{"id":1244271,"date":"2026-08-18T07:06:25","date_gmt":"2026-08-18T07:06:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1244271\/"},"modified":"2026-08-18T07:06:25","modified_gmt":"2026-08-18T07:06:25","slug":"cannabistherapie-bei-endometriose-2-jahres-daten-uk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1244271\/","title":{"rendered":"Cannabistherapie bei Endometriose: 2-Jahres-Daten UK"},"content":{"rendered":"<p>\u23f1 5 Min. Lesezeit\u00b7982 W\u00f6rter<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Endometriose geh\u00f6rt zu den Erkrankungen, bei denen die Schmerztherapie regelm\u00e4\u00dfig an ihre Grenzen st\u00f6\u00dft. Eine neue Auswertung aus dem britischen Medizinalcannabis-Register verfolgt nun erstmals 101 Patientinnen \u00fcber volle zwei Jahre. Die Ergebnisse sind bemerkenswert konstant, sie beantworten aber nicht die Frage, die \u00c4rztinnen und \u00c4rzte am meisten interessiert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeit erschien am 11. August 2026 im Australian and New Zealand Journal of Obstetrics and Gynaecology. Erstautorin ist Tania Ahmed, die Studiengruppe um Mikael H. Sodergren am Imperial College London wertet seit Jahren die Daten des UK Medical Cannabis Registry aus. Eine Vorg\u00e4ngerarbeit derselben Gruppe hatte im November 2025 erst 63 Patientinnen \u00fcber 18 Monate beschrieben.<\/p>\n<p>Was die Zwei-Jahres-Daten zur Cannabistherapie bei Endometriose zeigen<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"572\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/hm-medizinische-frageboegen-auf-schreibtisch-inline_0-82191-1024x572.jpg\" alt=\"Medizinische Frageb\u00f6gen auf Schreibtisch, Datenerfassung in Registerstudie\" class=\"wp-image-82193\"  \/><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eingeschlossen wurden vollj\u00e4hrige Patientinnen mit Endometriose als Hauptdiagnose, die mindestens zwei Jahre vor dem Datenauszug am 6. Januar 2025 im Register erfasst waren. Erhoben wurde zu Beginn sowie nach 1, 3, 6, 12, 18 und 24 Monaten, und zwar mit mehreren etablierten Instrumenten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ganjafarmer.de?utm_source=hanfm&amp;utm_medium=baner&amp;utm_campaign=code-hanf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener sponsored nofollow\" data-ad-id=\"75262\" data-ad-position=\"in-content\" data-ad-name=\"GanjaFarmer\" class=\"hanf-ad-link\" data-wpel-link=\"external\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/hanf-magazine-anim_baner-620x150-1.gif\" alt=\"GanjaFarmer\" style=\"width:100%;max-width:1240px;height:auto;display:block;margin:0 auto;object-fit:contain;\" class=\"hanf-ad-img-desktop\" loading=\"lazy\"\/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/hanf-magazine-anim_baner-600x600-1.gif\" alt=\"GanjaFarmer\" style=\"width:300px;height:250px;object-fit:contain;\" class=\"hanf-ad-img-mobile\" loading=\"lazy\"\/><\/a><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gemessen wurden die Schmerzst\u00e4rke und die Schmerzbeeintr\u00e4chtigung im Brief Pain Inventory, der Gesamtwert des Short-Form McGill Pain Questionnaire 2, eine visuelle Analogskala f\u00fcr Schmerz, der Lebensqualit\u00e4tsindex EQ-5D-5L, der Angstfragebogen GAD-7 sowie der Schlaffragebogen SQS. In allen sieben Skalen verbesserten sich die Werte gegen\u00fcber dem Ausgangswert, und zwar zu jedem einzelnen Nachbeobachtungszeitpunkt. Die Autorinnen und Autoren geben durchg\u00e4ngig ein Signifikanzniveau von p kleiner 0,001 an.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Angst und Schlaf mit erfasst wurden, ist kein Beiwerk. Beide Bereiche h\u00e4ngen bei chronischen Unterleibsschmerzen eng mit dem Schmerzerleben zusammen, wie zuletzt auch eine <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/wissenschaft\/studien\/thc-gegen-albtraeume-berliner-studie-zeigt-wirkung-bei-ptbs\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berliner Untersuchung zu THC gegen Albtr\u00e4ume bei PTBS<\/a> gezeigt hat.