gesichter und Namen von j\u00fcdischen Studenten kursieren, die daraufhin attackiert werden. Andere bek\u00e4men Zettel zugesteckt, auf denen \u201eFree Palestine\u201c, \u201eFree Gaza\u201c und \u201eAllahu Akbar\u201c stehe. Nicht zuletzt werde auf Flyern und in sozialen Medien zum <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article6a54edc6580feb522ba9a99c\/humboldt-uni-studentenparlament-fordert-israel-boykott-leitung-kuendigt-konsequenzen-an.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article6a54edc6580feb522ba9a99c\/humboldt-uni-studentenparlament-fordert-israel-boykott-leitung-kuendigt-konsequenzen-an.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Boykott israelischer Universit\u00e4ten<\/a> aufgerufen. Im AStA \u2013 gew\u00e4hlt und kontrolliert vom Studierendenparlament \u2013 gingen Anh\u00e4nger extremistischer, gewaltbereiter und autorit\u00e4r missionierender Gruppen ein und aus, fasst Maria ihre Eindr\u00fccke zusammen. In der Folge \u201eziehen sich j\u00fcdische Studenten zur\u00fcck, meiden bestimmte Geb\u00e4ude, wechseln mitunter die Universit\u00e4t\u201c.<\/p>\n<p>Damit konfrontiert, erkl\u00e4rt AStA-Sprecherin Mila Danlowski, dass ihnen \u201ederartige konkrete Vorf\u00e4lle nicht bekannt\u201c seien. \u201eSollten sie sich so zugetragen haben, bedauern wir dies zutiefst.\u201c Den Vorwurf, dass in den AStA-B\u00fcros Demonstrationsmaterial oder entsprechende Propaganda gelagert werde, \u201eweisen wir entschieden zur\u00fcck\u201c. Danlowski erkl\u00e4rt: \u201eDie Bereitstellung unserer Infrastruktur ist stets an die strikte Einhaltung des Hausrechts der Universit\u00e4t sowie formaler Kriterien gekn\u00fcpft.\u201c <\/p>\n<p>Die R\u00e4ume des AStA w\u00fcrden von vielen unterschiedlichen studentischen Gruppen genutzt, was keine politische Unterst\u00fctzung oder inhaltliche Identifikation mit den Positionen der jeweiligen Gruppe darstelle. Grunds\u00e4tzlich m\u00f6chte der AStA anmerken, \u201edass Diskriminierung, Antisemitismus oder andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in den Strukturen der studentischen Selbstverwaltung keinen Platz haben, und wir entschieden gegen jeglichen Antisemitismus einstehen\u201c.<\/p>\n<p>Strafen von R\u00fcge bis Rauswurf gefordert<\/p>\n<p>Hamburgs fr\u00fcherer Antisemitismusbeauftragter Stefan Hensel kennt das Ausma\u00df jedoch zur Gen\u00fcge. Seiner Erfahrung nach ist die Gesellschaft auch an den <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article6a4baf45b2ab39bc4a323055\/antisemitismus-in-berlin-im-schlimmsten-fall-koennen-studenten-die-andere-zusammenschlagen-am-naechsten-tag-in-gleiche-uni.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article6a4baf45b2ab39bc4a323055\/antisemitismus-in-berlin-im-schlimmsten-fall-koennen-studenten-die-andere-zusammenschlagen-am-naechsten-tag-in-gleiche-uni.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hochschulen<\/a> auf einem hohen Niveau von Antisemitismus angekommen. \u201eDer Grund liegt darin, dass wir uns als Juden angepasst haben, nicht aufzufallen. Wenn alle den Davidstern tragen w\u00fcrden, was w\u00e4re dann hier los, auch an den Universit\u00e4ten?