{"id":122855,"date":"2025-05-19T12:47:11","date_gmt":"2025-05-19T12:47:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/122855\/"},"modified":"2025-05-19T12:47:11","modified_gmt":"2025-05-19T12:47:11","slug":"eu-konjunktur-deutschlands-wirtschaft-tritt-auf-der-stelle-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/122855\/","title":{"rendered":"EU-Konjunktur: Deutschlands Wirtschaft tritt auf der Stelle &#8211; Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Man kann inzwischen kaum noch z\u00e4hlen, wie h\u00e4ufig die Europ\u00e4ische Kommission in den vergangenen Jahren solche Worte gew\u00e4hlt hat. Wie oft sie geschrieben hat, Europas Wirtschaft bleibe \u201erobust\u201c, aber die Aussichten seien h\u00f6chst unsicher. Wie viele Male die Kommission eine weitgehende Stagnation einkleidete in eine Sprache, die Besserung verspricht: Wenn wir uns anstrengen, dann w\u00e4chst auch der Wohlstand wieder. An diesem Montag hat sie das in ihrer Fr\u00fchjahrs-Konjunkturprognose erneut getan, wobei diesmal auch noch der Handelskonflikt mit den USA \u00fcber allem steht. Und damit ist die Vorhersage so unsicher wie seit der Pandemie nicht mehr.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Das gilt auch und vor allem f\u00fcr das exportorientierte Deutschland, die gr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft in der EU, von deren Wachstum das Wohl der gesamten Union abh\u00e4ngt. Zuerst die gute Nachricht: Deutschlands Wirtschaft d\u00fcrfte in diesem Jahr zum ersten Mal seit 2022 nicht mehr schrumpfen. Allerdings kommt sie auch nicht vom Fleck. Bis Ende des Jahres erwartet die Kommission ein Wachstum von genau null Prozent. Vor wenigen Monaten war sie noch von einem moderaten Plus von 0,7 Prozent ausgegangen. Erst 2026 d\u00fcrfte die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Konjunktur\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Konjunktur<\/a> wieder anziehen, mit einer erwarteten Wachstumsrate von 1,1 Prozent. Bis dahin bleibt das Bild getr\u00fcbt: Die Exporte brechen weg, Unternehmen investieren nach wie vor zu wenig, die Unsicherheit dominiert das Geschehen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Das hat vor allem mit dem Handelskonflikt zwischen der EU und den USA zu tun. US-Pr\u00e4sident Donald Trump \u00fcberzieht die Handelspartner der Vereinigten Staaten mit neuen Z\u00f6llen, hat auf Stahl- und Autoimporte aus der EU zus\u00e4tzliche 25 Prozent verh\u00e4ngt und belegt die Mehrheit aller Einfuhren aus Europa einstweilen mit einem zus\u00e4tzlichen Basiszoll von zehn Prozent. Weitere <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Z%C3%B6lle\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Z\u00f6lle<\/a> d\u00fcrften folgen, wie es ausgeht, ist nicht absehbar. Deutschland, der einstige Exportweltmeister, hat unter den EU-L\u00e4ndern in diesem Konflikt mit am meisten zu verlieren. Was fr\u00fcher als St\u00e4rke der deutschen Wirtschaft galt \u2013 die Versorgung der Welt mit Maschinen und Autos, mit Chemieprodukten und Medikamenten \u2013, ist heute ihre gr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che. Denn Investitionen und Konsum im Inland k\u00f6nnen den Verlust nicht auffangen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">\u00dcbersetzt in eine Vorhersage hei\u00dft das: Die deutschen Ausfuhren d\u00fcrften das dritte Jahr in Serie schrumpfen, um diesmal fast zwei Prozent. Grund daf\u00fcr ist zun\u00e4chst ein struktureller Verlust von Marktanteilen im Export nach China. Der geringere Absatz von Autos in der Volksrepublik steht exemplarisch f\u00fcr diesen Trend. Jetzt versch\u00e4rft der Zollstreit die Lage: \u201eDer US-Markt wird nicht l\u00e4nger als teilweiser Puffer dienen\u201c, um die rapide sinkenden China-Exporte auszugleichen, schreibt die Kommission. Was auch f\u00fcr den Rest der EU gilt: Insgesamt geht die Kommission von durchschnittlich 1,1 Prozent Wachstum in diesem Jahr aus \u2013 0,4 Prozentpunkte weniger als noch im Herbst erwartet. Vor allem kleinere und wirtschaftlich schw\u00e4chere Volkswirtschaften senken den Schnitt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">F\u00fcr die schwarz-rote <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Bundesregierung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundesregierung<\/a> h\u00e4ngt