{"id":1231102,"date":"2026-08-12T07:45:15","date_gmt":"2026-08-12T07:45:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1231102\/"},"modified":"2026-08-12T07:45:15","modified_gmt":"2026-08-12T07:45:15","slug":"bei-der-eu-piept-es-bald-der-lustige-streit-um-die-neuen-geldscheine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1231102\/","title":{"rendered":"Bei der EU piept es bald\u00a0\u2013 der lustige Streit um die neuen Geldscheine"},"content":{"rendered":"<p>Geh\u00f6ren Pers\u00f6nlichkeiten oder V\u00f6gel auf die Euro-Scheine? Europas B\u00fcrger sollen ihr Urteil f\u00e4llen. L\u00e4sst sich die W\u00e4hrung, die seit 2002 eine \u00e4sthetische Totgeburt ist, so retten? Manche Motive ernten schon Spott. Aus Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">M\u00fcssen Banknoten h\u00e4sslich sein? Fragte schon Kurt Tucholsky. Der ber\u00fchmteste Feuilletonist der Weimarer Republik wusste, wovon er sprach, schlie\u00dflich hatte er sich w\u00e4hrend der Hyperinflation anno 1923 selbst i<a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/literarischewelt\/article242716885\/Actionszenen-der-Weltliteratur-Kurt-Tucholsky-in-der-Bank.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/literarischewelt\/article242716885\/Actionszenen-der-Weltliteratur-Kurt-Tucholsky-in-der-Bank.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">n eine Banklehre gefl\u00fcchtet<\/a>, weg vom kargen Zeilengeld, hin zu den harten Devisen. <\/p>\n<p>Tucholsky wusste, welches Papiergeld besser oder schlechter in der Hand lag. Er konnte erkl\u00e4ren, warum \u201edie neuen Banknoten meist noch d\u00fcmmer aussehen als die alten\u201c. Und woran es fast allen Geldscheinen mangelt: \u00c4sthetik. Denn, so \u201eTucho\u201c unter seinem Pseudonym Peter Panter, \u00fcberall begehen \u201edie Herren Entwerfer\u201c den gleichen Fehler: Sie wollen etwas darstellen, das sich allegorisch lesen l\u00e4sst, und f\u00fcllen den kleinen Raum auf dem Blatt Papier notorisch \u00fcberambitioniert aus: \u201eEr soll wohl ein Bild ergeben, aber keine Bildchen\u201c.<\/p>\n<p>Was h\u00e4tte Tucho wohl zum Euro gesagt? Sieht aus wie Spielgeld, dachten viele 2002. Dass die W\u00e4hrung eine \u00e4sthetische Totgeburt war, haftet dem Look &amp; Feel ihrer Banknoten bis heute an. Fiktive Br\u00fccken, Fenster und Tore sollten den Geist europ\u00e4ischer Verbundenheit und Offenheit visualisieren. Blo\u00df kein reales Bauwerk, nur keine Konkurrenz zwischen einzelnen Mitgliedstaaten, blo\u00df nicht \u201eMeine Rialto-Br\u00fccke\u201c gegen \u201emeine Sainte-Chapelle\u201c oder \u201emeine Porta Nigra\u201c. So neutralisiert wie gewollt sehen die Scheine bis heute aus: seelenlos. <\/p>\n<p>Neue Geldscheine sollen Europas Identit\u00e4t st\u00e4rken<\/p>\n<p>Jetzt will die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) das \u00e4ndern. Neue Geldscheine mit neuen Motiven sollen \u201eunsere gemeinsame Identit\u00e4t st\u00e4rken\u201c, erkl\u00e4rt EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde zu den <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article6a626468efccf0c0d5537353\/euro-die-banknoten-gehoeren-ihnen-stimmen-sie-hier-ueber-die-neuen-euro-scheine-ab.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article6a626468efccf0c0d5537353\/euro-die-banknoten-gehoeren-ihnen-stimmen-sie-hier-ueber-die-neuen-euro-scheine-ab.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Entw\u00fcrfen, die k\u00fcrzlich vorgestellt wurden<\/a> \u2013 und f\u00fchrt aus: \u201eEuro-Banknoten sind mehr als ein Zahlungsmittel \u2013 sie sind eine der greifbarsten Ausdrucksformen Europas.\u201c Und weil das so ist, zeigt die EZB den B\u00fcrgern im Euro-Bargeldverkehr k\u00fcnftig entweder den Vogel. Oder f\u00e4hrt historische Pers\u00f6nlichkeiten auf.<\/p>\n<p>Die meisten der <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/euro\/banknotes\/future_banknotes\/html\/all-design-proposals.de.html\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/euro\/banknotes\/future_banknotes\/html\/all-design-proposals.de.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">insgesamt zehn Entw\u00fcrfe (A bis J)<\/a> f\u00fcr die jeweils sechs Banknoten (mit den Werten 5, 10, 20, 50, 100 und 200 Euro) sehen gestalterisch eher billig und nach KI-Retorte aus. Zwei Motivserien stehen in jeweils f\u00fcnf Varianten zur Abstimmung. <\/p>\n<p>Die eine Motivreihe zeigt geniale Menschen aus den Sparten Gesang (Maria Callas), Komposition (Beethoven), Naturwissenschaft (Marie Curie), Schriftstellerei (Cervantes), Kunst (Leonardo da Vinci) und Frieden (Bertha von Suttner). Auf den R\u00fcckseiten sehen wir jeweils viele Menschen tanzen, lauschen, forschen, lesen, staunen und friedlich unterwegs sein.