{"id":1245386,"date":"2026-08-18T18:38:22","date_gmt":"2026-08-18T18:38:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1245386\/"},"modified":"2026-08-18T18:38:22","modified_gmt":"2026-08-18T18:38:22","slug":"marokkos-jugend-sieht-zu-hause-keine-perspektive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1245386\/","title":{"rendered":"Marokkos Jugend sieht zu Hause keine Perspektive"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/migranten-marokko-102.jpg\" alt=\"Eine Gruppe Migranten am Grenz\u00fcbergang Bab Sebta in der N\u00e4he von Fnideq in Marokko.\" title=\"Eine Gruppe Migranten am Grenz\u00fcbergang Bab Sebta in der N\u00e4he von Fnideq in Marokko. | EPA\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 18.08.2026 \u2022 19:13 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Marokko erlebt einen Wirtschaftsboom, aber der kommt bei vielen nicht an. Vor allem junge Menschen wollen auswandern &#8211; was der Andrang auf Ceuta beispielhaft gezeigt hat. F\u00fcr den Frust gibt es nicht nur wirtschaftliche Gr\u00fcnde. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/stefan-ehlert-104.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Stefan Ehlert\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/stefan-ehlert-100.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der 25-j\u00e4hrige Hamza steht am Strand von Fnideq. Die zerrissene Kleidung ist noch feucht vom Versuch, in die Nachbarstadt Ceuta hin\u00fcberzuschwimmen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Versuch scheiterte, aber er will erneut versuchen, in die europ\u00e4ische Exklave Ceuta zu gelangen: &#8222;Es ist der Traum meiner Mutter, den ich leben will: nach Europa gehen, dort arbeiten und dem Elend hier entkommen. Dann komme ich zur\u00fcck und helfe meiner Mutter.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dabei hat der junge Mann Arbeit &#8211; in einer Textilfabrik in Tanger, sagt er. Aber der Lohn reiche nicht, schon gar nicht, um eine Familie zu gr\u00fcnden. Umfragen zufolge hegt mehr als die H\u00e4lfte der jungen Marokkanerinnen und Marokkaner den Wunsch auszuwandern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das \u00fcber Social Media verbreitete Ger\u00fccht, Spanien habe in Ceuta seine Grenze ge\u00f6ffnet, fiel dann Ende Juli auf fruchtbaren Boden &#8211; etwa bei der 29-j\u00e4hrigen Nadia. Ihr gelang der Grenz\u00fcbertritt.<\/p>\n<p>    Spanien &#8211; &#8222;ein Land, das den Menschen hilft&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Nachrichtenagentur AFP schilderte sie ihre Erwartungen: &#8222;Wir sind hier, weil wir wissen, dass Spanien jungen Menschen eine Chance bietet. Wir hoffen, unseren Status legalisieren zu k\u00f6nnen. Das ist ein Land, das den Menschen hilft. Dort k\u00f6nnen wir uns eine Zukunft vorstellen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mustapha dagegen hat die Hoffnung aufgegeben. Dabei hat er sogar Verwandte in Ceuta, bei denen nun seine 16-j\u00e4hrige Tochter Oumaima lebt, die ebenfalls hin\u00fcberschwamm.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch der Vater ist angesichts des Massenandrangs nach nur einer Nacht aus Ceuta zur\u00fcckgekehrt, zur\u00fcck zum Dienst in einem Caf\u00e9 in Fnideq, wo er umgerechnet rund 350 Euro im Monat verdiene:<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>                    Mein Einkommen hier reicht nicht zum Leben. Was kann ich schon mit 3.000 oder 3.500 Dirham anfangen? Wer eine Familie hat, dem reicht das nicht. Man ist gezwungen, dar\u00fcber nachzudenken, wie man es zumindest dorthin schafft.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Bei Fnideq, unweit der Grenze zur spanischen Exklave Ceuta: Viele junge Menschen sehen in Marokko keine Perspektive mehr.