von der Kommissions-Prognose einiges ab. Denn anhand ihrer Zahlen berechnet die Br\u00fcsseler Beh\u00f6rde, wie sich Deutschlands Schuldenquote entwickeln wird, in ihre Annahmen flie\u00dft auch die Entwicklung des deutschen Haushaltsdefizits mit ein. Mit der Aussetzung der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Schuldenbremse\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schuldenbremse<\/a> und dem Sonderverm\u00f6gen von 500 Milliarden Euro hat die neue Regierung zwar Bewegungsfreiheit, um der Exportschw\u00e4che und den lahmenden privaten Ausgaben eine \u00f6ffentliche Investitionsoffensive entgegenzusetzen. Dabei zeichnet sich aber ein Konflikt mit den EU-Fiskalregeln ab, die Deutschland eigentlich dazu zwingen w\u00fcrden, in den kommenden Jahren seine Schuldenquote zu senken.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Stattdessen wird sie weiter steigen, laut Kommission auf ann\u00e4hernd 65 Prozent im kommenden Jahr \u2013 was sie noch ohne die deutschen Schuldenpl\u00e4ne berechnet hat. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis sagte dazu lediglich, die Beratungen mit Berlin \u00fcber Deutschlands <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Staatsfinanzen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Staatsfinanzen<\/a> beg\u00e4nnen gerade erst, und verwies auf eine vorl\u00e4ufige Modellrechnung der Kommission. Die l\u00e4sst hoffen: Sollte das Sonderverm\u00f6gen voll ausgesch\u00f6pft werden, k\u00f6nnte Deutschlands Wachstumsrate bis Ende der Legislaturperiode 2029 um 1,25 h\u00f6her liegen und bis 2035 sogar um 2,5 Prozent. Das gelte allerdings nur, wenn das Geld auch konsequent f\u00fcr produktive Investitionen eingesetzt w\u00fcrde. Unter der Annahme, dass ein Teil des Geldes in h\u00f6heren Staatskonsum flie\u00dft, also etwa in der \u00f6ffentlichen Verwaltung verschwindet, w\u00e4ren die Effekte viel geringer.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Im optimistischen Szenario bliebe den Berechnungen zufolge auch die Schuldenquote beherrschbar, schreibt die Kommission, die schon lange h\u00f6here Staatsausgaben von Deutschland gefordert hat. Und auch der Rest Europas w\u00fcrde profitieren, wenn Deutschlands Wirtschaft wieder auf die Beine kommt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und sein Vize Lars Klingbeil (SPD), der sich auch als \u201eInvestitionsminister\u201c versteht, sollten die frischen Milliarden in den kommenden Jahren demnach dorthin lenken, wo sie tats\u00e4chlich das Wachstum f\u00f6rdern. Und das, w\u00e4hrend die Auswirkungen des Zollkonflikts noch kaum zu berechnen sind. Aber dass es einfach w\u00fcrde, hat ja nie jemand behauptet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Man kann inzwischen kaum noch z\u00e4hlen, wie h\u00e4ufig die Europ\u00e4ische Kommission in den vergangenen Jahren solche Worte gew\u00e4hlt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":122856,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,1173,548,942,663,158,3934,3935,945,13,10268,46373,46374,148,14,15,12,5915,46375,149,55,381,211],"class_list":{"0":"post-122855","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-bundesregierung","11":"tag-eu","12":"tag-eu-kommission","13":"tag-europa","14":"tag-europaeische-union","15":"tag-europe","16":"tag-european-union","17":"tag-handelskrieg","18":"tag-headlines","19":"tag-konjunktur","20":"tag-konjunktur-in-deutschland","21":"tag-konjunkturentwicklung","22":"tag-leserdiskussion","23":"tag-nachrichten","24":"tag-news","25":"tag-schlagzeilen","26":"tag-schuldenbremse","27":"tag-staatsfinanzen","28":"tag-sueddeutsche-zeitung","29":"tag-wirtschaft","30":"tag-wirtschaftspolitik","31":"tag-zoelle"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114534576639242814","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122855","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=122855"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122855\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/122856"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=122855"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=122855"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=122855"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}