{"id":1238668,"date":"2026-08-15T16:51:16","date_gmt":"2026-08-15T16:51:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1238668\/"},"modified":"2026-08-15T16:51:16","modified_gmt":"2026-08-15T16:51:16","slug":"die-wuppertaler-schwebebahn-in-wim-wenders-film-pina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1238668\/","title":{"rendered":"Die Wuppertaler Schwebebahn in Wim Wenders Film &#8222;Pina&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wuppertal ist f\u00fcr ihn eine Lieblingsstadt \u2013 neben Tokyo, Montr\u00e9al oder Berlin. Warum, das verriet Wim Wenders 2015 dem Tagesspiegel: \u201e&#8230;das Gr\u00f6\u00dfte ist f\u00fcr mich die Schwebebahn in Wuppertal!\u201c Der Bau einer Bahn \u00fcber dem Fluss im engen und lang gestreckten Tal sei eine ideale L\u00f6sung, erm\u00f6gliche ein Fortkommen, ohne den Verkehr zu st\u00f6ren, und eine \u201etolle Aussicht\u201c. Als D\u00fcsseldorfer Volkssch\u00fcler habe er auf einem Ausflug nach Wuppertal \u201edieses riesige, brummende Insekt mit seinen hohen Beinen das erste Mal gesehen&#8230; Ich fand das sensationell\u201c. Als Regisseur machte er Jahrzehnte sp\u00e4ter die Schwebebahn zum wichtigen Akteur in zwei Filmen. \u201eAlice in den St\u00e4dten\u201c und \u201ePina\u201c \u2013 ein preisgekr\u00f6nter Film und Thema einer Magisterarbeit.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">F\u00fcr die gro\u00dfe Choreografin empfand Wim Wenders Hochachtung, seit er 1985 \u201eCaf\u00e9 M\u00fcller\u201c in Venedig gesehen hatte. \u201eSie sprach mir aus der Seele\u201c, erinnerte er sp\u00e4ter in einem Video zum Film \u201ePina\u201c. \u00dcber das pers\u00f6nliche Kennenlernen erwuchs eine langj\u00e4hrige Freundschaft und der Plan f\u00fcr einen gemeinsamen Film, der ihre Arbeit dokumentieren sollte. \u201eEine leichtsinnige Idee\u201c, so Wenders r\u00fcckblickend, da er erst einen Weg finden musste, den \u201esch\u00f6nen, lebendigen und freien Tanz\u201c r\u00e4umlich zu filmen. Er fand ihn in der noch jungen 3D-Technik. 2008 ging es schlie\u00dflich los: St\u00fccke wurden ausgesucht, 2009 die konkrete Produktion vorbereitet. Der Tod Pina Bauschs am 30. Juni stoppte alles. Erst nach einer Phase der Trauer und Reflexion und von vielen Seiten ermutigt setzte Wenders die Arbeit fort.<\/p>\n<p>Die Kamera soll regelrecht <br \/>mit den T\u00e4nzern tanzen      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ein Presseheft, das zur Premiere des Films \u201ePina \u2013 Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren\u201c zusammengestellt wurde, gibt Auskunft \u00fcber die Produktion. Gedreht wurde in zwei Bl\u00f6cken Ende Oktober 2009 und Mitte April 2010 in Wuppertal. Zun\u00e4chst wurden die von der Choreografin ausgesuchten St\u00fccke \u201eCaf\u00e9 M\u00fcller\u201c, \u201eLe Sacre du printemps\u201c und \u201eVollmond\u201c auf der Opernb\u00fchne live vor Publikum aufgenommen. In engem Zeitfenster, die Aufnahmen durften nicht beliebig unterbrochen oder wiederholt werden. Alain Derobe, einer der erfahrensten 3D-Pioniere, arbeitete mit einem speziellen auf einem Kamerakran montierten 3D-Kamerasystem, stellte die Kamera zwischen den T\u00e4nzern auf. \u201eF\u00fcr die Tiefengestaltung des Raumes ist es sehr wichtig, nah an den T\u00e4nzern zu bleiben und ihnen zu folgen. Die Kamera soll regelrecht mit den T\u00e4nzern tanzen.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In einem zweiten Block zeichnete das Team \u201eKontakthof\u201c von Pina Bausch auf, diesmal ohne Publikum \u2013 mit dem Ensemble des Tanztheaters, mit Damen und Herren ab 65 und mit Teenagern ab 14.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zun\u00e4chst arbeitete der Regisseur wie Pina Bausch, befragte die T\u00e4nzer, die mit ihren K\u00f6rpern antworteten. Dann ging er mit ihnen in die Stadt \u2013 etwas, das die Choreografin nie getan hatte. \u201eDas ist, wenn Sie so wollen, mein einziger kreativer Input\u201c sagte er sp\u00e4ter in einem Zeitungsinterview: \u201eAuf diese Art konnte auch die wundersch\u00f6ne kleine Stadt Wuppertal mitspielen, die Pina 30 Jahre inspiriert hat. Ich habe Orte gesucht, die das, was getanzt wurde, am besten rausbringen. Ich kenne die Gegend gut, ich habe einen meiner ersten Filme dort gedreht, Alice in den St\u00e4dten, und ich mag vieles sehr gern, was es in Wuppertal, im Umland und im Ruhrgebiet gibt.