{"id":1232318,"date":"2026-08-12T21:11:17","date_gmt":"2026-08-12T21:11:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1232318\/"},"modified":"2026-08-12T21:11:17","modified_gmt":"2026-08-12T21:11:17","slug":"olympia-1936-die-olympianer-sehen-aus-wie-die-direktoren-von-flohzirkussen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1232318\/","title":{"rendered":"Olympia 1936: \u201eDie Olympianer sehen aus wie die Direktoren von Flohzirkussen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Am 1. August 1936 er\u00f6ffnete Hitler die Olympischen Sommerspiele in Berlin. Auf dem \u201eReichssportfeld\u201c, um das es zuvor heftigen Streit gegeben hatte, feierten die Zuschauer den US-Star Jesse Owens. Das NS-Regime inszenierte dagegen Provokationen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Ausgerechnet das \u201eFriedensfest\u201c der Welt begann am 1. August 1936 mit einem bewusst kalkulierten doppelten Affront. Das zeigte, was der Gastgeber von der v\u00f6lkerverbindenden Idee hielt, die zu feiern er sich angeboten hatte: rein gar nichts. <\/p>\n<p>Erstens zwang der vorgegebene Tagesablauf die Funktion\u00e4re des <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.olympics.com\/ioc\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.olympics.com\/ioc&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Internationalen Olympischen Komitees<\/a> (IOC), vor der offiziellen Er\u00f6ffnung der XI. Sommerspiele neuer Zeit die Front eines Ehrenbataillons aus zwei Kompanien Infanterie sowie je einer Kompanie der Luftwaffe und der Kriegsmarine abzuschreiten. Und das ausgerechnet vor dem Berliner Zeughaus Unter den Linden, zu dieser Zeit ein Heeres- und Kriegsmuseum. \u201eDie Olympianer sehen aus wie die Direktoren von Flohzirkussen\u201c, schrieb Propagandaminister Joseph Goebbels danach sp\u00f6ttisch <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/zweiter-weltkrieg\/article139945722\/Noch-immer-verdienen-Nazis-an-Goebbels-Tagebuechern.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/zweiter-weltkrieg\/article139945722\/Noch-immer-verdienen-Nazis-an-Goebbels-Tagebuechern.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in sein Tagebuch<\/a>.<\/p>\n<p>Noch viel provokanter war, dass der \u201eF\u00fchrer und Reichskanzler\u201c Adolf Hitler wenig sp\u00e4ter in Begleitung des Reichskriegsministers Werner von Blomberg einen Kranz in der \u201eLangemarckhalle\u201c unter der Ehrentrib\u00fcne des Reichssportfeldes niederlegte. Diese Kultst\u00e4tte verherrlichte den sinnlosen, symbolisch \u00fcberh\u00f6hten <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article134177791\/Was-in-der-Langemarck-Schlacht-wirklich-geschah.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article134177791\/Was-in-der-Langemarck-Schlacht-wirklich-geschah.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Opfertod Tausender deutscher Reservisten und Kriegsfreiwilliger nahe der Stadt Langemarck<\/a> in Flandern Anfang November 1914. So die Olympischen Spiele zu beginnen, war eine vors\u00e4tzliche Dem\u00fctigung der G\u00e4ste aus England, Frankreich, Belgien und den USA.<\/p>\n<p>Der Himmel schien es \u00e4hnlich zu sehen: Der Samstag begann mit stetem Nieselregen. Das hinderte aber mehr als zwei Millionen Berliner nicht, die Er\u00f6ffnung der <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.bundesarchiv.de\/olympiajahr-1936\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.bundesarchiv.de\/olympiajahr-1936\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Spiele in ihrer Stadt<\/a> zu feiern. Sie wurden belohnt: Knapp vor dem Beginn der eigentlichen Er\u00f6ffnungsfeier im Olympiastadion verzogen sich die Wolken. \u201eEinen