{"id":1229533,"date":"2026-08-11T09:42:13","date_gmt":"2026-08-11T09:42:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1229533\/"},"modified":"2026-08-11T09:42:13","modified_gmt":"2026-08-11T09:42:13","slug":"nierenerkrankung-welche-warnsignale-sie-kennen-sollten-und-wer-besonders-gefaehrdet-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1229533\/","title":{"rendered":"Nierenerkrankung: Welche Warnsignale Sie kennen sollten \u2013 und wer besonders gef\u00e4hrdet ist"},"content":{"rendered":"<p>Die Nieren verlieren ihre Funktion meist schleichend und lange ohne Beschwerden. Experten erkl\u00e4ren, welche Warnsignale Sie kennen sollten \u2013 und wer besonders gef\u00e4hrdet ist.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Nierenkrankheiten k\u00f6nnen schlimme Folgen haben\u00a0\u2013 und beginnen zun\u00e4chst t\u00fcckisch: Denn wenn das Organ, das das Blut reinigen und Harn produzieren soll, allm\u00e4hlich seine Funktion verliert, sp\u00fcren Betroffene davon lange Zeit nichts. Gr\u00f6\u00dftenteils zeigen sich Symptome wie \u00dcbelkeit, Appetitmangel oder Herz-Kreislauf-Probleme erst dann, wenn das Organ schon stark gesch\u00e4digt ist. <\/p>\n<p>So kann eine lebenslange Dialyse oder eine neue Niere erforderlich werden: Bundesweit sind 100.000 Menschen auf eine regelm\u00e4\u00dfige Blutw\u00e4sche angewiesen, weitere 20.000 leben mit einer Spenderniere.<\/p>\n<p>Aber so weit muss es nicht immer kommen. Zwar sind Sch\u00e4tzungen zufolge grob zehn Prozent der Erwachsenen in Deutschland von einer chronischen Nierenkrankheit betroffen\u00a0\u2013 Tendenz steigend. Inzwischen k\u00f6nnen jedoch verschiedene neue Therapien h\u00e4ufig das Fortschreiten von Nierensch\u00e4den bremsen oder gar deutlich verz\u00f6gern.<\/p>\n<p>Voraussetzung daf\u00fcr ist jedoch, dass die Erkrankung \u00fcberhaupt erkannt wird. Und genau hier liegt das Problem, wie eine bundesweite Studie zeigt. Demnach sind Nierenprobleme zwar in der Bev\u00f6lkerung verbreitet, die weitaus meisten Betroffenen ahnen aber nichts von dem Problem. Und viele Haus\u00e4rzte scheinen wenig darauf zu achten.<\/p>\n<p>\u201eEine chronische Nierenkrankheit ist h\u00e4ufig, verl\u00e4uft lange symptomlos und wird deshalb noch immer viel zu sp\u00e4t erkannt\u201c, sagt Sylvia Stracke von der Universit\u00e4tsmedizin Greifswald, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Nephrologie (DGfN). \u201eBetroffene f\u00fchlen sich h\u00e4ufig v\u00f6llig gesund, obwohl bereits ein erheblicher Funktionsverlust besteht.\u201c<\/p>\n<p>In der <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/nako.de\/studie\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/nako.de\/studie\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">NAKO-Studie<\/a> wertete ein Team um Anna K\u00f6ttgen und Peggy Sekula vom Institut f\u00fcr Epidemiologie und Pr\u00e4vention am Universit\u00e4tsklinikum Freiburg Blutproben von 195.000 Erwachsenen aus \u2013 sowie Urinproben von 35.000 dieser Teilnehmer. Das mittlere Alter lag bei 50 Jahren. Unter Einbeziehung der besonders aussagekr\u00e4ftigen Harnuntersuchungen hatte gut jeder Sechste (18,4 Prozent) auff\u00e4llige Werte, die auf eine Nierenerkrankung hindeuten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Viele