\u201c <\/p>\n<p>Hensel ist das Aufb\u00e4umen der Universit\u00e4t Hamburg gegen Antisemitismus unzureichend, ebenso vermisst er eine offene Kommunikation, wonach Juden willkommen seien. Er lobt das Kabinett in Bayern, das das Hochschulinnovationsgesetz mithilfe von Strafen f\u00fcr Studenten versch\u00e4rfen m\u00f6chte. Dies umfasst Ma\u00dfnahmen von der R\u00fcge bis zum Rauswurf und soll bei k\u00f6rperlichen Angriffen oder anderweitigen \u00dcbergriffen angewandt werden. \u201eDas ist ein klares Zeichen gegen Antisemitismus\u201c, sagt Hensel. Eine Universit\u00e4t m\u00fcsse nicht entpolitisiert, aber ein Ort f\u00fcr alle sein.<\/p>\n<p>Dass Hamburgs Senat bei antisemitischen Vorf\u00e4llen an Hochschulen \u201edeutlich hinter den Ma\u00dfnahmen anderer Bundesl\u00e4nder zur\u00fcckbleibt\u201c, kritisiert auch die Christdemokratin Anna von Treuenfels. Deshalb fordert die Politikerin Rot-Gr\u00fcn auf, einen verbindlichen Katalog zu erstellen, der \u00dcbergriffe erfasst, auswertet und Konsequenzen erm\u00f6glicht. \u201eHamburg braucht ein Hochschulordnungsrecht nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalens mit gestaffelten Sanktionen bis zur Exmatrikulation bei schweren antisemitischen Verst\u00f6\u00dfen\u201c, sagt Treuenfels. <\/p>\n<p>Ferner m\u00fcssten Hochschulen zum Schutz Betroffener Hausverbote, Veranstaltungsausschl\u00fcsse oder Kontaktverbote verh\u00e4ngen d\u00fcrfen. Laut Treuenfels ist Senatorin Blumenthal nun \u201eaufgerufen, den antisemitischen Vorf\u00e4llen an unseren Universit\u00e4ten endlich Einhalt zu gebieten. Denn wir wissen: Wegschauen und Relativieren f\u00f6rdern Antisemitismus.\u201c <\/p>\n<p>Die Sprecherin der Wissenschaftsbeh\u00f6rde verweist darauf, dass die Beh\u00f6rde fortlaufend m\u00f6glichen Anpassungsbedarf im Hochschulrecht pr\u00fcft. Dabei werden Erfahrungen aus der Anwendung des geltenden Rechts und Entwicklungen in anderen Bundesl\u00e4ndern ber\u00fccksichtigt. Bis zum Herbst planen Blumenthal und Hensels Nachfolgerin, die neue Antisemitismusbeauftragte Anna von Villiez, einen Austausch mit allen Hochschulpr\u00e4sidenten. Villiez sprach bei ihrem <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article6a5f99d12937e4865893ee53\/antisemitismus-ich-moechte-gestalten-nicht-nur-reagieren-hamburgs-neue-beauftragte-setzt-klare-ziele.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article6a5f99d12937e4865893ee53\/antisemitismus-ich-moechte-gestalten-nicht-nur-reagieren-hamburgs-neue-beauftragte-setzt-klare-ziele.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Amtsantritt<\/a> von einem \u201egrassierenden israelbezogenen Antisemitismus\u201c an den Hochschulen.<\/p>\n<p>Unterdessen \u00fcberzeugen die Einordnungen der Universit\u00e4tsleitung, der Wissenschaftsbeh\u00f6rde und des AStA die Studenten Mirjam, Jakob, Maria, Samuel und weitere nicht. So bezeichnet Samuel die an der Universit\u00e4t eingerichteten Anlaufstellen f\u00fcr bedrohte Studenten und Mitarbeiter als \u201ehandlungsunf\u00e4hig\u201c, auch ignoriere das Liegenschaftsmanagement unangemeldete antisemitische St\u00e4nde auf dem Campus. Die Leidtragenden seien die j\u00fcdischen Studenten. Samuel glaubt: \u201eSie haben keine Gerichte, die sie sch\u00fctzen, keinen Einfluss, keine Lobby.\u201c Und so bef\u00fcrchtet er, dass j\u00fcdische Studenten ihr gewohntes Studentenleben, ihren sorgenfreien Alltag am Campus nicht mehr zur\u00fcckbekommen. \u201eDeshalb nutzen sie\u201c, sagt Jakob, \u201ejetzt lieber den Hintereingang.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"An der Universit\u00e4t Hamburg w\u00e4chst ein Antisemitismus, den man sehen, h\u00f6ren und f\u00fchlen kann: Schmierereien, Parolen, Drohungen. 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