{"id":1233013,"date":"2026-08-13T05:13:42","date_gmt":"2026-08-13T05:13:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1233013\/"},"modified":"2026-08-13T05:13:42","modified_gmt":"2026-08-13T05:13:42","slug":"neues-schuljahr-2026-27-in-sachsen-kultusminister-erntet-eine-deutliche-hausaufgabenkritik-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1233013\/","title":{"rendered":"Neues Schuljahr 2026\/27 in Sachsen: Kultusminister erntet eine deutliche Hausaufgabenkritik \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p class=\"translation-notice\">This article is also available in English: <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/en\/leipzig-educates\/2026\/08\/new-school-year-2026-27-in-saxony-minister-for-education-faces-strong-criticism-over-homework-policy-666953\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Read this article in English<\/a>.<\/p>\n<p>Mit rund 527.300 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler startet am Montag, dem 17. August, das neue Schuljahr in Sachsen. F\u00fcr rund 37.700 Erstkl\u00e4ssler (2025: 38.388) beginnt damit das gro\u00dfe Lernen. Aber es wird wieder \u2013 wie in den Vorjahren \u2013 knapp. Denn Sachsen gelang es nur, in Vorbereitung auf das kommende Schuljahr 905 Lehrkr\u00e4fte einzustellen, \u00fcber 100 weniger als geplant. Diese teilen sich auf in 731 grundst\u00e4ndig ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer sowie 17 p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte. Hinzu kommen 157 Seiteneinsteiger, die zum neuen Schuljahr vor der Klasse stehen und unterrichten.<\/p>\n<p>87 der eingestellten grundst\u00e4ndig ausgebildeten Lehrkr\u00e4fte wurden in anderen Bundesl\u00e4ndern ausgebildet.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/e253bbcd3e654b7c94894b150af3cf39.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/leipzig-bildet\/2026\/08\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/leipzig-bildet\/2026\/08\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Absolventen bewarb sich f\u00fcr eine Anstellung in den Ballungsgebieten Leipzig und Dresden. Allen ausgebildeten Bewerbern wurde ein Einstellungsangebot gemacht, so Kultusminister Conrad Clemens: \u201eWir werden Unterrichtsausfall im neuen Schuljahr weiter senken. Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung bleibt die gerechte Verteilung der zur Verf\u00fcgung stehenden Lehrerinnen und Lehrer auf ganz Sachsen.<\/p>\n<p>Ein Teil der jungen Lehrkr\u00e4fte m\u00f6chte ausschlie\u00dflich in Leipzig arbeiten. Gleichzeitig sind wir verpflichtet, eine gute Unterrichtsversorgung im ganzen Freistaat zu gew\u00e4hrleisten. Das gelingt nur, wenn wir gemeinsam umdenken. Ich danke all denjenigen, die bereit waren, einen etwas l\u00e4ngeren Anfahrtsweg auf sich zu nehmen oder gar ihre gewohnte Umgebung zu verlassen. Wir alle verfolgen dasselbe Ziel: Kindern \u00fcberall in Sachsen \u2013 unabh\u00e4ngig von Wohnort und Schulart \u2013 den besten Unterricht zu erm\u00f6glichen.\u201c<\/p>\n<p>Medienbildung, aber wie?<\/p>\n<p>Au\u00dferdem habe man alle 528 Lehrplandokumente aller F\u00e4cher und Schularten \u00fcberarbeitet.<\/p>\n<p>\u201eDie Lehrpl\u00e4ne sollen den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern k\u00fcnftig mehr Kompetenzen vermitteln und p\u00e4dagogische Freir\u00e4ume f\u00fcr \u00dcbungs- und Vertiefungsphasen geben\u201c, so das Ministerium.