{"id":1233274,"date":"2026-08-13T08:07:17","date_gmt":"2026-08-13T08:07:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1233274\/"},"modified":"2026-08-13T08:07:17","modified_gmt":"2026-08-13T08:07:17","slug":"eu-erweiterung-vor-bewaehrungsprobe-bruessel-ringt-um-kurs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1233274\/","title":{"rendered":"EU-Erweiterung vor Bew\u00e4hrungsprobe: Br\u00fcssel ringt um Kurs"},"content":{"rendered":"<p>Erstmals seit dem Brexit hat die EU wieder eine greifbare Chance auf Wachstum. L\u00e4nder wie Montenegro stehen kurz vor dem Beitritt, andere sehen in Europa einen Sicherheitsanker. Die Erweiterungspl\u00e4ne in Br\u00fcssel steuern damit auf ihre Bew\u00e4hrungsprobe zu.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Die EU-Erweiterung erlebt derzeit eine historische Dynamik. Mehrere Vorreiter n\u00e4hern sich der Ziellinie, die Ukraine und Moldau l\u00f6sen sich mit klaren Schritten aus Moskaus Einfluss, und Island pr\u00fcft, ob es Beitrittsgespr\u00e4che wiederaufnimmt.<\/p>\n<p>Seit Jahren war die Lage nicht so vielversprechend. EU-Beamte verweisen darauf, dass in den vergangenen sechs Monaten mehr Verhandlungskapitel abgeschlossen wurden als im gesamten letzten Jahrzehnt.<\/p>\n<p>Br\u00fcssel nutzt die EU-Beitrittsperspektive zunehmend als au\u00dfenpolitisches Instrument: Sie soll den Einfluss der Union in der Nachbarschaft festigen, Sicherheitsgarantien ausweiten, die feindliche M\u00e4chte ausbremsen und Stabilit\u00e4t in einer volatilen geopolitischen Lage verankern.<\/p>\n<p>Je konkreter die Aussicht auf eine vergr\u00f6\u00dferte Union wird, desto h\u00e4ufiger sehen sich die EU-Institutionen und die Mitgliedstaaten mit politischen und strategischen Grundsatzfragen konfrontiert. Sie spitzen sich zu, falls die n\u00e4chste Erweiterungsrunde tats\u00e4chlich kommt.<\/p>\n<p><strong>Geografisches Gleichgewicht<\/strong><\/p>\n<p>Ein zentrales Thema jeder Erweiterung ist das geografische Gleichgewicht, besonders seit der \u201eBig Bang\u201c-Runde von 2004. Damals traten zehn mittel- und osteurop\u00e4ische Staaten bei. In vielen westeurop\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten entstand der Eindruck, der Schwerpunkt der EU sei zu weit nach Osten ger\u00fcckt.<\/p>\n<p>Die derzeitigen Vorreiter Montenegro und Albanien w\u00fcrden dieses Gleichgewicht wegen ihrer geringen Gr\u00f6\u00dfe kaum ver\u00e4ndern. Doch je n\u00e4her sie dem Ziel kommen, desto dringlicher wird die Frage, wie die EU mit dem wichtigsten Staat der Westbalkans, Serbien, umgeht, der unter den Mitgliedstaaten ein umstrittenes Thema bleibt.<\/p>\n<p>Die selbst ernannten \u201eFreunde des Westbalkans\u201c stellen die geopolitischen \u00dcberlegungen hinter dem Beitrittskurs Belgrads infrage. Sie warnen, das auf Leistungen basierende Verfahren werde nicht f\u00fcr alle Kandidaten gleich angewandt.<\/p>\n<p>Der Druck w\u00e4chst, noch vor Jahresende weitere Verhandlungskapitel mit der Ukraine und Moldau zu \u00f6ffnen. Damit werden auch die Rufe lauter, das geografische Gleichgewicht zu wahren. Am Ende k\u00f6nnte der Fortschritt der Ukraine sogar davon abh\u00e4ngen, wie es mit <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/07\/27\/stockende-verhandlungen-mit-serbien-bremsen-eu-beitritt-der-ukraine-aus\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Serbien<\/a> weitergeht.<\/p>\n<p>Island k\u00f6nnte den wirtschaftlichen Zuschnitt der Union unerwartet neu ausbalancieren. Der wohlhabende nordische Staat l\u00e4sst bis zum 29. August in einem Referendum dar\u00fcber abstimmen, ob er die Beitrittsgespr\u00e4che mit der EU wieder aufnehmen soll.<\/p>\n<p>Die Ukraine bleibt zugleich das gro\u00dfe Thema, \u00fcber das niemand hinwegsehen kann. In den EU-Hauptst\u00e4dten ist klar: In einem k\u00fcnftigen Friedensabkommen mit Moskau muss irgendeine Form europ\u00e4ischer Mitgliedschaft oder Sicherheitsgarantie f\u00fcr Kyjiw eine Rolle spielen.<\/p>\n<p>Trotz ihrer vergleichsweise kleinen Wirtschaft w\u00fcrde Kyjiw wegen Fl\u00e4che, Bev\u00f6lkerungszahl und milit\u00e4rischer St\u00e4rke zu einem einflussreichen Mitgliedstaat, vor allem in der Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik. Br\u00fcssel muss sich daher grunds\u00e4tzlicher denn je fragen, wie eine vergr\u00f6\u00dferte Union \u00fcberhaupt funktionieren soll.<\/p>\n<p><strong>Reformbedarf<\/strong><\/p>\n<p>In ihrer Rede zur Lage der Union 2023 k\u00fcndigte EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen politische \u00dcberpr\u00fcfungen vor der Erweiterung an. Sie sollten als Blaupause dienen, wie eine EU mit 30 oder mehr Mitgliedern funktionieren kann.