{"id":1233611,"date":"2026-08-13T11:34:28","date_gmt":"2026-08-13T11:34:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1233611\/"},"modified":"2026-08-13T11:34:28","modified_gmt":"2026-08-13T11:34:28","slug":"nach-leipzig-israelischer-militaerexperte-ueber-drohnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1233611\/","title":{"rendered":"Nach Leipzig: Israelischer Milit\u00e4rexperte \u00fcber Drohnen"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Herr Orbach, nach dem Drohnenfund in Leipzig will die deutsche Politik die Abwehr st\u00e4rken. Bundesau\u00dfenminister Alexander Dobrindt hofft auch auf Hilfe aus Israel. Wie gro\u00df ist der Vorsprung?<\/strong><br \/>Israel ist sehr ge\u00fcbt darin, Drohnen aus fernen L\u00e4ndern oder von jenseits der Grenze abzufangen. Sein Verteidigungssystem ist nach au\u00dfen gerichtet. Doch wie wir am Oktober 2023 gesehen haben, funktionieren Israels Systeme nicht so gut, wenn das Land \u00fcberrascht wird und es auf eigenem Territorium zu K\u00e4mpfen kommt. Das Problem ist, dass Israel jetzt gro\u00dfe Angst vor Drohnen im Inland hat. Sie kommen nicht von jenseits der Grenze, sondern vielleicht aus einem Geb\u00e4ude nebenan. Wirklich be\u00e4ngstigend ist auch, dass kriminelle Netzwerke Drohnen f\u00fcr Attentate und andere kriminelle Operationen einsetzen k\u00f6nnen. Doch alles, was kriminell ist, unterliegt deutlich weniger rechtlichen M\u00f6glichkeiten als Bedrohungen der Sicherheit. Die israelische Polizei ist, wie \u00fcberall auf der Welt, an Grund- und Menschenrechte gebunden. Es besteht also eine Spannung zwischen den Ereignissen im Innern und denen au\u00dferhalb des Landes.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Werden Drohnen zu einer zentralen Waffe in der modernen Kriegsf\u00fchrung?<\/strong><br \/>Ich w\u00fcrde Drohnen als Waffe gegen das Milit\u00e4r nicht \u00fcberbewerten. Beide Seiten ziehen noch immer, wenn m\u00f6glich, Artillerie den Drohnen vor. Au\u00dferdem wissen Milit\u00e4rs, wie etwa in Israel, im Kampf gegen \u00e4u\u00dfere Feinde viel besser mit Drohnen umzugehen. Nat\u00fcrlich gibt es Verluste, aber die gibt es im Krieg immer. Die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung durch Drohnen liegt in der Terrorisierung der Bev\u00f6lkerung. Denn wenn ein Drohnenschwarm \u00fcber der Stadt kreist, kann man nicht erwarten, dass beispielsweise eine Person, die gerade vom Einkaufen kommt, achtsam in den Himmel schaut. Wie man mit einem Drohnenschwarm gegen Zivilisten umgeht, ist eine sehr schwierige Frage. Auch bei sogenannten Nadelstichen, Angriffen auf sensible Ziele oder gezielte T\u00f6tungen, spielen Drohnen eine wichtige Rolle. Ich denke, hier liegt der \u00bbVorteil\u00ab der Drohnen. Nicht gegen Armeen, die besser gesch\u00fctzt und ausgebildet sind, sondern gegen \u00bbweichere Ziele\u00ab, insbesondere f\u00fcr den Terror.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zivile Drohnen sind billig und weit verbreitet. Wie besorgt sollten Regierungen sein?<\/strong><br \/>Drohnen demokratisieren die Gewalt. Mittel, die einst gro\u00dfen Staaten vorbehalten waren, sind jetzt f\u00fcr wenig Geld zu bekommen. Praktisch jeder kann sie kaufen, Privatpersonen und auch Terrororganisationen wie die Hamas. W\u00e4hrend man im Zweiten Weltkrieg eine Supermacht sein musste, um \u00fcber modernste Milit\u00e4rausr\u00fcstung zu verf\u00fcgen, gibt es das jetzt f\u00fcr kleines Geld. Aber es geht nicht nur darum, dass Abfangsysteme teuer und Drohnen billig sind \u2013 dies ist das altbekannte Problem, das das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zugunsten der Offensive verschiebt \u2013, es geht auch um Produktionsgeschwindigkeit. Westliche L\u00e4nder sind in allem extrem langsam: Beschaffung, Verteidigungsb\u00fcrokratie und Produktion. Die Amerikaner etwa sind nicht in der Lage, genug von irgendetwas herzustellen. Was Roosevelt im Zweiten Weltkrieg geschafft hat, k\u00f6nnen Biden, Trump oder andere heute nicht mehr. Schlicht, weil die Systeme viel zu langsam geworden sind. Terroristische und kriminelle Organisationen indes sind sehr schnell. Sie kennen weder Arbeitnehmerrechte noch b\u00fcrokratische Vorschriften.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was ist schwieriger zu handhaben: billige kommerzielle Drohnen oder hochentwickelte milit\u00e4rische Unbemannte Luftfahrzeuge (UAV)?<\/strong><br \/>Das Problem mit Drohnen ist genau dies: Sie stehen in so vielen verschiedenen Varianten f\u00fcr unterschiedliche Akteure zur Verf\u00fcgung. Dazu kommt \u2013 das wissen wir aus europ\u00e4ischen, s\u00fcdamerikanischen und auch eigenen Erfahrungen \u2013, dass aus kriminellen Netzwerken leicht terroristische werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Israelische Soldaten wurden im S\u00fcdlibanon mehrfach auch von Drohnen angegriffen. Hat dies die Vorgehensweise der Armee ver\u00e4ndert?