{"id":1241833,"date":"2026-08-17T04:34:23","date_gmt":"2026-08-17T04:34:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1241833\/"},"modified":"2026-08-17T04:34:23","modified_gmt":"2026-08-17T04:34:23","slug":"warum-deutsche-industrie-ihr-glueck-in-ungarn-sucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1241833\/","title":{"rendered":"Warum deutsche Industrie ihr Gl\u00fcck in Ungarn sucht"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/mercedes-ungarn-100.jpg\" alt=\"Mercedes-Benz-Werk in Kecskem\u00e9t, Ungarn.\" title=\"Mercedes-Benz-Werk in Kecskem\u00e9t, Ungarn. | picture alliance\/dpa\/Mercedes-Be\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 17.08.2026 \u2022 06:24 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Als Industrieland ist Deutschland angez\u00e4hlt: teure Produktion, gesunkene Nachfrage. Immer attraktiver wird daf\u00fcr Osteuropa. Teils kurze Lieferwege und geringe Kosten &#8211; damit wollen Unternehmen wieder wettbewerbsf\u00e4hig werden.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mitten in der Produktionshalle klafft eine gro\u00dfe L\u00fccke. Bis vor zwei Wochen stand hier noch eine Maschine, die Gummi-Dichtungen hergestellt hat. &#8222;Was weg ist, ist weg. Das kommt nicht wieder. Da brauchen wir uns nichts vormachen&#8220;, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Gernot-Alois Feiel. Es ist bereits die vierte Maschinen-Anlage, die er in diesem Jahr nach Ungarn verlagert hat.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Seit 50 Jahren produziert KACO im baden-w\u00fcrttembergischen Kirchardt Dichtungen f\u00fcr die Automobilindustrie. Der Kostendruck in der Branche setzt auch das mittelst\u00e4ndische Unternehmen unter Druck. Vor einigen Wochen hat ein gro\u00dfer Kunde den Preis f\u00fcr einen Gro\u00dfauftrag um zehn Prozent nach unten gesetzt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das stelle sie allerdings vor gro\u00dfe Herausforderungen, sagt Feiel. &#8222;Parallel steigen unsere Fertigungskosten, die Energiekosten, die Inflation. Die Gewinnspanne wird immer niedriger. Irgendwann ist es f\u00fcr eine Firma dann v\u00f6llig unattraktiv, am deutschen Standort zu fertigen.&#8220; Roh-Gummi, das Basisprodukt f\u00fcr die Dichtungen, wird nun gr\u00f6\u00dftenteils nicht mehr in Baden-W\u00fcrttemberg, sondern in Ungarn weiterverarbeitet.<\/p>\n<p>    Lokale Produktion statt Export<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine <a href=\"https:\/\/www.horvath-partners.com\/de\/media-center\/studien\/7-jaehrliche-horvath-cxo-priorities-studie\" title=\"7. j\u00e4hrliche Horv\u00e1th CxO Priorities Studie - Horv\u00e1th\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Umfrage der Unternehmensberatung Horvath<\/a> unter 1.000 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern mit Hauptsitz in Deutschland ergab, dass fast 60 Prozent bis 2030 mit einem zunehmenden Stellenabbau in Deutschland rechnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Unternehmen setzen mittlerweile auf die &#8222;Local-for-Local-Strategie&#8220;. Produkte sollen in den globalen M\u00e4rkten produziert werden, wo sie am Ende auch gekauft werden. Unsicherheiten mit Lieferketten und m\u00f6glichen Z\u00f6llen sollen so verhindert werden. Allerdings werden so auch die Exporte aus Deutschland abnehmen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Besonders in Indien, China und Nordamerika rechnen die Befragten damit, dass ihr Unternehmen mehr Personal einstellen wird. Innerhalb Europas werde der Osten attraktiver. 52 Prozent rechnen dort mit einem Zuwachs von Arbeitspl\u00e4tzen.<\/p>\n<p>    Neues Zentrum der deutschen Automobilindustrie<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Besonders Ungarn r\u00fcckt seit Jahren in den Fokus der deutschen Automobilindustrie. BMW, Audi und Mercedes-Benz haben viele Milliarden Euro investiert und gro\u00dfe Werke gebaut. Auch deutsche Zulieferer siedeln sich in Osteuropa an. Das gr\u00f6\u00dfte Mercedes-Benz-Werk steht seit kurzem nicht mehr in Deutschland, sondern im ungarischen Kecskemet. Hier soll k\u00fcnftig die rein elektrische C-Klasse produziert werden, weitere Modelle sollen folgen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch die chinesische Konkurrenz siedelt in Ungarn an. Der gr\u00f6\u00dfte Batteriezellen-Hersteller CATL er\u00f6ffnet bald seine &#8222;Giga-Factory&#8220; in Debrecen. Der chinesische Autokonzern BYD baut im S\u00fcden Ungarns ein gro\u00dfes Werk. Chinesische Autos &#8222;Made in Europa&#8220; sollen bereits im kommenden Jahr vom Band fahren.