{"id":1232467,"date":"2026-08-12T22:50:22","date_gmt":"2026-08-12T22:50:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1232467\/"},"modified":"2026-08-12T22:50:22","modified_gmt":"2026-08-12T22:50:22","slug":"klimakrise-hitzestress-in-berliner-bussen-und-bahnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1232467\/","title":{"rendered":"Klimakrise \u2013 Hitzestress in Berliner Bussen und Bahnen"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img324297\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/324297.jpeg\" alt=\"Gerade volle U-Bahnen mit hohem Anteil von Au\u00dfenstrecken wie die U5 werden zur Hitzefalle.\"\/><\/p>\n<p>Gerade volle U-Bahnen mit hohem Anteil von Au\u00dfenstrecken wie die U5 werden zur Hitzefalle.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Jens Kalaene<\/p>\n<p>Die Hitzewelle traf Berlin ungew\u00f6hnlich fr\u00fch und mit Rekordtemperaturen von fast 40 Grad Celsius. Nach dem Auftakt am 19. Juni mit einem Spitzenwert von \u00fcber 35 Grad Celsius sollte bis Monatsende nur an drei Tagen die Temperatur unter 30 Grad bleiben.<\/p>\n<p>Nicht nur die Menschen litten insbesondere an den extremen Hitzetagen vom 26. bis 28. Juni; auch die Technik im Berliner Nahverkehr kam an ihre Grenzen \u2013 und dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>Bei der Berliner Stra\u00dfenbahn musste auf der Linie M10 in der Bernauer Stra\u00dfe in Richtung Hauptbahnhof der Betrieb eingestellt werden \u2013 auf rund 600 Metern L\u00e4nge hatte sich Fugenmasse verfl\u00fcssigt und war auf die Schienen geraten. Au\u00dferdem kam es in der K\u00f6penicker Seelenbinderstra\u00dfe hitzebedingt zu einer Gleisverwerfung.<\/p>\n<p>In dieser Hinsicht ist Berlin glimpflich davongekommen. In einigen St\u00e4dten, unter anderem Leipzig, fuhren tagelang keine Bahnen, weil sich an vielen Stellen im Netz Bitumen verfl\u00fcssigt und Schienen, Weichen und R\u00e4der verklebt hatten. Freiwillige halfen beim Freikratzen der Schienen. Woanders, beispielsweise in N\u00fcrnberg, gab es gro\u00dfe Probleme, vor allem mit Verwerfungen von Gleisen im Schotterbett.<\/p>\n<p>Trotz der ungew\u00f6hnlich hohen Temperaturen h\u00e4tten sich die Fugenmassen an in der Fahrbahn verlegten Rillenschienen nicht verfl\u00fcssigen d\u00fcrfen \u2013 in fast allen F\u00e4llen d\u00fcrften Bauunternehmen <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1200795.rekordtemperaturen-in-europa-hitzetote-die-beste-praevention-heisst-sozialismus.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">vertragswidrig minderwertige Materialien verbaut haben<\/a>.<\/p>\n<p>Dass es auf den im Schotter verlegten Berliner Stra\u00dfenbahnstrecken keine Probleme gab, daf\u00fcr kann sich die BVG laut Informationen von Betriebsangeh\u00f6rigen durchaus selbst auf die Schulter klopfen. Denn in den vergangenen Jahren ist stark auf den guten Zustand insbesondere von sogenannten Schwellenankern geachtet worden. Diese Klammern aus Federstahl fixieren Schwellen an kritischen Stellen noch einmal zus\u00e4tzlich im Schotter.<\/p>\n<p>F\u00fcr die U-Bahn meldet die BVG f\u00fcr die Strecke der U1 und U3 zwischen Warschauer Stra\u00dfe und Hallesches Tor \u00bbSignalst\u00f6rungen und Gleisfreimeldest\u00f6rungen, deren Ursache nicht zwingend die Hitze seien muss\u00ab.<\/p>\n<p>Bei der Elektrobusflotte habe es Warnmeldungen zur Batteriek\u00fchlung gegeben, weswegen einzelne Fahrten ausgefallen seien. Sofortige Fahrtabbr\u00fcche seien nicht n\u00f6tig gewesen und insgesamt habe die Zuverl\u00e4ssigkeit trotzdem \u00fcber 98 Prozent gelegen, hebt die BVG hervor.<\/p>\n<p>Bei der Klimatisierung von E- und Dieselbussen habe es mehr St\u00f6rungen als \u00fcblich gegeben. Die St\u00f6rungen h\u00e4tten jedoch laut BVG \u00bbinsgesamt auf einem beherrschbaren Niveau gehalten\u00ab und die Auswirkungen auf den Linienbetrieb \u00bbbegrenzt\u00ab werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei der S-Bahn haben sich laut Deutscher Bahn die Fahrzeugst\u00f6rungen im fraglichen Zeitraum verdoppelt. Durchschnittlich 40 St\u00f6rungen t\u00e4glich gab es Ende Juni \u2013 im Rest des Monats waren es 20. Fahrg\u00e4ste beklagten den vermehrten Einsatz von Kurzz\u00fcgen auf der S7 und Ausf\u00e4lle auf den Nord-S\u00fcd-Linien.<\/p>\n<p>Allerdings ist hervorzuheben, dass die mit 1000 Wagen gr\u00f6\u00dfte Baureihe der S-Bahn, der Typ 481, durch das Sanierungsprogramm der letzten Jahre deutlich hitzestabiler geworden ist. Vor zehn Jahren waren die Ausf\u00e4lle dieser Z\u00fcge bei h\u00f6heren Temperaturen noch allsommerliches Thema.