{"id":1238310,"date":"2026-08-15T13:12:23","date_gmt":"2026-08-15T13:12:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1238310\/"},"modified":"2026-08-15T13:12:23","modified_gmt":"2026-08-15T13:12:23","slug":"bildhauer-hans-juergen-hiby-und-sein-kunstwerk-in-wuppertal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1238310\/","title":{"rendered":"Bildhauer Hans-J\u00fcrgen Hiby und sein Kunstwerk in Wuppertal"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> Eigentlich h\u00e4tte diese Skulptur etwas ganz anderes verdient als Zentrum einer jahrelangen Diskussion zu sein. Eine Diskussion, deren wesentlicher Satz offenbar \u201eMan werde sich bald wieder melden\u201c schien \u2013 und von Seiten der Stadt kam. \u201eSpielende Finger\u201c hei\u00dft die Skulptur, um die es geht. Geschaffen im Jahr 1981 von Hans-J\u00fcrgen Hiby, Bildhauer und Kunstlehrer aus Wuppertal.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ausgehend von einem Wettbewerb des Wuppertaler Tiefbauamtes unter dem Titel \u201eVersch\u00f6nerung von Stadtpl\u00e4tzen\u201c, wurde die Skulptur im Juli 1981 auf dem Gutenbergplatz am Arrenberg enth\u00fcllt. Sie besteht aus griechischem Marmor und schlug mit etwa 44\u00a0000 D-Mark zu Buche. Material, Fundament, Honorar. Kein Wunder bei einer Gr\u00f6\u00dfe von 225 Zentimetern und einem Gewicht von drei Tonnen. Zwei Finger umspielen hierbei eine Kugel. Eine leichte Geste, verewigt in schwerem Gestein.<\/p>\n<p>\u00dcber die Oberfl\u00e4che streichen <br \/>und in die L\u00f6cher greifen      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Viel Pers\u00f6nlichkeit steckt in der Arbeit, erkl\u00e4rt Hans-J\u00fcrgen Hiby nun im Gespr\u00e4ch mit der WZ: \u201eMein Sohn hat sich vor vielen Jahren aus Versehen in der Werkstatt den kleinen Finger abges\u00e4gt, als er mit einer Kreiss\u00e4ge hantierte.\u201c Der Finger wurde im Krankenhaus wieder angen\u00e4ht, doch seitdem taucht er in Hibys Werken immer wieder auf \u2013 ob aus Bronze oder Ahorn, ob in \u201eVariable II\u201c, \u201eWiderstand\u201c oder dem \u201eTrassen-Tramp\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gleichzeitig schafft er damit eine Ebene, die auch den Betrachter anregt: Man m\u00f6chte die Oberfl\u00e4chen immer wieder ber\u00fchren, das glatte, polierte Holz, die Unterschiede zwischen Esche, Kastanie und Buchsbaum. Man m\u00f6chte in die L\u00f6cher greifen, die Hand halten. Und das ist dem 85-J\u00e4hrigen auch recht: \u201eAnfassen erw\u00fcnscht\u201c, sagt er. In der Werkphilosophie auf seiner Webseite beschreibt er den Effekt genauer: \u201eEs ist von besonderem haptischem Reiz, konfrontiert er uns doch mit unserer unbewussten inneren Erlebniswelt, die in einer Zeit des Rationalismus, der Technisierung und des Erlebnisses aus zweiter Hand per Video und Mausklick immer mehr versch\u00fcttet zu werden droht.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Allerdings \u2013 und hier kommt die Geschichte wieder zum Anfang \u2013 schlie\u00dft die Haptik nicht den Vandalismus ein. 200 Skulpturen schuf der Wuppertaler im Laufe seines Lebens, doch keine wurde so krass verunstaltet wie die \u201eSpielenden Finger\u201c am Gutenbergplatz nahe der Schwebebahnstation Pestalozzistra\u00dfe. 1984 gab es die ersten Schmierereien, schon ab dem Jahr 2000 wurde \u00fcber eine Umsetzung diskutiert \u2013 an einen Standort, der besseren Schutz gegen Vandalismus bieten sollte. Vielleicht vor dem Schauspielhaus? Oder im Zooviertel?<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Fast zehn Jahre setzte er sich daf\u00fcr ein, widerstand den Hinhalte-Taktiken derjenigen, die entweder verantwortlich waren oder sich nicht verantwortlich f\u00fchlten, um Entscheidungen zu treffen. Hiby machte die Prokrastination der Stadt so w\u00fctend, dass er eine Chronologie zusammenstellte, die \u00fcber 40 Daten auflistet: Gespr\u00e4che mit dem Gr\u00fcnfl\u00e4chenamt, dem Kulturamt, wechselnden Oberb\u00fcrgermeistern, dem Von der Heydt-Museum, der Bezirksvertretung. Die Folge: Im Jahr 2006 musste die Skulptur einen Farbanschlag verkraften, bei dem Unbekannte das gesamte Kunstwerk mit roter Farbe \u00fcbergossen hatten. Graffiti noch obendrauf. Eine D\u00fcsseldorfer Firma wurde eingeschaltet, die versuchte, die Verunstaltungen mit Trockeneis zu entfernen. Kosten: rund 2000 Euro. Schlie\u00dflich schliff Hiby die Skulptur selbst von Hand ab.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Doch es reichte ihm: 2007 schrieb er: \u201eDa wird der Bezirksvertretung Elberfeld-West vom Tiefbauamt der Stadt eine Skulptur zur Versch\u00f6nerung eines Stadtplatzes zur Verf\u00fcgung gestellt und man sollte meinen, damit l\u00e4ge auch die Pflege in den H\u00e4nden des Bezirks Elberfeld-West. Aber weit gefehlt. Mindestens seit 1984 gammelt die Skulptur vor sich hin und wird in zunehmendem Ma\u00dfe bis zum H\u00f6hepunkt 2006, dem totalen Rotanstrich, immer mehr verschandelt.\u201c Man zeigte Verst\u00e4ndnis. N\u00e4chste Sitzung. Erst im Jahr 2011 hatte der Streit ein Ende \u2013 und die Spielenden H\u00e4nde kamen auf den Hof der ehemaligen Hauptschule an der Simonsstra\u00dfe. Dort stehen sie bis heute, begleitet vom Biergarten des Restaurants Simons36.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Hans-J\u00fcrgen Hiby konzentriert sich inzwischen mehr auf die Malerei. Die Finger sind taub, Karpaltunnelsyndrom. Von der Arbeit mit der Motors\u00e4ge hat man ihm abgeraten. Bis zur stadtweiten Kunstaktion \u201eWoga\u201c in der Auflage von 2022 \u00f6ffneten er und seine Frau den Skulpturengarten in N\u00e4chstebreck. Bis zu 600 G\u00e4ste kamen vorbei, aber nun ist ihnen das zu viel. Das Paar feiert in K\u00fcrze die Diamantene Hochzeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eigentlich h\u00e4tte diese Skulptur etwas ganz anderes verdient als Zentrum einer jahrelangen Diskussion zu sein. 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