{"id":1230179,"date":"2026-08-11T16:56:13","date_gmt":"2026-08-11T16:56:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1230179\/"},"modified":"2026-08-11T16:56:13","modified_gmt":"2026-08-11T16:56:13","slug":"das-geschaeft-mit-den-wunschbabys-aus-den-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1230179\/","title":{"rendered":"Das Gesch\u00e4ft mit den Wunschbabys aus den USA"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> Als Mitte Juli bekannt wurde, dass <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/jens-spahn\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jens Spahn<\/a> und sein Ehemann Daniel Funke mithilfe einer amerikanischen Leihmutter Eltern eines Kindes geworden sind, <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/politik\/deutschland\/debatte-um-leihmutterschaft-nach-spahn-rueckzug-neu-entfacht_aid-151828291\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">entbrannte eine heftige \u00f6ffentliche Debatte.<\/a> Spahn, der als Gesundheitsminister und Fraktionschef der Union im <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/bundestag\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bundestag<\/a> lange zu den einflussreichsten Politikern der <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/cdu\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">CDU<\/a> z\u00e4hlte, hatte die Familiengr\u00fcndung zun\u00e4chst bewusst diskret gehalten, zeigte sich dann aber bei Instagram als stolzer Papa. Die Reaktionen reichten von Verst\u00e4ndnis bis zu scharfer Kritik \u2013 nicht zuletzt, weil Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und Spahn als Unionspolitiker einer Partei angeh\u00f6rt, die sich traditionell einem konservativen Familienbild verpflichtet sieht. Mehr noch: Spahn hatte in der Vergangenheit selbst dagegen votiert, Leihmutterschaft in Deutschland zu erlauben. Am Ende trat er zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bef\u00fcrworter verteidigen die pers\u00f6nliche Entscheidung des Paares: Gleichgeschlechtliche M\u00e4nnerpaare seien in Deutschland schlicht ohne eine solche M\u00f6glichkeit, biologisch eigene Kinder zu bekommen. Kritiker hingegen sahen in dem Fall ein grunds\u00e4tzliches Problem: Ein wohlhabender Politiker umgehe im Ausland Gesetze, die f\u00fcr alle anderen Deutschen gelten \u2013 und setze damit ein zweifelhaftes Signal. Feministinnen und Bioethikerinnen nutzten den Aufruhr, um auf die strukturellen Risiken f\u00fcr Leihm\u00fctter hinzuweisen. In den <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/usa\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">USA<\/a> wurde ein solcher Fall nun nach einer Berichterstattung des \u201eWall Street Journal\u201c \u00f6ffentlich diskutiert.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der rechtliche Kontrast zwischen Deutschland und den USA k\u00f6nnte in dieser Frage kaum gr\u00f6\u00dfer sein. Hierzulande ist Leihmutterschaft nach dem Embryonenschutzgesetz von 1990 sowie dem Adoptionsvermittlungsgesetz ausdr\u00fccklich verboten und unter Strafe gestellt \u2013 sowohl die Vermittlung als auch die medizinische Durchf\u00fchrung. In den Vereinigten Staaten hingegen \u2013 vor allem in Bundesstaaten wie <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/kalifornien\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kalifornien<\/a> \u2013 sind Leihmutterschaftsvertr\u00e4ge rechtlich anerkannt, und die Wunscheltern k\u00f6nnen bereits vor der Geburt als rechtliche Eltern eingetragen werden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dass dort dennoch lange nicht alles komplikationslos l\u00e4uft, zeigt der vom \u201eWall Street Journal\u201c recherchierte Fall: Beim dritten Mal lief die Schwangerschaft der jungen Mutter Nia nicht nach Plan. Schwere Komplikationen zwangen die \u00c4rzte, der Texanerin bei der Geburt die Eileiter und Geb\u00e4rmutter zu entfernen. Die Wunscheltern aus der Hauptstadt <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/washington\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Washington<\/a> erhielten das Kind, w\u00e4hrend sie kein eigenes mehr bekommen kann. Schlimmer noch: Die Leihmutter blieb auf mehr als 180.000 Dollar an Arzt- und Krankenhausrechnungen sitzen. Hinzu kamen nicht beglichene Verg\u00fctungen in H\u00f6he von knapp 44.800 Dollar, darunter Geld f\u00fcr den Verlust ihrer Fortpflanzungsorgane.