{"id":1238027,"date":"2026-08-15T10:15:19","date_gmt":"2026-08-15T10:15:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1238027\/"},"modified":"2026-08-15T10:15:19","modified_gmt":"2026-08-15T10:15:19","slug":"japans-waehrung-in-der-krise-warum-der-yen-trotz-milliardenschwerer-intervention-weiter-abstuerzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1238027\/","title":{"rendered":"Japans W\u00e4hrung in der Krise: Warum der Yen trotz milliardenschwerer Intervention weiter abst\u00fcrzt"},"content":{"rendered":"<p>Japans W\u00e4hrung in der KriseWarum der Yen trotz milliardenschwerer Intervention weiter abst\u00fcrzt<\/p>\n<p>15.08.2026, 10:52 Uhr <\/p>\n<p>Artikel anh\u00f6ren(07:01 min)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0 Image_Img_16_9__4BLfH widget-picture-inline_maximizable__t_E7h\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Japan-Japanese-yen-paper-banknotes-money-for-business-financial-transactions-and-settlements.webp\" alt=\"Japan-Japanese-yen-paper-banknotes-money-for-business-financial-transactions-and-settlements\"\/>Und auch f\u00fcr Unternehmen, die Produkte aus dem Ausland importieren m\u00fcssen, hat der schwache Yen negative Auswirkungen. (Foto: picture alliance \/ Zoonar)<\/p>\n<p class=\"Typography_text-m__XI0da Typography_weight-bold__uT6mq storyline_lead_text_leadtext__q_wg8\">Touristen jubeln, die japanische Mittelschicht \u00e4chzt: Der Yen f\u00e4llt auf den schw\u00e4chsten Stand seit 40 Jahren. Eine gemeinsame Intervention mit den USA verpufft jedoch wirkungslos. Die Ursachen f\u00fcr die aktuelle Krise liegen Jahrzehnte zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Japan wird durch den schwachen Yen f\u00fcr ausl\u00e4ndische Touristen zunehmend g\u00fcnstiger. Galt Japan stets als extrem teures Reiseland, sind Hotel\u00fcbernachtungen und Restaurantessen mittlerweile \u00fcberaus erschwinglich &#8211; insbesondere f\u00fcr Personen mit Euro-Einkommen. Allein in den letzten f\u00fcnf Jahren hat der Yen gegen\u00fcber dem Euro ein Drittel an Wert verloren.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Umgekehrt ist der Alltag speziell f\u00fcr die japanische Mittelschicht ungemein teurer geworden. Und auch f\u00fcr Unternehmen, die Produkte aus dem Ausland importieren m\u00fcssen, hat der schwache Yen negative Auswirkungen. Denn die Kosten f\u00fcr Einfuhren haben aufgrund des W\u00e4hrungskurses erheblich zugenommen.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Vor knapp zwei Wochen hatte Japan erstmals seit Jahrzehnten gemeinsam mit den USA am Devisenmarkt interveniert, um den historisch schwachen Yen zu st\u00fctzen. Die japanische W\u00e4hrung war zeitweise gegen\u00fcber dem US-Dollar auf den schw\u00e4chsten Stand seit rund 40 Jahren gefallen. Doch die Intervention f\u00fchrte nur zu einer kurzen Verschnaufpause: Zwar wertete der Yen tats\u00e4chlich etwas auf, doch ist der Effekt bereits weitgehend wieder verpufft. Wieso aber konnte die W\u00e4hrung der immerhin viertgr\u00f6\u00dften Volkswirtschaft der Welt \u00fcberhaupt derart stark einbrechen?<\/p>\n<p>Japan beh\u00e4lt seine Niedrigzinspolitik zun\u00e4chst bei<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Tats\u00e4chlich war eine g\u00fcnstige japanische W\u00e4hrung zeitweise von Tokio politisch durchaus gewollt. Der 2022 ermordete, ehemalige Ministerpr\u00e4sident Shinz\u014d Abe machte eine extrem lockere Geldpolitik gar zum Kern seines Wirtschaftskurses. Das Bruttoinlandsprodukt Japans war zuvor seit den 1990ern praktisch stagniert, die Volkswirtschaft litt unter Deflation und einer alternden Gesellschaft. Mit Nullzinsen und lockerer Kreditvergabe wollte Ministerpr\u00e4sident Abe wieder Schwung in den verkrusteten Wirtschaftskreislauf bringen. Ein schwacher Yen war insofern w\u00fcnschenswert, als er japanische Exporte auf den internationalen M\u00e4rkten attraktiver machte.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Doch die Strategie ging nur teilweise auf. Zwar stiegen Japans Exporte in den Folgejahren tats\u00e4chlich deutlich, doch die Reall\u00f6hne der Bev\u00f6lkerung zogen nicht im selben Tempo mit. Auch das erhoffte BIP-Wachstum blieb weitestgehend aus.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Vor etwa f\u00fcnf Jahren hat sich die Lage zus\u00e4tzlich versch\u00e4rft. Die Ursache war zinspolitischer Natur: W\u00e4hrend die US-Notenbank Fed ihre Zinsen in schneller Folge deutlich anhob, um die hartn\u00e4ckige Inflation in den Vereinigten Staaten zu bek\u00e4mpfen, behielt Japan seine Niedrigzinspolitik zun\u00e4chst unver\u00e4ndert bei. Durch die steigende Kluft zwischen Nullzinsen in Japan und hohen Zinsen in den USA wurde es f\u00fcr internationale Investoren zunehmend attraktiv, Yen zu g\u00fcnstigen Konditionen zu leihen und damit Dollar zu kaufen, die wiederum relativ hohe Zinsen abwarfen. In Wirtschaftskreisen nennt man diesen lukrativen Devisenhandel auch &#8222;Carry Trade&#8220;.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Um die strukturellen Hintergr\u00fcnde des schwachen Yen zu verstehen, muss man einen Blick auf die Historie des Landes werfen. Denn schon damals spielte der Wert der japanischen W\u00e4hrung eine entscheidende Rolle.