{"id":1243562,"date":"2026-08-17T23:20:18","date_gmt":"2026-08-17T23:20:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1243562\/"},"modified":"2026-08-17T23:20:18","modified_gmt":"2026-08-17T23:20:18","slug":"helfer-aus-vier-eu-laendern-bekaempfen-brandkatastrophe-im-hohen-venn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1243562\/","title":{"rendered":"Helfer aus vier EU-L\u00e4ndern bek\u00e4mpfen Brandkatastrophe im Hohen Venn\u00a0"},"content":{"rendered":"<p>        <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-95833 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/gekippter-baum-hohes-venn-100_v-gseaclassicxl.jpg\" alt=\"\" width=\"418\" height=\"235\"  \/>Foto: WDR<\/p>\n<p>Von Thomas A. Friedrich<\/p>\n<p>Im Naturschutzgebiet Hohes Venn steht seit vergangenem Freitag das gr\u00f6\u00dfte Hochmoor Europas in Flammen. Bis Wochenbeginn wurden mehr als 3.000 Hektar des belgisch-deutschen Naturschutzgebietes vernichtet. Die Feuersbrunst hatte sich am Sonntag bis auf 1,5 Kilometer an die Gemarkungsgrenzen der Stadt Monschau auf deutscher Seite herangefressen. Das Feuer im Naturpark ist der gr\u00f6\u00dfte Fl\u00e4chenbrand in der Geschichte Belgiens.\u00a0<\/p>\n<p>Die L\u00f6scharbeiten in der insgesamt rund 70.000 Hektar umfassenden Torf- und Heidelandschaft gestalten sich f\u00fcr die Einsatzkr\u00e4fte wegen des schwer zug\u00e4nglichen Terrains extrem schwierig. Inzwischen sind nach Angaben des belgischen Innenministeriums mehr als 300 Feuerwehrleute und Einsatzkr\u00e4fte verschiedener Katastrophenschutz-Organisationen mit der Bek\u00e4mpfung des weitgehend aus unterirdischen Glutnestern aufkeimenden Fl\u00e4chenbrandes besch\u00e4ftigt. Landwirte aus der Euregio Maas-Rhein helfen mit ihren Traktoren durch Pflugschneisen ein \u00dcberspringen auf bewohnte Gebiete einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p>Seit dem fr\u00fchen Sonntagmorgen sind belgische und niederl\u00e4ndische L\u00f6schhubschrauber im Einsatz und werfen jeweils aus K\u00f6rben 7.000 Liter Wasser auf die Brandherde ab. Im Laufe des Montags sollten sich auch zwei deutsche Bundeswehr-Hubschrauber\u00a0 an der Brandbek\u00e4mpfung beteiligen.<\/p>\n<p><b>Evakuierungen und Schutzma\u00dfnahmen<\/b><\/p>\n<p>Rund 600 Bewohnerinnen und Bewohner in den nahegelegenen Gemeinden Weismes (Waimes) und B\u00fctgenbach in der Provinz L\u00fcttich mussten sich in Sicherheit bringen. Auch Touristen wurden von Beh\u00f6rdenseite nahegelegt, die Gegend zu verlassen. Auf belgischer Seite wurden bisher die Ortschaften K\u00fcchelscheid und Sourbrodt teilweise evakuiert. Jenseits der Grenze rief die Stadt Monschau f\u00fcr einige gef\u00e4hrdete Weiler und Stra\u00dfenz\u00fcge wie Ruitzhof und Geisberg vorsorgliche Evakuierungen und Notunterk\u00fcnfte aus.\u00a0<\/p>\n<p><b>Monschau und deutsche Eifelregion von gro\u00dffl\u00e4chigen Rauchschwaden betroffen<\/b><\/p>\n<p>Aufgrund des am Montag einsetzenden Regens und der L\u00f6scharbeiten kam es zu starker Rauchbildung in weiten Teilen der Eifel. Anwohner der Region sind aufgefordert, Fenster und T\u00fcren vorerst geschlossen zu halten.\u00a0<\/p>\n<p>Am Montagmittag teilte der Wasserversorgungszweckverband Perlenbach \u00fcberdies mit, dass es durch die erh\u00f6hte Wasserentnahme aufgrund des Waldbrandes und eines zus\u00e4tzlichen Netzschadens im Bereich der Stadt Monschau zu Eintr\u00fcbungen des Trinkwassers komme. Diese seien jedoch nicht gesundheitsgef\u00e4hrdend. Evakuierungsma\u00dfnahmen im Stadtbereich Monschau waren bis auf weiteres nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>\u201e<b>Zombiefeuer\u201c macht L\u00f6scharbeiten unterirdischer Glutnester extrem schwierig\u00a0<\/b><\/p>\n<p>\u201eDeutschland hatte Riesenschwein, dass es keinen Westwind gegeben hat am Wochenende. Sonst w\u00e4ren Teile von Monschau vielleicht nicht mehr zu retten gewesen.