{"id":1246942,"date":"2026-08-19T11:28:16","date_gmt":"2026-08-19T11:28:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1246942\/"},"modified":"2026-08-19T11:28:16","modified_gmt":"2026-08-19T11:28:16","slug":"japanische-kueche-in-muenchen-die-japatapa-toshibar-in-schwabing-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1246942\/","title":{"rendered":"Japanische K\u00fcche in M\u00fcnchen: Die Japatapa Toshibar in Schwabing &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vw426e\">Was f\u00fcr ein Segen es doch ist, wenn ein Restaurant heute ohne ein minuti\u00f6s durchgestyltes Storytelling auskommt. Wenn auf der Karte (und im Zweifel auch dem Instagram-Profil des Kochs) nicht lang und breit hergeleitet wird, warum das Lokal genauso aussehen muss, wie es eben aussieht. Wenn auch der Service keine einstudierten Sentenzen dar\u00fcber aufsagt, welch abenteuerliche Reise nun diese oder jene Gurke hinter sich hat. Wenn dem Gast also zugetraut wird, dass er sich sein eigenes Bild macht, und ansonsten das Essen f\u00fcr sich selbst spricht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Einer dieser selten gewordenen Orte ist die Japatapa Toshibar in Schwabing. Schon die Homepage ist eher karg gehalten, vieles steht dort auf Japanisch geschrieben, was Murkes Neugier anfacht. Schlicht ist auch das Lokal, es liegt fast unauff\u00e4llig in der Marschallstra\u00dfe, einer der weniger frequentierten Stra\u00dfen an der M\u00fcnchner Freiheit. Ein kleiner Gastraum, drei\u00dfig Quadratmeter vielleicht, in dem ein paar Tische stehen, eine Bar, und in dem bei beiden Besuchen fast alle Pl\u00e4tze besetzt sind. Murkes Neugier steigt weiter.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Den Koch, Toshio Kobatake, d\u00fcrften manche M\u00fcnchner schon kennen. Zwanzig Jahre lang f\u00fchrte er das Toshi in der Wurzerstra\u00dfe, das Sushi dort geh\u00f6rte zum Besten in der Stadt. Wobei seine K\u00f6nnerschaft weit \u00fcber die Grenzen M\u00fcnchens hinaus bekannt ist, sp\u00e4testens seit das japanische Landwirtschaftsministerium ihn zum \u201eJapanese Cuisine Goodwill Ambassador\u201c ernannte \u2013 zu einem Botschafter der japanischen K\u00fcche, wovon es in Deutschland nur eine Handvoll gibt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Im M\u00e4rz 2022 schloss das Toshi, doch schon ein halbes Jahr sp\u00e4ter er\u00f6ffnete Kobatake die Japatapa Toshibar. H\u00f6chste Zeit, sein neues Restaurant auszuprobieren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/a82752fb-1da2-452f-b907-e3018c065fac.jpg\"   alt=\"Koch Toshio Kobatake in seinem Restaurant in Schwabing.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Koch Toshio Kobatake in seinem Restaurant in Schwabing. Stephan Rumpf<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Karte, das schon mal vorweg, ist ziemlich umfangreich. Es gibt nicht nur eine gro\u00dfe Auswahl an Sushi und Sashimi, sondern auch allerlei \u201eIppin\u201c: kleine Gerichte, mal kalt, mal ged\u00e4mpft oder frittiert und ein bisschen wie japanische Tapas (daher wohl das \u201eJapatapa\u201c im Namen). Parallel dazu bietet Toshio Kobatake ein Kaiseki-Men\u00fc an, zehn G\u00e4nge aus der Hochk\u00fcche Japans. Viel Auswahl also, was nicht immer ein Vorteil sein muss, aber dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Fangen wir erst mal mit den Gerichten der Ippin-Karte an, die alle je 15,40 Euro kosten. Mit dem Hamachi zum Beispiel, der Gelbschwanzmakrele, die als Sashimi aufgeschnitten und mit einer Creme aus Miso, Yuzu und Pfeffer serviert wird. Die Qualit\u00e4t des Fisches, den Kobatake aus Japan bezieht, ist hervorragend. Schmelzig-zart sein Biss, klar und fein sein Geschmack. Da braucht es nicht viel drumherum, es reichen schon etwas Oliven\u00f6l und Ponzu, eine hochwertige Sojaso\u00dfe, die frische Zitrusnoten mitbringt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Sehr gelungen auch die Ebi Takoyaki, kleine Teigb\u00e4llchen, die urspr\u00fcnglich aus Osaka stammen und in Pfannen mit murmelrunden Vertiefungen ausgebacken werden. Hier in Schwabing ger\u00e4t ihre H\u00fclle sch\u00f6n kross, ihr Inneres wunderbar cremig, mit s\u00fc\u00dfen Garnelenst\u00fcckchen und \u2013 der Hidden Champion des Tellers \u2013 etwas Ingwer, der den B\u00e4llchen einen kleinen S\u00e4ure-Kick verpasst.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/b7cad848-1f44-4697-aeee-bbdf24e11e77.jpg\"   alt=\"Das Restaurant ist klein und meist gut besucht.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Das Restaurant ist klein und meist gut besucht. Stephan Rumpf<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u00dcberhaupt gefallen Murke die Ippin-Gerichte besonders gut. Die bayerischen Rinderb\u00e4ckchen zum Beispiel, mit Knoblauch und rotem Miso. Oder die Shumai, ged\u00e4mpfte Dim Sum, die man in chinesischen Lokalen als \u201eSiu Mai\u201c kennt. Die Teigtaschen sind mit sehr schmackhaftem Hackfleisch vom Iberico-Schwein gef\u00fcllt, ein paar Chilif\u00e4den triezen sie ein wenig.