{"id":123951,"date":"2025-05-19T22:34:12","date_gmt":"2025-05-19T22:34:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/123951\/"},"modified":"2025-05-19T22:34:12","modified_gmt":"2025-05-19T22:34:12","slug":"zweiter-band-der-alle-kinder-bibel-in-der-koelner-christuskirche-vorgestellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/123951\/","title":{"rendered":"Zweiter Band der \u201eAlle-Kinder-Bibel\u201c in der K\u00f6lner Christuskirche vorgestellt\u00a0\u00a0"},"content":{"rendered":"<p>Bibeln und B\u00fccher mit biblischen Geschichten f\u00fcr Kinder gibt es zuhauf. Aber die \u201eAlle-Kinder-Bibel. Unsere Geschichten mit Gott\u201c im Neukirchener Verlag ist rassismuskritisch und vielfaltssensibel.\u00a0F\u00fcr die Pr\u00e4sentation der Novit\u00e4t hatten die VEM und der Neukirchener Verlag die Christuskirche am K\u00f6lner Stadtgarten gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>\u201eGenau der richtige Ort daf\u00fcr\u201c, meinte Pfarrer Christoph Rollb\u00fchler bei seiner Begr\u00fc\u00dfung. Zuvor hatte der \u201eHausherr\u201c an die Pfarrerin Christine Breitbach erinnert, die in ihrer Arbeit an der Christuskirche auch eine Theologie und Liturgie f\u00fcr Frauen mit Gewalterfahrung entwickelt habe. \u201eSie stand damit auf dem Boden feministischer Theologie der 1980\/90er Jahre. Es gab viel Gegenwind damals. Bei ihr habe ich gelernt, ich war ihr Vikar.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-62387\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/DSC_5302.-Autorin-Andrea-KarimeCC81-liest-vor.-c-E.-Broich-300x200.jpg\" alt=\"Autorin Andrea Karim\u00e9 liest aus dem Buch.\" width=\"300\" height=\"200\"  \/>Autorin Andrea Karim\u00e9 liest aus dem Buch.<\/p>\n<p>Der Backstage-Bereich von Kirche sei damals wie heute von Machtgewohnheiten gepr\u00e4gt. \u201eWir versuchen hier an der Christuskirche einen anderen Weg zu gehen, versuchen bei aller Fehlerfreundlichkeit anders zu sein in der Kommunikation, in der Kultur der Gottesdienste und in der Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Statt Wahrheit gibt es hier Poesie, statt Ist-S\u00e4tze Sprachbilder\u201c, begr\u00fcndete Rollb\u00fchler, weswegen er sich als Pfarrer dieser Gemeinde und Kirche sehr freue \u00fcber den Booklaunch an diesem Ort.<\/p>\n<p><strong>Spannende Gespr\u00e4che, dazu Lesungen und Musik<\/strong><\/p>\n<p>Entstanden sei die Idee zum Buch 2021 auf einer Konferenz der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) mit Menschen, \u201edie in Deutschland das Bewusstsein f\u00fcr die weltweite Christenheit sch\u00e4rfen wollen\u201c. So liest es sich im informativen \u201eNachwort f\u00fcr erwachsene (Vor-)leser*innen dieser Kinderbibel\u201c im j\u00fcngst vorgelegten zweiten Band der \u201e Alle-Kinder-Bibel\u201c, der auch als H\u00f6rbuch verf\u00fcgbar ist. Kinder sollen wiederum darin best\u00e4rkt werden, \u201edass Gottes Liebe uns alle einschlie\u00dft \u2013 unabh\u00e4ngig davon, wer wir sind oder woher wir kommen\u201c.