{"id":1229442,"date":"2026-08-11T08:43:16","date_gmt":"2026-08-11T08:43:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1229442\/"},"modified":"2026-08-11T08:43:16","modified_gmt":"2026-08-11T08:43:16","slug":"krieg-in-der-ukraine-warum-die-usa-wieder-vermitteln-sollten-aussen-und-sicherheitspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1229442\/","title":{"rendered":"Krieg in der Ukraine: Warum die USA wieder vermitteln sollten \u2013 Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik"},"content":{"rendered":"<p>US-Pr\u00e4sident Trump konzentriert sich derzeit auf den Iran und verpasst deshalb vielleicht die g\u00fcnstige Gelegenheit, im Krieg zwischen Russland und der Ukraine als Friedensstifter aufzutreten. Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj haben in den vergangenen Monaten deutlich ihren Wunsch signalisiert, dass die Vereinigten Staaten sich wieder aktiv engagieren und intensive Verhandlungen \u00fcber die Beendigung der K\u00e4mpfe herbeif\u00fchren. Sie werden allerdings nicht ewig warten.<\/p>\n<p>Putin \u00e4u\u00dfert sich zwar weiterhin wohlwollend \u00fcber Trump. Doch einige hochrangige Regierungsvertreter und prominente Kommentatoren betonen, dass die USA die Kriegsanstrengungen der Ukraine unterst\u00fctzen, und bezweifeln, dass der US-Pr\u00e4sident glaubw\u00fcrdig und wirkungsvoll vermitteln kann. Die Ukraine stimmt ihre Verhandlungstaktik nach wie vor eng mit den Europ\u00e4ern ab. Manchen in Kiew w\u00e4re es jedoch lieber, wenn sie sich direkter beteiligen w\u00fcrden. Das w\u00fcrde allerdings die Kluft zu Moskau vertiefen und die Aussichten auf Frieden verringern.<\/p>\n<p class=\"isselectedend\">Es gibt zwei Gr\u00fcnde, warum die USA sich unverz\u00fcglich wieder st\u00e4rker einschalten sollten.<\/p>\n<p>Erstens ist der Konflikt in eine gef\u00e4hrliche Eskalationsspirale geraten. Die Ukraine verst\u00e4rkt ihre Angriffe auf Ziele, die immer tiefer im russischen Hinterland liegen, darunter Energieinfrastruktur und milit\u00e4rische Einrichtungen. Momentan schneidet sie nach und nach die Halbinsel Krim vom russischen Festland ab. Zum ersten Mal bekommt auch die weit von der Front entfernte Bev\u00f6lkerung Russlands die Auswirkungen des Krieges unmittelbar zu sp\u00fcren. Der Kreml mahnt zwar zur Ruhe, ist aber sichtlich besorgt, die Angriffe aus Kiew k\u00f6nnten die russische Gesellschaft demoralisieren.<\/p>\n<p>Parallel k\u00fcndigt Russland immer h\u00e4rtere Vergeltungsma\u00dfnahmen f\u00fcr die vom Kreml als Terroranschl\u00e4ge angeprangerten Angriffe an. Und diesen Ank\u00fcndigungen l\u00e4sst Russland Taten folgen. Es verst\u00e4rkt rapide seine Luftangriffe auf ukrainische St\u00e4dte und lebenswichtige Infrastruktur und nutzt dabei aus, dass die Ukraine \u00fcber immer weniger Abfangraketen verf\u00fcgt \u2013 mit verheerender Wirkung. Die Zerst\u00f6rung greift immer weiter um sich und die Zahl der zivilen Opfer steigt. Gleichzeitig versucht die Ukraine fieberhaft, sich auf den von ihr bef\u00fcrchteten bitterkalten Winter vorzubereiten.<\/p>\n<blockquote>\n<p>In Europa w\u00e4chst unterdessen die Sorge vor einer Ausweitung des Krieges.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In Europa w\u00e4chst unterdessen die Sorge vor einer Ausweitung des Krieges: Ukrainische Drohnen und russische Raketen dringen \u2013 ob gewollt oder nicht \u2013 in den Luftraum von NATO-Mitgliedstaaten ein, und der Kreml droht, gegen die europ\u00e4ischen Unterst\u00fctzer der Ukraine vorzugehen. Moskau verurteilt, dass Europa sich aus seiner Sicht militarisiert und f\u00fcr einen Krieg r\u00fcstet. Dem halten die europ\u00e4ischen Regierungen entgegen, die russische Aggression und Bedrohung der europ\u00e4ischen Sicherheit zwinge sie zu diesem Vorgehen.