\u201d\u00a0 Diese Einsch\u00e4tzung gab Wetterexperte J\u00f6rg Kachelmann im Deutschlandfunk (DLF) am Montag. Im gleichen Sinne \u00e4u\u00dferte sich auch sein ZDF-Kollege \u00d6zden Terli: \u201eExtreme Hitze und Trockenheit haben den gr\u00f6\u00dften Waldbrand seit 1949 westlich von Bordeaux beg\u00fcnstigt. Die Gefahr ist bisher nicht gebannt, denn das Feuer ist nur oberfl\u00e4chlich aus. Der Torf im Boden gl\u00fcht weiter, es ist ein sogenanntes Zombiefeuer. \u201cDiese unterirdischen Glutnester fressen sich tiefer in den Torf- und Bodenschichten und flammen durch Sauerstoffzufuhr an anderen Stellen wieder auf,\u201c erl\u00e4uterte der Meteorologe. Eine Bek\u00e4mpfung des Brandes k\u00f6nne, so Terli, Wochen oder gar bis zu einem Jahr dauern.<\/p>\n<p>In einem Fernsehinterview erl\u00e4uterte Feuerwehrkommandant Luc Burette die enormen Herausforderungen beim Einsatz in dem weitl\u00e4ufigen und mit schweren Fahrzeugen schwer erreichbaren Naturschutzgebiet: \u201eDer Boden besteht aus Torf, an der Oberfl\u00e4che ist Gras. Damit kann sich das Feuer schnell ausbreiten und ist schwer in den Griff zu bekommen.\u201c<\/p>\n<p><b>K\u00f6nig Philipp informiert sich am Montag im Krisenzentrum\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Der belgische K\u00f6nig Philippe hat sich am Montag vor Ort \u00fcber die aktuelle Lage informiert. Dazu hatte er seinen Urlaub unterbrochen. Am fr\u00fchen Nachmittag traf er im Krisenzentrum bei L\u00fcttich ein, um sich aus erster Hand \u00fcber die h\u00f6chst angespannte Lage zu informieren und den Helfern zu danken. Anschlie\u00dfend begab sich das Staatsoberhaupt in das Krisengebiet und stattete dem Ort Sourbrodt einen Besuch ab.<\/p>\n<p>Belgiens Premierminister Bart De Wever (N-VA) h\u00e4lt sich derzeit fern vom K\u00f6nigreich im Urlaub in Japan auf. Er dankte in einer \u201cX\u201d \u00a0verbreiteten Nachricht den Helferinnen und Helfern im Katastrophengebiet f\u00fcr ihren unerm\u00fcdlichen Einsatz bei der Bek\u00e4mpfung des Feuersbrunst. In Belgien wurde De Wever von Vizepremier- und Finanzminister Jan Jambon (ebenfalls N-VA) vertreten.<\/p>\n<p>Bereits im Laufe des Sonntags hatte Belgiens Innenminister Bernard Quintin gegen\u00fcber belgischen Medien \u201eeine leichte Entspannung der Lage\u201c sowohl auf belgischer als auch auf deutscher Seite gemeldet.\u00a0 Davon konnte nach Angaben der B\u00fcrgermeisterin von Monschau, Carmen Kr\u00e4mer, keine Rede sein. Auf einer Pressekonferenz am Montagnachmittag sprach sie von einer weiter ernsten Lage.<\/p>\n<p><b>Brandlage seit Sonntagabend unver\u00e4ndert \u2013 Regen <\/b><b>bisher <\/b><b>kein Game Changer<br \/><\/b><\/p>\n<p>Die Lage im Hohen Venn ist nach \u00dcberzeugung der parteilosen Monschauer B\u00fcrgermeisterin unver\u00e4ndert. Deshalb k\u00f6nnten die etwa 30 evakuierten Einwohner derzeit auch noch nicht in ihre H\u00e4user zur\u00fcckkehren, sagte Kr\u00e4mer bei einer Pressekonferenz. Aktuell habe sich an der seit Montagabend bestehenden besorgniserregenden Lage nichts ver\u00e4ndert. \u201eDer Regen hat zwar ein bisschen gut getan, aber der hat nat\u00fcrlich nicht das Feuer gel\u00f6scht, dazu war\u2019s dann doch heute Morgen zu wenig\u201c, gab Kr\u00e4mer zu bedenken. Man tue alles daf\u00fcr, dass niemand in Gefahr gerate, so die Monschauer B\u00fcrgermeisterin.<\/p>\n<p><b>Kammerpr\u00e4sident setzt Sondersitzung im Innenausschuss an<\/b><\/p>\n<p>In Abwesenheit des belgischen Regierungschefs ist der Pr\u00e4sident der Abgeordnetenkammer inzwischen aktiv geworden. So soll der Innenausschuss der Kammer wegen des Gro\u00dfbrandes im Hohen Venn zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Kammerpr\u00e4sident Peter De Roover (N-VA) gab am Montag einer entsprechenden Forderung der Oppositionsparteien Anders und PTB\/PVDA statt. Ein Termin stehe noch nicht fest und m\u00fcsse unter den Fraktionschefs noch abgestimmt werden.