{"id":1246737,"date":"2026-08-19T09:30:16","date_gmt":"2026-08-19T09:30:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1246737\/"},"modified":"2026-08-19T09:30:16","modified_gmt":"2026-08-19T09:30:16","slug":"polens-kpo-vor-der-frist-was-bei-den-eu-milliarden-zaehlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1246737\/","title":{"rendered":"Polens KPO vor der Frist: Was bei den EU-Milliarden z\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Polen erwartet Anfang Oktober weitere rund 33 Milliarden Z\u0142oty aus dem europ\u00e4ischen Wiederaufbaufonds. Gleichzeitig meldet die Regierung, bereits 96,3 Prozent des KPO-Budgets durch Vertr\u00e4ge gebunden zu haben. Beide Zahlen klingen nach einem nahezu abgeschlossenen Programm. Tats\u00e4chlich beginnt die schwierigste Pr\u00fcfung erst: Bis zum 31. August 2026 muss Warschau die mit der Europ\u00e4ischen Kommission vereinbarten Reformschritte und Zielwerte erf\u00fcllen. Ob Geld reserviert, an einen Fonds \u00fcberwiesen oder ein Auftrag unterzeichnet wurde, ist dabei nicht automatisch dasselbe wie ein nachgewiesenes Ergebnis.<\/strong><\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13211\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/11547980215_2e8579ec35_c.jpg\" alt=\"Blaue Europaflagge mit zw\u00f6lf gelben Sternen weht an einem Fahnenmast vor hellem Himmel\" width=\"800\" height=\"534\"  \/>Europaflagge<br \/>\nDie achte Zahlung kommt nach dem entscheidenden Stichtag<\/p>\n<p>Das polnische Ministerium f\u00fcr Fonds und Regionalpolitik teilte am 10. August mit, die Europ\u00e4ische Kommission habe den achten Zahlungsantrag aus dem KPO gebilligt. Polen soll dadurch Anfang Oktober rund 33 Milliarden Z\u0142oty erhalten. Das Geld ist unter anderem f\u00fcr Digitalisierung, Bildung, Energie, Arbeitsmarkt und Verkehr vorgesehen.<\/p>\n<p>Die Abk\u00fcrzung <strong>KPO<\/strong> steht f\u00fcr \u201eKrajowy Plan Odbudowy i Zwi\u0119kszania Odporno\u015bci\u201c, auf Deutsch Nationaler Aufbau- und Resilienzplan. Er ist Polens Teil der europ\u00e4ischen Aufbau- und Resilienzfazilit\u00e4t RRF, dem Kern des nach der Corona-Pandemie geschaffenen Programms NextGenerationEU.<\/p>\n<p>Dass die erwartete \u00dcberweisung erst im Oktober erfolgt, bedeutet nicht, dass Polen die Frist verpasst hat. Die entscheidenden Termine beziehen sich auf unterschiedliche Vorg\u00e4nge. Die Mitgliedstaaten m\u00fcssen die vereinbarten <strong>\u201ekamienie milowe\u201c<\/strong>, also qualitative Meilensteine, und <strong>\u201ecele\u201c<\/strong>, die messbaren Zielwerte, bis zum 31. August 2026 erf\u00fcllen. Die Kommission darf die dazugeh\u00f6rigen Abschlusszahlungen anschliessend noch bis zum 31. Dezember vornehmen.<\/p>\n<p>Der achte Antrag ist nach Angaben der Regierung der vorletzte. Den neunten und letzten Antrag will Warschau im September einreichen. Darin muss Polen belegen, welche der verbliebenen Reformen und Investitionsziele fristgerecht umgesetzt wurden. Die eigentliche Schlussabrechnung folgt somit erst nach dem Ende der Umsetzungsfrist.<\/p>\n<p>96,3 Prozent Vertragsbindung bedeuten nicht 96,3 Prozent Umsetzung<\/p>\n<p>Die Regierung verweist auf mehr als 1,1 Millionen Vereinbarungen mit Beg\u00fcnstigten im Gesamtwert von \u00fcber 231,9 Milliarden Z\u0142oty. Dies entspreche 96,3 Prozent des f\u00fcr Polen vorgesehenen KPO-Budgets. Die Zahl belegt, dass Ministerien, Kommunen, Unternehmen und weitere Einrichtungen den gr\u00f6ssten Teil der verf\u00fcgbaren Mittel Projekten zugeordnet haben.