{"id":1238001,"date":"2026-08-15T09:59:22","date_gmt":"2026-08-15T09:59:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1238001\/"},"modified":"2026-08-15T09:59:22","modified_gmt":"2026-08-15T09:59:22","slug":"wasserkrise-wenig-wasser-fuer-die-spree","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1238001\/","title":{"rendered":"Wasserkrise \u2013 Wenig Wasser f\u00fcr die Spree"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img324352\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/324352.jpeg\" alt=\"An der Talsperre Spremberg am Oberlauf der Spree in der Lausitz ist das Wasser deutlich zur\u00fcckgegangen.\"\/><\/p>\n<p>An der Talsperre Spremberg am Oberlauf der Spree in der Lausitz ist das Wasser deutlich zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Frank Hammerschmidt<\/p>\n<p>Wer in diesen Tagen in Berlin an die Spree geht, wird nicht den Eindruck haben, dass der Fluss von einer D\u00fcrre betroffen ist. Der Hauptstadt-Fluss folgt ruhig und mit wenig Str\u00f6mung seinem durch Beton gerahmten Lauf. Auf den Kan\u00e4len, die die Innenstadt durchziehen, sieht man vielleicht etwas mehr Schlauchboote, aber ansonsten ist eigentlich alles wie immer. Dieser Zustand t\u00e4uscht aber dar\u00fcber hinweg, dass <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1201102.naturschutz-zu-wenig-platz-fuer-brandenburgs-fluesse.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die Fl\u00fcsse in der Region Berlin-Brandenburg<\/a> am Austrocknen sind.<\/p>\n<p>Eindrucksvoll l\u00e4sst sich das an den Kontrollpegeln des Brandenburger Landesamts f\u00fcr Umwelt (LfU) sehen. Mittlerweile ist an 21 von 26 Messstellen die Warnstufe erreicht, weil die Fl\u00fcsse so wenig Wasser f\u00fchren. An drei weiteren Stellen ist die Vorwarnstufe erreicht; f\u00fcr zwei Messstellen gibt es keine aktualisierten Daten. Brandenburg ist sowieso ein trockenes Gebiet, das durch den Klimawandel noch arider wird. Aber der vergangene Winter war besonders niederschlagsarm. Die <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1201751.klimakrise-hitzestress-in-berliner-bussen-und-bahnen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">aktuelle Hitzewelle<\/a> tut ihr \u00dcbriges.<\/p>\n<p>Besondere Sorge bereitet den Beh\u00f6rden der Zustand der Spree, die von der Lausitz kommend durch Berlin flie\u00dft und bei Spandau in die Havel m\u00fcndet. Das LfU teilt \u00bbnd\u00ab mit, dass vor allem im Oberlauf der <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193421.tagebaue-in-brandenburg-am-ostsee-in-cottbus-wird-das-wasser-knapp.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Spree, in der Lausitz<\/a>, der Zielwasserstand nicht erreicht werden konnte. \u00bbTrotz vorausschauender und sparsamer St\u00fctzung der Spree sind die Speicherreserven deutlich gesunken\u00ab, so ein Sprecher. Die Niederschl\u00e4ge w\u00fcrden nicht ausreichen, um die Defizite, die sich bereits aus den Winter- und Fr\u00fchjahrsmonaten aufgebaut h\u00e4tten, auszugleichen. \u00bbDie aktuelle hydrologische Situation in der Spree ist weiterhin angespannt.\u00ab Ende Juli hat das LfU eine l\u00e4nder\u00fcbergreifende Ad-hoc-Arbeitsgruppe der L\u00e4nder Berlin, Brandenburg und Sachsen einberufen, um die Abfl\u00fcsse der Spree so weit wie m\u00f6glich zu stabilisieren.<\/p>\n<p>Der aktuell niedrige Wasserstand hat daf\u00fcr schon jetzt sp\u00fcrbare Folgen. Wegen der Beeintr\u00e4chtigung der Binnenschifffahrt haben die L\u00e4nder Berlin und Brandenburg am 12. August das Sonntagsfahrverbot f\u00fcr Lkw gelockert. \u00bbAuch Brandenburg ist von den Folgen des anhaltenden Niedrigwassers betroffen. Wo G\u00fcter nicht mehr zuverl\u00e4ssig auf dem Wasserweg transportiert werden k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir kurzfristig zus\u00e4tzliche Transporte auf Stra\u00dfe und Schiene erm\u00f6glichen\u00ab, l\u00e4sst Brandenburgs Infrastrukturminister Robert Crumbach (SPD) mitteilen.<\/p>\n<p>\u00bbEigentlich sind Spree und Havel Rinnsale\u00ab, erkl\u00e4rt der Sprecher der <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198183.naturschutz-in-berlin-moore-sollen-warten-wasserswerke-nicht.