<\/p>\n<p>Der Plan verschwand jedoch zun\u00e4chst in der Schublade. Der Beitrittsantrag der Ukraine machte die Fragen praktisch und politisch komplizierter. Nun will die Kommission das Konzept am 30. September vorlegen und damit die <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/07\/06\/exklusiv-eu-kommission-erweiterung-orban\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Initiative zur\u00fcckgewinnen<\/a>.<\/p>\n<p>Seit die Erweiterung ganz oben auf der Br\u00fcsseler Agenda steht, diskutieren die europ\u00e4ischen Regierungen, wie sie die n\u00e4chste Kandidatenwelle steuern. Im Gespr\u00e4ch sind etwa <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/06\/10\/funf-eu-staaten-fordern-strengere-regeln-mitglieder\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">strengere demokratische Schutzklauseln<\/a> f\u00fcr neue Mitglieder \u2013 eine Lehre aus der Entwicklung Ungarns unter Viktor Orb\u00e1n \u2013 sowie eine schrittweise Integration, die den Kandidaten fr\u00fch greifbare Vorteile bringen soll.<\/p>\n<p>Noch grunds\u00e4tzlicher soll die Kommission Reformen der eigenen Arbeitsweise vorschlagen, damit Br\u00fcssel auch nach einer Erweiterung handlungsf\u00e4hig bleibt.<\/p>\n<p>Zugleich mehren sich die Forderungen, das Einstimmigkeitsprinzip etwa in der Au\u00dfenpolitik abzuschaffen. Bef\u00fcrworter wollen die au\u00dfenpolitische Handlungsf\u00e4higkeit des Blocks in einer angespannten Weltlage st\u00e4rken \u2013 auch, weil Orb\u00e1n Entscheidungen der EU wiederholt blockiert hat.<\/p>\n<p>Auch der alte Vorschlag, die EU-Kommission zu verkleinern und beweglicher zu machen, d\u00fcrfte wieder auf den Tisch kommen. Daf\u00fcr m\u00fcsste das Prinzip fallen, dass jeder Mitgliedstaat eine Kommissarin oder einen Kommissar stellt \u2013 eine Regel, an der vor allem kleinere L\u00e4nder festhalten.<\/p>\n<p>Skeptiker halten den Zeitpunkt f\u00fcr ungeeignet. In mehreren zentralen EU-Staaten stehen im kommenden Jahr Wahlen an. In Frankreich etwa erscheint die Aussicht so realistisch wie nie, dass eine rechtsextreme, europaskeptische Kandidatin oder ein Kandidat des Rassemblement National den \u00c9lys\u00e9e-Palast erobert.<\/p>\n<p>Andere entgegnen, irgendwo in Europa finde immer eine wichtige Wahl statt; l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Reformen d\u00fcrften deshalb nicht weiter verschoben werden.<\/p>\n<p><strong>Unsicherheit bei der Ratifizierung<\/strong><\/p>\n<p>Der Erweiterungsprozess der EU beruhte bislang auf der Annahme, dass die bestehenden Staaten neue Mitglieder grunds\u00e4tzlich aufnehmen wollen.<\/p>\n<p>\u00dcblicherweise tragen die EU-L\u00e4nder ihre Vorbehalte aus, bevor die Beitrittsverhandlungen abgeschlossen sind. Die langj\u00e4hrigen Auseinandersetzungen Nordmazedoniens \u2013 zun\u00e4chst mit Griechenland \u00fcber den Staatsnamen, sp\u00e4ter mit Bulgarien \u00fcber Minderheitenrechte \u2013 gelten als besonders prominentes Beispiel.<\/p>\n<p>Ein offenes Veto erst im Stadium der Ratifizierung w\u00e4re zwar neu, bleibt aber ein reales Risiko. In Gr\u00fcndungsstaaten wie den Niederlanden und Frankreich hat sich das politische Spektrum deutlich nach rechts verschoben. Viele W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler stehen Erweiterungen skeptischer gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Wie Montenegros Missionschef bei der EU, Petar Markovi\u0107, Euronews sagte, nimmt sein Land zus\u00e4tzliche Auflagen bei Rechtsstaatlichkeit und Demokratie bewusst in Kauf \u2013 auch, um den Ratifizierungsprozess zu erleichtern.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Unbekannte bleibt Frankreich. Paris \u00e4nderte 2005 die Verfassung: Jeder neue Beitrittsvertrag muss seither in einem nationalen Referendum best\u00e4tigt oder mit einer Drei-F\u00fcnftel-Mehrheit in einer gemeinsamen Sitzung beider Parlamentskammern angenommen werden.<\/p>\n<p>Erneut d\u00fcrfte Montenegro zum Testfall werden. Die Ratifizierung k\u00f6nnte mit jener Albaniens geb\u00fcndelt werden \u2013 je nach Tempo in Tirana \u2013 oder mit der Islands, abh\u00e4ngig vom Ausgang des dortigen Referendums.<\/p>\n<p>\u201eWenn Montenegro es nicht schafft, ger\u00e4t der gesamte Prozess nat\u00fcrlich sehr ernsthaft ins Wanken\u201c, sagte Florian Bieber, Koordinator der Balkans in Europe Policy Advisory Group, Euronews. \u201eEs braucht einen sehr klaren Notfallplan, um mit einem solchen Szenario umzugehen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Erstmals seit dem Brexit hat die EU wieder eine greifbare Chance auf Wachstum. 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