solchen Tag hat Berlin noch nie erlebt, auch nicht in den verflossenen Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft mit ihrer auf gro\u00dfartige Ma\u00dfst\u00e4be eingestellten Regiekunst\u201c, kommentierte die schon notorisch n\u00fcchterne \u201eNeue Z\u00fcrcher Zeitung\u201c. <\/p>\n<p>Auch der feierliche Einzug der Mannschaften war gepr\u00e4gt von milit\u00e4rischer Strenge. Das italienische Team wurde besonders gefeiert und erstaunlicherweise die Franzosen. Die allerdings hatten zu einem Trick gegriffen: Sie salutierten auf antike Art mit <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/sport\/article13516291\/Hitler-missbrauchte-den-olympischen-Geist.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/sport\/article13516291\/Hitler-missbrauchte-den-olympischen-Geist.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">erhobenem und gestrecktem rechten Arm<\/a>, was das Publikum als den in Deutschland inzwischen \u00fcblichen Hitler-Gru\u00df deutete. Dagegen blieb der Empfang der britischen Mannschaft k\u00fchl, was selbst Goebbels als \u201eetwas peinlich\u201c empfand.<\/p>\n<p>Um die Spiele beworben hatte sich die Reichshauptstadt in einer anderen Zeit. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article132502430\/Wie-man-die-Olympischen-Spiele-nach-Berlin-holt.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article132502430\/Wie-man-die-Olympischen-Spiele-nach-Berlin-holt.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">1930 ersuchte Berlin \u201eergebenst\u201c<\/a> das IOC, 1936 die Wettk\u00e4mpfe ausrichten zu d\u00fcrfen. Im Mai 1931 stimmten die Sportfunktion\u00e4re zu: Seinerzeit war Olympia noch kein Multimilliardengesch\u00e4ft, sondern ein Investment mit ungewissem Ausgang.<\/p>\n<p>Schon ein Jahr sp\u00e4ter, bei den X. Olympischen Spielen in Los Angeles, waren angesichts der politischen Probleme in Deutschland d\u00fcstere Wolken \u00fcber dem Vorhaben aufgezogen. IOC-Pr\u00e4sident <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.olympics.com\/ioc\/1925-henri-de-baillet-latour-third-ioc-president\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.olympics.com\/ioc\/1925-henri-de-baillet-latour-third-ioc-president&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Henri de Baillet-Latour<\/a> lie\u00df indirekt bei Hitler anfragen, wie sich die NSDAP zu den Spielen stellen w\u00fcrde, wenn sie an die Regierung k\u00e4me. Die Antwort klang beruhigend: Man werde die \u201eFrage der Durchf\u00fchrung mit gro\u00dfem Interesse\u201c betrachten.<\/p>\n<p>Trotz des Aufsehens, das das gewaltt\u00e4tige Vorgehen der NSDAP in den ersten Monaten nach der Macht\u00fcbernahme international erregte, best\u00e4tigte das IOC Anfang Oktober 1933 die Vergabe der Spiele nach Berlin. Daraufhin besichtigte Hitler das als Austragungsort vorgesehene Deutsche Stadion im Nordwesten des Bezirks Charlottenburg; es war f\u00fcr die Olympischen Spiele 1916 errichtet worden, die wegen des Ersten Weltkrieges ausfielen. Nun sollte die Anlage erweitert werden. <\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.deutsche-biographie.de\/gnd118572415.html\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.deutsche-biographie.de\/gnd118572415.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Theodor Lewald<\/a>, der Vorsitzende des Organisationskomitees, vermerkte \u00fcber die Visite: \u201eDer Kanzler erkl\u00e4rte, das Stadion m\u00fcsse ganz vom Reich gebaut werden, es sei das eine Reichsaufgabe; wenn man die ganze Welt zu Gast geladen h\u00e4tte, m\u00fcsste etwas Gro\u00dfartiges und Sch\u00f6nes entstehen.