<\/p>\n<p>Einladend stieg Sarah Vecera in die Veranstaltung ein, die anmutete wie ein Treffen unter Vertrauten, Freunden und Bekannten. Die Bildungsreferentin der VEM mit dem Themenschwerpunkt \u201eAntirassismus und Kirche\u201c hie\u00df als Moderatorin sehr viele der Besuchenden namentlich willkommen und vermittelte eine gro\u00dfe Freude \u00fcber das nun gemeinsam zu feiernde Erreichte. Zentral blickte sie mit Podiumsg\u00e4sten auf die Geschichte des Gesamtprojektes und explizit die Entstehung und Inhalte des zweiten Bibel-Bandes. Am Gespr\u00e4ch nahmen teil die Mitwirkenden Andrea Karim\u00e9, Autorin beider \u201eAlle-Kinder-Bibeln\u201c, Pastorin Dr. Claudia W\u00e4hrisch-Oblau, Leiterin der VEM-Abteilung Evangelisation, und Pfarrer*in Tovja Heymann aus Hessen. Freuen durften sich die Anwesenden, darunter Anna Lisicki-Hehn, Illustratorin der beiden B\u00fccher, deren Bilder an die Stirnwand projiziert wurden, ebenso \u00fcber Musik von Michel Sanya Mutambala und von Karim\u00e9 vorgetragenen Geschichten.<\/p>\n<p><strong>\u201eWaschti und das Widerwort\u201c <\/strong><\/p>\n<p>Eine aus dem Buch Ester nachempfundene Geschichte hat die Autorin \u201eWaschti und das Widerwort\u201c betitelt. Die sch\u00f6ne Gemahlin von K\u00f6nig Xerxes will seinem Wunsch bzw. Befehl nicht folgen, sich m\u00e4nnlichen Festg\u00e4sten zu zeigen. Der Herrscher erl\u00e4sst darauf folgendes Gesetz: \u201eJede Frau muss immer jedem Mann gehorchen. Kein Widerwort darf von ihrer Zunge fallen.\u201c Von da an sei Waschti keine K\u00f6nigin mehr gewesen: \u201eAber ich bin immer noch Waschti!\u201c. \u201eWenn ich das als Kind im Kindergottesdienst geh\u00f6rt h\u00e4tte, was h\u00e4tte das mit mir gemacht\u201c, fragte Vecera, die sich als Person of Colour bezeichnet. Damals sei sie als braves, ruhiges M\u00e4dchen in der evangelischen Landeskirche aufgewachsen und sozialisiert worden.<\/p>\n<p><strong>Mit Vielfalt aufwachsen und als normal annehmen<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-62386\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/DSC_5313.2.-Vorstellung-Alle-Kinderbibel-Bd.2.-Diskussionsrunde.-Foto-c-E.-Broich-300x200.jpg\" alt=\"Autorin Andrea Karim\u00e9 (v.l.), Pastorin Dr. Claudia W\u00e4hrisch-Oblau, Pfarrer*in Tovja Heymann sowie die moderierende VEM-Referentin Sarah Vecera.\" width=\"300\" height=\"200\"  \/>Autorin Andrea Karim\u00e9 (v.l.), Pastorin Dr. Claudia W\u00e4hrisch-Oblau, Pfarrer*in Tovja Heymann sowie die moderierende VEM-Referentin Sarah Vecera.<\/p>\n<p>Es sei total wichtig, \u201edass Kinder, die in einer Migrationsgesellschaft aufwachsen, und in der wie hier fast die H\u00e4lfte aller Kinder eine internationale Familiengeschichte hat, gleich auch mit mehr Vielfalt aufw\u00e4chst und diese als normal wahrnimmt\u201c, fordert die Rassismusforscherin einen Wandel nicht nur in \u201eunserer Kirche\u201c, sondern generell in der Gesellschaft. Als ihre damals dreij\u00e4hrige Tochter erz\u00e4hlt habe, dass Gott f\u00fcr sie \u201em\u00e4nnlich, wei\u00df und alt ist\u201c, habe das in ihr etwas ausgel\u00f6st. Im Austausch mit W\u00e4hrisch-Oblau habe sich der Gedanke an eine \u201eAlle-Kinder-Bibel\u201c verfestigt und h\u00e4tten beide auf Seiten der VEM das Projekt auf den Weg gebracht. \u00dcbrigens habe ihre neunj\u00e4hrige Tochter heute ein anderes Gottesbild: Gott ist Gott und weder Mann noch Frau.<\/p>\n<p><strong>\u201eViele interessierte und dankbare Leserinnen und Leser\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Ruth Atkinson, Leiterin des Neukirchener Verlags, dr\u00fcckte ihre gro\u00dfe Freude \u00fcber das Erscheinen des zweiten Bandes aus. Bereits bei der Vorstellung des ersten Bandes 2023 in Wuppertal sei deutlich gewesen, dass die Idee einer vielfaltssensiblen Kinderbibel erfolgreich sein werde. Schon vor der Auslieferung der ersten Auflage habe man eine zweite geplant, erinnerte sie. \u201eWir haben gesp\u00fcrt und zur\u00fcckgespiegelt bekommen, dass es viele interessierte und dankbare Leserinnen und Leser gibt, die auf diese Kinderbibel warten.