<\/p>\n<p>Weniger Opioide im Rezeptblock<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"775\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/hm-opioid-medikamente-werden-in-apothekensc-inline_1-82191-1024x775.jpg\" alt=\"Opioid-Medikamente werden in Apothekenschrank zur\u00fcckgelegt, Reduktion der Verschreibung\" class=\"wp-image-82194\"  \/><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der praktisch wichtigste Befund steckt in den Verschreibungsdaten. Die mittlere verordnete Opioidmenge, umgerechnet in orale Morphin\u00e4quivalente, sank von 19,9 \u00b1 17,2 mg pro Tag zu Beginn auf 14,8 \u00b1 15,9 mg pro Tag nach 24 Monaten. Das ist ein R\u00fcckgang um gut ein Viertel, und er hielt \u00fcber den gesamten Zeitraum an.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Richtung passt zu anderen Versorgungsdaten. Eine <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/wissenschaft\/studien\/nih-studie-cannabis-legalisierung-senkt-opioid-vergiftungen-um-bis-zu-23-prozent\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">NIH-Studie zu Opioid-Vergiftungen nach Legalisierungsschritten<\/a> beschrieb einen \u00e4hnlichen Zusammenhang auf Bev\u00f6lkerungsebene. Auch ein <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/wissenschaft\/studien\/rct-zu-cannabis-bei-fibromyalgie-rheuma-und-arthrose-164-patienten-zeigen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">randomisierter Versuch bei Fibromyalgie, Rheuma und Arthrose<\/a> nutzte vergleichbare Endpunkte.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Sicherheitsprofil bewerten die Autoren als g\u00fcnstig. 18 der 101 Teilnehmerinnen, also 17,8 Prozent, meldeten insgesamt 165 unerw\u00fcnschte Ereignisse. Davon galten 84 Meldungen oder 50,9 Prozent als leicht. Am h\u00e4ufigsten traten M\u00fcdigkeit, Lethargie und Kopfschmerzen auf.<\/p>\n<p>Warum die Studie keinen Wirksamkeitsnachweis liefert<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"572\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/hm-forschende-diskutieren-studiendesign-me-inline_2-82191-1024x572.jpg\" alt=\"Forschende diskutieren Studiendesign, Methodenkritik und Evidenzl\u00fccken\" class=\"wp-image-82195\"  \/><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dieser Stelle ist N\u00fcchternheit angebracht. Es handelt sich um eine Beobachtungsanalyse ohne Kontrollgruppe. Niemand wei\u00df, wie sich dieselben Frauen ohne Cannabistherapie entwickelt h\u00e4tten, und chronische Schmerzverl\u00e4ufe schwanken ohnehin stark.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt die Herkunft der Daten. Das Register speist sich aus einer privaten Selbstzahlerklinik, das Studienteam benennt den daraus folgenden Selektionsbias selbst. Wer monatlich f\u00fcr eine Therapie bezahlt, berichtet erfahrungsgem\u00e4\u00df anders \u00fcber deren Nutzen. Die Autoren ziehen daraus den einzig sauberen Schluss und fordern randomisierte kontrollierte Studien. Dieselbe Zur\u00fcckhaltung ist auch bei anderen Cannabinoid-Befunden geboten, etwa bei der <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/medizin\/cannabinoide\/cbd-in-der-medizin\/cbd-perikarditis-phase-2-studie-einordnung\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Phase-II-Studie zu CBD bei wiederkehrender Herzbeutelentz\u00fcndung<\/a>.<\/p>\n<p>Was das f\u00fcr Betroffene in Deutschland bedeutet<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland leben nach Angaben der Endometriose-Vereinigung Deutschland rund zwei Millionen Betroffene, jedes Jahr kommen etwa 40.000 Neudiagnosen hinzu. Bis zur gesicherten Diagnose vergehen im Mittel rund zehn Jahre. Das ist der eigentliche Skandal hinter jeder Therapiedebatte. Er erkl\u00e4rt, warum viele Patientinnen bei der Schmerzbehandlung l\u00e4ngst am Ende der Standardoptionen angekommen sind. Grundlagen dazu haben wir in unserem Beitrag zur <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/medizin\/die-behandlung-von-endometriose-mit-cbd-oel-und-medizinischem-cannabis\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Behandlung von Endometriose mit CBD-\u00d6l und medizinischem Cannabis<\/a> zusammengetragen.<\/p>\n<p>\ud83c\udf3f Fragen zu diesem Thema? Schreib einfach los \u2014 ich helfe dir!