\u201c Er inszenierte die Soli auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen, in Industrielandschaften, in der weitl\u00e4ufigen Natur des Bergischen Landes \u2013 und in der Schwebebahn. Dabei kam auch ein Sonderwagen zum Einsatz, erinnert Rainer Friedrich, stellvertretender Pressesprecher der WSW-Unternehmensgruppe. Das Verlassen des begrenzten B\u00fchnenraums war ein Wagnis, das eigens f\u00fcr den Film entwickelte kompakte 3D-Steadycam-System machte die Soli \u2013 Passagen aus St\u00fccken Pina Bauschs mit vorgegebenen Bewegungen, Kost\u00fcmen und Musik \u2013 zur perfekten Erg\u00e4nzung zu den Tanzst\u00fccken auf der B\u00fchne\u201c, so Wenders. Sie gaben den T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzern ein Gesicht und schufen unvergessliche Bilder.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Eine T\u00e4nzerin steht in einem roten schulterfreien Cocktailkleid in der alten Wagenhalle Oberbarmen. Die seitlich angewinkelten Arme gehen in die H\u00f6he, ihr Blick f\u00e4llt anerkennend auf die sichtbar werdenden Muskelpakete. Derweil wandern die Arme zu den H\u00fcften, l\u00f6sen sich mit dem Mann hinter der Frau, heben sie in die H\u00f6he, der Mann schwingt sie im Kreis \u2013 in der Wagenhalle und auf der Stra\u00dfe unter der Schwebebahn in Vohwinkel. Flie\u00dfende Bewegungen im Kontrast zur k\u00fchlen, st\u00e4hlernen B\u00fchne, zarter Frauenk\u00f6rper in festlichem Outfit im witzigen Kontrast zu m\u00e4nnlicher K\u00f6rper- und Maschinenpower.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Eine Schwebebahn der beliebten Baureihe 1972 verl\u00e4sst die Station D\u00f6ppersberg in Richtung Barmen, f\u00e4hrt durch die enge H\u00e4userflucht der Sonnborner Stra\u00dfe \u2013 gefilmt wird im Wageninnern. In einer Station steigt eine Frau breitbeinig stampfend ein. Sie tr\u00e4gt ein wei\u00dfes Cocktailkleid, die schwarzen langen Haare h\u00e4ngen kopf\u00fcber vor dem nach unten geneigten Kopf. In der Hand hat sie ein wei\u00dfes Kopfkissen, das sie zu keuchenden, schmatzenden Ger\u00e4uschen maltr\u00e4tiert. Schlie\u00dflich legt sie es auf eine Bank, setzt sich darauf, hebt den Kopf. Das Gesicht wird frei, Musik setzt ein.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die vielleicht bekannteste Szene widmet sich einem Paar, das im verdorrten Gras der engen Verkehrsinsel in Barmen nah beieinander steht. Dort, wo Bundesstra\u00dfe 7 (Friedrich-Engels-Allee\/H\u00f6hne) auf den Steinweg und das Fischertal aufeinandertreffen (Wenders: \u201e&#8230;auf einer Kreuzung, haben wir auch gedreht. Man muss sagen, dass Wuppertal auch sehr h\u00e4sslich aussehen kann. Aber nur da konnte ihr Werk entstehen.\u201c) Er neigt seinen Kopf zu ihrer Kehle, sie schwingt die Arme um ihn, sie drehen, k\u00fcssen sich. In der H\u00f6he \u00fcber ihnen das Schwebebahnger\u00fcst, das in die Station Alter Markt f\u00fchrt. Eine Schwebebahn f\u00e4hrt \u00fcber sie hinweg. Sie merken es nicht. Auch hier der Kontrast zwischen T\u00e4nzern und Wuppertaler Stadtalltag.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eWuppertal wirkt in diesen Szenen wie verzaubert, da kann der Verkehr ruhig tosen und der Putz bl\u00e4ttern\u201c, schrieb die WZ 2011. Und Wenders selbst sagte in einem Interview, dass Pina Bausch ihn oft gewarnt habe, Wuppertal sei keine \u201eSonntagsstadt\u201c. Doch beim Dreh habe das ganz anders ausgesehen: \u201eAuf eine mysteri\u00f6se Art und Weise schien an jedem unserer Drehtage in der Stadt die Sonne. Es war unfassbar, Wuppertal ist sonst eher verregnet. Kaum haben wir gedreht, schien die Sonne. Ob Pina da dran geschraubt hat? Ich wei\u00df es nicht.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Aus dem Film mit Pina wurde eine Hommage f\u00fcr Pina, ein Geschenk ganz anderer Art, die T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzern sagten mit der Ausdruckskraft des K\u00f6rpers Dank an Pina. Ein Hauptdarsteller die Schwebebahn, Pina Bauschs t\u00e4glicher Begleiter, der jahrelang direkt an ihrem Fenster vorbeifuhr. Symbol ihrer Alltagsstadt. \u201eF\u00fcr Kinobesucher ist der Film obendrein wegen der ungew\u00f6hnlichen Bilder eine Offenbarung, zeigt er doch atemberaubende Facetten einer oft verkannten Stadt\u201c, freut man sich beim Wuppertal Marketing.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wuppertal ist f\u00fcr ihn eine Lieblingsstadt \u2013 neben Tokyo, Montr\u00e9al oder Berlin. 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