{"id":123682,"date":"2025-05-19T20:08:19","date_gmt":"2025-05-19T20:08:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/123682\/"},"modified":"2025-05-19T20:08:19","modified_gmt":"2025-05-19T20:08:19","slug":"janosch-schobin-zeiten-der-einsamkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/123682\/","title":{"rendered":"Janosch Schobin \u2013 Zeiten der Einsamkeit"},"content":{"rendered":"<p>Der Soziologe Janosch Schobin hat mit einsamen Menschen gesprochen. In seinem Buch \u201eZeiten der Einsamkeit\u201c erkundet er einf\u00fchlsam und genau unterschiedliche Formen der Einsamkeit. Seine klugen Erkundungen schaffen keine Abhilfe, aber sie k\u00f6nnen dabei f\u00f6rderlich sein, klarer zu sehen.<\/p>\n<p>Immer mehr Menschen leben allein. Nicht alle leiden darunter. Wer allein ist, muss sich keineswegs einsam f\u00fchlen. Aber nicht erst seit der Corona-Pandemie ist offenbar geworden, dass Einsamkeit krank machen kann. Der Soziologe Janosch Schobin hat mit einsamen Menschen in Deutschland, den USA und Chile gesprochen, um das \u201euniverselle Gef\u00fchl\u201c Einsamkeit n\u00e4her zu bestimmen.\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>John, den der Autor in Brooklyn trifft, hat sich in eine Art inneres Exil zur\u00fcckgezogen, als in seinem Viertel alles den Bach runterging \u2013 zumindest aus seiner Sicht. Als angestammte Familien weggezogen sind und neue Mieter die Wohnungen \u00fcbernommen haben, \u201eGriechen, Latinos, Araber\u201c \u2013 alles Fremde also. John, der Fremde hasst, ist nicht sympathisch und will es auch nicht sein. Die Einsamkeit hat sich in seinen K\u00f6rper regelrecht eingepr\u00e4gt, bestimmt die Art, wie er redet und denkt. Mit Folgen.\u00a0<\/p>\n<blockquote class=\"quote-blockquote\">\n<p>Wenn sich die Einsamkeit in den K\u00f6rper, in die Bewegungen und die Sprache einschreibt, dann wird sie f\u00fcr den Betroffenen immer intransparenter, immer schwieriger in den Blick zu nehmen: Sie wird selbst zur Farbe der Linse, durch die das Licht der Welt zu einem dringt.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Benachteiligung durch Armut und Geschlecht\u00a0<\/p>\n<p>Es ist eine Beobachtung, die der einf\u00fchlsame Autor immer wieder machen und pr\u00e4zise zur Sprache bringen wird. Janosch Schobin hat 71 Interviews mit einsamen Menschen gef\u00fchrt, die er \u201eals Experten ihres eigenen Lebens ernstnimmt\u201c. An acht ausgew\u00e4hlten F\u00e4llen, die er ausf\u00fchrlich beschreibt und analysiert, zeigt Schobin, wie sich Einsamsein in bestimmten gesellschaftshistorischen Zusammenh\u00e4ngen ausgeformt hat. Er nimmt Menschen in den Blick, die einsam, allein und unbemerkt sterben.<\/p>\n<p>In Deutschland werden es immer mehr. Er schildert am Beispiel von zwei Frauen, wie einsam Hinterbliebene sind. Und er spricht mit einer einsamen in Harlem aufgewachsenen Afroamerikanerin, die ihrem urspr\u00fcnglichen Milieu entwachsen ist, ohne sich in dem K\u00fcnstler- und Intellektuellenmilieu, in das sie den Aufstieg geschafft hat, fest verankern zu k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1746449923716,janosch-schobin-zeiten-der-einsamkeit-102~_v-icon_-7bcdf069542bbe2d1d9ef71cb5865f2137c.jpeg\"  class=\"\" data-copyright=\"Foto: Pressestelle, Hanser Verlag\" alt=\"Janosch Schobin: Zeiten der Einsamkeit\" title=\"Janosch Schobin: