{"id":1234406,"date":"2026-08-13T19:44:15","date_gmt":"2026-08-13T19:44:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1234406\/"},"modified":"2026-08-13T19:44:15","modified_gmt":"2026-08-13T19:44:15","slug":"prozess-um-wm-katar-2022-whistleblower-an-ausreise-gehindert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1234406\/","title":{"rendered":"Prozess um WM-Katar 2022: Whistleblower an Ausreise gehindert"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/stadionbau-katar-102.jpg\" alt=\"Arbeiter auf dem Gel\u00e4nde des Stadions Ras Abu Aboud in Katar.\" title=\"Arbeiter auf dem Gel\u00e4nde des Stadions Ras Abu Aboud in Katar. | picture alliance\/dpa\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 13.08.2026 \u2022 20:16 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Der Ex-Mediendirektor des Organisationskomitees der WM 2022 in Katar ist ein wichtiger Zeuge, wenn es um den Vorwurf der Zwangsarbeit und des Menschenhandels geht. Doch Abdullah Ibhais darf nicht von Jordanien in die USA reisen, um dort in einem Prozess auszusagen. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Benjamin Best, ARD New York\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eigentlich wollte Abdullah Ibhais am vergangenen Montag von der jordanischen Hauptstadt Amman nach New York fliegen. Dort soll der fr\u00fchere Mitarbeiter des katarischen WM-Organisationskomitees am 20. August im Zuge der Beweisaufnahme als Zeuge in einem Verfahren aussagen. Es geht um schwere Vorw\u00fcrfe, um Menschenhandel und Zwangsarbeit beim Bau der Infrastruktur f\u00fcr die Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch Ibhais wurde am Flughafen von den jordanischen Beh\u00f6rden an der Ausreise gehindert, wie sein New Yorker Anwalt Aaron Halegua der ARD best\u00e4tigt. Wenige Tage zuvor war Ibhais bereits vom Geheimdienst festgehalten und am folgenden Tag wieder freigelassen worden. Nach Angaben seines Anwalts sei ihm dabei gesagt worden, dass er sich nicht mehr zur Fu\u00dfball-WM, zur Situation der Gastarbeiter und zu seinem eigenen Fall \u00e4u\u00dfern solle. Die jordanischen Beh\u00f6rden \u00e4u\u00dferten sich auf ARD-Anfrage zum Vorgang nicht.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Abdullah Ibhais sa\u00df bereits mehrere Jahre in Katar in Haft. Dennoch will der fr\u00fchere Mediendirektor weiter \u00fcber die Umst\u00e4nde der Bauma\u00dfnahmen f\u00fcr die Fu\u00dfball-WM 2022 aussagen.\n                    <\/p>\n<p>    Auf Kritik folgt Verhaftung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Geschichte von Abdullah Ibhais ist eng mit den Vorw\u00fcrfen \u00fcber die Behandlung von Gastarbeitern bei der WM in Katar verbunden. Der Jordanier arbeitete als Kommunikationsdirektor f\u00fcr das Supreme Committee for Delivery and Legacy, das katarische Organisationskomitee der WM 2022.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">2019 kritisierte Ibhais intern den Umgang des WM-Organisationskomitees mit streikenden Gastarbeitern und machte sp\u00e4ter \u00f6ffentlich, dass aus seiner Sicht deren Verbindung zu WM-Projekten heruntergespielt werden sollte. Wenig sp\u00e4ter wurde er wegen Bestechung und Veruntreuung in Katar verurteilt &#8211; Vorw\u00fcrfe, die er bis heute bestreitet. Seine Verurteilung bezeichnete Ibhais stets als Vergeltungsma\u00dfnahme des WM-Organisationskomitees. Dieses wies den Vorwurf zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine UN-Arbeitsgruppe stufte seine Inhaftierung 2024 als willk\u00fcrlich ein. Mehr als drei Jahre verbrachte Ibhais in Katar im Gef\u00e4ngnis. 2025 kam er frei und kehrte nach Jordanien zur\u00fcck. Nun soll sein Wissen in einem amerikanischen US-Gerichtsverfahren eine Rolle spielen.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die internationale Kritik an den Arbeitsbedingungen rund um die WM in Katar war gro\u00df. Katar reagierte nach einiger Zeit darauf und f\u00fchrte gewisse Erleichterungen f\u00fcr die Arbeiter ein.\n                    <\/p>\n<p>    Appell an Rubio<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die verhinderte Ausreise besch\u00e4ftigt inzwischen auch die Politik in Washington. Der demokratische US-Kongressabgeordnete James McGovern aus Massachusetts, Co-Vorsitzender der Menschenrechtskommission im Repr\u00e4sentantenhaus, hatte Ibhais ebenfalls nach Washington eingeladen. Auch dieses Treffen konnte bislang nicht stattfinden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">McGovern k\u00fcndigte gegen\u00fcber der ARD an, sich an das US-Au\u00dfenministerium zu wenden. Seine Forderung richtet er ausdr\u00fccklich an Au\u00dfenminister Marco Rubio: &#8222;Nutzen Sie Ihren Einfluss auf die jordanischen Beh\u00f6rden, damit Abdullah Ibhais in die USA reisen kann.