\u201c Kurze Zeit nach dem Erscheinen sei es losgegangen mit Gespr\u00e4chen und weiteren \u00dcberlegungen zum zweiten Band mit 28 neuen Bibelgeschichten aus beiden Testamenten.<\/p>\n<p><strong>Glaube ist f\u00fcr alle offen<\/strong><\/p>\n<p>Das anhaltende Interesse zeige, sagte Atkinson, dass das Bewusstsein f\u00fcr Vielfaltssensibilit\u00e4t, Antidiskriminierung, Multikulturalit\u00e4t und Antirassismus, f\u00fcr Mehrsprachigkeit und Diversit\u00e4t in vielerlei Hinsicht vorhanden sei. \u201eEltern, Begleitpersonen und Mitarbeitenden in Gemeinden ist es wichtig, diese Botschaften an Kinder weiterzugeben. Sie m\u00f6chte ihnen vermitteln, dass sie gesehen werden, sie dazu geh\u00f6ren und das Glaube offen f\u00fcr alle ist\u201c, so Atkinson. Sie dankte der VEM und allen Mitwirkenden f\u00fcr die inspirierende Zusammenarbeit, das Ringen um jedes Detail und den wertsch\u00e4tzenden Austausch.<\/p>\n<p><strong>Verlag ist nie in den Prozess reingegr\u00e4tscht<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWir sind so froh, mit dem Neukirchener Verlag unterwegs zu sein\u201c, dankte Vecera f\u00fcr die VEM, Arbeitsgruppe und Urheberinnen. Ruth Atkinson habe fr\u00fch angeklopft und signalisiert, dass die Verlagst\u00fcren f\u00fcr dieses diversit\u00e4tssensible Bibel-Projekt offen st\u00fcnden. Anderen Verlagen sei \u201edas alles zu brisant und heikel\u201c gewesen, berichtete Vecera von entsprechenden Erfahrungen. \u201eGut, den Jesus ein bisschen dunkler, aber das Wort Rassismus ist so ein schweres Wort, das wollen wir Kindern eigentlich nicht zumuten\u201c, fasste sie salopp zusammen. \u201eIm zweiten Band waren wir nochmal mutiger unterwegs. Deswegen ist es sch\u00f6n, dass wir von Verlagsseite ein hundertprozentiges Vertrauen\u00a0 erhalten haben. Ihr seid uns im Prozess noch nie reingegr\u00e4tscht.\u201c<\/p>\n<p><strong>Bew\u00e4hrtes Konzept weitgehend beibehalten<\/strong><\/p>\n<p>Das bew\u00e4hrte Ausgangskonzept wurde f\u00fcr die Fortsetzung weitgehend beibehalten: Die Erstellung der Texte und Illustrationen wurde \u201eintensiv von einer divers besetzten Arbeitsgruppe begleitet\u201c, vernahmen die Zuh\u00f6renden in der Christuskirche. Zu dieser achtk\u00f6pfigen Gruppe geh\u00f6rten Vecera und W\u00e4hrisch-Oblau und neu Heymann. \u201eAuf die erste unserer Kinderbibeln bekamen wir von verschiedenen Menschen ein sehr qualifiziertes Feedback\u201c, erz\u00e4hlte W\u00e4hrisch-Oblau von der Auswahl der fast 30 Geschichten f\u00fcr den zweiten Band. Leute h\u00e4tten das Konzept total \u00fcberzeugend gefunden, aber gefragt, weshalb Ester fehle, die erste Genozid-Geschichte der Bibel, warum die Bergpredigt. Und weshalb, z\u00e4hlte sie weitere Punkte auf, \u201esind alle eure Geschichten so fr\u00f6hlich, in den Illustrationen lachen die Kinder h\u00e4ufig. Es gibt doch in der Bibel auch Klage und Traurigkeit.\u201c<\/p>\n<p>Darauf habe man in der Gruppe sofort reagiert. Die schwierige Geschichte Davids, die eigentlich schon f\u00fcr den ersten Band geplant gewesen sei, sei wiederum sofort rausgekegelt worden. \u201eWir h\u00e4tten nicht den Platz gehabt, David vern\u00fcnftig zu erz\u00e4hlen\u201c, erl\u00e4uterte Heymann. \u201eNicht, weil David eine schlechte Geschichte ist, sondern wir hatten ja auch eine Seitenvorgabe.