<\/p>\n<p>Die Themen Medienbildung und Digitalisierung seien ein zentraler Schwerpunkt des Handlungsfeldes \u201eLernen\u201c in der Strategie Bildungsland 2030 und w\u00fcrden auch im Schuljahr 2026\/2027 weiterentwickelt. Immerhin sollen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler vor den Risiken hoher Bildschirmzeiten gesch\u00fctzt und konzentriertes Lernen in den Schulen gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr werde das bereits seit Februar 2026 an den Grundschulen und der Primarstufe der F\u00f6rder- und Gemeinschaftsschulen geltende Handyverbot auf die Klassenstufen 5 bis 8 ausgeweitet. Zur Umsetzung habe das SMK gemeinsam mit dem Landesamt f\u00fcr Schule und Bildung<a href=\"http:\/\/mesax.de\/handy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"> umfangreiche Hinweise erarbeitet.<\/a><\/p>\n<p>GEW zum Schuljahresbeginn 2026\/27: Kultusministerium \u00fcberspannt den Bogen deutlich<\/p>\n<p>Doch das neue Schuljahr in Sachsen startet aus Sicht der Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen mit einer noch angespannteren Lage als das vergangene. Die vom Kultusministerium erwarteten \u00fcber 1.000 Neueinstellungen von Lehrkr\u00e4ften wurden nicht erreicht. Die GEW kritisiert insbesondere den Umgang mit den Lehrkr\u00e4ften durch die massive Ausweitung der Abordnungen und warnt vor den langfristigen Folgen der aktuellen Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Burkhard Naumann, Vorsitzender der Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen, erkl\u00e4rt dazu: \u201eDie angespannte Lage an den Schulen verschlimmert sich im neuen Schuljahr noch weiter. Die Belastung steigt durch die massive Ausweitung der Abordnungen immer weiter. Lehrkr\u00e4fte m\u00fcssen damit an mehreren Schulen unterrichten, h\u00e4ufig schulart- und fachfremd.<\/p>\n<p>An der Stammschule entstehen neue Engp\u00e4sse. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler erleben einen regelm\u00e4\u00dfigen Wechsel der Fachlehrkr\u00e4fte und Klassenleitungen. Dabei ist die Basis von guter Bildung eine kontinuierliche Beziehung zwischen Lernenden und Lehrkr\u00e4ften und nicht die Unterrichtsstatistik. Das Kultusministerium \u00fcberspannt den Bogen nun deutlich. Die Gleichverteilung des Elends ist keine L\u00f6sung.\u201c<\/p>\n<p>Die GEW Sachsen kritisiert die Ausweitung der Abordnungen auf \u00fcber 5.000 Lehrkr\u00e4fte, den Umgang mit \u00e4lteren Lehrkr\u00e4ften, die seit dem letzten Schuljahr mehr unterrichten m\u00fcssen, sowie den Umgang mit angehenden Lehrkr\u00e4ften. Diese m\u00fcssen jetzt im Referendariat ohne Gegenleistung mehr unterrichten, nachdem ihre Betreuung durch die Fachausbildungsleitungen seit dem letzten Schuljahr verringert wurde.<\/p>\n<p>\u201eLehrkr\u00e4fte verlassen nun fr\u00fcher den Beruf, Referendarinnen und Referendare wandern ab\u201c, beschreibt Naumann die Folgen.<\/p>\n<p>\u201eSachsen-Anhalt und Th\u00fcringen vermeldeten in diesem Sommer mehr Bewerbungen aus Sachsen. Die aktuellen Ma\u00dfnahmen des Kultusministeriums verst\u00e4rken das Problem, statt es zu l\u00f6sen. Das Tischtuch ist nach wie vor zu klein. Wenn man an allen Seiten zieht, rei\u00dft es irgendwann. Die gek\u00fcrzten Schulbudgets im aktuellen Haushalt rei\u00dfen ebenso L\u00f6cher bei der Unterst\u00fctzung von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, die nicht gestopft werden. Wir ben\u00f6tigen Ma\u00dfnahmen mit Augenma\u00df und unter Einbeziehung der Lehrkr\u00e4fte und Schulleitungen. Die massiven Abordnungen, der Unmut der Lehrkr\u00e4fte und die Absenkung der Qualit\u00e4tsstandards, beispielsweise bei Deutsch als Zweitsprache, werden langfristig deutlich negative Folgen f\u00fcr Bildung in Sachsen bringen.