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte Japan, \u00e4hnlich wie Deutschland w\u00e4hrend der Wirtschaftswunderjahre, einen rasanten Boom. Das Land hatte massiven Investitionsaufholbedarf, konnte jedoch von einer gut ausgebildeten Bev\u00f6lkerung zehren. Angetrieben durch eine umfassende Industriepolitik, rasant gestiegene Produktivit\u00e4t und vergleichsweise g\u00fcnstige Arbeitskosten eroberten japanische Exporte die Weltm\u00e4rkte.<\/p>\n<p>USA kritisieren riesige Handels\u00fcbersch\u00fcsse Tokios als unfair<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Doch insbesondere die USA, die im aufsteigenden Japan eine Bedrohung f\u00fcr die eigene Technologief\u00fchrerschaft sahen, kritisierten die riesigen Handels\u00fcbersch\u00fcsse Tokios als unfair. Washington beschuldigte die japanische Regierung, den Yen k\u00fcnstlich niedrig zu halten, um die Exporte wettbewerbsf\u00e4higer zu machen. Die Kritik der USA an Japan \u00e4hnelt im Prinzip den Vorw\u00fcrfen, die man seit einigen Jahren auch gegen die Volksrepublik China hegt.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">1985 f\u00fchrte der Druck der Amerikaner zum sogenannten Plaza-Abkommen unter den damals f\u00fchrenden Industrienationen: Man einigte sich, den Dollar gegen\u00fcber dem Yen &#8211; und \u00fcbrigens auch der deutschen Mark &#8211; abzuwerten.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">\u00dcber 40 Jahre sp\u00e4ter sorgt der Yen-Dollar-W\u00e4hrungskurs erneut f\u00fcr Sorgen. F\u00fcr die japanische Volkswirtschaft \u00fcberwiegen mittlerweile die negativen Folgen der schwachen W\u00e4hrung. Theoretisch g\u00e4be es ein simples Mittel, um den Yen zu st\u00e4rken: Die japanische Zentralbank m\u00fcsste ihren Leitzins wieder anheben. Und tats\u00e4chlich hat sie sp\u00e4testens in diesem Sommer eine Kehrtwende hingelegt. Der Leitzins liegt derzeit bei einem Prozent, dem h\u00f6chsten Wert seit \u00fcber 30 Jahren. <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Doch die Zentralbank muss vorsichtig vorgehen. Erh\u00f6ht sie den Leitzins zu schnell, w\u00fcrde dies wohl eine massive Pleitewelle unter kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen ausl\u00f6sen. Viele von ihnen sind derzeit auf g\u00fcnstige Kredite angewiesen, die sie bei h\u00f6heren Zinsen nicht mehr bedienen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Japans Schuldenquote z\u00e4hlt zu den h\u00f6chsten der Welt<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">F\u00fcr Japan ist es schwer, die Wirtschaft nachhaltig anzukurbeln. Denn das Land leidet unter einer rapiden Alterung der Gesellschaft, was schlussendlich dazu f\u00fchrt, dass der Anteil der arbeitenden Bev\u00f6lkerung immer geringer wird. Ebenso ist der Staat in H\u00f6he von deutlich \u00fcber 200 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verschuldet &#8211; eine der h\u00f6chsten Schuldenquoten weltweit. Zum Vergleich: Deutschlands Schulden betragen rund 65 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Dass in diesem Umfeld W\u00e4hrungsinterventionen nur einen kurzfristigen Effekt haben, hat auch das &#8222;Wall Street Journal&#8220; nicht \u00fcberrascht. In einem zu Beginn des Monats ver\u00f6ffentlichten Kommentar hat die renommierte US-Finanzzeitung einen konkreten Rat parat: &#8222;Ein besserer Plan zur Rettung des Yen w\u00fcrde geringere Staatsausgaben und erneute Reformen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums umfassen &#8211; und Japan so zu einem attraktiveren Investitionsstandort machen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-s__wu_cm Typography_weight-normal__pqUbH Typography_color-darkgrey__sZEnP article-detail-footer_source__KslPc\">Quelle: ntv.de, Fabian Kretschmer, dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Japans W\u00e4hrung in der KriseWarum der Yen trotz milliardenschwerer Intervention weiter abst\u00fcrzt 15.08.2026, 10:52 Uhr Artikel anh\u00f6ren(07:01 min)&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1238028,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[134],"tags":[256756,175,170,169,29,16835,30,372,5026,171,174,173,172,24323,256758,55,256757],"class_list":["post-1238027","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-unternehmen-maerkte","tag-bank-of-japan","tag-business","tag-companies","tag-companies-markets","tag-deutschland","tag-geldpolitik","tag-germany","tag-japan","tag-leitzins","tag-markets","tag-maerkte","tag-unternehmen","tag-unternehmen-maerkte","tag-us-dollar","tag-waehrungskrise","tag-wirtschaft","tag-yen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117099007207555877","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1238027","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1238027"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1238027\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1238028"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1238027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1238027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1238027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}