{"id":124369,"date":"2025-05-20T02:26:17","date_gmt":"2025-05-20T02:26:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/124369\/"},"modified":"2025-05-20T02:26:17","modified_gmt":"2025-05-20T02:26:17","slug":"wgt-leipzig-viktorianisches-picknick-woher-kommt-die-beliebte-tradition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/124369\/","title":{"rendered":"WGT Leipzig &#038; Viktorianisches Picknick: Woher kommt die beliebte Tradition?"},"content":{"rendered":"<p><a name=\"sprung1\" class=\"jumpLabel\">Picknick im Viktorianischen Zeitalter<\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nGenie\u00dfen konnte die sch\u00f6nen Momente drau\u00dfen an der frischen Luft zun\u00e4chst vor allem die h\u00f6fische Gesellschaft. Drau\u00dfen bedeutete, dem steifen Zeremoniell der Pal\u00e4ste, etwa den Tischsitten zu entfliehen. Etwa w\u00e4hrend einer k\u00f6niglichen Jagd. Die Historikerin Janet Morgan verweist auf einen Holzschnitt aus dem Jahr 1575, der K\u00f6nigin Elisabeth I. zeigt; &#8222;mit ihren Hofleuten in einem Geh\u00f6lz sitzend, ein Tuch vor ihr auf der Erde ausgebreitet, wie sie Taubenpastete mit den Fingern isst&#8220;. <\/p>\n<p>Besonders oft findet Queen Victoria (1819\u20131901) in Betrachtungen zur Kulturgeschichte des Picknicks Erw\u00e4hnung. Demnach traf sie daf\u00fcr umfangreiche Vorbereitungen im schottischen Balmoral Castle, w\u00e4hrend ihr Gatte Albert auf der Jagd umherstreifte. Dass Proviant und Ger\u00e4tschaften zur rechten Zeit am verabredeten Ort eintrafen, und das selbst im Oktober, daf\u00fcr sorgte sie Morgan zufolge eisern.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nPicknicks kamen in Victorias Regierungszeit gro\u00df in Mode. Die High Society traf sich nicht im schottischen Hochland, sondern am Rande der Cricketmatches in Eton, beim Derby von Epsom oder der Regatta von Henley, wo Diener den Champager reichten. Wer heute an einem solchen kostenpflichtigen Picknick-Event teilnehmen will, sollte sich vorher auf den Websites \u00fcber Wartelisten, erlaubte Speisen und Getr\u00e4nke informieren, empfiehlt Janet Morgan. Spontan geht gar nichts, drei Jahre im Voraus m\u00fcsste man sich in Ascot anmelden &#8222;f\u00fcr jene begehrten Tage, an denen Mitglieder der K\u00f6nigsfamilie aus Windsor Castle mit der Kutsche kommen&#8220;. <\/p>\n<p>Eine Flasche Champagner sei pro Person und ab 18 erlaubt; Bier, Cider, Schn\u00e4pse, Wein, Pimm oder \u00e4hnliche Getr\u00e4nke ausdr\u00fccklich verboten. Picknickk\u00f6rbe und Taschen w\u00fcrden beim Einlass durchsucht. Und vom <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/wgt\/leipzig-wgt-viktorianisches-picknick-bilder-fotos-104.html\" title=\"WGT Leipzig: Die sch\u00f6nsten Outfits beim Viktorianischen Picknick\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Thema Kleidung<\/a> sei man an den Rennbahnen offensichtlich besessen, erkl\u00e4rt Morgan. F\u00fcr den Derby Day von Epsom gelte f\u00fcr die Herren: &#8222;schwarzer oder grauer Gesellschaftsanzug mit Zylinder, Dienstuniform oder vollst\u00e4ndige Nationaltracht&#8220; tragen. In der N\u00e4he der Parkpl\u00e4tze soll es entspannter zugehen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEs muss nicht unbedingt lauschig und sonnig sein. Vor allem dann nicht, wenn es um Krone und Empire geht. Aus heutiger Sicht verst\u00f6rend reisten viktorianische Picknicker einst bis an die Schlachtfelder auf der Krim, wo die Briten 1854 bis 1856 gemeinsam mit den Franzosen gegen die Russen k\u00e4mpften. Die Revolution des Transportwesens mit Eisenbahn und schnelleren Dampfschiffen machte es m\u00f6glich. <\/p>\n<p>Den Proviant lieferte Fortnum &amp; Mason in Picknickk\u00f6rben. Spezialisiert auf feine Speisen f\u00fcr die Aristokraten hatte das Unternehmen nun &#8222;luxuri\u00f6se Dosengerichte wie Gefl\u00fcgel und Wild in Aspik, mit Wurstbr\u00e4t umh\u00fcllte hartgekochte Eier (Schottische Eier), Schildkr\u00f6tensuppe, Wildschweinkopf mit Pistazien und Tr\u00fcffeln, G\u00e4nseleberpastete, eingelegte oder gr\u00fcne Tr\u00fcffel, angemachter Schinken und Zunge, russische Ochsen- und Rentierzungen, eingelegte Krabben, Mangos aus Bombay&#8220; im Angebot. Doch nicht mehr nur die Oberschicht reiste neugierig geworden durch die Medienberichte ins Kriegsgebiet: Noch unverheiratete junge, b\u00fcrgerliche Damen hofften, dort vielleicht ihren Mann f\u00fcrs Leben zu finden und eine Ehe anzubahnen, wie die Historikerin Diana Noyce recherchierte.