{"id":123224,"date":"2025-05-19T16:01:08","date_gmt":"2025-05-19T16:01:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/123224\/"},"modified":"2025-05-19T16:01:08","modified_gmt":"2025-05-19T16:01:08","slug":"wissenschaft-berlin-auf-dem-weg-in-die-provinzialitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/123224\/","title":{"rendered":"Wissenschaft \u2013 Berlin auf dem Weg in die Provinzialit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img305902\" src=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/640\/305902\" alt=\"Schon im Februar protestierten Studierende der Universit\u00e4t der K\u00fcnste mit einer Verh\u00fcllungsaktion gegen K\u00fcrzungen an ihrer Hochschule.\"\/><\/p>\n<p>Schon im Februar protestierten Studierende der Universit\u00e4t der K\u00fcnste mit einer Verh\u00fcllungsaktion gegen K\u00fcrzungen an ihrer Hochschule.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Sebastian Gollnow<\/p>\n<p>Nicht Jericho, sondern Berlin: Vor dem Abgeordnetenhaus haben sich am Montagmorgen Posaunenspieler aufgestellt. Der Klang ihrer Instrumente soll aber nicht das Landesparlament zu Fall bringen, sondern warnen. Es sind Studierende der Musikhochschule Hanns Eisler, die mit ihrem Spiel auf K\u00fcrzungen an ihrer Hochschule hinweisen wollen.<\/p>\n<p>Im Geb\u00e4ude beraten Abgeordnete und Vertreter der k\u00fcnstlerischen Hochschulen im Wissenschaftsausschuss die prek\u00e4re Lage der Institutionen. \u00bbAktuelle Forderungen nach einem weiteren strukturellen Abbau greifen die k\u00fcnstlerischen Hochschulen in ihrem Kernbestand an\u00ab, sagt Angelika Richter, Rektorin der Wei\u00dfensee-Kunsthochschule. \u00bbMehr geht nicht.\u00ab Man zehre schon seit Jahren von der Substanz und der chronischen \u00dcberlastung der Mitarbeiter. Doch die K\u00fcrzungsvorgaben, die den k\u00fcnstlerischen Hochschulen nun abverlangt werden, gingen dar\u00fcber hinaus. \u00bbSie bedrohen uns in unserer Existenz\u00ab, so Richter.<\/p>\n<p>Die k\u00fcnstlerischen Hochschulen m\u00fcssen wie andere Hochschulen und Universit\u00e4ten 8\u2005Prozent ihres Budgets einsparen. So sieht es der Nachtragshaushalt vor, der Ende des vergangenen Jahres vom Abgeordnetenhaus verabschiedet wurde. Dabei war den Hochschulen urspr\u00fcnglich mit den Hochschulvertr\u00e4gen sogar ein Mittelaufwuchs versprochen worden. Doch dann wurde im Rahmen der Haushaltsdiskussion entschieden, dass die Wissenschaftsverwaltung <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1189311.wissenschaft-berliner-hochschulen-chaos-um-vertraege.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">200\u2005Millionen Euro einsparen muss<\/a>.<\/p>\n<p>\u00bbDie Einhaltung der Hochschulvertr\u00e4ge ist f\u00fcr uns existenziell\u00ab, sagt Richter. Es gebe keine R\u00fccklagen oder Verschiebemassen, die eingespart werden k\u00f6nnten. Real seien die K\u00fcrzungsvorgaben h\u00f6her als die nominellen 8\u2005Prozent. Denn die Kunsthochschulen m\u00fcssen Kostensteigerungen ausgleichen. Faktisch m\u00fcsste daher eher im Bereich von 15\u2005bis 20\u2005Prozent gespart werden. \u00bbWir sehen nach unseren Berechnungen, dass wir mit achtprozentigen K\u00fcrzungen trotz Besetzungsstopp in zwei Jahren zahlungsunf\u00e4hig werden\u00ab, warnt Richter.<\/p>\n<p>Bereits jetzt h\u00e4tten die Hochschulen gro\u00dfe Sparanstrengungen unternommen. An der Universit\u00e4t der K\u00fcnste wurden den Fakult\u00e4ten etwa <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1188918.wissenschaft-berlin-kunst-kommt-zu-kurz.