Zeiten der Einsamkeit (Foto: Pressestelle, Hanser Verlag)\" width=\"320\" height=\"523\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Janosch Schobin: Zeiten der Einsamkeit<\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nPressestelle<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nHanser Verlag<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Zeiten der Einsamkeit<br \/>\nErkundungen eines universellen Gef\u00fchls<\/p>\n<dl>\n<dt class=\"review-author\">Autor:<\/dt>\n<dd class=\"review-author\">\nJanosch Schobin\n<\/dd>\n<dt class=\"review-genre\">Genre:<\/dt>\n<dd class=\"review-genre\">Sachbuch<\/dd>\n<dt class=\"review-publisher\">Verlag:<\/dt>\n<dd class=\"review-publisher\">Hanser (224 Seiten, 24 Euro)<\/dd>\n<dt class=\"review-date-published\">Erscheinungsdatum:<\/dt>\n<dd class=\"review-date-published\">18.02.2025<\/dd>\n<dt class=\"review-isbn\">ISBN:<\/dt>\n<dd class=\"review-isbn\">978-3-446-28267-4<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Es gilt als ausgemacht, dass moderne, individualistische Gesellschaften immer einsamer werden, weil die neuen, selbstgew\u00e4hlten Bindungen unsicherer und fl\u00fcchtiger sind als vordem Familienstrukturen. Aber so einfach ist es nicht, sagt Janosch Schobin. Er macht deutlich, dass nicht beides gleichzeitig zu haben ist: hohe Beziehungsautonomie und bedingungslose Bindungen. Und er fragt, ob eine hohe Bindungsstabilit\u00e4t zum Preis einer niedrigen Beziehungsautonomie wirklich vorzuziehen ist. <\/p>\n<p>Die Geschichte der Chilenin Marta legt dies nicht nah. Die aus armen, bildungsfernen Verh\u00e4ltnissen stammende Frau, die mit einem S\u00e4ufer verheiratet ist, hat keine Chance, ihrer Benachteiligung durch Armut und Geschlecht zu entkommen.\u00a0<\/p>\n<p>Extreme Belastungstests\u00a0<\/p>\n<blockquote class=\"quote-blockquote\">\n<p>Wer von Beziehung zu Beziehung hopst, mag mitunter einen subtilen Mangel, eine kriechende Beziehungsunf\u00e4higkeit und ein vages Gef\u00fchl der sozialen Wertlosigkeit empfinden, die zusammen zu Recht als Einsamkeit bezeichnet werden k\u00f6nnen. Mit der zerm\u00fcrbenden, lebenslangen Vereinsamung, die aus der untergeordneten Position von Frauen in den Gesellschaften Lateinamerikas resultiert, l\u00e4sst sich die subtile Leere hyperdynamisierter Beziehungsbiografien nicht vergleichen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Janosch Schobin ist ein aufmerksamer Zuh\u00f6rer. Er hat ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr sein Gegen\u00fcber, und er ist ein ausgezeichneter Erz\u00e4hler, der seine Erkundungen mit viel Sinn f\u00fcr Dramaturgie aufgebaut hat.<\/p>\n<p>Zuletzt wagt er einen Ausblick auf \u201edie Zukunft der Einsamkeit\u201c. Er rechnet damit, dass k\u00fcnstliche Intelligenz und Medikamente gegen Einsamkeitsbelastungen zum Einsatz kommen werden. Vor allem aber vermutet er, dass durch die schnelle Abfolge von Krisen, denen wir seit einigen Jahren ausgesetzt sind und wohl auch bleiben werden, soziale Gef\u00fcge weiterhin extremen Belastungstests ausgesetzt werden. Janosch Schobins Buch schafft keine Abhilfe, aber es kann dabei f\u00f6rderlich sein, klarer zu sehen.\u00a0\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Soziologe Janosch Schobin hat mit einsamen Menschen gesprochen. 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