<\/p>\n<p>Die andere Motivreihe \u00fcberrascht, hat aber auch mehr Potenzial, Kulturk\u00e4mpfe zu entfachen: Sie zeigt vorne V\u00f6gel (Mauerl\u00e4ufer, Eisvogel, Bienenfresser, Wei\u00dfstorch, S\u00e4belschn\u00e4bler und Basst\u00f6lpel) und hinten EU-Institutionen. M\u00f6chte uns die EU mit dieser Kombination sagen, dass auch Parlament, Kommission, Zentralbank, Gerichtshof, Rat und Rechnungshof sch\u00fctzenswerte Biotope (der europ\u00e4ischen Idee) sind? Auf die Idee, sich beh\u00f6rdlich selbst abzubilden, muss man erst einmal kommen. Hermeneutisch k\u00f6nnte diese Paarung als Hypothek gelesen werden: Lauter linksgr\u00fcne Habitate in Serie, werden EU-Feinde \u00e4tzen.<\/p>\n<p>Die Grundfrage der neuen Geldscheine lautet demnach: St\u00e4rken wir unsere Identit\u00e4t mit Kultur oder Natur? Wird Cervantes gegen die Windm\u00fchlen k\u00e4mpfen oder klagt ein Wei\u00dfstorch vor dem Gerichtshof? Der neue Euro von der traurigen Gestalt blamiert sich vor allem mit den beh\u00f6rdlichen R\u00fcckseiten. <\/p>\n<p>Farblich bleiben \u00fcbrigens s\u00e4mtliche Vorschl\u00e4ge dem vorgegebenen Schema der gegenw\u00e4rtigen Euro-Banknoten treu. \u00c4sthetisch sind auch Traditionen fr\u00fcherer und anderer W\u00e4hrungen ablesbar, so erinnert die hochformatige Bildausrichtung des <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/euro\/banknotes\/future_banknotes\/html\/design-proposals.de.html\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/euro\/banknotes\/future_banknotes\/html\/design-proposals.de.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Entwurfs G <\/a>an die achte Banknotenserie des Schweizer Frankens. In <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/euro\/banknotes\/future_banknotes\/html\/design-proposals.de.html\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/euro\/banknotes\/future_banknotes\/html\/design-proposals.de.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Entwurf E<\/a> schimmern Reminiszenzen der guten alten D-Mark durch.<\/p>\n<p>Und <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/euro\/banknotes\/future_banknotes\/html\/design-proposals.de.html\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/euro\/banknotes\/future_banknotes\/html\/design-proposals.de.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Design F<\/a> erweckt \u2013 wie erste Kunstkritiker schon bemerken \u2013 den Eindruck, das Gelddesigner-B\u00fcro habe im Auftrag der EZB einen Sommerausflug in die Grafikstiftung Neo Rauch nach Aschersleben unternommen.<\/p>\n<p>Man m\u00f6chte gar nicht wissen, wie viele Beamtenkommissionen \u00fcber Motivfindung und Ausschreibung in jahrelanger Kleinarbeit bis hierher beraten haben. Wer sich auf der Homepage der EZB durch die Pressemitteilungen zum Prozedere klickt, k\u00f6nnte auf dem Weg zu Kafkas \u201eSchloss\u201c jedenfalls nicht verwirrender Auskunft bekommen.<\/p>\n<p>Tucholsky sah in jeder Banknote das \u00e4sthetische Versagen eines ganzen Apparates, n\u00e4mlich \u201edas Kunstideal jener Beamten, die \u00fcber die Annahme der Entw\u00fcrfe zu entscheiden haben\u201c. Die EU m\u00f6chte es jetzt also partizipativ angehen und uns alle zum Bestandteil des Apparates machen \u2013 zumindest konsultierend. Bis 21. September k\u00f6nnen Voten abgegeben werden, welches Papiergeld es in Zukunft sein soll. <\/p>\n<p>Die EZB wertet das Voting dann bis Jahresende aus (komisch, beim Eurovision Song Contest geht das schneller). Das Votum der B\u00fcrger wird nicht bindend sein \u2013 weswegen manche auch schon von einer, haha, Schein-Abstimmung sprechen\u00a0\u2013, und in unsere Geldbeutel wandern die neuen Scheine nicht vor 2028.<\/p>\n<p>Genug Zeit also f\u00fcr sp\u00f6ttische Memes wie jenes, das empfiehlt, weder V\u00f6gel noch Menschen zu zeigen, sondern Trinkflaschen, deren Verschluss sich nicht mehr abdrehen l\u00e4sst, weswegen man als EU-B\u00fcrger heute nur noch eingeschr\u00e4nkt elegant einen Schluck zu sich nehmen kann, ohne das abzugeben, was auf Italienisch brutta figura hei\u00dft.<\/p>\n<p>Genug Zeit auch, in der sich jeder EU-B\u00fcrger befragen kann, was f\u00fcr ein komischer Vogel er selbst ist: Bezahlt aus Bequemlichkeit immer seltener Cash, doch sein Geldautomatennetz will er so engmaschig wie eh und je erhalten wissen \u2013 und sein Bargeld als potemkinsches Bollwerk gegen digitale Finanz\u00fcberwachung soll bei alledem auch noch gut aussehen. Besser als jetzt jedenfalls allemal, wenn das Schlimmste vermieden wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Geh\u00f6ren Pers\u00f6nlichkeiten oder V\u00f6gel auf die Euro-Scheine? Europas B\u00fcrger sollen ihr Urteil f\u00e4llen. 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