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und dann ist da nat\u00fcrlich das Sushi. Auch in seinem neuen Lokal serviert Toshio Kobatake es in einer Qualit\u00e4t, wie man sie nur ganz, ganz selten in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen<\/a> findet. Allein die Nigiri mit Otoro (14 Euro pro St\u00fcck), dem besonders fettreichen Teil des Thunfischbauches. Der Reis, der Fisch, der eingelegte Ingwer: nichts, wirklich gar nichts lie\u00dfe sich daran noch verbessern. Auch nichts an den Maki mit Seeigel und Wachtelei (9 Euro) oder den Rolls mit Wagyu und Shiso-Kresse (28 Euro).<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Bei einem zweiten Besuch f\u00e4llt die Begeisterung dann eine Spur verhaltener aus. Statt einzelner G\u00e4nge bestellen Murke und sein Begleiter an diesem Abend das Kaiseki-Men\u00fc (zehn G\u00e4nge f\u00fcr 99 Euro pro Person). Tellerchen um Tellerchen, Sch\u00e4lchen um Sch\u00e4lchen bringt der freundliche und angenehm unkomplizierte Service an den Tisch. Die Gerichte sind allesamt unterschiedlich zubereitet und sollen, der Saison entsprechend, die Produkte der japanischen K\u00fcche feiern. Zu ihren Klassikern geh\u00f6rt nat\u00fcrlich das Chawanmushi, ein Eierstich, der in der Teeschale serviert wird. Hier \u00fcberrascht er mit der Kombination von G\u00e4nseleber und Shiitake-Pilzen, von herzhafter S\u00fc\u00dfe und pr\u00e4chtigem Umami.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/e9a00a3e-2307-4079-bd33-a77c2295ffe3.jpg\"   alt=\"Beim Onsen-Ei \u00fcberzeugt vor allem das Wechselspiel aus wachsweichem Ei und der kalten, erfrischenden Dashi-Br\u00fche.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Beim Onsen-Ei \u00fcberzeugt vor allem das Wechselspiel aus wachsweichem Ei und der kalten, erfrischenden Dashi-Br\u00fche. Stephan Rumpf<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Murke gef\u00e4llt auch das hauchd\u00fcnne Entrec\u00f4te vom Rind, das gut mit den fleischigen Shimeji-Pilzen und der Sesamso\u00dfe zusammengeht. Das wachsweiche Onsen-Ei, das in einer sehr intensiven Dashi schwimmt und von reichlich Kaviar begleitet wird, kostete er schon beim ersten Besuch und mochte vor allem das Wechselspiel aus lauwarmem Ei und kalter Dashi. Am zweiten Abend nun ist das Ei etwas arg kalt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auch manch andere G\u00e4nge \u00fcberzeugen nicht so ganz. Der Steinbutt ist ein wenig \u00fcbergart, w\u00e4hrend die Miso-Creme, mit der er nappiert ist, einen Tick zu viel S\u00fc\u00dfe abbekommen hat. Bei der ged\u00e4mpften Auster wurde so viel Sojaso\u00dfe angegossen, dass sie geschmacklich untergeht. Und die Matcha-Panna-Cotta ist als Dessert zwar tadellos, aber mit Erdbeeren wird es im August aromatisch so langsam schwierig.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Beim Sushi und Sashimi, das Kobatake selbstverst\u00e4ndlich auch im Men\u00fc serviert, merkt Murke aber gleich wieder, warum es sich lohnt, die Japatapa Toshibar zu besuchen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><strong>Japatapa Toshibar, Marschallstra\u00dfe 2, 80802 M\u00fcnchen. Telefon: 089 25546942. Ge\u00f6ffnet Dienstag bis Sonntag von 17 bis 22 Uhr.<\/strong><\/p>\n<p>Die SZ-Kostprobe<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Restaurant-Kritik <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Kostprobe\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eKostprobe\u201c<\/a> der S\u00fcddeutschen Zeitung hat eine lange Tradition: <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/projekte\/artikel\/muenchen\/muenchen-essengehen-ausgehen-restaurant-kritik-sz-kostprobe-e256447\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Seit 1975 erscheint sie w\u00f6chentlich im Lokalteil<\/a>, seit vielen Jahren auch online. Mehr als ein Dutzend kulinarisch bewanderter Redakteurinnen und Redakteure aus s\u00e4mtlichen Ressorts \u2013 von <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen<\/a>, Wissen bis zur Politik \u2013 schreiben im Wechsel \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Gastronomie\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gastronomie<\/a> in der Stadt. Die Auswahl ist unendlich, die bayerische Wirtschaft kommt genauso dran wie das griechische Fischlokal, die amerikanische Fast-Food-Kette, der besondere Bratwurststand oder das mit Sternen dekorierte Gourmetlokal. Das Besondere an der SZ-Kostprobe: Die Autorinnen und Autoren schreiben unter Pseudonym, oft ist dies kulinarisch angehaucht. Sie gehen unerkannt etwa zwei- bis dreimal in das zu testende Lokal, je nachdem, wie lange das von der Redaktion vorgegebene Budget reicht. Eiserne Grundregeln: hundert Tage Schonfrist, bis sich die K\u00fcche eines neuen Lokals eingearbeitet hat. Und: sich nie bei der Arbeit als Restaurantkritiker erwischen lassen \u2013 um unbefangen Speis und Trank, Service und Atmosph\u00e4re beschreiben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was f\u00fcr ein Segen es doch ist, wenn ein Restaurant heute ohne ein minuti\u00f6s durchgestyltes Storytelling auskommt. 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