{"id":1237523,"date":"2026-08-15T04:52:11","date_gmt":"2026-08-15T04:52:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1237523\/"},"modified":"2026-08-15T04:52:11","modified_gmt":"2026-08-15T04:52:11","slug":"architektur-zur-faszination-von-moritzburg-tragen-auch-fasane-bei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1237523\/","title":{"rendered":"Architektur: Zur Faszination von Moritzburg tragen auch Fasane bei"},"content":{"rendered":"<p class=\"fp-paragraph\"><strong>Moritzburg<\/strong> &#8211; Wer Moritzburg bei Dresden besucht, wird zu jeder Jahreszeit reich beschenkt &#8211; mit Historie und Kultur genauso wie mit Natur und kulinarischen Gen\u00fcssen. Der \u201eWow\u201c-Effekt stellt sich bereits auf der Anfahrt aus Richtung S\u00fcden ein. Schon von weitem sieht man das barocke Jagdschloss. Auf Sichtachsen hatten es die Erbauer hier ohnehin angelegt. Von der Ostseite des Schlosses kann man durch eine Waldschneise das anderthalb Kilometer entfernte Fasanenschl\u00f6sschen sehen.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Etwas abseits gelegen, steht das kleinste Schloss Sachsens im Schatten des gro\u00dfen Bruders, der mitten in einem Schlossteich thront &#8211; obwohl der Teich wegen Trockenheit momentan immer weiter schrumpft. Mit seinem eigenen Miniaturhafen und Sachsens einzigem Leuchtturm bot das Gel\u00e4nde rund um das Fasanenschl\u00f6sschen zu Zeiten von August dem Starken und seiner Nachfahren Platz f\u00fcr rauschende Feste. Hier wurden sogar Seeschlachten zur Unterhaltung des h\u00f6fischen Publikums nachgestellt.<\/p>\n<p>Fasanenzucht f\u00fcr die k\u00f6nigliche Tafel\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Auf das Jahr 1728 gehen die Anf\u00e4nge des Moritzburger Fasanengartens zur\u00fcck. Dort sollten Jagdfasane f\u00fcr die k\u00f6nigliche Tafel gez\u00fcchtet werden. Im Siebenj\u00e4hrigen Krieg wurde die Anlage verw\u00fcstet. Doch sp\u00e4ter gab es eine Renaissance. Camillo Graf Marcolini &#8211; der Oberkammerherr und Jugendfreund des jungen Kurf\u00fcrsten Friedrich August III. &#8211; pachtete den Garten und lie\u00df dort ein Sommerschl\u00f6sschen im Rokoko-Stil errichten. Es gilt heute mit 180 Quadratmetern Fl\u00e4che als \u201eParadies in der Nussschale\u201c.\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Nach 1815 fand die intensive Fasanenhaltung ein Ende, man behielt nur noch Edelfasane und andere exotische V\u00f6gel. Noch bis 1945 blieb der Garten im Eigentum des s\u00e4chsischen K\u00f6nigshauses. Heute geh\u00f6rt der zu gro\u00dfen Teilen dem Freistaat Sachsen. Zwischen 2010 und 2013 wurden die exotischen und einzigartigen Wandbespannungen aus Federn, Stroh, Perlen und Stickereien restauriert &#8211; ein Augenschmaus. Heute finden hier regelm\u00e4\u00dfig Trauungen statt.<\/p>\n<p>Beruf: Tischler, Berufung: Fasanenzucht<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Auch die Fasanerie ist wieder mit Leben erf\u00fcllt. Der 66 Jahre alte Frank Knecht hat die Anlage 2022 \u00fcbernommen, nachdem sie ein paar Jahre leer stand. F\u00fcr Knecht ist das Gel\u00e4nde rund um das Schl\u00f6sschen kein unbekanntes Terrain. Seine Oma hat in einem der Marcolini-H\u00e4user gelebt. Als sie starb, zog er mit Frau und Kind ein. Als gelernter Tischler hatte er auch im Barockschloss Moritzburg zu tun. Dabei erhielt er das Angebot, die sechs noch vorhandenen Volieren mit Fasanen zu besetzen.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">\u201eIch liebe das alles hier\u201c, sagt Knecht und l\u00e4sst den Blick \u00fcber sein kleines Fasanenreich schweifen. Jede Voliere ist mit drei Fasanen besetzt &#8211; in der Regel mit einem Hahn und zwei Hennen. Knecht liebt die Vielfalt. An einer Wand hat er Informationen \u00fcber seine Sch\u00fctzlinge angebracht. Das betrifft unter anderem den Diamantfasan, Jagdfasan, Swinhoe-Fasan, Goldfasan und K\u00f6nigsfasan. \u201eDas sind alles V\u00f6gel, die in der Freiheit auch so aussehen\u201c, betont der Sachse. Die Tiere seien nicht auf \u201ebunt\u201c gez\u00fcchtet worden.<\/p>\n<p>Fasane stammen aus Asien<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Fasane sind de facto Zuwanderer aus Asien. Ihre urspr\u00fcngliche Heimat erstreckte sich \u00fcber Mittelasien bis nach China. Die R\u00f6mer f\u00fchrten den H\u00fchnervogel nach Europa ein. \u201eIn Deutschland wurden vor allem vier Arten des Fasans eingef\u00fchrt: Der B\u00f6hmische Jagdfasan, der Chinesische Fasan, der Mongolische Ringfasan und der Japanische Buntfasan\u201c, hei\u00dft es in einem Steckbrief des Staatsbetriebes Sachsenforst. Ein Fasan kann deutlich besser rennen als fliegen. Deshalb hei\u00dft er bei J\u00e4gern auch Infanterist.