\u201c Zudem sei David eine so komplexe Entstehungsgeschichte: \u201eEgal in welche Richtung wir das erz\u00e4hlen, es wird uns auf die F\u00fc\u00dfe fallen.\u201c<\/p>\n<p>Dagegen sei die Aufnahme eines Klagepsalms und von Josef wegen des Prinzessinnenkleides von Anfang an relativ klar gewesen, so W\u00e4hrisch-Oblau. \u201eUns war wichtig, viele Evangelien-Geschichten aufzunehmen, ebenso wie den Erz\u00e4hlfaden des ersten Bandes. Wir haben miteinander viel \u00fcberlegt, auch, wie wir Geschichten erz\u00e4hlen. Aber wir waren uns relativ schnell einig, welche Geschichten wir erz\u00e4hlen\u201c, empfand sie die Diskussionen \u201enicht als sehr kontrovers\u201c.<\/p>\n<p><strong>Lieblingsgeschichten 1<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAlle, ich kann mich da gar nicht entscheiden\u201c, reagierte W\u00e4hrisch-Oblau auf Veceras Frage nach den Lieblingsgeschichten. Daf\u00fcr k\u00f6nne sie sich mit \u201ewutmutige Witwe\u201c (aus der Geschichte nach Lukas 18, 1-8), \u201ebei Luther als \u00b4bittende Witwe\u00b4 v\u00f6llig unter Wert verkauft\u201c, auf ein Lieblingswort festlegen. \u201eWutmutig finde ich einfach total sch\u00f6n.\u201c Vielleicht sei ihr diese von allen Lieblingsgeschichten die allerliebste, weil es eine wunderbare Geschichte \u00fcber das nachhaltige, k\u00e4mpferische und Gott herausfordernde Leben sei. Eine Favoritin sei definitiv ebenso die Geschichte von der \u201eImmer Aufgabe\u201c. Daf\u00fcr habe Karim\u00e9 sich \u201eeinen theologischen Artikel von mir genommen und derma\u00dfen toll umgesetzt in eine kindgerechte Sprache\u201c, zeigte sich die Pastorin begeistert.<\/p>\n<p><strong>Lieblingsgeschichten 2<\/strong><\/p>\n<p>Heymann glaubt, ihre\/seine Lieblingsgeschichte werde sich im Laufe der Lekt\u00fcre, Arbeit und des Lebens mit diesem Buch immer wieder ver\u00e4ndern. Aktuell, mit Blick auf das Hochfest, sei es aber \u201eThomas glaubt das nicht\u201c. \u201eIch liebe diese Geschichte, weil sie das ganz Dichte von Ostern mit all dem Unglaublichen, was Ostern ja ist, erz\u00e4hlt.\u201c Heymann fasziniert die Zusammenstellung der starken Worte von Karim\u00e9 \u00fcber diese unglaubliche Botschaft mit Lisicki-Hehns starkem Bild von der durchbohrten Hand Jesu.<\/p>\n<p><strong>Lieblingsgeschichten 3<\/strong><\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr mich ist schwierig zu sagen, was meine Lieblingsgeschichten sind, denn der Entstehungsprozess kam zusammen mit der schlimmen Zeit nach dem 7. Oktober 2023. F\u00fcr mich ist das quasi so wie ein Gesamttext, wo immer wieder wichtige Dinge aufflackern, beispielsweise Widerstand.\u201c Widerwort sei\u00a0 so ein wichtiges Charakteristikum, oder der Glaube. \u201eDieses Trotz! Obwohl alles so schlimm ist, trotzdem glauben, die Trotzfahne hochhalten. Also mag ich viele Geschichten sehr gerne.