\u201c<\/p>\n<p>Die GEW Sachsen begr\u00fc\u00dft zumindest die Reform der Lehrpl\u00e4ne und mehr Medienbildung grunds\u00e4tzlich. \u201eBei der Reform der Lehrpl\u00e4ne stellt sich die Frage, wer diese erstellt\u201c, \u00e4u\u00dferte sich Burkhard Nauman am Dienstag dazu trotzdem kritisch: \u201eWerden Fachberaterinnen und Fachberater ebenso wie die wissenschaftliche Perspektive einbezogen oder geschieht das allein am Schreibtisch im Kultusministerium? Bei der Digitalisierung ist noch immer ungekl\u00e4rt, wer sich um die hunderten Endger\u00e4te an jeder Schule k\u00fcmmern soll. Das erledigen Lehrkr\u00e4fte auch noch zus\u00e4tzlich.\u201c<\/p>\n<p>Luise Neuhaus-Wartenberg: Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass irgendwer euphorisch ins neue Schuljahr startet<\/p>\n<p>Aus der Pressekonferenz des Kultusministers zum Schuljahresstart 2026\/2027 kam auch die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im S\u00e4chsischen Landtag, Luise Neuhaus-Wartenberg, ziemlich ern\u00fcchtert.<\/p>\n<p>\u201eDer Kultusminister begr\u00fc\u00dft die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler im neuen Schuljahr mit der Ausweitung des Handy-Verbotes und die angehenden Lehrkr\u00e4fte mit Mehrarbeit. Trotz vieler Neueinstellungen f\u00e4llt viel Unterricht aus und es fehlt Unterst\u00fctzungspersonal in multiprofessionellen Teams. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass irgendwer euphorisch ins Schuljahr startet\u201c, fasst Neuhaus-Wartenberg zusammen, was sie geh\u00f6rt hat. \u201eTrotzdem w\u00fcnschen wir sowohl den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern als auch den Lehrkr\u00e4ften und Eltern bestm\u00f6gliches Gelingen!\u201c<\/p>\n<p>Mit Freude vernehme sie auch, dass alle Lehrpl\u00e4ne \u00fcberarbeitet werden sollen.<\/p>\n<p>\u201eDas hat die Staatsregierung lange verschleppt. Wir m\u00fcssen Lehren und Lernen in Methode und Inhalt modernisieren \u2013 f\u00fcr weniger Frontalunterricht und mehr Selbstst\u00e4ndigkeit. Es geht nicht mehr vor allem darum, m\u00f6glichst viel Wissen zu speichern\u201c, sagt die Bildungspolitikerin.<\/p>\n<p>\u201eWir m\u00fcssen die Schulbildung auf die H\u00f6he der Zeit und des p\u00e4dagogischen Erkenntnisstands bringen. Dazu geh\u00f6rt es auch, mehr Gemeinschaftsschulen zu erm\u00f6glichen. Junge Leute und auch alle anderen m\u00fcssen lernen, Fragen zu stellen, Wissen einzuordnen, Probleme zu l\u00f6sen und ein gutes Miteinander zu pflegen. Fraglich ist allerdings, ob und wie Menschen aus der Praxis in die Lehrplan-Aktualisierung einbezogen werden.\u201c<\/p>\n<p>Eher R\u00fcckschritt als Fortschritt sehe die Linksfraktion hingegen bei der Medienbildung. Das ausgeweitete Handy-Verbot simuliere eine L\u00f6sung, die den Medienkompetenz-Mangel nicht behebt.<\/p>\n<p>\u201eDas Problem ist doch, dass junge Menschen in und mit der digitalen Welt allein gelassen werden. 