\u00a0<\/p>\n<p><b>Solidarische internationale Unterst\u00fctzung \u00fcber L\u00e4ndergrenzen<\/b><\/p>\n<p>Neben der belgischen Feuerwehr und Landwirten mit Traktoren unterst\u00fctzen deutsche Einheiten aus der St\u00e4dteregion Aachen, niederl\u00e4ndische und norwegische L\u00f6schhubschrauber sowie schwedische L\u00f6schflugzeuge den Gro\u00dfeinsatz. Aufgrund des weiterhin andauernden Brandes im Hohen Venn unterst\u00fctzen auch Einsatzkr\u00e4fte der Feuerwehr der Stadt Aachen sowie der Feuerwehren der St\u00e4dteregion Aachen die Bem\u00fchungen im Kampf gegen die Flammen auf belgischer Seite. Die Unterst\u00fctzung erfolgt im Rahmen der grenz\u00fcberschreitenden Zusammenarbeit in der Euregio.<\/p>\n<p><b>Gemeinsam \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg: Euregio Maas-Rhein hilft bei Unfall- und Krisenbew\u00e4ltigung<\/b><\/p>\n<p>EMRIC steht f\u00fcr Euregio Maas-Rhein Incident and Crisis Management. Es handelt sich um eine einzigartige Partnerschaft von \u00f6ffentlichen Diensten, die f\u00fcr die Brandbek\u00e4mpfung, die technische Hilfeleistung, die Notfallversorgung, Infektionsschutz sowie das Katastrophen- und Krisenmanagement in ihrem Gebiet zust\u00e4ndig sind.\u00a0<\/p>\n<p>In einer Region mit vielen Grenzen \u2013 wie der Euregio Maas-Rhein \u2013 \u00a0k\u00f6nnen ausl\u00e4ndische Rettungsdienste oft schneller vor Ort sein als die eigenen. Wenn jede Sekunde z\u00e4hlt, ist schnelle Hilfe von entscheidender Bedeutung.<\/p>\n<p><b>Moore von gr\u00f6\u00dfter \u00f6kologische Bedeutung f\u00fcr den Klimaschutz<\/b><\/p>\n<p>Moore sind besondere Lebensr\u00e4ume. Sie beherbergen eine au\u00dferordentliche Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Besonders als Kohlenstoffspeicher spielen sie f\u00fcr das Klima eine wichtige Rolle.\u00a0Intakte Moore gelten als die effektivsten Kohlenstoffspeicher der Erde. Obwohl sie weltweit nur etwa drei Prozent der Landfl\u00e4che einnehmen, speichern sie rund ein Drittel des weltweiten Bodenkohlenstoffs \u2013 doppelt so viel wie alle W\u00e4lder zusammen.\u00a0<\/p>\n<p>Werden Moore jedoch entw\u00e4ssert \u2013 wie nun durch die anhaltenden Br\u00e4nde beg\u00fcnstigt \u2013\u00a0k\u00f6nnen sie gro\u00dfe Mengen an Treibhausgasen freisetzen. So drohen sie ihre\u00a0 Funktion beim\u00a0 Klimaschutz zu verlieren. In Deutschland sind inzwischen 95 Prozent der deutschen Moore trockengelegt. Die Europ\u00e4ische Union unterst\u00fctzt die Bem\u00fchungen, diese wieder einzun\u00e4ssen.<\/p>\n<p><b>Bundesregierung legt Moor-F\u00f6rderprogramm auf<\/b><\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission hat im Fr\u00fchjahr 2026 eine deutsche F\u00f6rderregelung mit einem Volumen von 1,3 Milliarden Euro genehmigt. Das Programm unterst\u00fctzt Eigent\u00fcmer und Bewirtschafter von entw\u00e4sserten Moorfl\u00e4chen auf freiwilliger Basis finanziell, wenn sie ihre Fl\u00e4chen wieder vern\u00e4ssen. So sollen klimasch\u00e4dliche CO\u2082-Emissionen gesenkt und die Natur gesch\u00fctzt werden.\u00a0<\/p>\n<p>Auf Initiative von Bundesumweltministerium Carsten Schneider (SPD) soll die\u00a0 Wiedervern\u00e4ssung entw\u00e4sserter Moorb\u00f6den bis zum Jahr 2045 insgesamt 28 Millionen Tonnen an CO2-\u00c4quivalenten einsparen helfen. Bis 2045 will Deutschland klimaneutral sein. Konkret bedeutet dies, nicht mehr Treibhausgase auszusto\u00dfen, als wieder auf eigenem Territorium gespeichert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Foto: WDR Von Thomas A. 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