<\/p>\n<p>Eine Vertragsbindung ist ein wichtiger Schritt, aber noch kein fertiges Ergebnis. Zwischen einem F\u00f6rderbescheid und einem funktionierenden Krankenhausger\u00e4t, einer modernisierten Bahnstrecke oder einem angeschlossenen Glasfaserhaushalt liegen Ausschreibungen, Lieferungen, Bauarbeiten, Kontrollen und Abrechnungen.<\/p>\n<p>Auch eine Auszahlung innerhalb Polens ist nicht mit einer Zahlung der Europ\u00e4ischen Kommission an den Staat gleichzusetzen. Im Juni bezifferte die Regierung das gesamte KPO-Budget auf etwa 240 Milliarden Z\u0142oty. Damals waren 73,6 Milliarden Z\u0142oty aus dem polnischen Finanzierungssystem an abgeschlossene oder laufende Vorhaben geflossen. Diese Zahl beschreibt einen anderen Geldstrom als die \u00dcberweisungen aus Br\u00fcssel.<\/p>\n<p>Die RRF ist zudem kein klassischer F\u00f6rdertopf, bei dem die EU lediglich eingereichte Rechnungen erstattet. Sie arbeitet leistungsbezogen. Die Kommission zahlt, wenn ein Land zuvor vereinbarte Meilensteine und Ziele zufriedenstellend erf\u00fcllt hat. Dazu k\u00f6nnen neue Gesetze, institutionelle Reformen, fertiggestellte Investitionen oder eine bestimmte Zahl erreichter Beg\u00fcnstigter geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Deshalb sagt die Vertragsquote allein nicht, wie gross der noch offene Teil der europ\u00e4ischen Schlusspr\u00fcfung ist. Daf\u00fcr muss bei jeder Massnahme gekl\u00e4rt werden, was Polen Br\u00fcssel konkret zugesagt hat und ob genau dieses Ergebnis bis Ende August nachgewiesen werden kann.<\/p>\n<p>Der Rechtsstaatskonflikt hat Polen wertvolle Zeit gekostet<\/p>\n<p>Der Rat der Europ\u00e4ischen Union billigte den urspr\u00fcnglichen polnischen Aufbauplan bereits im Juni 2022. Der volle Zugang zu den regul\u00e4ren Zahlungen blieb jedoch zun\u00e4chst blockiert. Im Mittelpunkt standen Bedingungen zur Unabh\u00e4ngigkeit der Justiz und zum Disziplinarsystem f\u00fcr Richter.<\/p>\n<p>Unter der damaligen PiS-Regierung entwickelte sich der KPO deshalb von einem wirtschaftlichen Aufbauprogramm zu einem Teil des Rechtsstaatskonflikts mit Br\u00fcssel. Polen-heute.de hat die Entstehung des Programms und die ersten Auseinandersetzungen um die <a href=\"https:\/\/polen-heute.de\/politik\/der-nationale-plan-fuer-den-wiederaufbau-polens-54748\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">polnischen KPO-Meilensteine<\/a> bereits 2022 erl\u00e4utert.<\/p>\n<p>Erst nach dem Regierungswechsel zu Donald Tusk und weiteren Schritten zur Wiederherstellung rechtsstaatlicher Standards wurde 2024 die erste regul\u00e4re grosse Zahlung freigegeben. Polen musste danach ein Programm beschleunigen, f\u00fcr das anderen Staaten erheblich mehr Zeit zur Verf\u00fcgung gestanden hatte.<\/p>\n<p>Die polnische Regierung spricht selbst von einer Verz\u00f6gerung von ungef\u00e4hr zwei Jahren. Im Juni 2026 waren nach ihren Angaben 61 Prozent der mit der Kommission abzurechnenden Messgr\u00f6ssen best\u00e4tigt. Der damalige EU-Durchschnitt lag bei 57,1 Prozent. Polen hatte damit einen erheblichen Teil des R\u00fcckstands aufgeholt, war aber noch weit von einer vollst\u00e4ndigen Abrechnung entfernt.<\/p>\n<p>Der Endspurt ist daher nicht nur ein Verwaltungstest f\u00fcr die gegenw\u00e4rtige Regierung. Er zeigt auch die langfristigen wirtschaftlichen Kosten eines politischen Konflikts. Als Warschau und Br\u00fcssel \u00fcber Richterdisziplin und Justizreformen stritten, liefen Baupreise, Lieferzeiten und die unver\u00e4nderbare europ\u00e4ische Schlussfrist weiter.