{"id":1246143,"date":"2026-08-19T03:17:25","date_gmt":"2026-08-19T03:17:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1246143\/"},"modified":"2026-08-19T03:17:25","modified_gmt":"2026-08-19T03:17:25","slug":"der-krieg-ist-anderswo-eine-grosse-reportage-ueber-das-leben-in-russland-mitten-in-putins-krieg-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1246143\/","title":{"rendered":"Der Krieg ist anderswo: Eine gro\u00dfe Reportage \u00fcber das Leben in Russland mitten in Putins Krieg \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p class=\"translation-notice\">This article is also available in English: <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/en\/books\/2026\/08\/the-war-is-elsewhere-an-in-depth-report-on-life-in-russia-in-the-midst-of-putins-war-667614\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Read this article in English<\/a>.<\/p>\n<p>Wie schreibt man \u00fcber Russland und die Russen \u2013 mitten im Krieg? Wo schon die Verwendung des Wortes \u201eKrieg\u201c dort verboten ist und Ausl\u00e4nder bereits bei der Einreise kritisch be\u00e4ugt werden? Die norwegische Journalistin \u00c5sne Seierstad hat sich 2022, gleich nach Putins Start der \u201eSpezialoperation\u201c, dennoch gesagt, dass man genau das erz\u00e4hlen muss. Hinfahren und mit den Menschen sprechen. Keine Nachrichten aus dritter Hand. Erst da wird Journalismus wirklich zu Journalismus: wenn man selbst hinf\u00e4hrt und mit den Menschen spricht.<\/p>\n<p>Das hat sie ab 2022 mehrfach getan. Dieses Buch erz\u00e4hlt davon auf 600 Seiten. Kompakter kann man derzeit keine Innensicht Russlands bekommen. Bis nach Sibirien f\u00fchrten sie ihre Reisen, in jenes Dorf in der Taiga, in dem Andrej aufwuchs, dem das ganze erste Kapitel gewidmet ist. Andrej schaffte es in Norwegen zu einiger Ber\u00fchmtheit, denn mitten im Winter \u00fcberquerte er die \u2013 von russischer Seite \u2013 stark gesicherte Grenze zwischen Russland und Norwegen, um dort Asyl zu beantragen.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/a763eeb9fcc845c3b7bebdc624a7b456.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2026\/08\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2026\/08\/1\"\/><\/p>\n<p>Da lag schon eine monatelange Flucht hinter ihm, denn er war aus einem der Wagner-Verb\u00e4nde geflohen, die in den ersten Monaten der von Putin gestarteten Vollinvasion der Ukraine eine zentrale Rolle spielten, als der erste Versuch der russischen Armee, Kyjiw binnen drei Tagen zu erobern, so kl\u00e4glich gescheitert war und aus der Operation ein langwieriger Versuch wurde, die Ostukraine in Besitz zu nehmen.<\/p>\n<p>Zeiweilig waren die Wagnertruppen hier die Elite, die den Vormarsch mit brutaler H\u00e4rte erzwang. Auch und gerade mit Brutalit\u00e4t gegen die eigenen Leute. Es war nicht Andrejs erster Krieg. Doch dieser drohte f\u00fcr ihn zu einem unendlichen Krieg zu werden, aus dem es nur noch einen Weg heraus gab \u2013 im Leichensack.<\/p>\n<p>Ein russischer Soldat<\/p>\n<p>Aber \u00c5sne Seierstad wollte mehr von ihm wissen, lie\u00df sich seine komplette Lebensgeschichte von ihm selbst erz\u00e4hlen mit der Kindheit in jenem Dorf in Sibirien, dem tragischen Tod seiner Mutter und den brutalen Erziehungsmethoden seines Vaters. Sie wollte verstehen, warum sich einer wie Andrej sich letztlich bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gruppe_Wagner\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Wagner<\/a> verpflichtete, nachdem er schon zuvor ein paar Mal in der russischen Armee gedient hatte, 2014 sogar bereits in der Ostukraine, als Putin erst die Krim annektieren lie\u00df und dann seine Soldaten in Donezk und Luhansk einr\u00fccken lie\u00df.