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung2\" class=\"jumpLabel\">Picknicken \u2013 mehr als Essen im Freien<\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nNicht also nur die Tischsitten lockerten sich mit dem Drang ins Freie. Das <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/wgt\/leipzig-wgt-viktorianisches-picknick-bilder-100.html\" title=\"WGT 2023 in Leipzig: Bilder vom Viktorianischen Picknick\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zusammensein auf einer Decke unter B\u00e4umen<\/a>, mit Blick aufs Meer, die Berge oder unter Umst\u00e4nden ein Schlachtfeld half, sich n\u00e4herzukommen und unbeobachtet anzub\u00e4ndeln. Anders als zuhause, wo sich Frauen und M\u00e4nner nach dem Essen in getrennte R\u00e4ume zur\u00fcckzogen. <\/p>\n<p>F\u00fcr die aufkommende L\u00e4ssigkeit steht ein Bild von \u00c9douard Manet aus dem Jahr 1863: &#8222;Le D\u00e9jeuner sur l\u2019herbe&#8220; \u2013 das &#8222;Fr\u00fchst\u00fcck im Gr\u00fcnen&#8220; zeigt zwei Paare. Die jungen M\u00e4nner sind im Gehrock, die Frauen nackt &#8222;und das auf einer etwa zwei Meter mal zwei Meter sechzig gro\u00dfen Leinwand&#8220; und &#8222;nicht im intimen Kleinformat des erotischen Genres&#8220;. So erkl\u00e4rt die Kunsthistorikerin Ursula Renner, warum das Gem\u00e4lde damals Skandal machte. F\u00fcr sie versinnbildlicht es auch das &#8222;Picknick-Prinzip&#8220;: &#8222;F\u00fclle und \u00dcberfluss genauso wie Improvisation und Unordnung, ein sinnliches laisser-faire&#8220;. Die K\u00fcnstler, vor allem die Impressionisten begannen, dieses Sujet zu lieben.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEinst sehnten sich die Adeligen beim Picknicken in Lustg\u00e4rten an einen anderen Ort fern der Konventionen, ganz so als w\u00e4ren sie &#8222;nur&#8220; einfache Landleute oder Hirten. Sp\u00e4testens mit der franz\u00f6sischen Revolution begann das Volk, sich die k\u00f6niglichen Parks oder den Bois de Bologne im Westen von Paris zu erobern. Volksparks wurden sp\u00e4ter vielerorts in Europa eingerichtet, mit Schildern wie: &#8222;Hier k\u00f6nnen Familien Kaffee kochen&#8220;. <\/p>\n<p>Der industrielle Aufschwung machte die Stadtluft nicht besser. Nicht mehr nur zu Fu\u00df, mit der Eisenbahn brachen die Picknicker sonntags auf. Die besser Betuchten stiegen bald ins Auto. F\u00fcr sie entwickelte die Firma Louis Vuitton Anfang des 20. Jahrhunderts sehr edle und stabile Koffer, die echte Raumwunder waren. Nichts f\u00fcr Bergwanderungen mit Picknick freilich. Daf\u00fcr bevorzugten die praktischen Schweizer leichtes und stapelbares Aluminium&#8220;geschirr&#8220;. In Deutschland erleichterte die Erfindung des Kunststoffes Bakelit den Transport der Utensilien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Picknick im Viktorianischen Zeitalter Genie\u00dfen konnte die sch\u00f6nen Momente drau\u00dfen an der frischen Luft zun\u00e4chst vor allem die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":124370,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[86,96,3364,29,89,98,92,46843,30,99,95,87,88,91,80,84,46840,90,71,100,101,93,81,85,82,97,2009,46844,83,859,94,46447,46842,46841],"class_list":{"0":"post-124369","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-artour","9":"tag-buehne","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-erlebnis-musik","13":"tag-feature","14":"tag-film","15":"tag-freundschaftsmahl","16":"tag-germany","17":"tag-hoerspiele","18":"tag-kino","19":"tag-kino-royal","20":"tag-kinoroyal","21":"tag-klassik","22":"tag-kultur","23":"tag-kulturfernsehen","24":"tag-kulturgeschichte-des-picknicks","25":"tag-lebenslaeufe","26":"tag-leipzig","27":"tag-lesezeit","28":"tag-lesung","29":"tag-literatur","30":"tag-mdr","31":"tag-mdr-figaro","32":"tag-mdr-kultur","33":"tag-oper","34":"tag-picknick","35":"tag-potluck","36":"tag-radio","37":"tag-sachsen","38":"tag-theater","39":"tag-viktorianisches-picknick","40":"tag-viktorianisches-zeitalter","41":"tag-wave-gotik-festival"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114537797008903765","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124369","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=124369"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124369\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/124370"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=124369"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=124369"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=124369"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}