<\/p>\n<p>Nicht jedes gef\u00f6rderte Projekt muss am 31. August fertig gebaut sein<\/p>\n<p>Die Frist wird h\u00e4ufig so dargestellt, als m\u00fcssten bis Ende August s\u00e4mtliche mit KPO-Mitteln finanzierten Vorhaben abgeschlossen und bezahlt sein. Das ist zu pauschal. Entscheidend ist der Inhalt des jeweiligen, mit der EU vereinbarten Meilensteins oder Zielwerts.<\/p>\n<p>Bei einem Bauvorhaben kann tats\u00e4chlich eine betriebsbereite Anlage oder eine bestimmte Zahl modernisierter Einrichtungen verlangt werden. Bei einem Finanzierungsinstrument kann der relevante Schritt dagegen darin bestehen, einen Fonds rechtlich einzurichten, ihn mit Kapital auszustatten und verbindliche Vergaberegeln zu schaffen. Die daraus finanzierten Projekte k\u00f6nnen teilweise l\u00e4nger laufen.<\/p>\n<p>Das polnische Fondsministerium erkl\u00e4rte im Juni, 2026 sollten mehr als 136 Milliarden Z\u0142oty investiert werden. Davon entfielen \u00fcber 46 Milliarden auf Vorhaben, die noch im selben Jahr abgeschlossen werden sollten. Weitere 90 Milliarden Z\u0142oty sollten in Finanzierungsmechanismen fliessen, die die Wirtschaft \u00fcber das Ende des KPO hinaus unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese Konstruktion ist rechtlich zul\u00e4ssig, wenn sie dem genehmigten Aufbauplan entspricht. Sie verhindert, dass langfristige Darlehen oder Beteiligungsinstrumente k\u00fcnstlich bis Ende August vollst\u00e4ndig abgewickelt werden m\u00fcssen. Gleichzeitig erschwert sie die \u00f6ffentliche Bewertung: Ein kapitalisierter Fonds kann als erf\u00fcllter Meilenstein gelten, obwohl seine Wirkung auf Unternehmen, Energieprojekte oder Kommunen erst Jahre sp\u00e4ter sichtbar wird.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission kann nationale Pl\u00e4ne \u00e4ndern, wenn objektive Umst\u00e4nde die urspr\u00fcngliche Umsetzung unm\u00f6glich machen. Dazu z\u00e4hlen beispielsweise Inflation, Lieferengp\u00e4sse oder eine nachweislich bessere Alternative. Polen hat seinen Plan mehrfach angepasst; der Rat genehmigte im Juni 2026 weitere gezielte \u00c4nderungen, und im Sommer folgte ein weiterer \u00c4nderungsvorschlag der Kommission.<\/p>\n<p>Plan\u00e4nderungen sind damit Teil des vorgesehenen Verfahrens und nicht automatisch ein Zeichen des Scheiterns. Problematisch w\u00fcrden sie, wenn schwer erf\u00fcllbare Ziele lediglich durch leichter abzurechnende Konstruktionen ersetzt w\u00fcrden, ohne einen vergleichbaren wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Nutzen zu erzeugen.<\/p>\n<p>Bahn, Energie, Gesundheit und Schulen zeigen die Gr\u00f6ssenordnung<\/p>\n<p>Die polnische Regierung nennt bereits sichtbare Ergebnisse: mehr als 26.000 neue Betreuungspl\u00e4tze f\u00fcr Kleinkinder, schnelle Internetanschl\u00fcsse f\u00fcr rund 261.500 Haushalte, 15 Umgehungsstrassen, 1.095 emissionsfreie Busse sowie 323 neue oder modernisierte Lokomotiven und Waggons.<\/p>\n<p>Ausserdem seien mehr als 120 <strong>\u201eBran\u017cowe Centra Umiej\u0119tno\u015bci\u201c<\/strong> in Betrieb. Der Begriff bedeutet Branchenkompetenzzentren. Dort sollen Berufsschulen, Hochschulen und Unternehmen gemeinsam Fachkr\u00e4fte f\u00fcr bestimmte Wirtschaftszweige ausbilden.