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berliner Wasserbetriebe<\/a>, Stephan Natz, im Gespr\u00e4ch mit \u00bbnd\u00ab. Die Spree sei vielmehr eine aufgestaute Seenkette. \u00bbOhne die Staustufen w\u00e4re sie nicht viel kr\u00e4ftiger als die Panke\u00ab, spitzt er zu. Dieser k\u00fcnstlich hohe Wasserstand diente in der Vergangenheit vor allem dazu, den Fluss schiffbar zu machen. Heute hat er noch andere positive Effekte.<\/p>\n<p>Wegen der D\u00fcrre k\u00f6nnte man meinen, dass es Probleme mit der Trinkwasserversorgung in der Hauptstadt geben k\u00f6nnte. Stephan Natz kann aber entwarnen. \u00bbDie Trinkwasserversorgung ist nicht gef\u00e4hrdet.\u00ab Das <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193137.kohleausstieg-berlin-wasserversorgung-noch-stabil-natur-nicht.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Trinkwasser in Berlin<\/a> werde komplett aus dem Grundwasser gezogen. Daf\u00fcr betreiben die Wasserbetriebe bei ihren neun Wasserwerken zwischen 30 und 170 Meter tiefe 650 Brunnen, meist in Ufern\u00e4he von Spree und Havel. \u00bbMan muss sich das wie ein tiefes Loch vorstellen, in dem unten eine Pumpe ist\u00ab, erl\u00e4utert Natz. Das abgepumpte Wasser flie\u00dfe dann von oben nach.<\/p>\n<p>Der Schl\u00fcssel f\u00fcr die sichere Trinkwasserversorgung ist die sogenannte Uferfiltration. Flusswasser versickert und wird auf dem Weg ins Grundwasser nat\u00fcrlich gereinigt. Im Schnitt dauere es zw\u00f6lf Jahre, bis das Wasser unten ankomme, sagt Natz. 70 Prozent des Grundwassers unter Berlin bilde sich so. \u00bbDas ganze System funktioniert, solange wir eine gro\u00dfe benetzte Fl\u00e4che haben\u00ab, so der Sprecher weiter. Neben den sowieso aufgestauten Fl\u00fcssen helfen die Wasserbetriebe auch durch <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193295.wasserkreislauf-berlin-vom-graben-in-die-trinkflasche.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">k\u00fcnstliche Gew\u00e4sseranreicherung<\/a> nach. Im Spandauer Forst etwa gebe es parallel zur Havel verlaufende k\u00fcnstliche Wasserl\u00e4ufe, die f\u00fcr mehr Versickerung sorgen, sagt Natz.<\/p>\n<p>Anders ist die Situation in Teilen Brandenburgs, wo wegen geografischer Gegebenheiten eine Uferfiltration nicht m\u00f6glich ist. \u00bbEtwa auf der Barnimhochfl\u00e4che wird das Trinkwasser aus origin\u00e4r gebildetem Grundwasser gebildet\u00ab, erl\u00e4utert Natz. Dieses bilde sich nur im Winterhalbjahr, wenn es so viel regne, dass es versickere. \u00bbDaf\u00fcr reicht im Sommer der Regen eigentlich nie.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<blockquote><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbEigentlich sind Spree und Havel Rinnsale.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nStephan Natz\u2003Berliner Wasserbetriebe<\/p><\/blockquote>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>In Teilen von Brandenburg gibt es schon Nutzungseinschr\u00e4nkungen. In neun Landkreisen oder kreisfreien St\u00e4dten haben die lokalen Verwaltungen Allgemeinverf\u00fcgungen erlassen, die die Wasserentnahme aus Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern einschr\u00e4nken oder verbieten. In Brandenburg an der Havel etwa ist es seit dem 12. Juli untersagt, aus Fl\u00fcssen, Seen, Gr\u00e4ben oder Teichen Wasser zu entnehmen. Au\u00dferdem d\u00fcrfen private Gr\u00fcnfl\u00e4chen nur noch zwischen 18 und 8 Uhr mit Grundwasser bew\u00e4ssert werden. \u00bbDie derzeitige Witterung f\u00fchrt dazu, dass sich B\u00f6den, Gew\u00e4sser und Grundwasser nur unzureichend regenerieren k\u00f6nnen\u00ab, schreibt die Stadt. Mit der Allgemeinverf\u00fcgung verfolge man das Ziel, den Wasserhaushalt zu sch\u00fctzen, eine weitere Verschlechterung der Gew\u00e4ssersituation zu verhindern und die gesetzlichen Bewirtschaftungsziele des Wasserhaushaltsgesetzes sowie des Brandenburgischen Wassergesetzes einzuhalten.<\/p>\n<p>Um der auch in Zukunft nicht kleiner werdenden Wasserkrise in der Region Herr zu werden, plant das Brandenburger Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft und Umwelt, das Wassergesetz zu reformieren. Bis 2027 soll ein Entwurf vorliegen. Dass mehr Wasser im Land gehalten werden muss, ist weitestgehend Konsens.