<\/p>\n<p>Eigentlich hatte Andrej genug vom Krieg. Aber ihm gelang es nie, wirklich einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Und damit war er nicht der einzige. Was Andrej mit seinem Vater erlebte, war keine Ausnahme, eher typisch f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis russischer V\u00e4ter von einer \u201erichtigen\u201c Erziehung. Man f\u00fchlt sich mit \u00c5sne Seierstad geradezu versetzt in eine Welt, die man aus der russischen Literatur seit 200 Jahren kennt, aus der klassischen von Tschechow und Dostojewski genauso wie der sowjetischen. Als h\u00e4tte sich an der Tragik dieses Riesenlandes trotz aller Revolutionen nie etwas ge\u00e4ndert. In der Provinz schon mal gar nicht.<\/p>\n<p>Als w\u00e4ren Menschen tats\u00e4chlich nichts anderes als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_toten_Seelen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201etote Seelen\u201c<\/a>, um einmal Gogol zu zitieren. Verf\u00fcgungsmasse f\u00fcr eine drakonische Macht, die die Menschen, die nicht parierten, in gnadenlose Straflager steckte. Wor\u00fcber Anton Tschechow ja schon 1890 in seinem Reisebericht <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/In_Sibirien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201eIn Sibirien\u201c<\/a>\u00a0schrieb.<\/p>\n<p>Den \u00c5sne Seierstad nat\u00fcrlich erw\u00e4hnt. Denn der ber\u00fchrt auch die Gegend, in der Andrej aufwuchs, wo aber auch Stalin einst im Straflager steckte, bis ihm die Flucht durch die Taiga gelang. Ja, just der Stalin, der dann in den 1930er Jahren Millionen Menschen erschie\u00dfen lie\u00df und in die sibirischen Lager verbannte.<\/p>\n<p>Das Russland-Bild der Propaganda<\/p>\n<p>\u00c5sne Seierstad kennt ihr Russland. Hier hat sie in den fr\u00fchen 1990er Jahren auch studiert, als unter Jelzin alles m\u00f6glich schien \u2013 sogar ein neues, demokratisches, freies Russland. Ein Russland, wie es noch heute in den K\u00f6pfen etlicher westlicher Politiker herumspukt, die nicht wahrhaben wollen, dass Jelzins Nachfolger die Uhr zur\u00fcckdrehte und eine neue Autokratie errichtete, Wahlen zur Farce machte und von einem neuen Imperium tr\u00e4umte, in dem es keine eigenst\u00e4ndige Ukraine geben durfte.<\/p>\n<p>War ja nur russisches \u201eGrenzland\u201c, habe immer zu Russland geh\u00f6rt, so die Thesen, die sich \u2013 wie \u00c5sne Seierstad immer wieder erf\u00e4hrt \u2013 in den K\u00f6pfen der meisten Russen festgesetzt haben. Denn diese Erz\u00e4hlung lief ja sp\u00e4testens seit 2014 auf allen Kan\u00e4len, w\u00e4hrend s\u00e4mtlich unabh\u00e4ngigen Medien in Russland nach und nach zum Schweigen gebracht, Journalisten einfach zu \u201eausl\u00e4ndischen Agenten\u201c erkl\u00e4rt wurden.<\/p>\n<p>\u00c5sne Seierstad hat auch Kontakt zu den letzten noch unabh\u00e4ngigen Journalisten in Russland aufgenommen, den Unentwegten von der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nowaja_gaseta\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201eNowaja Gaseta\u201c<\/a>, die wenig sp\u00e4ter auch ihre so tapfer verteidigten Redaktionsr\u00e4ume verloren. Gest\u00fcrmt von den Agenten des FSB. Da hat sie \u2013 wie \u00c5sne Seierstad schreibt \u2013 die Seite gewechselt, nachdem ihre bisherigen Reisen vor allem dazu dienten, die \u201egew\u00f6hnlichen\u201c Russen zu sprechen und zu portr\u00e4tieren, ihr Leben zu beschreiben, ihre Tr\u00e4ume, ihre Haltung zum Krieg, der zwar irgendwo fern tobte, aber noch nicht \u2013 wie 2026 \u2013 mit ukrainischen Drohnen ins Heimatland des Krieges zur\u00fcckgekehrt war.<\/p>\n<p>Sie beschreibt die un\u00fcbersehbare Armut in der sibirischen Provinz, spricht mit Andrejs Lehrern, macht seinen Vater ausfindig, der zwar seine brutalen Erziehungsmethoden verharmlost, aber trotzdem nicht versteht, warum Andrej wieder in den Krieg gezogen ist.<\/p>\n<p>Der kalte Atem der M\u00e4chtigen<\/p>\n<p>Sie trifft viele liebenswerte Menschen, auch Andrejs Schwester und Tante, lernt herzerw\u00e4rmende Gastfreundschaft kennen und bricht diese Art, Russland verstehen zu wollen, erst ab, als ihre gew\u00fcnschten Gespr\u00e4chspartner auf einmal anfangen, Termine zu verschieben oder ganz abzusagen. Als w\u00e4re alles gesagt. Oder als h\u00e4tten sie inzwischen alle eine Warnung bekommen. Die Beh\u00f6rden scheinen \u00c5sne Seierstads Vorhaben, ein Buch \u00fcber die russische Gesellschaft zu schreiben, immer argw\u00f6hnischer zu beobachten. Und im vom Geheimdienst FSB durchherrschten Riesenreich bedeutet das nichts Gutes.