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">knapp ein Drittel der Sachmittel gesperrt<\/a>. Die Folge: Lehrauftr\u00e4ge und Repetitorien entfallen, Labore m\u00fcssen ihre \u00d6ffnungszeiten einschr\u00e4nken. Der damit verbundene Qualit\u00e4tsverlust schicke Berlin auf einen \u00bbWeg der Provinzialit\u00e4t\u00ab, gibt Richter zu bedenken.<\/p>\n<p>Dabei stehen die Kunsthochschulen unter doppeltem Spardruck. Denn zu den Einsparungen bei ihnen selbst kommen noch K\u00fcrzungen bei Kulturinstitutionen wie Theatern und Konzerth\u00e4usern, die oft eng mit den Ausbildungsorten zusammenarbeiten. \u00bbUns geht Potenzial verloren, wo sich Studierende in der professionellen Welt erproben k\u00f6nnen\u00ab, sagt Andrea Tober, Rektorin der Musikhochschule Hanns Eisler. Die Staatsoper und die Komische Oper h\u00e4tten aus Kostengr\u00fcnden schon Kooperationsprojekte einstellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dabei seien diese f\u00fcr die Ausbildung essenziell. \u00bbDas sind Erfahrungen von unsch\u00e4tzbarem Wert\u00ab, sagt sie. Dass sich die Musikstudierenden an Inszenierungen an den Opernh\u00e4usern beteiligen, sei eine praktische Erfahrung, die keine Vorlesung ersetzen k\u00f6nne. F\u00fcr viele seien die Kooperationen auch ein wichtiger Karrierefaktor. Nicht selten w\u00fcrden Studierende nach den Inszenierungen direkt von den Konzerth\u00e4usern \u00bbwegengagiert\u00ab, so Tober.<\/p>\n<p>Wissenschaftsstaatssekret\u00e4r Henry Marx (SPD) verspricht Nachbesserungen. \u00bbAcht Prozent sind f\u00fcr die Kunsthochschulen nicht tragbar\u00ab, sagt er. Bis Juli sollen die Nachverhandlungen f\u00fcr die Hochschulvertr\u00e4ge abgeschlossen sein, stellt Marx in Aussicht. Damit soll der Spardruck zumindest abgemildert werden. Daf\u00fcr m\u00fcssten manche Hochschulen allerdings besondere Verantwortung \u00fcbernehmen. \u00bbDie Acht-Prozent-Sperre muss so verteilt werden, dass auch die H\u00e4user, die keine R\u00fccklage haben, \u00fcberleben k\u00f6nnen\u00ab, sagt Marx.<\/p>\n<p>Die Implikation: Die Hochschulen, die noch \u00fcber R\u00fccklagen verf\u00fcgen, m\u00fcssen sich darauf einstellen, diese abgeben zu m\u00fcssen. \u00bbR\u00fccklagen geh\u00f6ren nicht einer Hochschule, sie geh\u00f6ren dem Hochschulsystem\u00ab, sagt Marx. \u00bbSie m\u00fcssen vergemeinschaftet werden.\u00ab<\/p>\n<p>Zumeist dienen die R\u00fccklagen allerdings dazu, die Sanierung maroder Hochschulgeb\u00e4ude zu finanzieren. Das soll nach schwarz-roten Pl\u00e4nen k\u00fcnftig eine gemeinsame Infrastrukturgesellschaft der Hochschulen \u00fcbernehmen, die einfacher und zu besseren Konditionen Kredite aufnehmen k\u00f6nnen soll.<\/p>\n<p>Die Kunsthochschulen werden wohl trotzdem vor schmerzhaften Einschnitten stehen. Gemeinsame Infrastruktur etwa bei den Serviceleistungen oder der IT k\u00f6nnten den Spardruck kaum auffangen. \u00bbDas sind einige Personalstellen, mehr ist da nicht rauszuholen\u00ab, sagt Wei\u00dfensee-Rektorin Richter. Auch der Verwaltungsapparat sei bereits jetzt \u00bbextrem schlank\u00ab. \u00bbWir sind alle in Doppelfunktionen unterwegs\u00ab, so Richter.<\/p>\n<p>Stattdessen k\u00f6nnten Ma\u00dfnahmen greifen, die aktuell noch undenkbar scheinen: \u00bbWir werden \u00fcber betriebsbedingte K\u00fcndigungen nachdenken m\u00fcssen\u00ab, sagt Markus Hilgert, Pr\u00e4sident der Universit\u00e4t der K\u00fcnste. Auch ein anderes Tabu k\u00f6nnte dann auf den Tisch kommen: \u00bbWir m\u00fcssen mittelfristig auch \u00fcber Studiengeb\u00fchren nachdenken\u00ab, sagt Eisler-Rektorin Tober.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Schon im Februar protestierten Studierende der Universit\u00e4t der K\u00fcnste mit einer Verh\u00fcllungsaktion gegen K\u00fcrzungen an ihrer Hochschule. 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