{"id":1232966,"date":"2026-08-13T04:39:22","date_gmt":"2026-08-13T04:39:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1232966\/"},"modified":"2026-08-13T04:39:22","modified_gmt":"2026-08-13T04:39:22","slug":"russland-oberstes-gericht-schliesst-jabloko-von-der-duma-wahl-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1232966\/","title":{"rendered":"Russland: Oberstes Gericht schlie\u00dft Jabloko von der Duma-Wahl aus"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/shutterstock_2650227693-a66c15fcc40658e9.jpeg\"  width=\"6000\" height=\"3371\"  alt=\"Monumentaler Geb\u00e4udeeingang\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Eingang zur russischen Staatsduma: Der Partei Jabloko bleibt er versperrt<\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0Ultraskrip\/<a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/moscow-russia-june-04-2025-state-2650227693?trackingId=cd4bb403-272f-4898-8b8c-b84811f8e40b&amp;listId=searchResults\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Shutterstock.com<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Gericht kippt Zulassung von Oppositionspartei Jabloko. Die Partei sieht wegen ihrer Haltung zum Ukraine-Krieg eine politische Motivation. Ein \u00dcberblick.<\/p>\n<p>Der Oberste Gerichtshof der Russischen F\u00f6deration hat auf Klage der regierungsnahen Kleinpartei Rodina (Heimat) hin die oppositionelle Kleinpartei Jabloko (Apfel) von den Wahlen zur Staatsduma im September ausgeschlossen.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Am 10. August wurde zun\u00e4chst der Tenor des Urteils verk\u00fcndet, doch den \u00c4u\u00dferungen von Vertretern der Zentralen Wahlkommission waren Medienberichten <a href=\"https:\/\/www.kommersant.ru\/doc\/8876733?from=glavnoe_1\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">zufolge<\/a> Urheberrechtsverletzungen im Rahmen des Wahlkampfs der Hauptgrund f\u00fcr die Entscheidung.Parteivertreter von Jabloko und Kritiker sehen in dem Urteil einen Schritt politische Konkurrenz auszuschalten.<\/p>\n<p>Das Wahlprogramm der Partei umfasst nur 43 W\u00f6rter und beinhaltet die Forderung nach einer sofortigen Vereinbarung \u00fcber eine Waffenruhe im Krieg gegen die Ukraine, was im Widerspruch zur offiziellen Regierungshaltung steht.<\/p>\n<p><strong>Fragliche Anklagepunkte<\/strong><\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Vorw\u00fcrfe der Kl\u00e4ger bezog sich verschiedene auf Urheberrechtsverletzungen im Rahmen des Wahlkampfs. In den registrierten Wahlkampfmaterialien sei etwa ein Link zur Website von Jabloko enthalten, der zu einem Interview mit dem Parteigr\u00fcnder Grigori Jawlinski vom 27. Juli 2026 f\u00fchre, das eindeutig Wahlkampf-orientierten Charakter habe, argumentierten Vertreter von Rodina.<\/p>\n<p>Dabei seien etwa Textzeilen aus einem Lied, Embleme politischer Parteien, Abbildungen verschiedener \u00f6ffentlicher Personen sowie Filmausschnitte verwendet worden, obwohl die Partei keine Rechte zur Nutzung und Bearbeitung dieser Materialien erhalten habe.<\/p>\n<p>Neben anderen einzelnen Vergehen warf Rodina der Partei Jabloko eine Verletzung der Urheberrechte des US-amerikanischen Unternehmens OpenAI vor; aufgrund der Ver\u00f6ffentlichung von durch ChatGPT generierten Bildern. Nach Ansicht der Kl\u00e4ger sei ferner das Emblem der Partei dem Plakat des K\u00fcnstlers El Lissitzky aus dem fr\u00fchen 20. Jahrhundert mit dem Titel &#8222;Schlagt die Wei\u00dfen mit dem roten Keil&#8220; nachempfunden.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>\u00dcber die Verletzung von Urheberrechten hinaus wiesen die Kl\u00e4ger auf einen erheblichen Anstieg der Anzahl von Ver\u00f6ffentlichungen hin, deren Kosten nicht aus dem Wahlkampfbudget beglichen worden seien.<\/p>\n<p>Dabei seien Inhalte zur Unterst\u00fctzung von Jabloko-Anh\u00e4ngern in ausl\u00e4ndischen sozialen Netzwerken in H\u00f6he von mehr als 88 Millionen Rubel (rund 919.000 Euro) gef\u00f6rdert worden. Davon entfielen etwa 70 Millionen Rubel (731.000 Euro) auf Werbung bei ausl\u00e4ndischen Akteuren und in Russland gesperrten Social-Media-Plattformen, wobei eine Bezahlung aus Mitteln des Wahlfonds nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Zudem wertete Rodina die Forderung eines Waffenstillstands in einer Situation, in der ein Teil des Territoriums der neuen (beanspruchten, Anm. d. Verf.) F\u00f6derationssubjekte Russlands von den ukrainischen Streitkr\u00e4ften kontrolliert wird, als Aufruf zur Verletzung der territorialen Integrit\u00e4t der Russischen F\u00f6deration.<\/p>\n<p><strong>Jabloko weist Vorw\u00fcrfe zur\u00fcck<\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Vertreter von Jabloko wiesen die Vorw\u00fcrfe zur\u00fcck: Es gebe &#8222;keinerlei Gr\u00fcnde&#8220;, die Partei von den Wahlen auszuschlie\u00dfen. &#8222;Alle Unterlagen wurden von der Zentralen Wahlkommission gepr\u00fcft, die Entscheidung \u00fcber die Zulassung wurde einstimmig getroffen&#8220;, <a href=\"https:\/\/tass.com\/politics\/2171069\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">erinnerte<\/a> Parteichef Nikolai Rybakov.