\u201c Lewald bilanzierte Hitlers Besuch: \u201eIch glaube, dass mit dem heutigen Tag der entscheidende Schritt f\u00fcr die Verwirklichung unserer k\u00fchnsten Hoffnungen und Pl\u00e4ne getan ist.\u201c<\/p>\n<p>Statt der 120.000 Menschen, die das gesamte Gel\u00e4nde nach Lewalds Vorstellungen fassen k\u00f6nnen sollte, wollte Hitler einen Aufmarschplatz f\u00fcr mindestens eine halbe Million Berliner. Das neue Stadion allein sollte mit 100.000\u00a0Pl\u00e4tzen das gr\u00f6\u00dfte der Welt werden. Doch die Bedeutung des nun Reichssportfeld genannten Areals ging weit \u00fcber die zweiw\u00f6chigen Sommerspiele hinaus. <\/p>\n<p>Ohne Ausschreibung erhielt der Architekt Werner March den Auftrag f\u00fcr die notwendigen Neubauten; sein Vater Otto hatte das Deutsche Stadion errichtet, das ab April 1934 abgerissen wurde. In weniger als zwei Jahren entstanden das Stadion und zahlreiche Nebenbauten. Das war nur m\u00f6glich aufgrund der von rechtlichen Vorschriften v\u00f6llig freien Bauarbeiten. <\/p>\n<p>Auf Wunsch des Architekten traf Hitler selbst mehrfach Entscheidungen in strittigen Fragen der Gestaltung; trotzdem war und blieb das Stadion eine Sch\u00f6pfung Werner Marchs, mit der Hitler nie ganz zufrieden war. Gegen\u00fcber dem franz\u00f6sischen Botschafter in Berlin, Andr\u00e9 Fran\u00e7ois-Poncet, bem\u00e4ngelte er die Stahlbeton-Konstruktion, die der \u201eSch\u00f6nheit des Steins\u201c nicht gleichkomme; am 28. Juni 1935 \u00e4u\u00dferte er gegen\u00fcber dem Berliner Oberb\u00fcrgermeister Heinrich Sahm, er sei \u201edurchaus nicht zufrieden mit dem, was auf dem Reichssportfeld alles gesch\u00e4he\u201c. <\/p>\n<p>Hier d\u00fcrfte der wahre Kern einer von Albert Speer in seinen \u201eErinnerungen\u201c festgehaltenen Anekdote liegen: \u201eIn eine unangenehme Lage geriet das deutsche Olympiakomitee, als Hitler sich vom zust\u00e4ndigen Staatssekret\u00e4r im Innenministerium, Hans Pfundtner, die ersten Pl\u00e4ne f\u00fcr den Neubau des Stadions zeigen lie\u00df. Werner March, der Architekt, hatte einen Betonbau mit verglasten Zwischenw\u00e4nden, \u00e4hnlich dem Wiener Stadion, vorgesehen. Von der Besichtigung kam Hitler zornig und erregt in seine Wohnung, wohin er mich mit Pl\u00e4nen bestellt hatte. Kurzerhand lie\u00df er den Staatssekret\u00e4r wissen, dass die Olympischen Spiele abzusagen seien.\u201c<\/p>\n<p>Daraufhin, so Speer weiter, habe er \u201e\u00fcber Nacht eine Skizze\u201c gezeichnet, die \u201eeine Umkleidung des Konstruktionsgerippes mit Naturstein sowie kr\u00e4ftigere Gesimse vorsah, die Verglasung fiel fort, und Hitler war zufrieden\u201c. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/zweiter-weltkrieg\/article165100739\/Der-erfolgreichste-Manipulator-des-Dritten-Reiches.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/zweiter-weltkrieg\/article165100739\/Der-erfolgreichste-Manipulator-des-Dritten-Reiches.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Eine frei erfundene Geschichte<\/a>, denn die nahezu l\u00fcckenlos erhaltenen Bauakten \u00fcberf\u00fchren Speer der L\u00fcge. Auch Werner March konnte sich nicht an eine derartige \u201eEinflussnahme\u201c von Hitlers Lieblingsarchitekten erinnern. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend der eigentlichen Spiele war die Stimmung in der Reichshauptstadt enthusiastisch. Die Berliner freuten sich, Gastgeber der ganzen Welt zu sein. Sie schm\u00fcckten ihre Stadt noch \u00fcber die ohnehin aufwendige, wenn auch nicht gerade geschmackvolle Verzierung mit NSDAP-Symbolen hinaus. <\/p>\n<p>Bei den Wettk\u00e4mpfen war Hitler meist im stets bis zum letzten Platz gef\u00fcllten Stadion anwesend. Der ganz in seiner N\u00e4he auf der Ehrentrib\u00fcne sitzende franz\u00f6sische Botschafter Andr\u00e9 Fran\u00e7ois-Poncet beobachtete die