<\/p>\n<p>Rund 11.000 Leihmutterschaften liefen in den USA 2025 nicht nach Plan      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nia half am Ende auch ein fingerdicker Vertrag nicht. Damit hatte sie die Leihmutterschaft f\u00fcr einen Filmemacher und einen Rechtsanwalt abgeschlossen. Das schwule Paar erwies sich als zahlungsunf\u00e4hig. Die Agentur hatte es vers\u00e4umt, den finanziellen Hintergrund zu pr\u00fcfen. Sonst h\u00e4tte sie gewusst, dass die 95.000 Dollar f\u00fcr das Treuhandkonto zum guten Teil nur geliehen waren und es um die Zahlungsmoral der beiden schlecht bestellt war.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Texanerin verklagte die kalifornische Agentur, die eine Provision eingestrichen hatte und nach der Problemgeburt abtauchte. Einer von vielen F\u00e4llen der rund 11.000 Leihmutterschaften, die im vergangenen Jahr in den USA nicht nach Wunsch verliefen. Die betroffenen Frauen zahlen so den Preis f\u00fcr ein boomendes Gesch\u00e4ft. Nach einer Erhebung von Global Market Insights machte der Markt f\u00fcr \u201eSurrogates\u201c \u2013 so werden Frauen genannt, die f\u00fcr andere Kinder austragen \u2013 in den USA 2024 mehr als f\u00fcnf Milliarden Dollar aus, Tendenz steigend.<\/p>\n<p>Wie das Gesch\u00e4ft mit Leihmutterschaften funktioniert      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Weg zum Wunschbaby folgt in den USA einem festen Muster. Agenturen legen zahlenden Kunden Dutzende Profile von Eizellspenderinnen und austragenden Frauen zur Auswahl vor. Kanzleien setzen die Vertr\u00e4ge auf. Kliniken pflanzen den Leihm\u00fcttern die Embryonen ein.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das Gesamtpaket kann bis zu 200.000 Dollar kosten. Agenturen streichen pro Leihmutterschaft im Schnitt 40.000 bis 50.000 Dollar ein, unabh\u00e4ngig von den Zahlungen an die Frauen. Diese Provision flie\u00dft oft schon, sobald sich die Leihmutter auf ein Paar festgelegt hat, nicht erst nach einer erfolgreichen Geburt. Die Frauen, die das Kind austragen, erhalten zwischen 45.000 und 80.000 Dollar, ausgezahlt in Raten \u00fcber die Schwangerschaft. Daf\u00fcr hinterlegen die Auftraggeber einen Teil des Geldes vorab auf einem Treuhandkonto.<\/p>\n<p>Kein einheitlicher Rechtsrahmen in den USA      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ein Branchenverband z\u00e4hlt in den USA mindestens 155 Agenturen, eine Marktforscherin sch\u00e4tzt bis zu 1100. Harte Zahlen fehlen aber, weil es keine Registrierungspflicht gibt. Statt eines nationalen Gesetzes gibt es ein Wildwest an Bestimmungen. 31 Bundesstaaten haben Regeln f\u00fcr Vermittler von Leihm\u00fcttern, die oft gro\u00dfe L\u00fccken aufweisen. Viele weitere Staaten haben gar keine. Verboten ist das Gesch\u00e4ft mit den Wunschbabys nur in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/louisiana\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Louisiana<\/a>.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Kalifornien hat sich zum Zentrum der Reproduktionsbranche entwickelt, weil dort Gerichte bereits seit den 90er-Jahren die Rechte von Wunscheltern weitreichend anerkannten. Egal, ob sie verheiratet, alleinstehend, hetero- oder homosexuell sind. Solange die Beteiligten die formalen Voraussetzungen erf\u00fcllen, h\u00e4lt sich der Staat zur\u00fcck. Meist steht dort schon vor der Geburt fest, dass die Auftraggeber als Eltern auf die Geburtsurkunde kommen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auch in vielen anderen Staaten muss die Leihmutter das Kind nicht f\u00f6rmlich abgeben, sondern ist von Anfang an per Definition keine Sorgeberechtigte. Anders liegt der Fall, wenn die Frau ihre eigene Eizelle befruchten l\u00e4sst. Dann kann sie Rechte an dem Baby