<\/p>\n<p>Allgemeine Redewendungen seien nicht urheberrechtlich gesch\u00fctzt, externe Ver\u00f6ffentlichungen seien nicht in Auftrag gegeben worden, und bei KI-generierten Bildern l\u00e4gen die Rechte beim Nutzer, nicht bei der KI. Die Parteisymbole seien als offizielles Material anzusehen, da sie von der Zentralen Wahlkommission bei der Ver\u00f6ffentlichung der Wahlergebnisse zur letzten Staatsduma verwendet worden seien. Die Behauptung, dass ein Waffenstillstand zu einer \u00c4nderung der Grenzen der Russischen F\u00f6deration f\u00fchren w\u00fcrde, sei eine Spekulation des Kl\u00e4gers.<\/p>\n<p>Diese Argumente \u00fcberzeugten das Gericht jedoch nicht. Mit dem Urteil folgte Richter Wjatscheslaw Kirillow einigen Punkten der Klage. Auf Ersuchen der Partei lie\u00df er jedoch eine <a href=\"https:\/\/orf.at\/stories\/3438790\/?keepThis=true&amp;TB_iframe=true&amp;height=650&amp;width=850&amp;caption=news.ORF.at\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Berufung<\/a> ausdr\u00fccklich zu.<\/p>\n<p>Laut Angaben des Wahlexperten Garegin Mitin habe es bislang noch keine F\u00e4lle gegeben, in denen eine Partei wegen Urheberrechtsverletzung von den Bundeswahlen ausgeschlossen wurde, allerdings sei dies bei regionalen und kommunalen Wahlen schon vorgekommen.<\/p>\n<p>Klage und Urteil wirken alles in allem politisch motiviert und politisch zustande gekommen. Die Zahlen sprechen jedoch eher dagegen, dass sich hier ein gro\u00dfer oppositioneller Konkurrent aufbauen w\u00fcrde und nun ausgeschaltet werde, wie es einige westliche Medienberichte suggerieren.<\/p>\n<p><strong>Politische Motivation und Implikationen<\/strong><\/p>\n<p>In Parteist\u00e4rke war Jabloko zuletzt im Jahr 1999 in die Staatsduma eingezogen mit 5,93 Prozent der Stimmen. 2003 scheiterte die Partei mit 4,3 Prozent an der F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde, war aber noch mit vier Einzelmandaten vertreten.<\/p>\n<p>Nach den offiziellen Ergebnissen der russischen Parlamentswahlen 2021 erhielt Jabloko noch 1,34 Prozent der Stimmen auf der f\u00f6derationsweiten Parteiliste. Es ist unwahrscheinlich, dass die Partei einen merklichen Faktor in der zuk\u00fcnftigen Parlamentspolitik spielen w\u00fcrde \u2013 was allerdings nicht den Ausschluss von den Duma-Wahlen rechtfertigen kann.<\/p>\n<p>Von der allgemeinen Thematik her hat die Partei Neue Leute, die 2021 mit 5,32 Prozent erstmals knapp in die Staatsduma eingezogen war, am ehesten Konkurrenz durch Jabloko zu f\u00fcrchten und k\u00f6nnte durch diese Partei um den Wiedereinzug bangen. Ob diesbez\u00fcglich politische Machenschaften im Hintergrund des vorliegenden Sachverhalts eine Rolle spielen, liegt im Bereich des M\u00f6glichen, kann aber nur gemutma\u00dft werden.<\/p>\n<p>Es bleibt derzeit der Zeitpunkt sowie die Art und Weise des Berufungsverfahrens abzuwarten und welche Aufmerksamkeit es bekommt. Schlie\u00dflich war die Partei zuvor bereits zu den Parlamentswahlen zugelassen.<\/p>\n<p>Vom 18. bis 20. September finden in der Russischen F\u00f6deration neben der Wahl zur Staatsduma auch zahlreiche Kommunal- und Regionalwahlen statt, an denen Jabloko auf lokalen Ebenen in vielen, aber nicht allen F\u00f6derationssubjekten zugelassen ist. Die Partei kann ihre Inhalte verbreiten und es liegt kein allgemeines Verbotsverfahren gegen sie vor.<\/p>\n<p>In der Ukraine, die von westlichen Staaten explizit als Demokratie eingeordnet wird, wurden bereits seit 2022 eine Reihe von Oppositionsparteien mit oppositionellen prorussischen Inhalten verboten; darunter etwa die Oppositionsplattform f\u00fcr das Leben, die Partei der Regionen (die ehemalige Partei des fr\u00fcheren Pr\u00e4sidenten Viktor Janukowitsch), die Kommunistische Partei der Ukraine sowie zuletzt die Slawische Partei (verboten im Oktober 2024) und Partei &#8222;Rus&#8220; (verboten im Juni 2026).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eingang zur russischen Staatsduma: Der Partei Jabloko bleibt er versperrt (Bild:\u00a0Ultraskrip\/Shutterstock.com) Gericht kippt Zulassung von Oppositionspartei Jabloko. Die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1232967,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[4013],"tags":[331,332,59784,13,61176,14,15,5566,4043,4044,850,307,12,1712,4672],"class_list":["post-1232966","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-russland","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-duma","tag-headlines","tag-jabloko","tag-nachrichten","tag-news","tag-parteien","tag-russia","tag-russian-federation","tag-russische-foederation","tag-russland","tag-schlagzeilen","tag-ukraine-krieg","tag-wahlen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117086359899501716","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1232966","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1232966"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1232966\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1232967"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1232966"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1232966"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1232966"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}