<\/strong><br \/>Es gab Verluste durch Drohnen. Doch das Milit\u00e4r ist gut gesch\u00fctzt und ausgebildet. Israel wei\u00df im Kampf gegen einen externen Feind viel besser mit Drohnen umzugehen. Das Problem der Drohnen liegt im Einsatz gegen die Bev\u00f6lkerung. F\u00fcr Akteure wie die westlichen Armeen, die Deutschen, die Ukrainer und auch uns selbst ist das V\u00f6lkerrecht wichtig. Wir greifen deshalb keine Zivilisten an. Hamas, Hisbollah und andere Terrororganisationen halten sich aber nicht daran.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Traditionelle Luftverteidigungssysteme wurden haupts\u00e4chlich f\u00fcr Raketen entwickelt. Wie schwierig ist es, kleine Drohnen zu erkennen und abzufangen?<\/strong><br \/>Wir haben im Libanon gro\u00dfe Probleme mit Drohnen mit der sogenannten First-Person-View-Funktion, da diese \u00fcber Glasfaser\u00adkabel funktionieren und nicht gest\u00f6rt werden k\u00f6nnen. Und man stelle sich Drohnen mit KI vor, die nicht auf GPS-Verbindung angewiesen sind, da sie bereits wissen, was zu tun ist. \u00dcber all dies m\u00fcssen wir nachdenken. Gleichzeitig sollten wir nicht vergessen, dass Israel viel gelernt hat. Allerdings noch nicht genug \u2013 denn die Technologie der Drohnen entwickelt sich schnell und st\u00e4ndig weiter.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Israel investiert in Laserabwehr. Wird es das Verh\u00e4ltnis zwischen Angriff und Verteidigung grundlegend ver\u00e4ndern?<\/strong><br \/>Nat\u00fcrlich ist der Laser eine Verteidigungsma\u00dfnahme, und er sollte das Verh\u00e4ltnis zugunsten der Verteidigung verschieben. Die Technologie wurde der Armee von der Industrie zur Verf\u00fcgung gestellt, aber aus mir unbekannten Gr\u00fcnden noch nicht in Betrieb genommen. Generell kann man sagen, dass es nicht so einfach ist, etwas, das wissenschaftlich funktioniert, in die Praxis umzusetzen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Laser das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis wirklich ver\u00e4ndern wird. Denn es geht nicht nur um den Preis, sondern ebenso auch darum, etwas schnell herstellen zu k\u00f6nnen. Man kann eine billige Drohne und ein sehr teures Abfangsystem haben, aber man muss die Verteidigungssysteme auch zeitnah genug produzieren k\u00f6nnen. Die Ukraine hat in gewisser Weise Fortschritte bei der L\u00f6sung des Produktionsproblems gemacht, weil sie, anders als die Amerikaner, sehr dezentral produziert. Es gab diese Geschichte \u00fcber einen deutschen Industriellen, der \u00fcber die Ukrainer sagte: \u00bbAch, die bauen Drohnen am K\u00fcchentisch. Nicht so professionell wie wir.\u00ab Genau diese Denkweise sollte der Westen ablegen.<\/p>\n<p class=\"u-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welche Rolle wird die K\u00fcnstliche Intelligenz spielen?<\/strong><br \/>KI wird nat\u00fcrlich jeder nutzen \u2013 sowohl zur Verteidigung als auch zum Angriff. KI wird dazu f\u00fchren, dass es schwieriger sein wird, Drohnen zu st\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Israelis und Ukrainer haben inzwischen viel Erfahrung mit Drohnen, anders als die Europ\u00e4er. Gibt es im Westen wom\u00f6glich ein Unverst\u00e4ndnis gegen\u00fcber dieser Technik?<\/strong><br \/>Westliche Armeen, darunter auch Israel, haben sich zu sehr an technologische Allheilmittel gew\u00f6hnt. Nat\u00fcrlich sollte man versuchen, solche zu entwickeln, aber es gibt nicht immer die perfekte L\u00f6sung, manchmal auch gar keine. So klagt man beispielsweise dar\u00fcber, dass Abfangraketen fehlen. Das stimmt zwar, doch wir sollten uns daran erinnern, dass die Menschheit im Laufe der Geschichte Kriege gef\u00fchrt hat, in denen niemand auch nur von Abfang\u00adraketen tr\u00e4umte. Israelische Soldaten sagen oft: \u00bbWir m\u00fcssen st\u00e4ndig in den Himmel schauen.\u00ab Das ist richtig, aber das macht eben heute soldatische Tugenden aus. Wir sollten uns mehr darauf besinnen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was k\u00f6nnen Deutschland und andere europ\u00e4ische L\u00e4nder realistischerweise von Israel und der Ukraine lernen?<\/strong><br \/>Sie sollten von Israel und den Ukrainern lernen und die Erkenntnisse b\u00fcndeln. Ich w\u00fcrde eine ernst zu nehmende Expertenrunde mit ukrainischer und israelischer Vertretung organisieren, um die Lage zu analysieren. Man sollte die Schwachstellen und die Erfolge beider Seiten genau betrachten. Ich denke, solche Erkenntnisse w\u00e4ren auch wertvoll f\u00fcr Israel und die Ukraine selbst \u2013 nicht nur f\u00fcr Deutschland.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Milit\u00e4rhistoriker und Professor f\u00fcr Asienwissenschaften an der<br \/>Hebr\u00e4ischen Universit\u00e4t Jerusalem sprach Sabine Brandes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herr Orbach, nach dem Drohnenfund in Leipzig will die deutsche Politik die Abwehr st\u00e4rken. 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