einklagen. Die meisten Leihmutterschaften sind heute aber solche, bei denen auch die Eizelle von einer Spenderin stammt. Das Fehlen eines einheitlichen Rechtsrahmens hat die USA international zu einem Magneten f\u00fcr Kunden gemacht, die \u2013 wie der deutsche Politiker Spahn und sein Ehemann \u2013 im eigenen Land ihren Kinderwunsch nicht erf\u00fcllen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">W\u00e4hrend viele L\u00e4nder das Gesch\u00e4ft mit der Leihmutterschaft verbieten, lassen die USA gen\u00fcgend Spielraum, unter dem Deckmantel der \u201ereproduktiven Freiheit\u201c den K\u00f6rper zu kommerzialisieren. Wobei das Austragen und Geb\u00e4ren von Kindern nur ein Aspekt ist. Auch die Auswahl der Gene wird zur Ware. Agenturen werben um junge Frauen, die besonders sch\u00f6n, sportlich oder erfolgreich sind. Daf\u00fcr bieten sie ein paar Tausend Dollar und mehr. Ein Uni-Abschluss von Harvard oder Yale treibt den Preis. Kliniken verkaufen die Vorauswahl der Embryonen und genetische Tests vor der Einpflanzung.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Selbst die \u00dcbergabe des Kindes kann zum Gesch\u00e4ft werden. Firmen wie Babycoming bieten an, Neugeborene mit einer Vollmacht aus der Klinik zu holen und zu den Auftraggebern zu bringen. Das weitgehend unregulierte Gesch\u00e4ft rund um das Wunschbaby hat in den USA so viel Potenzial, dass es private Investoren auf den Plan ruft. Sie kaufen Kliniken, Agenturen und Servicefirmen und schn\u00fcren sie zu Ketten zusammen. Der New Yorker Private-Equity-Fonds Cortec etwa b\u00fcndelte seit 2022 drei f\u00fchrende Agenturen zu Northstar Fertility Partners. Der Anbieter Kindbody, gest\u00fctzt von Wagniskapitalgebern, betreibt 27 Standorte. Auch internationale Investoren mischen mit, etwa die in der chinesischen Provinz Sichuan ans\u00e4ssige Jinxin Fertility Group.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auf der Strecke bleiben Frauen wie Nia. F\u00fcr sie hat sich das Gesch\u00e4ft mit der Leihmutterschaft nicht gelohnt. Der Richter in Kalifornien befand, die Agentur habe mit ihrem Vertrag den K\u00f6rper der Frau f\u00fcr ein \u201eprofitables Unternehmen\u201c genutzt. Die Risiken, die Nia trug, st\u00fcnden in keinem Verh\u00e4ltnis zu denen der Agentur. Der Richter sprach der texanischen Leihmutter in seinem Urteil 20.000 Dollar zu. Bei Weitem nicht genug f\u00fcr ihre Arztrechnungen. Die H\u00e4lfte davon schuldet sie schon jetzt ihrem Anwalt, der nach dem Berufungsverfahren auf weitere Honorare pochen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als Mitte Juli bekannt wurde, dass Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke mithilfe einer amerikanischen Leihmutter Eltern&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1230180,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3977],"tags":[4820,85705,331,332,16164,13,15785,210974,255380,127492,255381,981,14,15,60609,2403,12,4017,4018,4016,64,17756,4019,4020,14658],"class_list":["post-1230179","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-usa","tag-agentur","tag-agenturen","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-geschaeft","tag-headlines","tag-jens-spahn","tag-leihmutter","tag-leihmuettern","tag-leihmutterschaft","tag-leihmutterschaftsvertraege","tag-mutter","tag-nachrichten","tag-news","tag-nia","tag-partei","tag-schlagzeilen","tag-united-states","tag-united-states-of-america","tag-us","tag-usa","tag-verboten","tag-vereinigte-staaten","tag-vereinigte-staaten-von-amerika","tag-vertraege"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117077933229383790","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1230179","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1230179"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1230179\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1230180"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1230179"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1230179"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1230179"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}