\n                    <\/p>\n<p>    Frust trotz Boom<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Niedrige L\u00f6hne, Korruption, mangelnde Gesundheitsversorgung, keine Aussicht auf bessere Lebensumst\u00e4nde, politische Verfolgung: Es werden viele Gr\u00fcnde genannt, warum Menschen aus Marokko zumindest zeitweilig auswandern wollen &#8211; und das, obwohl das K\u00f6nigreich seit einiger Zeit einen echten Wirtschaftsaufschwung erlebt mit guten Wachstumsraten, einer Tendenz zur Industrialisierung und Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Aufschwung kommt aber nicht bei jedem an. Die Soziologin Soumaya Naamane Guessous glaubt allerdings nicht, dass allein wirtschaftliche Beweggr\u00fcnde f\u00fcr den Drang zur Migration verantwortlich sind:<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>                    Die jungen Menschen heutzutage wollen die Welt durchstreifen. Man beschr\u00e4nkt sich heute nicht mehr auf sein Land, seine Stadt und sein Viertel. Wir sind hier mit einer Mentalit\u00e4t konfrontiert, die wir nicht infrage stellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Soumaya Naamane Guessous, Soziologin<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Neben klassischen Gr\u00fcnden f\u00fcr die Migration gebe es einen weit verbreiteten Drang, so zu leben und zu reisen wie andere Menschen auf der Erde auch.<\/p>\n<p>    Wachsende Kluft zwischen Staat und junger Generation<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zudem wachse die Kluft zwischen Staat und junger Generation, glaubt die Influencerin Soumaya Fikri aus Casablanca.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sie hat 150.000 Follower, und nach ihrer Meinung will l\u00e4ngst nicht jeder, der unzufrieden ist, gleich auswandern. Aber sie pers\u00f6nlich rechne damit, dass viele der jungen Menschen in Marokko den bevorstehenden Parlamentswahlen im September fernbleiben werden:<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>                    Ich glaube, wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir nicht mehr daran glauben, dass auch nur eine der politischen Parteien ehrlich ist. Wir glauben nicht, dass auch nur eine der Parteien irgendwelche Ver\u00e4nderungen anst\u00f6\u00dft. Also weigern wir uns, mitzumachen.<\/p>\n<p>Influencerin Soumaya Fikri<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Hunderte Aktivisten der GenZ-Proteste weiter in Haft<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wenn aber zu viele Menschen den Wahlen fernbleiben, droht Marokkos stark gesteuerter Demokratie eine Glaubw\u00fcrdigkeitskrise. Gr\u00fcnde daf\u00fcr? Zum Beispiel willk\u00fcrlich erscheinende Verhaftungen wie zuletzt die des kritischen Rappers Mehdi Black Wind &#8211; so etwas verunsichert vor allem die jungen Menschen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Noch immer sitzen Hunderte Aktive der GenZ-Proteste des vergangenen Jahres in Haft. Die Meinungs- und Pressefreiheit sind eingeschr\u00e4nkt. Stattdessen wachse das Misstrauen gegen\u00fcber offiziellen Verlautbarungen, sagt die Influencerin Soumaya Fikri.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es sei kein Wunder, dass Ende Juli so viele Menschen auf das M\u00e4rchen von den offenen Grenzen in Ceuta hereingefallen seien &#8211; die Leute glaubten nur noch dem, was in der eigenen Blase die Runde mache: &#8222;Wenn du etwas anklickst, f\u00fcttert dich der Algorithmus mit immer denselben Nachrichten und er\u00f6ffnet dir keine neue Perspektive.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In Ceuta hatte die Fehlinformation t\u00f6dliche Folgen. Mehr als 80 Menschen kamen bei dem Versuch ums Leben, die angeblich offene Grenze zur spanischen Exklave zu \u00fcberwinden. Die meisten von ihnen ertranken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 18.08.2026 \u2022 19:13 Uhr Marokko erlebt einen Wirtschaftsboom, aber der kommt bei vielen nicht an. 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