15 Stunden digitales Selbstlernen in der 7. und 8. Klasse werden ihnen kaum helfen. Wir fordern seit Jahren ein Fach Medienkunde und die Integration von Medienbildung in den Ganztag\u201c, so Neuhaus Wartenberg. \u201eJunge Menschen werden in sozialen Medien mit Inhalten konfrontiert, die tiefe Spuren in ihrer Psyche, ihrem Verhalten und im Umgang mit anderen Menschen hinterlassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Fachleute und medienp\u00e4dagogisch geschulte Lehrkr\u00e4fte m\u00fcssen f\u00fcr die Gefahren sensibilisieren. Die Betreiber der Plattformen m\u00fcssen gezwungen werden, menschenverachtende Bilder und Videos nicht mehr allen frei zug\u00e4nglich zu machen. Junge Menschen sind trotz des Handyverbots Mobbing, Erniedrigung und Bedrohung ausgesetzt. Die Schulen brauchen daf\u00fcr geschultes Personal und \u00fcberall das entsprechende Problembewusstsein. Digitale Tafeln ohne Internetzugang und Klassens\u00e4tze mit Tablets, deren Wartung die Lehrkr\u00e4fte nebenbei \u00fcbernehmen m\u00fcssen, reichen auch hierf\u00fcr nicht aus.\u201c<\/p>\n<p>Gerald Eisenbl\u00e4tter: Unterrichtsversorgung bleibt eine Herausforderung<\/p>\n<p>Und auch Gerald Eisenbl\u00e4tter, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im S\u00e4chsischen Landtag, formuliert vorsichtig sein Unbehagen an den neuen Zahlen des Kultusministerium.<\/p>\n<p>\u201eDie Unterrichtsversorgung bleibt Sachsens gr\u00f6\u00dfte bildungspolitische Herausforderung. Wer Lehrermangel und Unterrichtsausfall bek\u00e4mpfen will, muss gut ausgebildete junge Lehrkr\u00e4fte im Freistaat halten. Daf\u00fcr brauchen wir gezielte Anreize f\u00fcr Bedarfsregionen und Mangelf\u00e4cher, klare Perspektiven, eine offenen Kommunikation der Kultusverwaltung und mehr Transparenz \u00fcber k\u00fcnftige Bedarfe. Gute Bildung darf nicht vom Wohnort abh\u00e4ngen\u201c, sagte Eisenbl\u00e4tter am Dienstag.<\/p>\n<p>\u201eDie neuen Lehrpl\u00e4ne sind ein wichtiger Schritt f\u00fcr das \u201aBildungsland Sachsen 2030\u2018. Schule muss st\u00e4rker vermitteln, wie Lernen gelingt: weniger Auswendiglernen, mehr Kompetenzen, Selbstst\u00e4ndigkeit und soziales Miteinander.\u201c<\/p>\n<p>Auch so kann man es formulieren, wenn man dem zust\u00e4ndigen Kultusminister ein \u201eungen\u00fcgend\u201c verbrieft. Hausaufgaben nur zur H\u00e4lfte gemacht. Das ist zu wenig. Auch wenn es um den Umgang mit den modernen Medien geht.<\/p>\n<p>\u201eWer die Schulqualit\u00e4t datengest\u00fctzt verbessern will, muss jetzt die gesetzlichen Grundlagen schaffen. Kultusminister Clemens muss die Schulgesetznovelle endlich auf den Weg bringen. Wir brauchen moderne Regeln f\u00fcr Digitalit\u00e4t, Schulentwicklung und Qualit\u00e4tssicherung und ein zukunftssicheres Schulnetz. Wenn wir ein Schulsterben in den 2030er-Jahren verhindern wollen, m\u00fcssen wir jetzt handeln\u201c, so Eisenbl\u00e4tter.<\/p>\n<p>\u201eAllen Schulanf\u00e4nger:innen, Sch\u00fcler\/-innen und Lehrer\/-innen w\u00fcnschen wir einen guten Start ins neue Schuljahr. Schule lebt von Neugier, Lernfreude und dem gemeinsamen Spa\u00df am Lernen. Genau das wollen wir st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n<p>Aber wer ist dieses \u201ewir\u201c, wenn genau das nun schon seit Jahren mit wechselnden Kultusminister\/-innen nicht gelungen ist? Das neue Schuljahr wird genau diese Frage wohl nicht beantworten, steht zu f\u00fcrchten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"This article is also available in English: Read this article in English. 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