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission gibt an, dass 46,6 Prozent des polnischen Plans den klimabezogenen Wandel und 21,3 Prozent die Digitalisierung unterst\u00fctzen. Mehr als f\u00fcnf Milliarden Euro sind f\u00fcr Offshore-Windkraft und die dazugeh\u00f6rige Hafeninfrastruktur vorgesehen. Weitere Schwerpunkte sind Geb\u00e4udesanierung, Stromnetze, Wasserstoff, emissions\u00e4rmerer Verkehr und Breitbandanschl\u00fcsse.<\/p>\n<p>Im Gesundheitsbereich umfasst der Plan Investitionen von rund 4,4 Milliarden Euro, unter anderem f\u00fcr Krankenh\u00e4user und medizinische Hochschulen. Bei der Digitalisierung von Schulen geht es nicht nur um Computer. Polen finanziert auch Netze, Weiterbildung und neue Unterrichtsausstattung. Ein Beispiel sind die <a href=\"https:\/\/polen-heute.de\/gesellschaft\/polen-investiert-milliarden-in-ki-klassenzimmer-der-naechste-schritt-zur-digitalen-aufholjagd-90812\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">geplanten KI-Labore f\u00fcr polnische Schulen<\/a>.<\/p>\n<p>Gerade solche Programme verdeutlichen die Differenz zwischen einer Bestellung und einer wirksamen Investition. Ger\u00e4te k\u00f6nnen fristgerecht beschafft sein, ohne dass Lehrkr\u00e4fte ausgebildet, R\u00e4ume vorbereitet oder technische Betreuung dauerhaft gesichert sind. Eine formal korrekte Lieferung ist notwendig, aber noch kein Nachweis f\u00fcr besseren Unterricht.<\/p>\n<p>Dasselbe gilt f\u00fcr Z\u00fcge, Busse und Energieanlagen. Ihr Nutzen entsteht erst, wenn sie zuverl\u00e4ssig eingesetzt, gewartet und in bestehende Netze integriert werden. Die Schlusspr\u00fcfung des KPO kann daher feststellen, ob Polen vereinbarte Zielwerte erreicht hat. Sie ersetzt keine sp\u00e4tere Bewertung der Qualit\u00e4t und Wirtschaftlichkeit.<\/p>\n<p>Ein grosser Teil des KPO besteht aus r\u00fcckzahlbaren Krediten<\/p>\n<p>In der \u00f6ffentlichen Debatte werden die KPO-Milliarden h\u00e4ufig als EU-Zuschuss dargestellt. Tats\u00e4chlich unterscheidet der Plan zwischen <strong>\u201edotacje\u201c<\/strong>, also nicht r\u00fcckzahlbaren Zusch\u00fcssen bei ordnungsgem\u00e4sser Umsetzung, und <strong>\u201epo\u017cyczki\u201c<\/strong>, r\u00fcckzahlbaren Darlehen.<\/p>\n<p>Nach der gegenw\u00e4rtigen \u00dcbersicht der Europ\u00e4ischen Kommission umfasst der polnische Plan rund 25,3 Milliarden Euro an RRF-Zusch\u00fcssen und etwa 29,4 Milliarden Euro an RRF-Darlehen. Bei Letzteren nutzt Polen die g\u00fcnstigen Finanzierungsm\u00f6glichkeiten der Europ\u00e4ischen Union, \u00fcbernimmt aber weiterhin eine R\u00fcckzahlungsverpflichtung.<\/p>\n<p>Warschau reduzierte bereits 2025 den vorgesehenen Kreditanteil um 21,5 Milliarden Z\u0142oty. Fondsministerin Katarzyna Pe\u0142czy\u0144ska-Na\u0142\u0119cz begr\u00fcndete dies unter anderem mit der verbleibenden Zeit und der tats\u00e4chlichen Nachfrage nach einzelnen Instrumenten. Polen wollte die verf\u00fcgbaren Zusch\u00fcsse m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig nutzen, Kredite jedoch nur dort aufnehmen, wo ein tragf\u00e4higer wirtschaftlicher Zweck bestand.<\/p>\n<p>Diese Unterscheidung gewinnt wegen der angespannten Staatsfinanzen an Bedeutung. RRF-Darlehen k\u00f6nnen g\u00fcnstiger sein als eine nationale Kreditaufnahme. Sie bleiben dennoch Teil der staatlichen Verschuldung, selbst wenn Unternehmen oder Kommunen die Mittel sp\u00e4ter an den Staat zur\u00fcckzahlen.