<\/p>\n<p>  Senden<\/p>\n<p>Danke f\u00fcr den Chat! \ud83d\ude0a Abonniere unseren Newsletter f\u00fcr mehr:<\/p>\n<p> <a href=\"#hanf-newsletter-cta\" class=\"hanf-buddy-btn\" onclick=\"document.getElementById('hanf-newsletter-cta')?.scrollIntoView({behavior:'smooth'})\">Zum Newsletter<\/a><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Haken liegt in der Erstattung. Seit der Bundestag im Juli 2026 den <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/recht\/rechtslage-deutschland\/cannabis-auf-kassenrezept-bundestag-beschliesst-vorrang-fuer-fertigarzneimittel\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vorrang f\u00fcr Fertigarzneimittel beschlossen hat<\/a>, sind Bl\u00fcten aus der Regelerstattung der gesetzlichen Krankenversicherung heraus. Genau die Darreichungsform also, die im britischen Register eine tragende Rolle spielt. Eine britische Registerauswertung \u00e4ndert an dieser Rechtslage nichts. Sie liefert Patientinnen und behandelnden \u00c4rzten aber Argumente f\u00fcr die Einzelfallbegr\u00fcndung. Zudem erh\u00f6ht sie den Druck, kontrollierte Studien zu einer jahrzehntelang unterforschten Indikation zu finanzieren.<\/p>\n<p>H\u00e4ufige FragenBeweist die Studie, dass Cannabis bei Endometriose wirkt?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Die Untersuchung ist eine Beobachtungsanalyse ohne Kontrollgruppe und kann deshalb keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen. Sie zeigt lediglich, dass sich die erfassten Werte \u00fcber 24 Monate verbessert haben. F\u00fcr einen Wirksamkeitsnachweis w\u00e4ren randomisierte kontrollierte Studien n\u00f6tig, und genau die fordern die Autoren selbst ein.<\/p>\n<p>Wie stark ging der Opioidbedarf zur\u00fcck?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die mittlere verordnete Menge fiel von 19,9 mg orale Morphin\u00e4quivalente pro Tag auf 14,8 mg pro Tag nach zwei Jahren. Das entspricht einem R\u00fcckgang um etwa 26 Prozent. Die Streuung ist allerdings gro\u00df, die Standardabweichung liegt in derselben Gr\u00f6\u00dfenordnung wie der Mittelwert selbst.<\/p>\n<p>Welche Nebenwirkungen traten auf?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Knapp 18 Prozent der Teilnehmerinnen meldeten unerw\u00fcnschte Ereignisse, insgesamt 165 an der Zahl. Etwa die H\u00e4lfte davon war leicht ausgepr\u00e4gt. Am h\u00e4ufigsten genannt wurden M\u00fcdigkeit, Lethargie und Kopfschmerzen. Schwere Ereignisse spielten in der Auswertung keine tragende Rolle.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen sich deutsche Patientinnen Cannabis bei Endometriose verschreiben lassen?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Verordnung ist grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich, weil Medizinalcannabis in Deutschland nicht an eine feste Indikationsliste gebunden ist. Die Kosten\u00fcbernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung ist seit der Neuregelung im Juli 2026 jedoch deutlich enger geworden. Bl\u00fcten sind aus der Regelerstattung gestrichen, Fertigarzneimittel haben Vorrang. Viele Betroffene zahlen deshalb selbst.<\/p>\n<p>Warum ist die Herkunft der Daten ein Problem?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das UK Medical Cannabis Registry erfasst Patientinnen einer privaten Selbstzahlerklinik. Diese Gruppe ist nicht repr\u00e4sentativ, denn sie kann eine Therapie aus eigener Tasche tragen und hat sich bewusst daf\u00fcr entschieden. Das Studienteam benennt diesen Selektionsbias offen. Er begrenzt die \u00dcbertragbarkeit der Ergebnisse.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quellen: Ahmed T. et al., \u201eCannabis-Based Medicinal Products for Endometriosis: A 2-Year Prospective Analysis From the UK Medical Cannabis Registry\u201c, Australian and New Zealand Journal of Obstetrics and Gynaecology, online ver\u00f6ffentlicht am 11. August 2026, DOI 10.1111\/ajo.70173. Vorg\u00e4ngerarbeit: Getter et al., ebenda, online 26. November 2025, DOI 10.1111\/ajo.70078. Zahlen zur Verbreitung in Deutschland: Endometriose-Vereinigung Deutschland e. V.<\/p>\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Hinweis: Dieser Beitrag gibt Ergebnisse einer Registerauswertung wieder und stellt keine Gesundheits- oder Wirkaussage dar. Registerdaten ohne Kontrollgruppe erlauben keine Aussage \u00fcber Ursache und Wirkung. Fragen zur eigenen Therapie geh\u00f6ren in \u00e4rztliche Hand.<\/p>\n<p style=\"margin:0 0 5px;font-size:18px;font-weight:700;color:#1a4b22;\">Branchen-Update<\/p>\n<p style=\"margin:0 0 12px;font-size:13px;color:#666;\">News, Analysen und Reportagen \u2014 mehrmals im Monat direkt in dein Postfach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u23f1 5 Min. 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