\u201c<\/p>\n<p><strong>Mehrsprachigkeit elementar in einer multidiversen Migrationsgesellschaft<\/strong><\/p>\n<p>Die Akzeptanz und Erm\u00f6glichung von Mehrsprachigkeit sei unheimlich wichtig in einer multidiversen Migrationsgesellschaft, so Vecera. Dieses Thema habe Karim\u00e9 schon in die erste Kinderbibel gebracht. Die einst als Grundschullehrerin t\u00e4tige Kinderbuchautorin ist heute auch mit Lesungen an Schulen und in Kinderg\u00e4rten unterwegs. \u201eDabei hei\u00dfe ich eigentlich immer alle Sprachen willkommen\u201c, so die Wahlk\u00f6lnerin. Kindergruppen seien in der Regel sehr divers und mehrsprachig. \u201eIn der Regel finden sich mindestens f\u00fcnf Sprachen in einem Raum\u201c, so die Autorin. Sie stelle fest, dass viele Kinder zweisprachig seien und das Sprachswitchen zum Alltag geh\u00f6re. Das widerlege die Mainstream-Erz\u00e4hlungen von der Einsprachigkeit Deutschlands. \u201eDie Realit\u00e4t sehr vieler Kinder hier ist nicht einsprachig. Sie haben mit zwei, drei Sprachen zu tun und das umgibt sie. Die Idee ist, dass ich diese Mehrsprachigkeit immer ein bisschen miterz\u00e4hlen m\u00f6chte, weil ich es auch poetisch ansprechend finde.\u201c<\/p>\n<p><strong>Gottes Geistkraft beruft und best\u00e4rkt auch Frauen <\/strong><\/p>\n<p>\u201eEigentlich ist Ester eine wahnsinnig patriarchalische Geschichte, zeigt absolute M\u00e4nnermacht \u00fcber Frauen. Sie haben nur ein kleines bisschen an Macht, versuchen irgendwie durch zu navigieren und ihren Kopf zu retten\u201c, stellte W\u00e4hrisch-Oblau fest. Karim\u00e9 erz\u00e4hle sie aber als starke Frauen, ohne das System zu besch\u00f6nigen. \u201eMan sieht schon, dass der K\u00f6nig sagen kann, du bist keine K\u00f6nigin mehr. Trotzdem kommt Waschti ganz stark r\u00fcber.\u201c Die Theologin glaubt, dass in der Bibel, die in einem patriarchalen Umfeld geschrieben worden sei und viele der Autoren auch patriarchal d\u00e4chten, sich diese Spur bewahrt habe: Dass es immer wieder ganz starke Frauen gebe, die Gottes Geistkraft beruft, best\u00e4rkt und denen sie Aufgaben gebe, aber das dann oft abgeschliffen werde. \u201eIn anderen Kinderbibeln wird das nicht hinterfragt, einfach so erz\u00e4hlt, als m\u00fcsste das so sein\u201c, meinte die Pastorin. \u201eUnd hier wird deutlich, es muss nicht so sein.\u201c<\/p>\n<p><strong>Abseits von Rollenstereotypen<\/strong><\/p>\n<p>Karim\u00e9 wurde gefragt, was es ihr als feministische Autorin auch vieler weiterer Kinderb\u00fccher bedeute, in ihren Geschichten M\u00e4dchen und Frauen angemessen zu repr\u00e4sentieren. \u201eEs ist sehr wichtig f\u00fcr mich, dass ich eine Gegenerz\u00e4hlung zu dem mache\u201c, was generell am einseitigen Kinderbuchmarkt erz\u00e4hlt werde. \u201eAuch wenn mal etwas Besonderes aufblitzt, alternativ ist\u201c, sieht sie einen gro\u00dfen, sehr von Rollenstereotypen gepr\u00e4gten Mainstream. \u201eInsgesamt ist da einfach eine gro\u00dfe einseitige Erz\u00e4hlstimme\u201c, bedauert sie. \u201eIch kenne ja viele Kinder, viele M\u00e4dchen, und es entspricht nicht der Realit\u00e4t, was da so erz\u00e4hlt wird.\u201c Sie erlebe Kinder schon als sehr kraftvoll, klug und durchsetzungsverm\u00f6gend. \u201eIch kann gar nicht sagen, dass ich mir das so vornehme, es kommt automatisch, weil es mein Blick auf die Welt ist. Ich nehme M\u00e4dchen und auch nonbin\u00e4re Kinderpersonen einfach anders wahr.\u201c Besonders findet die poetische Geschichtenerz\u00e4hlerin, dass sie in der \u201eAlle-Kinder-Bibel\u201c au\u00dferhalb von Theologinnenkreisen eher vernachl\u00e4ssigten Frauenpersonen wie Lydia einen Platz geben k\u00f6nne.