<\/p>\n<p>Der Erfolg des KPO l\u00e4sst sich deshalb nicht an der h\u00f6chstm\u00f6glichen Gesamtsumme messen. Polen gewinnt wenig, wenn es aus Zeitdruck Kredite f\u00fcr schwache Projekte abruft. Bei Zusch\u00fcssen spricht viel f\u00fcr eine m\u00f6glichst vollst\u00e4ndige Nutzung. Bei Darlehen ist entscheidend, ob der erwartete Nutzen Kosten, Risiken und langfristige R\u00fcckzahlung rechtfertigt.<\/p>\n<p>Der Investitionsschub tr\u00e4gt Polens Wachstum \u2013 aber nicht dauerhaft<\/p>\n<p>EU-finanzierte Investitionen geh\u00f6ren zu den Gr\u00fcnden, weshalb Polens Wirtschaft 2026 deutlich schneller w\u00e4chst als der EU-Durchschnitt. Sie erh\u00f6hen kurzfristig die Nachfrage nach Bauleistungen, Fahrzeugen, Technik und Dienstleistungen. Langfristig k\u00f6nnen bessere Verkehrswege, Stromnetze, Schulen und digitale Infrastruktur die Produktivit\u00e4t steigern.<\/p>\n<p>Der KPO wirkt dabei zusammen mit den regul\u00e4ren europ\u00e4ischen Koh\u00e4sionsfonds, nationalen Investitionen und einer kr\u00e4ftigen Konsumnachfrage. Die Einordnung zur <a href=\"https:\/\/polen-heute.de\/wirtschaft\/polens-inflation-faellt-auf-den-zielwert-warum-warschau-jetzt-wieder-spielraum-hat-51801\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">polnischen Konjunktur und den EU-Investitionsimpulsen<\/a> zeigt, warum der Mittelzufluss gerade 2026 besonders wichtig ist.<\/p>\n<p>Dieser Effekt l\u00e4sst sich nicht beliebig fortschreiben. Der Wiederaufbaufonds ist ausdr\u00fccklich ein zeitlich befristetes Kriseninstrument. Nach dem besonders ausgabenintensiven Jahr 2026 f\u00e4llt ein aussergew\u00f6hnlicher Finanzierungsimpuls weg. Andere EU-Programme laufen weiter, k\u00f6nnen das Ende des KPO aber nicht in jeder Branche und jedem Haushaltsposten vollst\u00e4ndig ausgleichen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die polnische Wirtschaft entsteht damit ein \u00dcbergangsproblem. Unternehmen, die ihre Kapazit\u00e4ten wegen grosser \u00f6ffentlicher Auftr\u00e4ge ausgeweitet haben, ben\u00f6tigen nach dem KPO-Endspurt ausreichend private Nachfrage oder neue Projekte. Kommunen m\u00fcssen Folgekosten f\u00fcr Betrieb und Wartung \u00fcbernehmen. Der Staat muss verhindern, dass neue Infrastruktur mangels Personal oder laufender Finanzierung an Wirkung verliert.<\/p>\n<p>Die entscheidende wirtschaftliche Frage lautet deshalb nicht nur, ob Polen die Mittel fristgerecht sichert. Ebenso wichtig ist, ob die Investitionen nach 2026 zus\u00e4tzliche private Aktivit\u00e4ten erm\u00f6glichen, statt lediglich einen vor\u00fcbergehenden Auftragsschub zu erzeugen.<\/p>\n<p>Auch Deutschland profitiert von einem erfolgreichen polnischen Endspurt<\/p>\n<p>Polens Investitionswelle endet nicht an der deutsch-polnischen Grenze. Deutsche Hersteller, Zulieferer und Dienstleister sind eng mit polnischen Produktionsketten verbunden. Investitionen in Bahnverkehr, Stromnetze, Industrieanlagen und Digitalisierung erzeugen Auftr\u00e4ge, ver\u00e4ndern Transportwege und verbessern die Bedingungen f\u00fcr grenz\u00fcberschreitende Unternehmen.<\/p>\n<p>Besonders deutlich ist der Zusammenhang bei Energie und Verkehr. Neue Netze, Hafeninfrastruktur und Bahnverbindungen k\u00f6nnen den Handel zwischen beiden L\u00e4ndern erleichtern und die Versorgungssicherheit in Mitteleuropa erh\u00f6hen. Verz\u00f6gerungen bei polnischen Grossprojekten treffen deshalb nicht ausschliesslich polnische Beg\u00fcnstigte.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist NextGenerationEU europ\u00e4isch finanziert. Die Kommission nimmt f\u00fcr das Programm gemeinschaftlich abgesicherte Kredite an den Kapitalm\u00e4rkten auf. Ob Mitgliedstaaten wie Polen die Mittel nachweisbar und produktiv einsetzen, beeinflusst damit auch die politische Akzeptanz gemeinsamer EU-Finanzierung in Deutschland.