Betroffene ahnen nichts<\/p>\n<p>Nur f\u00fcnf Prozent dieser Menschen gaben jedoch an, eine entsprechende Diagnose erhalten zu haben\u00a0\u2013 die weitaus meisten ahnten davon also nichts, wie das Team j\u00fcngst im <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.aerztezeitung.de\/Medizin\/Viele-Nierenerkrankungen-bleiben-lange-unentdeckt-463528.html\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.aerztezeitung.de\/Medizin\/Viele-Nierenerkrankungen-bleiben-lange-unentdeckt-463528.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">\u201eDeutschen \u00c4rzteblatt International\u201c<\/a> berichtete.<\/p>\n<p>\u201eWir haben m\u00f6glicherweise eine hohe Pr\u00e4valenz undiagnostizierter Nierenerkrankungen\u201c, sagt Studienleiterin K\u00f6ttgen. \u201eDas kann zum Beispiel auf eine mangelhafte Kommunikation zwischen \u00c4rzten und Patienten hindeuten.\u201c<\/p>\n<p>Allerdings flossen in die Analysen nur einmalige Messungen ein\u00a0\u2013 f\u00fcr eine Diagnose reicht das nicht aus. Um eine chronische Nierenkrankheit (CKD) zu diagnostizieren, m\u00fcssen die Werte \u00fcber mindestens drei Monate hinweg auff\u00e4llig sein. Doch fr\u00fchere Studien zeigen, dass eine weitere Messung nach drei Monaten die Werte in vielen F\u00e4llen best\u00e4tigt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Hinzu kommt: Angesichts der demografischen Entwicklung \u2013 des steigenden Anteils \u00e4lterer Menschen in der Bev\u00f6lkerung \u2013 werde eine fr\u00fchzeitige Diagnose von Nierenerkrankungen immer wichtiger, betont K\u00f6ttgen. Und: Eine sp\u00e4tere Abh\u00e4ngigkeit von Dialyse oder einem Spenderorgan ist nicht nur f\u00fcr die Betroffenen und ihre Angeh\u00f6rigen \u00fcberaus belastend\u00a0\u2013 sie ist auch aus gesundheits\u00f6konomischer Sicht sehr teuer.<\/p>\n<p>So hat die Versorgung von CKD-Patienten in Deutschland im Jahr 2020 Gesundheitskosten in H\u00f6he von mehr als 24 Milliarden Euro verursacht, wie DGfN-Generalsekret\u00e4rin Nicole Helmbold k\u00fcrzlich im \u201eTagesspiegel\u201c schrieb. Das entsprach demnach rund f\u00fcnf Prozent der Gesamtausgaben.<\/p>\n<p>Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sch\u00e4tzte bereits vor einem Jahr, dass weltweit fast 700 Millionen Menschen an einer chronischen Nierenkrankheit leiden. Bundesweit sch\u00e4tzt Epidemiologin K\u00f6ttgen die Zahl auf etwa 8 Millionen Menschen. \u201eIhre Pr\u00e4valenz steigt stark und sie z\u00e4hlt inzwischen zu den zehn h\u00e4ufigsten Todesursachen\u201c, schreibt ihr Team im \u201e\u00c4rzteblatt\u201c und erg\u00e4nzt: \u201eMit einer weiteren Zunahme von CKD als Todesursache ist zu rechnen.\u201c<\/p>\n<p>Kreatinin als Warnsignal<\/p>\n<p>Bekannt sei, dass ein gro\u00dfer Teil der Betroffenen keine formale Diagnose erhalte, hei\u00dft es weiter. Das sei umso bedenklicher, als neue Therapien ein Fortschreiten von Nierensch\u00e4den oft vermeiden k\u00f6nnten. \u201eVor diesem Hintergrund wird die fr\u00fchzeitige Diagnose von CKD immer wichtiger, damit Betroffene vom therapeutischen Potenzial moderner Behandlungsstrategien profitieren k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Die Niere ist ein Hochleistungsorgan: Sie produziert bei einem gesunden Menschen t\u00e4glich rund 180 Liter Prim\u00e4rharn, wie die Greifswalder Nephrologin Stracke erl\u00e4utert. Davon nimmt der K\u00f6rper 178 Liter wieder auf. \u201eDas ist eine enorme Leistung\u201c, sagt Stracke.