{"id":1247071,"date":"2026-08-19T12:51:45","date_gmt":"2026-08-19T12:51:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1247071\/"},"modified":"2026-08-19T12:51:45","modified_gmt":"2026-08-19T12:51:45","slug":"oberbuergermeisterwahl-2027-in-leipzig-wolfram-guenther-will-fuer-buendnis-90-die-gruenen-antreten-interview-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1247071\/","title":{"rendered":"Oberb\u00fcrgermeisterwahl 2027 in Leipzig: Wolfram G\u00fcnther will f\u00fcr B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen antreten + Interview \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p class=\"translation-notice\">This article is also available in English: <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/en\/politics\/leipzig-en\/2026\/08\/2027-mayoral-election-in-leipzig-wolfram-guenther-intends-to-stand-as-a-candidate-for-the-greens-667703\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Read this article in English<\/a>.<\/p>\n<p>Der Anteil von Frauen bei der bevorstehenden Wahl des neuen Stadtoberhauptes liegt bisher bei 10 Prozent der Bewerber, das hat sich auch nach der Bekanntgabe des B\u00fcndnisgr\u00fcnen Kandidaten nicht ge\u00e4ndert. Mit Wolfram G\u00fcnther steigt nicht nur ein weiteres politisches Schwergewicht in den Ring, sondern auch ein weiterer geb\u00fcrtiger Leipziger.<\/p>\n<p>Auch wenn es vorerst nur die Bekanntgabe seiner Kandidatur ist, die Aufstellungsversammlung findet am 8. September statt, trafen wir uns mit Wolfram G\u00fcnther zum Gespr\u00e4ch. Unseres Erachtens nach sind bei der Aufstellungsversammlung keine \u00dcberraschungen zu erwarten. <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/c20e09f0d85846119f631a1472984656.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2026\/08\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2026\/08\/1\"\/><\/p>\n<p><b>Herr G\u00fcnther, ist es Ihnen leicht gefallen diese Kandidatur anzunehmen, als Sie vom Vorstand angesprochen wurden?<\/b><\/p>\n<p>Als ich gefragt wurde, musste ich nicht lange nachdenken. Ich bin in Leipzig geboren, aufgewachsen, habe hier meine Familie gegr\u00fcndet und meine Anwaltskanzlei er\u00f6ffnet. Leipzig ist meine Stadt und deshalb habe ich mich hier engagiert: mit dem Stadtforum, der Denkmalstiftung und am Runden Tisch Verkehr.<\/p>\n<p>Ich sehe sehr deutlich, wo wir richtig anpacken m\u00fcssen, damit Leipzig auch in Zukunft so cool, lebenswert und weltoffen bleibt. Ich habe sehr konkrete Vorstellungen von dem, was liegengeblieben und was zu tun ist.<\/p>\n<p><b>Sie sind zwar nicht in der Kommunalpolitik zu Hause, aber in der Landespolitik. Sie kennen also den Umgang mit \u00c4mtern, das ist f\u00fcr Sie nicht neu. Neu ist vielleicht die Rolle als Chef der Verwaltung und der 71. im Stadtrat, dessen Stimme unter Umst\u00e4nden entscheidend sein kann. Wie gehen Sie damit um?<\/b><\/p>\n<p>Mit dem Stadtforum und der Denkmalstiftung habe ich, haben wir uns massiv in die Kommunalpolitik eingemischt, immer aus der Position der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger heraus.<\/p>\n<p>Ich bin nicht aus Versehen Verwaltungsjurist geworden. Wie der Staat mit uns B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern umgeht, ist ja im Prinzip die tagt\u00e4glich erfahrbare Seite unserer Demokratie. Das hat mich interessiert. In meiner Kanzlei war ich vor allem im Planungsrecht unterwegs. Ich habe dort viel mit B\u00fcrgerinitiativen, Umweltverb\u00e4nden und Unternehmen gearbeitet, also auch wieder mit der Zivilgesellschaft. Ohne sie keine Demokratie.<\/p>\n<p>Dann bin ich Minister geworden im Ministerium f\u00fcr Umwelt, Landwirtschaft, Energie und Klimaschutz. Ich w\u00fcrde sagen: Verwaltung kenne ich ziemlich gut von beiden Seiten \u2013 der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger und desjenigen, der sie leitet.<\/p>\n<p><b>Sie haben sich, wie ich lesen konnte, stark mit Umweltthemen, mit Denkmalschutz, mit Bau und Stadtentwicklung besch\u00e4ftigt. Als Oberb\u00fcrgermeister k\u00e4me ja die ganze Bandbreite von Aufgaben auf Sie zu, von Bibliotheken \u00fcber Kitas, Wohnen usw. Was w\u00e4re denn so Ihre Priorit\u00e4t f\u00fcr die ber\u00fchmten ersten 100 Tage?