<\/p>\n<p>Das ist der Moment, in dem \u00c5sne Seierstad \u201edie Seiten wechselt\u201c, wie sie es bezeichnet, und \u2013 nach Moskau zur\u00fcckgekehrt \u2013 Termine mit denen macht, die die Kreml-Politik kritisieren. Und das sind nicht nur die Journalisten der \u201eNowaja Gaseta\u201c, es ist auch eine \u00c4rztin, die sich mutig daf\u00fcr einsetzt, dass die M\u00e4nner aus dem Krieg zur\u00fcckkommen, ein Mitglied der Jabloko-Partei, der l\u00e4ngst wie ein Staatsfeind behandelt und \u2013 nach dem Ende von \u00c5sne Seierstads Recherche \u2013 tats\u00e4chlich verhaftet wird.<\/p>\n<p>In Putins Russland muss sich niemand erst schuldig machen, um kriminalisiert und mit fadenscheinigen Argumenten zu jahrelanger Haft verurteilt zu werden. Und dann \u2013 wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alexei_Anatoljewitsch_Nawalny\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Alexej Nawalny<\/a> \u2013 im Lager zu Tode zu kommen. Wahrscheinlich vergiftet, auch wenn sich die Beh\u00f6rden bem\u00fchten, die m\u00f6glichen Beweise f\u00fcr diesen Tod zu beseitigen. Auch dieser Todesfall kommt in diesem Buch vor, genauso wie der Marsch der Wagner-Truppen 2023 in Richtung Moskau \u2013 als sich die Autorin gerade auf der Fahrt von Moskau nach St. Petersburg befand \u2013 und der Tod ihres Anf\u00fchrers <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jewgeni_Wiktorowitsch_Prigoschin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Jewgeni Prigoschin<\/a>.<\/p>\n<p>Ein Krieg, der nicht enden darf<\/p>\n<p>Alles Vorg\u00e4nge, die fast schon vergessen sind, w\u00e4hrend der Krieg in der Ukraine einfach kein Ende nahm und immer mehr junge M\u00e4nner gerade aus den russischen Provinzen verschlang, w\u00e4hrend in Moskau das Leben scheinbar ungest\u00f6rt weiterlief. Als w\u00e4re Moskau eine andere Welt. Und w\u00e4hrend \u00c5sne Seierstad drei Jahre lang \u2013 bis zum Herbst 2025 \u2013 immer wieder nach Russland reiste, um weiteres Material f\u00fcr ihr Buch zu sammeln, ging Andrejs Geschichte in Norwegen weiter, wurde der durch Kindheit und Krieg gepr\u00e4gte Fl\u00fcchtling immer wieder straff\u00e4llig und zerst\u00f6rte damit alle seine Chancen, in Norwegen Asyl zu bekommen.<\/p>\n<p>Zu \u00c5sne Seierstad hatte er seit ihren ausf\u00fchrlichen Gespr\u00e4chen Vertrauen, telefonierte mit ihr auch auf ihren Reisen in seine sibirische Heimat. Aber man sp\u00fcrt, dass er von seiner Lebensgeschichte nicht wegkam, vielleicht auch unter dem Kriegstrauma litt und wahrscheinlich zu Recht w\u00fctend war, dass er keine psychologische Betreuung bekam. Es ist ein Einzelschicksal. Aber es trifft auf tausende Menschen zu, die aus den Kriegsgebieten der Erde nach Europa gefl\u00fcchtet sind. Und auf alle Kriegsheimkehrer in Russland ohnehin.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst ist der Krieg selbst zu einer Falle f\u00fcr den Machthaber im Kreml geworden, denn die traumatisierten und brutalisierten Soldaten mit einem Friedensschluss einfach wieder ins Land zu lassen, w\u00e4re der Schl\u00fcssel f\u00fcr eine H\u00f6llenentwicklung. Russland w\u00fcrde selbst in Gewalt ertrinken. Ohne den Gezeichneten eine Zukunftsperspektive bieten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Selbst der Hochschuldozent Lukjanow, der die manipulative Politik des Kremls sogar guthei\u00dft, sagt im Gespr\u00e4ch mit der Autorin: \u201eWas wird passieren, wenn hunderttausende gebrochene M\u00e4nner aus dem Krieg nach Hause kommen? \u201aIhr seid Helden, vielen Dank f\u00fcr euren Einsatz, und jetzt geht dorthin zur\u00fcck, wo ihr hergekommen seid.