<\/p>\n<p>An der Infrastruktur habe es keine hitzebedingten St\u00f6rungen gegeben, vermeldet die Bahn. Daf\u00fcr litten die Fahrg\u00e4ste unter dem \u00fcblichen Pensum. Planm\u00e4\u00dfig war wegen Bauarbeiten die Stadtbahn gesperrt. Wegen eines Gleislagefehlers fuhr zus\u00e4tzlich die Ringbahn zwischen Tempelhof und Sch\u00f6neberg nur alle 20 Minuten.<\/p>\n<p>Die meisten dieser Angaben entstammen der Antwort der Senatsverkehrsverwaltung auf eine Schriftliche Anfrage der Gr\u00fcnen-Verkehrspolitikerin Antje Kapek. \u00bbDie Auswirkungen auf den \u00f6ffentlichen Nahverkehr zeigen, wie unbarmherzig die Klimakrise voranschreitet und welche Gefahr schon heute von ihr ausgeht\u00ab, erkl\u00e4rt sie.<\/p>\n<p>F\u00fcr Antje Kapek ist klar: \u00bbWenn wir jetzt nicht handeln, werden BVG, S-Bahn und Regionalverkehr in Zukunft \u00fcber weite Teile des Sommers ausfallen und Berlin wird nicht mehr funktionsf\u00e4hig sein.\u00ab<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen-Politikerin hat auch die Lage im Regionalverkehr abgefragt. Sowohl ODEG als auch NEB berichten von hitzebedingten Ausf\u00e4llen bei der Infrastruktur auf den von ihnen betriebenen Linien. Bei DB Regio mussten Lokomotiven teilweise K\u00fchlpausen einlegen, dazu schalteten sich manche Klimaanlagen in Waggons ab. Die ODEG meldete keine Fahrzeugst\u00f6rungen, bei der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) galt dies <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1201706.erderwaermung-millionen-menschen-weltweit-von-hitzewelle-betroffen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nur f\u00fcr die elektrisch angetriebenen Akku- und Wasserstoffz\u00fcge<\/a>.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<blockquote><p>&#13;<\/p>\n<p>Auf bis zu 50 Grad steigen die Temperaturen auf manchen U-Bahn-Linien.<\/p>\n<p>&#13;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbDie Dieselfahrzeuge sind sp\u00e4testens ab 16 Uhr an allen Tagen aufgrund \u00dcberlastung der Klimaanlage ausgefallen\u00ab, meldet die NEB. Ein Busnotverkehr ist entlang der RB26 eingerichtet worden. Allerdings zeichnen sich die Dieseltriebwagen der NEB auch abseits besonderer Witterungslagen durch gro\u00dfe Unzuverl\u00e4ssigkeit aus.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Fahrg\u00e4ste entscheidend ist neben der Zuverl\u00e4ssigkeit der Fahrzeuge eine funktionierende Klimatisierung. Bei der Stra\u00dfenbahn soll es noch bis 2032 dauern, bis die letzten nicht klimatisierten Fahrzeuge au\u00dfer Betrieb gehen. Bei der S-Bahn soll es erst 2038 so weit sein.<\/p>\n<p>Gemessen werden die tats\u00e4chlichen Temperaturen in aller Regel nicht. Die S-Bahn gibt an, dass bei einer Au\u00dfentemperatur von 40 Grad Celsius in klimatisierten Z\u00fcgen eine Innentemperatur von 32 Grad erreicht werden soll.<\/p>\n<p>Bleibt noch die U-Bahn. Hier werden gerade neue Z\u00fcge ausgeliefert \u2013 ohne Klimaanlagen. Seit vielen Jahren wiederkehrende Anfragen, warum die Z\u00fcge nicht klimatisiert sind, beantwortet die BVG immer gleich. Fehlender Einbauraum wegen enger Tunnel, hoher Stromverbrauch und die durch den Betrieb erfolgende Aufheizung von Tunneln und Stationen werden genannt.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich w\u00e4ren die technischen Probleme l\u00f6sbar, auch die von der BVG bisher nicht genannte, niedrige Beschr\u00e4nkung der Achslast auf den sogenannten Kleinprofillinien U1 bis U4. Allerdings m\u00fcssten wohl konstruktiv neue Wege bei den Fahrzeugen beschritten werden und sie w\u00e4ren deutlich teurer. F\u00fcr beides fehlt offensichtlich die Bereitschaft.<\/p>\n<p>Doch insbesondere auf U1 und U3 sowie der U5 mit ihren hohen Anteilen oberirdischer Abschnitte heizen sich die Wagen in der Sonne extrem auf. Bis auf 50 Grad Celsius k\u00f6nnen die Temperaturen steigen. Eine Abhilfe k\u00f6nnte es schon sein, wenn k\u00fcnftig Klappfenster auf beiden Fahrzeugseiten und an allen Fenstern eingebaut w\u00fcrden. Bisher gibt es sie nur auf einer Wagenseite, um Zugluft zu vermeiden. Das erinnert an die Denke der 1960er Jahre anstatt Klimaanpassung.<\/p>\n<p>Hitzeschutz m\u00fcsse \u00bbendlich oberste Priorit\u00e4t werden\u00ab, fordert Antje Kapek. \u00bbWir fordern daher einen Hitzegipfel und einen verbindlichen Hitzeschutzplan.\u00ab Auf Bundesebene m\u00fcssten Klimaschutz und Klimaanpassung im Grundgesetz verankert und der Ausstieg aus fossilen Energien beschleunigt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gerade volle U-Bahnen mit hohem Anteil von Au\u00dfenstrecken wie die U5 werden zur Hitzefalle. 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