<\/p>\n<p class=\"pdq2pgselectionanchorcontainer\">Die heutige Situation l\u00e4sst sich zwar nicht unmittelbar mit dem Sommer 1914 gleichsetzen. Doch Barbara Tuchmans August 1914 ist eine eindringliche Warnung vor dem Abrutschen in einen Weltkonflikt, der am Ende katastrophale Ausma\u00dfe annehmen w\u00fcrde, aber noch verhindert werden kann.<\/p>\n<p>Zweitens ist \u2013 auch wenn es vielleicht \u00fcberraschend klingt \u2013 die Zeit reif f\u00fcr eine L\u00f6sung. Beide Seiten m\u00fcssen den Krieg so schnell wie m\u00f6glich beenden. Kiew gehen die Soldaten aus, und es wird immer schwieriger, M\u00e4nner f\u00fcr die Front zu mobilisieren. Je l\u00e4nger der Krieg andauert, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die Millionen ins Ausland geflohenen Ukrainer zur\u00fcckkehren. Solange der Konflikt andauert, steigen die Kosten f\u00fcr den Wiederaufbau weiter, die sich schon jetzt auf dreistellige Milliardenbetr\u00e4ge summieren.<\/p>\n<p>Auch Russland hat mit einer demografischen Krise zu k\u00e4mpfen und immer gr\u00f6\u00dfere M\u00fche, gen\u00fcgend Soldaten f\u00fcr die Front aufzubringen. Die wirtschaftlichen Kosten steigen rapide und treten immer deutlicher zutage, w\u00e4hrend die Wirtschaft stagniert. Russland hat es vers\u00e4umt, in Spitzentechnologien wie k\u00fcnstliche Intelligenz zu investieren, und f\u00e4llt deshalb immer weiter hinter die Vereinigten Staaten und China zur\u00fcck \u2013 die beiden L\u00e4nder, an denen es seinen Rang als Gro\u00dfmacht misst.<\/p>\n<p>Mit jedem weiteren Kriegstag verd\u00fcstern sich die Zukunftsperspektiven. W\u00fcrde der Krieg jedoch heute enden, k\u00f6nnte jede Seite den Sieg f\u00fcr sich beanspruchen. Selenskyj k\u00f6nnte mit Recht geltend machen, er habe das bewahrt, was f\u00fcr die ukrainische Bev\u00f6lkerung den h\u00f6chsten Stellenwert hat: ihre Unabh\u00e4ngigkeit, ihre Souver\u00e4nit\u00e4t und ihre europ\u00e4ischen Ambitionen. Putin k\u00f6nnte als russischen Erfolg feiern, dass der Versuch des Westens, Russland strategisch in die Knie zu zwingen, vereitelt wurde und man Millionen Russen in der Ostukraine von einem Regime in Kiew \u201ebefreit\u201c habe, das er als Neonazi-Regime bezeichnet.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Mit jedem weiteren Kriegstag verd\u00fcstern sich die Zukunftsperspektiven.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>M\u00f6glicherweise glauben beide Seiten, sie k\u00f6nnten ihre Verhandlungsposition dadurch verbessern, dass sie weiterk\u00e4mpfen. Doch der Krieg kommt sie so teuer zu stehen, dass sie politisch immer weniger Spielraum haben, ihre Maximalziele zu verfolgen, und eine Verhandlungsl\u00f6sung immer attraktiver wird.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund braucht es dringend intensive Verhandlungen, um die Gunst der Stunde zu nutzen und den Konflikt zu beenden. Nur die USA haben den Zugang, den Einfluss und das politische Gewicht, die n\u00f6tig sind, um bei umfassenden diplomatischen Bem\u00fchungen die f\u00fchrende Rolle zu \u00fcbernehmen. Nur Washington kann sowohl mit Moskau und Kiew als auch bei Bedarf mit den wichtigsten europ\u00e4ischen Regierungen verhandeln. Allein sind Russland und die Ukraine dazu nicht in der Lage \u2013 deshalb liegt ihnen daran, dass sich Washington wieder aktiv einschaltet. Russland wird kein europ\u00e4isches Land als ernst zu nehmenden Gespr\u00e4chspartner akzeptieren, weil es Europa eine tief verankerte Russlandfeindlichkeit unterstellt.