{"id":123388,"date":"2025-05-19T17:28:10","date_gmt":"2025-05-19T17:28:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/123388\/"},"modified":"2025-05-19T17:28:10","modified_gmt":"2025-05-19T17:28:10","slug":"benjamin-maack-liest-aus-seinem-buch-ueber-depressionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/123388\/","title":{"rendered":"Benjamin Maack liest aus seinem Buch \u00fcber Depressionen"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">L\u00fcneburg. Benjamin Maack ist in Bardowick aufgewachsen, in L\u00fcneburg zur Schule gegangen und arbeitet als Journalist in Hamburg. 2020 bringt er ein Buch heraus mit dem Titel \u201eWenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein\u201c. Der 47-J\u00e4hrige beschreibt darin schonungslos offen seine Depressionskrankheit. Angefangen von seinem Nervenzusammenbruch, \u00fcber Klinikaufenthalte bis hin zu seinem emotionalen Balanceakt aus Hoffnung und Verzweiflung. Am 23. Mai liest er im Mosaique in L\u00fcneburg. Der Abend verspricht, mehr als eine Lesung zu werden.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Herr Maack, wie geht es Ihnen?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Benjamin Maack: \u201eDas ist direkt eine komplizierte Frage. Aber ich beginne langsam, mich daran zu gew\u00f6hnen, dass mein Leben bzw. mein Kopf kompliziert ist wie fast immer. Ich nehme das aber als Herausforderung: Es ist kompliziert, aber es ist auch interessant.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Was ist kompliziert in Ihrem Kopf?<\/b><\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Maack: \u201eWir neigen dazu zu sagen, \u201anormal zu sein im Kopf\u2019. Wobei \u201anormal\u2018 in jedem Kopf anders ist und wir alle unterschiedliche Herausforderungen haben. Deswegen kann ich gar nichts dazu sagen, was normal ist. Es gibt im Leben relativ einfache Herausforderungen wie arbeiten gehen, Kinder haben, Haus bauen, eine Beziehung f\u00fchren. Alles Dinge, die man von au\u00dfen sieht, die auch in Geschichten erz\u00e4hlt werden, wie im Fernsehen und in B\u00fcchern. Ich habe immer gedacht, dass ich das auch wollen oder k\u00f6nnen m\u00f6chte. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich manches davon nicht so gut kann, weil mein Kopf komisch ist. Ich versuche jeden Tag, mich damit abzufinden. Ich versuche zu gucken, wo kann ich mit meinem Kopf hin und nicht, wie muss mein Kopf sein.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Ihr Buch hei\u00dft \u201eWenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein\u201c. Wie kam es dazu?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Maack: \u201eDas habe ich mir immerzu selbst gesagt. H\u00e4ufig verbindet man Depressionen damit, dass die Betroffenen den ganzen Tag im Bett liegen, das Zimmer abgedunkelt, sie wollen mit niemandem reden. Ich dagegen bin hochfunktional-depressiv. Je schlechter es mir geht, desto l\u00e4nger werden die To-do-Listen, desto n\u00fctzlicher will ich werden. Ich habe mal zu meinem Chef gesagt, ich muss sofort nach Hause, mein Kopf dreht durch. Und er sagte daraufhin, gerade heute wirkst du so strukturiert. Das ist dieses Funktionieren bis nichts mehr geht. Bei mir ist es so: Ich funktioniere richtig gut und irgendwann gehe ich ins Krankenhaus.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Wie oft kam das vor?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Maack: \u201eSechs oder sieben Mal.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Gab es schon in Teenagerzeiten solche Augenblicke?<\/b><\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Maack: \u201eAbsolut. Wenn ich zur\u00fcckblicke, kann ich sagen, dass in Bardowick in den 80er Jahren der Tenor herrschte, hier gibt es keine Depressionen, hier gibt es keine psychischen Erkrankungen. Deswegen hatte auch ich keine. Ich war halt komisch. F\u00fcr meine Eltern, f\u00fcr andere Leute. Ich habe bei meinem Abi im Deutschunterricht zwei Punkte Abzug bekommen wegen meiner schlechten Rechtschreibung. Heute hei\u00dft das Legasthenie, damals hie\u00df es, man ist zu dumm, um richtig zu schreiben.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Was meinen Sie, Sie waren komisch?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Maack: \u201eIch war sehr in meinem Kopf unterwegs. Ich habe den Sommer im abgedunkelten Zimmer verbracht, ich bin an der Welt verzweifelt. Vielleicht war das auch ein klassischer Jugendweltschmerz. Im R\u00fcckblick w\u00e4re es vielleicht gut gewesen, mich schon fr\u00fch zu einem Psychologen zu schicken, um zu gucken, ob das alles noch im Rahmen war.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Wann kam die Diagnose Depression?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Maack: \u201eVor etwa zehn Jahren, als ich ins Krankenhaus bin, weil nichts mehr ging. Anfangs hie\u00df es Burnout, heute hei\u00dft es Ersch\u00f6pfungsdepression. Der Arzt sagte: ,Herr Maack, Sie haben da wirklich eine sehr schwere Depression.