<\/p>\n<p>    Kostenvorteil bei Lohn und Arbeitsstunden<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Mercedes-Vorstandschef Ola K\u00e4llenius schw\u00e4rmt: &#8222;Die Produktionskosten hier setzen Ma\u00dfst\u00e4be in ganz Europa.&#8220; Der Konzern rechnet, dass man in Ungarn 70 Prozent g\u00fcnstiger produzieren k\u00f6nne als an einem deutschen Standort.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Schnitt liegen die Arbeitskosten pro geleisteter Stunde im verarbeitenden Gewerbe in Ungarn bei 15,60 Euro. In Deutschland sind es hingegen 49,50 Euro &#8211; mehr als dreimal so viel. Die regul\u00e4re Wochenarbeitszeit in Ungarn liegt bei 40 Stunden, in Deutschland im Tarifvertrag der IG-Metall bei 35 Stunden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein weiterer Kostenvorteil ist Mercedes zufolge der niedrige Krankenstand in der ungarischen Belegschaft. An deutschen Standorten sei dieser mehr als doppelt so hoch.<\/p>\n<p>    Umzug mit gemischten Gef\u00fchlen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die KACO-Halle in Ungarn ist voll. Die letzte L\u00fccke werde Ende des Jahres geschlossen, dann habe keine Maschinen-Gruppe aus Deutschland mehr Platz. Die Verlagerung von Baden-W\u00fcrttemberg nach Ungarn ist abgeschlossen. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Gernot-Alois Feiel betrachtet das mit gemischten Gef\u00fchlen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Einerseits freue er sich, dass die Maschinen des Unternehmens weiterhin Gummi-Dichtungen produzieren. &#8222;Aber wenn ich an die deutschen Mitarbeitenden denke, die nicht mehr an diesen Maschinen arbeiten k\u00f6nnen, dann wird es einem schwer ums Herz.&#8220; Niemand verliere gerne Produkte, sagt er. Am deutschen Standort musste er in den vergangenen Jahren 174 Arbeitspl\u00e4tze vor allem in der Produktion abbauen.<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>                    Wir verlieren Teile der Industrie. Deindustrialisierung ist aus meiner Sicht auch ein Verlust von Wohlstand.<\/p>\n<p>Gernot-Alois Feiel, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer KACO<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Tarifvertrag als Wettbewerbsnachteil?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das stimmt ihn nachdenklich, auch f\u00fcr die Zukunft Deutschlands als Industrieland. Anfang August hat die KACO-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung entschieden, aus dem Arbeitgeberverband S\u00fcdwestmetall auszusteigen. In Zukunft wird es keinen IG-Metall-Tarifvertrag im Unternehmen mehr geben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zusammen mit der Verlagerung nach Ungarn sei es die einzige M\u00f6glichkeit, auch in Zukunft wettbewerbsf\u00e4hig zu sein. Die Lohnkosten sind mit dem Tarifvertrag f\u00fcr den Unternehmer derzeit zu hoch. &#8222;So sehr die Sozialpartner zum Wohlstand beigetragen haben, so problematisch ist das mittlerweile im internationalen Wettbewerb geworden.&#8220;<\/p>\n<p>    Innovation und Forschung als Chance f\u00fcr Deutschland<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Trotz Jobabbau in Deutschland, Verlagerung von Produktion ins Ausland und Umsatzr\u00fcckg\u00e4ngen in der Autoindustrie sehen Experten auch eine Chance in der Entwicklung. Die Branche habe die Chance in Deutschland dort zu investieren, wo sie besonders wettbewerbsf\u00e4hig sei, meint Anita W\u00f6lfl vom ifo-Institut.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Gro\u00dfe Wachstums- und Produktivit\u00e4tseffekte resultieren in Zukunft vor allem aus der Forschung, Entwicklung und der gesamten Innovation&#8220;, sagt W\u00f6lfl. Es sei wichtig, dass deutsche Unternehmen hier auch seitens der Politik unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch bei KACO setzt man auf diese Strategie. Die Entwicklungsabteilung sei das Herzst\u00fcck des Unternehmens, so Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Feiel, und k\u00f6nne nicht verlagert werden. &#8222;Das hat Deutschland drauf, die Kreativit\u00e4t ist im internationalen Vergleich top, w\u00fcrde ich sagen. Das d\u00fcrfen wir uns keinesfalls nehmen lassen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 17.08.2026 \u2022 06:24 Uhr Als Industrieland ist Deutschland angez\u00e4hlt: teure Produktion, gesunkene Nachfrage. 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