\u2018 Dann kehren sie in die \u201aTiefe\u2018 zur\u00fcck. (\u2026) Ob sie dann das elende Leben akzeptieren, nach allem, was sie geopfert haben? An Blut und an Gliedma\u00dfen?\u201c<\/p>\n<p>Der Wert eines Menschenlebens<\/p>\n<p>Und so werden die Soldaten auch nicht entlassen. Maria, die \u00c4rztin, erlebt es mit ihrem eigenen Mann. Nicht einmal der psychische Zusammenbruch reicht aus, um den Mann endlich wieder ins zivile Leben zur\u00fcckzuholen. \u201eAls Maria nach ihrem ersten Besuch nach Hause kam, schrieb sie zwei S\u00e4tze in ihren Blog: Wir m\u00fcssen uns darauf besinnen, dass nichts wertvoller ist als ein Menschenleben. Individualit\u00e4t ist die Grundlage f\u00fcr eine gesunde Gesellschaft.\u201c<\/p>\n<p>Dieses Wissen ist, so merkt \u00c5sne Seierstad immer wieder, nicht ganz verloren gegangen. Auch nicht in den vernachl\u00e4ssigten Provinzen, die noch immer so arm sind wie in Sowjetzeiten.<\/p>\n<p>Ein letzter Grenz\u00fcbertritt wird f\u00fcr \u00c5sne Seierstad zur Warnung, dass sie im Fokus des Geheimdienstes steht. Ein \u201eGespr\u00e4ch\u201c bei der Einreise wird zu einem stundenlangen Verh\u00f6r. Am Ende geht es um Andrej, der mit seiner Angst, dass ihn bei einer R\u00fcckkehr nach Russland der Tod erwartet, wohl recht hat. Letztlich ist es seine Geschichte, die in diesem Buch dominiert. Und am Ende mit Fragezeichen endet, weil Norwegen ihm kein Asyl gew\u00e4hren wird.<\/p>\n<p>Das L\u00e4cheln der Freiheit<\/p>\n<p>Dass es auch andere Soldatenschicksale gibt, wird ganz zum Schluss am Beispiel von Stanislaw deutlich, der nach Kriegsausbruch in die Ukraine gegangen ist, um sich der ukrainischen Armee anzuschlie\u00dfen. Auch weil er in den sozialen Netzwerken gesehen hat, dass die Bilder aus dem Westen so \u00fcberhaupt nicht mit der russischen Propaganda \u00fcbereinstimmen. Dass die Menschen dort gl\u00fccklicher wirken, regelrecht l\u00e4cheln, w\u00e4hrend er in Russland nur verschlossene, verbitterte Mienen sah.<\/p>\n<p>\u201eDem Kreml sind Menschen egal\u201c, sagt er. \u201eDen einfachen Leuten Gutes zu tun, steht nicht auf der politischen Agenda, verstehst du?\u201c<\/p>\n<p>Aber da hat \u00c5sne Seierstad Russland schon endg\u00fcltig verlassen, wei\u00df, dass sie in dieses Russland nie wieder wird zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Ein Glas Honig rettet ihr am Ende auch noch eine kritische Situation beim Zoll. Noch einmal hat sie Gl\u00fcck und kann ihre Geschichte zu \u201eRussland von innen\u201c erz\u00e4hlen, die von Anja Lerz erstaunlich schnell ins Deutsche \u00fcbersetzt wurde.<\/p>\n<p>Ein Zeitbild und das Bild eines Russlands, in dem zwar im ganzen Land die Rekrutierungsplakate hingen, der Krieg aber noch weit weg war. Auch wenn er schon \u00fcber drei Jahre dauerte und hunderttausende junger Russen verschlungen hatte. Und weiter verschlingen w\u00fcrde, weil sich der Machthaber im Kreml nun auch vor den heimkehrenden Soldaten f\u00fcrchtete. Aber heimkehren w\u00fcrden sie nur, wenn dieser Krieg einmal enden w\u00fcrde. Eine Hoffnung, die fast alle Gespr\u00e4chspartner von \u00c5sne Seierstad \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in den sibirischen D\u00f6rfern die Soldatenfriedh\u00f6fe wachsen und in den Schulen die Bilder der get\u00f6teten einstigen Sch\u00fcler h\u00e4ngen. Und in Karelien ein ehemaliger russischer Offizier die Gebeine der Soldaten einsammelt, die hier im Zweiten Weltkrieg get\u00f6tet wurden. Jahrzehntelang einfach \u201evergessen\u201c. Und der Sohn des Mannes sich freiwillig f\u00fcr den Krieg in der Ukraine meldet und von einer Drohne get\u00f6tet wird.<\/p>\n<p><strong>\u00c5sne Seierstad <a href=\"http:\/\/www.lehmanns.de\/isbn\/9783446286672@liz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201eDer Krieg ist anderswo\u201c<\/a><\/strong> Hanser Verlag, M\u00fcnchen 2026, 32 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"This article is also available in English: Read this article in English. 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