<\/p>\n<p>Aber ein Teil der Reform sorgt schon jetzt f\u00fcr politischen Streit in der Mark. Denn geplant ist auch eine Erh\u00f6hung der Geb\u00fchren f\u00fcr die Nutzung von Grundwasser. Bislang ist etwa die Entnahme f\u00fcr die Bew\u00e4sserung von landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen kostenlos. Nur wenn Landwirte mehr als 3000 Kubikmeter entnehmen, fallen 10 Cent pro Kubikmeter an. Der Pr\u00e4sident des Landesbauernverbandes Brandenburg etwa sagte der \u00bbM\u00e4rkischen Allgemeinen Zeitung\u00ab, dass man sich gegen eine moderate Anpassung nicht sperren werde. \u00bbWas jedoch absolut nicht geht, w\u00e4ren drastische, sprunghafte Erh\u00f6hungen um 20 oder mehr Prozent.\u00ab<\/p>\n<p>Der Brandenburger Landesverband des BUND hingegen fordert insbesondere eine Erh\u00f6hung f\u00fcr Bereiche, die bisher besonders wenig f\u00fcrs Wasser gezahlt haben, wie die Umweltorganisation in einer Pressemitteilung erkl\u00e4rt. Denn mit zunehmender Trockenheit w\u00fcrden auch die Genehmigungen f\u00fcr landwirtschaftliche Bew\u00e4sserung steigen. \u00bbDer Anstieg bei der landwirtschaftlichen Bew\u00e4sserung zeigt, dass ein Umdenken hin zu Klimaanpassung in der Landwirtschaft noch nicht \u00fcberall angekommen ist und der geringe Wasserpreis f\u00fcr die Bew\u00e4sserung keine Lenkungsfunktion hat\u00ab, wird der Ko-Landesvorsitzende Carsten Preu\u00df zitiert. Deshalb m\u00fcsse die Privilegierung f\u00fcr die Landwirtschaft aufgehoben werden.<\/p>\n<p>Eine Geb\u00fchrenerh\u00f6hung k\u00f6nnte zwar den Wasserverbrauch senken, die Brandenburger Fl\u00fcsse wird sie aber mit Sicherheit nicht retten. Insbesondere nicht die Spree. Aktuell stammen laut einer Studie des Umweltbundesamts bis 75 Prozent des Wassers der Spree aus den Tagebauen der Lausitz. Die Gruben werden noch f\u00fcr den Kohleabbau leergepumpt. Wenn der Kohleausstieg vollzogen wird, wird dieses Wasser fehlen und die Spree droht tats\u00e4chlich zum Rinnsal zu werden.<\/p>\n<p>Diese Aussicht sorgt f\u00fcr allerlei <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1191239.wirtschaft-ihk-wasserkongress-in-berlin-mehr-geld-weniger-buerokratie.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">technische L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge<\/a>, die das Symptom beheben sollen. Darunter ist die Idee, Wasser \u00fcber eine Leitung aus der Elbe in Sachsen zur Spree zu leiten. Angedacht ist, 60 bis 65 Millionen Kubikmeter Wasser j\u00e4hrlich zu entnehmen. Aktuell l\u00e4uft eine Machbarkeitsstudie des Umweltbundesamtes. Kritik an dem Vorschlag gibt es unter anderem, weil auch die Elbe immer weniger Wasser f\u00fchrt. Diskutiert wird auch, an der Ostsee Wasser zu entsalzen und dann 200 bis 300 Kilometer nach Berlin zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Berliner Wasserbetriebe setzen hingegen auf lokale L\u00f6sungen, um mit der zunehmenden Trockenheit umzugehen. Ganz vorne sind der Ausbau der Kl\u00e4rwerke mit zus\u00e4tzlicher Reinigungstechnik und der Umbau der Hauptstadt zur Schwammstadt. Gemeint ist damit, dass anfallendes Regenwasser von der Stadt wie ein Schwamm aufgesogen werden soll, anstatt in die Kanalisation abgeleitet zu werden. \u00bbJeder Tropfen, der nicht in einen Kanal flie\u00dft, ist ein guter Tropfen\u00ab, sagt Stephan Natz. Und auch wenn es keine Nutzungseinschr\u00e4nkungen gebe, fordere man die Berliner*innen dazu auf, verantwortungsbewusst mit Wasser umzugehen.<\/p>\n<p>Der Wasserverbrauch der Hauptstadt f\u00fchrt aber auch dazu, dass die Spree mit wesentlich mehr Wasser in die Havel hineinflie\u00dft, als sie beim Ankommen in Berlin f\u00fchrt. \u00bbEine Hauptquelle der beiden Fl\u00fcsse sind die Abl\u00e4ufe unserer Kl\u00e4rwerke\u00ab, sagt Natz. In die Stadt hinein w\u00fcrden f\u00fcnf Kubikmeter pro Sekunde flie\u00dfen, aus der Stadt heraus hingegen 25. \u00bbEigentlich ist das ein sehr fragiles System.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"An der Talsperre Spremberg am Oberlauf der Spree in der Lausitz ist das Wasser deutlich zur\u00fcckgegangen. 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