<\/p>\n<p>Eine enge Abstimmung mit den europ\u00e4ischen Regierungen wird mit Sicherheit unverzichtbar sein, weil deren milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung und wirtschaftliche Ressourcen f\u00fcr eine dauerhafte Friedensregelung ebenso entscheidend sind wie ihre Sanktionspolitik und ihr langfristiges Bekenntnis zur Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine. Doch die f\u00fchrende Rolle bei den diplomatischen Bem\u00fchungen sollte Washington \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Trump sollte seine beiden Unterh\u00e4ndler Steve Witkoff und Jared Kushner unverz\u00fcglich nach Kiew entsenden und damit f\u00fcr alle sichtbar den Dialog mit der ukrainischen Seite wiederaufnehmen. Anschlie\u00dfend m\u00fcssten sie zu Gespr\u00e4chen mit Putin nach Moskau reisen. Ein Durchbruch ist dabei nicht zu erwarten \u2013 vielmehr geht es darum, die Grundlage f\u00fcr eine intensive Phase der Pendeldiplomatie zu schaffen und die tiefen Gr\u00e4ben zwischen beiden Seiten zu \u00fcberbr\u00fccken. Angesichts ihrer weiteren Aufgaben sollte Trump Witkoff und Kushner weitere Fachleute zur Seite stellen, damit die Verhandlungen Fahrt aufnehmen.<\/p>\n<p>Der Erfolg ist nicht gesichert und wird sich auch nicht so schnell einstellen, wie Trump es gerne h\u00e4tte. Doch es gibt jetzt eine reale Chance \u2013 vielleicht aber nicht mehr lange. Wenn Washington ausloten will, ob sich dieser Krieg beenden l\u00e4sst, sollte es jetzt handeln, bevor sich durch eine Eskalation das diplomatische Zeitfenster wieder schlie\u00dft, das sich aufgrund der Ersch\u00f6pfung beider Seiten gerade erst zu \u00f6ffnen beginnt.<\/p>\n<p>Dieser Artikel erschien zuerst in der <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2026\/08\/03\/opinion\/international-world\/trump-ukraine-russia-war.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">New York Times<\/a>.<\/p>\n<p>Aus dem Englischen von Christine Hardung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"US-Pr\u00e4sident Trump konzentriert sich derzeit auf den Iran und verpasst deshalb vielleicht die g\u00fcnstige Gelegenheit, im Krieg zwischen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1229443,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[4012],"tags":[331,332,15578,13,4046,14,15,307,12,317],"class_list":["post-1229442","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-ukraine","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-frieden","tag-headlines","tag-krieg","tag-nachrichten","tag-news","tag-russland","tag-schlagzeilen","tag-ukraine"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117075994630745627","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1229442","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1229442"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1229442\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1229443"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1229442"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1229442"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1229442"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}