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr McGovern geht es dabei um mehr als die Reisefreiheit eines einzelnen Mannes. &#8222;Die Vereinigten Staaten sollten ein Interesse an der Wahrheit dar\u00fcber haben, was 2022 passiert ist. Die ganze Welt sollte daran interessiert sein&#8220;, sagt McGovern. Es m\u00fcsse Rechenschaft und Transparenz geben.<\/p>\n<p>    Katar unter Verdacht<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">McGovern \u00e4u\u00dfert zugleich einen weitreichenden Verdacht. Er k\u00f6nne sich das Verhalten der jordanischen Beh\u00f6rden nur damit erkl\u00e4ren, dass die Regierung Druck aus Katar ausgesetzt sei. Ziel k\u00f6nne sein, Ibhais daran zu hindern, \u00fcber die Ereignisse rund um die WM im Verfahren zu sprechen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Belege f\u00fcr eine konkrete Einflussnahme Katars nennt McGovern nicht. Das Vorgehen gegen Ibhais sei &#8222;inakzeptabel&#8220;, sagt McGovern. Auch Human Rights Watch sieht einen Zusammenhang mit Katar. Adam Coogle von der Menschenrechtsorganisation sagte der ARD, es sei aus seiner Sicht klar, dass Jordanien diplomatischem Druck aus Katar ausgesetzt sei, die Aktivit\u00e4ten von Ibhais einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>    Verfahren wegen Zwangsarbeit und Menschenhandel<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Besonders brisant ist die verhinderte Reise wegen der Rolle, die Ibhais in einem Verfahren vor einem Bundesgericht im US-Bundesstaat Colorado spielen k\u00f6nnte. Dort klagt eine Gruppe philippinischer Gastarbeiter, die vor der WM nach Katar gekommen war, um Stadien und andere Infrastruktur zu bauen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Kl\u00e4ger geben an, Opfer von Zwangsarbeit geworden zu sein. Ihre P\u00e4sse seien eingezogen worden, sie h\u00e4tten unter menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen leben und arbeiten m\u00fcssen. Verklagt wird ein in Colorado ans\u00e4ssiges US-Unternehmen, das am Bau der WM-Infrastruktur beteiligt war.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Unternehmen argumentiert, alles M\u00f6gliche f\u00fcr eine angemessene Behandlung der Arbeiter getan und m\u00f6glicherweise keine Kenntnis von deren tats\u00e4chlichen Arbeitsbedingungen gehabt zu haben.<\/p>\n<p>    &#8222;Informationen aus erster Hand&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ibhais k\u00f6nnte dabei zu einem wichtigen Zeugen werden. 2019 sprach er selbst mit streikenden Gastarbeitern und erlebte aus n\u00e4chster N\u00e4he, wie das WM-Organisationskomitee auf deren Beschwerden reagierte. &#8222;Abdullah verf\u00fcgt \u00fcber Informationen aus erster Hand&#8220;, sagt Anwalt Halegua. Eine Jury m\u00fcsse die M\u00f6glichkeit bekommen, diese Aussagen zu bewerten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass ein Zeuge daran gehindert werde, f\u00fcr ein US-Verfahren einzureisen, bezeichnet der Anwalt als \u00e4u\u00dferst ungew\u00f6hnlich. Es lege nahe, dass es ein erhebliches Interesse daran gebe, nicht zu h\u00f6ren, was Ibhais \u00fcber die Ereignisse in Katar zu sagen habe.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ob Ibhais am 20. August tats\u00e4chlich in New York aussagen kann, ist offen. Sein Anwalt Halegua hofft weiterhin, dass Jordanien die Ausreise erm\u00f6glicht. Der Kongressabgeordnete McGovern will unterdessen den politischen Druck erh\u00f6hen. &#8222;Die Wahrheit muss erz\u00e4hlt werden&#8220;, sagt der Kongressabgeordnete.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 13.08.2026 \u2022 20:16 Uhr Der Ex-Mediendirektor des Organisationskomitees der WM 2022 in Katar ist ein wichtiger Zeuge,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1234407,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[5],"tags":[13,22814,256130,14,15,12,10,8,9,11,64,53875],"class_list":["post-1234406","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nachrichten","tag-headlines","tag-jordanien","tag-katar2022","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen","tag-top-news","tag-top-meldungen","tag-topmeldungen","tag-topnews","tag-usa","tag-whistleblower"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117089920055666971","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1234406","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1234406"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1234406\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1234407"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1234406"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1234406"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1234406"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}