\u2018 Es war ein Moment der Erleichterung, eine Erkl\u00e4rung zu bekommen, dass da etwas nicht normal mit mir ist, dass mein Leben nicht so sein muss. Dass es eine Krankheit ist, das hat mir am Anfang sehr geholfen, weil das bedeutet, dass es kein Normalzustand ist. Heute w\u00fcrde ich sagen, meine Depression ist eine Behinderung.\u201c<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Behinderung? Warum?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Maack: \u201eEs gibt viele unterschiedliche Formen von Depressionen, so viele, wie es Menschen gibt. Ich habe einen Schwerbehindertenstatus und kann drei Tage die Woche arbeiten. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an meine Depression denke. F\u00fcr mich ist das eher eine Behinderung. Bei einer Krankheit k\u00f6nnte man sagen, die geht vorbei, irgendwann ist wieder gut. Das funktioniert bei mir auf Dauer nicht.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Ist es nicht auch eine St\u00e4rke, indem man Schw\u00e4chen zugibt?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Maack: \u201eIch habe lange Zeit nicht geschafft, das zu erkennen. Der Gedanke, nicht mehr zu funktionieren, der war lange Zeit nicht m\u00f6glich. Auch jetzt muss ich immer wieder gucken, was kann ich machen, was nicht und dann ehrlich zu mir selbst sein. Nat\u00fcrlich ist es cooler, wenn man funktioniert und ich bin jemand, der immer hilfreich und n\u00fctzlich sein m\u00f6chte. Aber das ist eine Einstellung, die funktioniert auf Dauer nicht.\u201c <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Ihr Buch ist schonungslos offen. War das Schreiben f\u00fcr Sie auch Therapie?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Maack: \u201eIch bin immer sehr offen. Ich finde es wichtig, ehrlich zu sein und nicht zu \u00fcberlegen, was man sagt und was man nicht sagt. Die Idee zum Buch hatte ich, als ich im Krankenhaus war. Ich habe irgendwann angefangen, Sachen aus meinem Kopf zu schreiben. Das ist wie ein Einkaufszettel: Wenn man dauernd daran denkt, was man einkaufen muss, ist das ewig im Kopf. Hat man es notiert, ist man froh, es aus dem Kopf zu haben. So kam es zu den ersten Textfragmenten. Ich habe mir das angeguckt und gesagt, das ist vielleicht auch literarisch interessant. Ich wollte Worte finden f\u00fcr eine Sache, bei der viele Menschen nicht so richtig Worte finden. Depression ist h\u00e4ufig ein sprachloser Zustand, wo man in sich gefangen ist und das schwer jemanden erz\u00e4hlen kann.\u201c<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Sind noch weitere B\u00fccher geplant?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Maack: \u201eIch habe k\u00fcrzlich, als es mir sehr schlecht ging, ein Depressionstagebuch gef\u00fchrt auf Instagram und Facebook. Das erscheint im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr quasi als das Geschwisterwerk. Darin beschreibe ich: Wie geht es mir? Wie schaffe ich was? Was ist wichtig? Was kann ich vernachl\u00e4ssigen?\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Sie haben mal gesagt, mit der Depression kam das Gl\u00fcck.<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Maack: \u201eSeit ich die Depression habe, bin ich ein Mensch, der zu Gl\u00fcck f\u00e4hig ist. Fr\u00fcher war ich ein ungl\u00fccklicher Mensch, der mit Gl\u00fcck \u00fcbersch\u00fcttet wurde. Jetzt kann ich tats\u00e4chlich Gl\u00fcck empfinden und das ist sehr sch\u00f6n. Das, wie mein Kopf ist, Depression zu nennen, hat mein Leben auf eine interessante Reise geschickt, um mich selbst besser zu verstehen.\u201c <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Was k\u00f6nnen die G\u00e4ste im Mosaique erwarten?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Maack: \u201eIch mache solche Leseabende sehr gerne. Wobei ich inzwischen immer weniger aus dem Buch vorlese, sondern mich immer mehr mit den Menschen unterhalte. Das finde ich viel sch\u00f6ner. Es sind sehr intensive und sehr sch\u00f6ne Abende. Ich bin neugierig, von den Besuchern zu lernen. Andere K\u00f6pfe, andere Gedanken kennenzulernen, das ist ein Geschenk.\u201c<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Lesung im Mosaique<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 kEnWSL Infoboxstyled__InfoText-sc-1l4p3ie-1 frXoXc\">Die Lesung mit Benjamin Maack aus seinem Buch \u201eWenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein\u201c, findet am Freitag, 23. Mai, um 19 Uhr im Mosaique (Katzenstra\u00dfe 1) statt. Der Eintritt ist kostenlos. Veranstalterin der Lesung ist die Selbsthilfekontaktstelle des Parit\u00e4tischen Wohlfahrtsverbands.<\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-5u8rgl-0 cBUuy\">LZ\/WA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"L\u00fcneburg. 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