<\/p>\n<p>In der NAKO-Studie bestimmte das Team bei 195.000 Menschen im Alter von 19 bis 74 Jahren den Kreatininwert im Blut. Dieses Stoffwechselprodukt wird normalerweise \u00fcber die Nieren ausgeschieden. Aus diesem Wert l\u00e4sst sich \u2013 in Verbindung mit Alter und Geschlecht \u2013 die sogenannte gesch\u00e4tzte glomerul\u00e4re Filtrationsrate (eGFR) berechnen, ein wichtiger Wert zur Beurteilung der Nierenfunktion.<\/p>\n<p>Zudem wurde bei 35.000 Teilnehmern der Albuminwert im Harn gemessen. Albumin ist ein Eiwei\u00df, das sich normalerweise nur in sehr geringen Mengen im Urin findet. Anhand von Kreatinin im Blut und Albumin im Urin kann eine chronische Nierenkrankheit diagnostiziert werden, sofern die Werte \u00fcber mindestens drei Monate auff\u00e4llig sind.<\/p>\n<p>Zwar b\u00fc\u00dft die Niere auch im Alter an Funktion ein\u00a0\u2013 jedoch nur ganz allm\u00e4hlich. Bei Menschen etwa mit Diabetes und Bluthochdruck ist dieser Schwund deutlich beschleunigt. Auch Rauchen, \u00dcbergewicht, Herzkrankheiten, etliche Medikamente und eine genetische Pr\u00e4disposition erh\u00f6hen das Risiko f\u00fcr eine chronische Nierenkrankheit.<\/p>\n<p>Haus\u00e4rzte veranlassen zwar mitunter den kosteng\u00fcnstigen Bluttest, den teureren Urintest dagegen eher nicht. \u201eWenn diese Werte nicht bestimmt werden, k\u00f6nnen Betroffene ihre Erkrankung gar nicht kennen\u201c, sagt Stracke. Die Studie deute auf eine L\u00fccke in der Fr\u00fcherkennung hin.<\/p>\n<p>Aber wann sollten \u00c4rzte ihre Patienten darauf untersuchen? Vor allem Risikogruppen sollten regelm\u00e4\u00dfig gescreent werden, sagt Stracke. Dazu z\u00e4hlen Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck, Adipositas, Gef\u00e4\u00dferkrankungen sowie \u00e4ltere Menschen.<\/p>\n<p>Das sei inzwischen umso wichtiger, als neue Therapien den Verlust der Nierenfunktion bremsen k\u00f6nnten. Die Expertin verweist auf RAAS-Hemmer (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System-Hemmstoffe), SGLT2-Hemmer, die ein Transport-Eiwei\u00df in der Niere blockieren, oder GLP-1-Rezeptoragonisten, die etwa den Blutzucker senken und beim Abnehmen helfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch DGfN-Generalsekret\u00e4rin Helmbold fordert eine bessere Fr\u00fcherkennung von Nierenkrankheiten, zumal diese vergleichsweise einfach sei: \u201eZwei etablierte und kosteng\u00fcnstige Untersuchungen \u2013 die Bestimmung der gesch\u00e4tzten glomerul\u00e4ren Filtrationsrate (eGFR) im Blut sowie der Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) im Harn \u2013 erm\u00f6glichen eine fr\u00fche Diagnose mit hoher Aussagekraft\u201c, schrieb sie k\u00fcrzlich. Internationale Leitlinien empfehlen deshalb seit Jahren ein risikobasiertes Screening. \u201ePr\u00e4vention kostet Geld\u201c, betonte sie. \u201eUnterlassene Pr\u00e4vention ist jedoch deutlich teurer.\u201c<\/p>\n<p>Walter Willems, dpa\/lkl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Nieren verlieren ihre Funktion meist schleichend und lange ohne Beschwerden. 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