<\/p>\n<p><strong>Multiperspektivit\u00e4t: viele Menschen erz\u00e4hlen viele Geschichten<\/strong><\/p>\n<p>Karim\u00e9 gab zu bedenken, dass in Deutschland der aus den USA kommende Begriff Diversity ein bisschen unscharf annektiert worden sei. Urspr\u00fcnglich bedeute er Vielfalt und meine eigentlich ein Teilhabekonzept. \u201eEs ging darum, schwarze Menschen in die Wissenschaft zu bringen.\u201c Auf die Kinderliteratur bezogen, k\u00f6nne man sagen: \u201eWir versuchen, mehr marginalisierte Stimmen (\u2026), also diese Multiperspektivit\u00e4t ein bisschen hereinzubringen; dass viele Menschen viele Geschichten erz\u00e4hlen, dass vielleicht dann das Geheimnis der Welt, vielleicht auch der Kindheit ganz facettenreich erz\u00e4hlt wird.\u201c Dass bei der \u201eAlle-Kinder-Bibel\u201c umgesetzte Konzept k\u00f6nne nicht bei jedem Kinderbuch angewendet werden, so Karim\u00e9. Beispielsweise habe ein Kinderbuch nicht die Aufgabe, zwischen zwei Buchdeckeln alles zu repr\u00e4sentieren. \u201eDas muss nicht sein. Ein Kinderbuch muss einfach eine tolle Geschichte sein.\u201c Aber wichtig gerade bei der vorliegenden Anthologie sei, dass Bibelgeschichten f\u00fcr eine ganz gro\u00dfe Gruppe st\u00fcnden.<\/p>\n<p><strong>Nicht nur positive Kritik auf den ersten Band<\/strong><\/p>\n<p>\u201eEs kamen ja nicht nur Jubelrufe\u201c, sprach Vecera auch negative Reaktionen auf den ersten Band an. Das sei ja alles \u00fcbertrieben, habe ein Vorwurf gelautet. Und verdrehe man nicht die in einer patriarchalischen Welt entstandenen Geschichten, wenn jetzt zu lesen sei, Frauen w\u00fcrden Widerworte geben und Gott sei queer. Bedenken, dass Darstellungen auch im zweiten Band als theologisch nicht ganz korrekt und insgesamt \u201eSch\u00f6ngerede\u201c eingeordnet w\u00fcrden, wolle man selbstbewusst wie offen begegnen.<\/p>\n<p><strong>\u201eEine andere Perspektive, die sich auch in der Bibel findet\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWir erz\u00e4hlen alle Geschichten sehr nah an der Bibel\u201c, reagierte W\u00e4hrisch-Oblau auf (m\u00f6gliche) Einw\u00e4nde. \u201eWaschtis Widerwort ist schon ein revolution\u00e4rer Akt gewesen. Es ist sicher richtig, es gibt auch die anderen Geschichten in der Bibel und wir erz\u00e4hlen in mancher Hinsicht auch einseitig.\u201c\u00a0 Aber es gebe so viele Kinderbibeln, die einseitig in die andere Richtung erz\u00e4hlten, \u201edass ich es unproblematisch finde, wenn wir jetzt mal sagen, wir haben eine andere Perspektive, die sich auch in der Bibel findet\u201c. Es habe jede Berechtigung, wenn man jetzt eine von unterschiedlichen Erz\u00e4hlweisen\u00a0 sichtbarer mache als sie es vorher gewesen sei. Denjenigen, die meinten, \u201ewir verlassen die Bibel, sind zu weit weg vom Urtext\u201c, r\u00e4t Heymann, generell nicht mehr \u00dcbersetzungen aus dem Altgriechischen oder Hebr\u00e4ischen zu Rate zu ziehen. Diese seien als solche bereits eine Interpretation.<\/p>\n<p><a href=\"#\" rel=\"nofollow\" onclick=\"window.print(); return false;\" title=\"Printer Friendly, PDF &amp; Email\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/printfriendly-icon-lg.png\" alt=\"Print Friendly, PDF &amp; Email\" class=\"pf-button-img\" style=\"width: 25px;height: 25px;\"\/>Drucken<\/a><\/p>\n<p>Text: Engelbert Broich <br \/>Foto(s): Engelbert Broich <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bibeln und B\u00fccher mit biblischen Geschichten f\u00fcr Kinder gibt es zuhauf. 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