Freude des Kanzlers bei deutschen Siegen \u2013 und seine finstere Miene, wenn deutsche Athleten geschlagen wurden. Gar nicht gl\u00fccklich war er, als die Berliner den Superstar der Wettk\u00e4mpfe, den farbigen US-Sprinter und vierfachen Gold-Gewinner Jesse Owens, begeistert feierten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Abschlussfeier lie\u00df sich Albert Speer etwas Besonderes einfallen. Rund um die Arena wurden starke Flakscheinwerfer aufgestellt, die am Abend des 16. August 1936 auf einen Schlag eingeschaltet wurden. Selbst der dem NS-Regime gegen\u00fcber sehr kritische US-Botschafter in Berlin, William E. Dodd, war beeindruckt: \u201eDas gro\u00dfe Stadion war ringsherum von den obersten Reihen aus erleuchtet durch kuriose Strahlenb\u00fcndel, die sich in 60 bis 100 Meter H\u00f6he kreuzten. Noch nie habe ich eine so bis ins Letzte ausgekl\u00fcgelte Schau gesehen.\u201c Dodd bilanzierte trotzdem: \u201eDiese Art von Propaganda mag den Deutschen gefallen haben; auf Ausl\u00e4nder machte sie, wie ich geh\u00f6rt habe, einen ung\u00fcnstigen Eindruck.\u201c<\/p>\n<p>Das best\u00e4tigt eine vertrauliche Auswertung der internationalen Presse durch das Propagandaministerium: Gerade die dem Dritten Reich gegen\u00fcber kritischen Zeitungen blieben bei ihrer Linie der Berichterstattung \u00fcber Deutschland. <\/p>\n<p>Dass trotzdem die Olympischen Spiele 1936 in vielen K\u00f6pfen als Triumph des Nationalsozialismus weiterwirken, war die Folge eines nicht vorhersehbaren Geniestreichs: Die Regisseurin <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article234626320\/Leni-Riefenstahl-So-wurde-die-Hitler-Regisseurin-entnazifiziert.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article234626320\/Leni-Riefenstahl-So-wurde-die-Hitler-Regisseurin-entnazifiziert.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leni Riefenstahl<\/a>, die mit extremen Perspektiven und radikal neuen Motivideen schon die beiden NSDAP-Parteitage 1933 und 1934 in au\u00dfergew\u00f6hnliche Bilder gebannt hatte, filmte mit nie gekanntem Aufwand auf dem Reichssportfeld. Ihre zwei Olympia-Filme \u201eFest der V\u00f6lker\u201c und \u201eFest der Sch\u00f6nheit\u201c gelten zu Recht als perfekte, noch heute faszinierende Inszenierungen des Nationalsozialismus.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/sven-felix-kellerhoff\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/sven-felix-kellerhoff\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>Sven Felix Kellerhoff<\/b><\/a><b> ist Leitender Redakteur bei WELTGeschichte. Zu seinen Themenschwerpunkten z\u00e4hlt schon seit seinem Geschichtsstudium neben der SED-Diktatur und dem linken wie rechten Terrorismus der Nationalsozialismus. Er hat mehr als 30 B\u00fccher geschrieben, darunter \u201e<\/b><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.klett-cotta.de\/produkt\/sven-felix-kellerhoff-mein-kampf-die-karriere-eines-deutschen-buches-9783608983821-t-5100\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.klett-cotta.de\/produkt\/sven-felix-kellerhoff-mein-kampf-die-karriere-eines-deutschen-buches-9783608983821-t-5100&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\"><b>Hitlers ,Mein Kampf\u2018\u201c<\/b><\/a><b> und \u201e<\/b><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.klett-cotta.de\/produkt\/sven-felix-kellerhoff-die-nsdap-9783608981032-t-4910\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.klett-cotta.de\/produkt\/sven-felix-kellerhoff-die-nsdap-9783608981032-t-4910&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\"><b>Die NSDAP\u201c.<\/b><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 1. 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