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Anders als sein Vorg\u00e4nger zieht Knecht die Fasane nicht f\u00fcr Restaurants auf. Er versteht sein Engagement als reines Hobby. Gern gibt er die V\u00f6gel auch an Gleichgesinnte ab oder entl\u00e4sst sie in die Freiheit. Ohnehin sind nicht alle der Knechtschen Fasane in Volieren untergebracht. Au\u00dferhalb tummeln sich mehrere Jagdfasane als Freig\u00e4nger, die auch gern die Futterstelle in der Anlage nutzen. Abends sitzen alle auf Stange oder erh\u00f6ht &#8211; am Boden lauert der Feind.<\/p>\n<p>Fasane von Fressfeinden aus der Luft und zu ebener Erde bedroht<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Fuchs, Marderhund oder Greifv\u00f6gel &#8211; das Leben der Fasane ist zu ebener Erde und aus der Luft bedroht. Nachts m\u00fcssen sie nach oben auf den Baum, sagt Knecht. Man nenne das Aufb\u00e4umen. Deshalb w\u00fcrden bei den Jungtieren zuerst die Fl\u00fcgelfedern wachsen. \u201eDie m\u00fcssen ruckzuck hochkommen.\u201c Das k\u00f6nne man auch bei anderen H\u00fchnerv\u00f6geln sehen, etwa seinen Buschh\u00fchnern. \u201eWenn K\u00fcken da sind, dauert es nicht lange, und die Glucke f\u00fchrt sie bis zum Baum. Sie zeigt ihnen, wie das gemacht wird.\u201c<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Margitta Hensel, Kuratorin von Schloss Moritzburg, schw\u00e4rmt von der gesamten Anlage. Schlie\u00dflich sei das der letzte in seinen Grundstrukturen erhaltene Fasanengarten Deutschlands. Gern w\u00fcrde man alles in G\u00e4nze restaurieren und so wieder als Gesamtkunstwerk erlebbar machen. Doch in Zeiten knapper Kassen kann man auch in der s\u00e4chsischen Schl\u00f6sserverwaltung nur kleine Br\u00f6tchen backen.\u00a0<\/p>\n<p>Restaurierung der gesamten Anlage vorerst ein Wunschtraum<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Christian Striefler, Chef der Staatlichen Schl\u00f6sser, Burgen und G\u00e4rten in Sachsen, verweist auf eine andere Schwierigkeit. \u201eEs w\u00e4re nat\u00fcrlich eine erhebliche Steigerung des Besuchserlebnisses unter denkmalpflegerischen Aspekten. Die Wiederherstellung des historisch \u00fcberlieferten Zustandes ist allerdings wegen der zersplitterten Eigentumssituation infolge der Bodenreform nach 1945 schwierig. Viele Flurst\u00fccke sind nicht im Eigentum des Freistaates.\u201c<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Der Staatsbetrieb S\u00e4chsisches Immobilien und Baumanagement verweist darauf, dass in einem ersten Schritt von 2017 bis 2020 die historischen Mauern des Fasanengartens instand gesetzt und die Kanalkette zwischen Oberem Gro\u00dfteich und Venusbrunnen saniert wurde. Laut Striefler gibt es keine Sch\u00e4tzung, was die gesamte Restaurierung der Fasanerie kosten w\u00fcrde. Er vermutet aber eine Summe von deutlich mehr als sechs Millionen Euro.\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Dennoch bleibt die Renaissance der barocken Fasanerie eine Vision. Striefler betrachtet die Objekte in Moritzburg als Einheit und m\u00f6chte die gesamte Kulturlandschaft in den Blick nehmen. \u201eDrinnen und drau\u00dfen werden in eine viel st\u00e4rkere Wechselwirkung eintreten, und vielleicht werden irgendwann einmal auf dem Gro\u00dfteich &#8218;Seeschlachten&#8216; en miniature nachgespielt werden\u201c, schildert er einen Traum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Moritzburg &#8211; Wer Moritzburg bei Dresden besucht, wird zu jeder Jahreszeit reich beschenkt &#8211; mit Historie und Kultur&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1237524,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1835],"tags":[2250,3364,29,2386,30,859,2631],"class_list":["post-1237523","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-dresden","tag-architektur","tag-de","tag-deutschland","tag-dresden","tag-germany","tag-sachsen","tag-tier"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117097735522049307","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1237523","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1237523"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1237523\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1237524"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1237523"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1237523"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1237523"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}