<\/p>\n<p>Der KPO ist folglich mehr als ein Transfer von Br\u00fcssel nach Warschau. Er ist ein Test daf\u00fcr, ob die Europ\u00e4ische Union mit gemeinsam aufgenommenem Geld nationale Reformen beschleunigen und grenz\u00fcberschreitenden wirtschaftlichen Nutzen erzeugen kann. Eine rein formale Erf\u00fcllung w\u00fcrde diesen Anspruch schw\u00e4chen; messbare Verbesserungen w\u00fcrden ihn st\u00fctzen.<\/p>\n<p>Was Polen nach dem 31. August offenlegen sollte<\/p>\n<p>In den letzten Wochen vor der Frist pr\u00e4sentiert das Fondsministerium bei einer landesweiten Tour zahlreiche KPO-Projekte. Die Regierung kann dabei auf sichtbare Ergebnisse verweisen. Diese politische Kommunikation beantwortet jedoch noch nicht, welche Meilensteine offen sind und wo das gr\u00f6sste finanzielle Risiko liegt.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine belastbare Bilanz m\u00fcsste Warschau nach dem 31. August mindestens vier Ebenen getrennt ausweisen: abgeschlossene Vertr\u00e4ge, innerhalb Polens ausgezahlte Betr\u00e4ge, tats\u00e4chlich erreichte Investitionsergebnisse und von der Europ\u00e4ischen Kommission best\u00e4tigte Meilensteine.<\/p>\n<p>Ebenso wichtig ist eine klare Trennung zwischen Zusch\u00fcssen und Krediten. Ein nicht genutzter Zuschuss w\u00e4re f\u00fcr den Staatshaushalt etwas anderes als ein bewusst nicht aufgenommener Kredit. Ohne diese Unterscheidung kann sowohl die Regierung als auch die Opposition mit grossen Summen argumentieren, die wirtschaftlich nicht dasselbe bedeuten.<\/p>\n<p>Polen sollte ausserdem ver\u00f6ffentlichen, welche Ziele durch Plan\u00e4nderungen angepasst wurden, welche Projekte nach 2026 weiterlaufen und wer deren Ergebnisse kontrolliert. Bei langfristigen Fonds gen\u00fcgt es nicht, das Geld fristgerecht einzuzahlen. Entscheidend ist, ob es sp\u00e4ter bei wettbewerbsf\u00e4higen Unternehmen, funktionierenden Energieanlagen oder kommunaler Infrastruktur ankommt.<\/p>\n<p>Ausblick: Die Schlussrechnung folgt im Herbst<\/p>\n<p>Die kommenden Termine sind klar. Bis zum 31. August muss Polen die vereinbarten Meilensteine und Zielwerte erf\u00fcllen. Im September soll der neunte und letzte Zahlungsantrag folgen. Anfang Oktober erwartet Warschau die rund 33 Milliarden Z\u0142oty aus dem bereits gebilligten achten Antrag. Sp\u00e4testens Ende Dezember muss die Europ\u00e4ische Kommission die letzten RRF-Zahlungen vornehmen.<\/p>\n<p>Erst danach wird sich beziffern lassen, welchen Anteil seines \u00fcber Jahre umk\u00e4mpften Aufbauplans Polen tats\u00e4chlich gesichert hat. Noch l\u00e4nger wird die Antwort auf die wichtigere Frage dauern: ob aus den Vertr\u00e4gen und \u00dcberweisungen dauerhaft produktive Investitionen entstanden sind.<\/p>\n<p>Die Quote von 96,3 Prozent ist deshalb weder bedeutungslos noch ein Schlusszeugnis. Sie zeigt, wie weit Polen bei der Vergabe gekommen ist. Ob der KPO als Erfolg in Erinnerung bleibt, entscheidet sich daran, was nach Ablauf der Fristen funktioniert \u2013 in Krankenh\u00e4usern, Schulen, Unternehmen, Verkehrsnetzen und der Energieversorgung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Polen erwartet Anfang Oktober weitere rund 33 Milliarden Z\u0142oty aus dem europ\u00e4ischen Wiederaufbaufonds. 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