<\/b><\/p>\n<p>Leipzig ist eine der lebenswertesten und attraktivsten St\u00e4dte des Landes. Leipzig lebt von Freir\u00e4umen und vom Engagement seiner B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Das ist unsere DNA. Das war so, als das Gewandhaus gegr\u00fcndet wurde und das ist heute so bei den Superblocks im Leipziger Osten.<\/p>\n<p>Aber diese Leipziger DNA ist in Gefahr. Die Freir\u00e4ume werden weniger. Und den Engagierten werden immer mehr Steine in den Weg gelegt. Das kreide ich der aktuellen Stadtspitze an. Freir\u00e4ume zu erhalten und den Engagierten die Steine wegzur\u00e4umen, das h\u00e4tte f\u00fcr mich h\u00f6chste Priorit\u00e4t.<\/p>\n<p>Und Leipzig muss sich wirtschaftlich weiterentwickeln. Auch daf\u00fcr braucht es Freir\u00e4ume und weniger Steine, vom Start-up in der Biocity bis zum Sp\u00e4ti. Leipzig muss eine Stadt f\u00fcr alle bleiben, f\u00fcr Menschen, denen die Miete auf den Geldbeutel dr\u00fcckt genauso f\u00fcr Menschen, die hier wachsen wollen.<\/p>\n<p>Das ist eine riesige Vielfalt an Bed\u00fcrfnissen. Und das ist nicht immer deckungsgleich mit dem, wo Menschen sich am lautesten melden oder am besten organisiert sind. Es gilt aber, alle diese Bedarfe zu beachten. Das verstehe ich unter Stadt f\u00fcr alle.<\/p>\n<p><b>Das soll aber nicht bedeuten, dass Sie als Oberb\u00fcrgermeister alles besser w\u00fcssten als die Zivilgesellschaft?<\/b><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich nicht, es geht ja genau darum, die Dinge mit den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern gemeinsam zu entwickeln. Aber manche Menschen melden sich nicht lautstark. Eine Alleinerziehende kann nicht zu jeder B\u00fcrgerversammlung gehen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft aber nicht, dass ihre Belange unter den Tisch fallen d\u00fcrfen, sondern die muss man sehen. Und das gilt auch f\u00fcr die Unternehmerin und sogar f\u00fcr die Verwaltung. \u00dcberall wollen sich Menschen einbringen und werden dann viel zu oft ausgebremst.<\/p>\n<p>Sie m\u00fcssen aber Freiraum bekommen f\u00fcr Ihre Ideen, das m\u00fcssen wir wieder organisieren.<\/p>\n<p><b>Es ist ja nicht das erste Kandidierendeninterview welches ich f\u00fchre, alle hatten bisher Priorit\u00e4ten. Welche sind denn Ihre?<\/b><\/p>\n<p>Wir befinden uns in einem sehr herausfordernden Umfeld, wirtschaftlich und geopolitisch. Das macht vor Leipzig nicht halt, Beispiel Arbeitspl\u00e4tze in der Automobilindustrie. Nicht alles haben wir in der Hand. Aber wir haben es in der Hand, gute Rahmenbedingungen in Leipzig zu schaffen, f\u00fcr die St\u00e4rkung bestehender Unternehmen, zum Wachsen, f\u00fcr Start-ups, f\u00fcr die Gastronomie, die Kreativwirtschaft.<\/p>\n<p>Leipzig muss besser f\u00fcr eine Zukunft mit dem Klimawandel angepasst werden. Wie dringend das ist, hat auch dieser Sommer wieder eindr\u00fccklich gezeigt. Anpassung an den Klimawandel ist auch eine soziale Frage. Stadt f\u00fcr alle hei\u00dft auch, dass alle Menschen in allen Stadtvierteln gut und sicher durch Hitzetage und tropische N\u00e4chte kommen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-601135\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/regenschirm.jpg\" alt=\"Zwei Personen sitzen unter Sonnenschirm nebeneinander auf einer B\u00fchne.\" width=\"2250\" height=\"1500\"  \/>Wolfram G\u00fcnther (Gr\u00fcne, r.) beim Panel zur W\u00e4rmewende auf der KlimaFair 2024. Foto: Thomas K\u00f6hler<\/p>\n<p>Wohnen muss bezahlbar bleiben und es darf keine weitere soziale Entmischung in den Stadtvierteln geben. Ich m\u00f6chte unbedingt verhindern, dass wir in Leipzig solche sortierten Viertel haben, in denen Leute mit richtig viel Geld leben und in anderen ballen sich soziale Probleme.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Thema ist die Mobilit\u00e4t. Eine Mobilit\u00e4t in dieser Stadt, die wirklich vom Menschen her gedacht ist. Sehr viele Menschen sind zu Fu\u00df unterwegs, viel mehr Menschen als fr\u00fcher fahren regelm\u00e4\u00dfig Fahrrad und es gibt einen \u00f6ffentlichen Nahverkehr, der sehr dicht ist, aber auch sehr teuer und in manchen Vierteln definitiv ausbauf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Und viele Menschen sind aufs Auto einfach angewiesen. Dieses Miteinander der Mobilit\u00e4tsformen m\u00fcssen wir mit konkreten Angeboten an konkreten Orten verbessern. Ich halte nichts vom Kampf gegen das Auto, sondern sehr viel davon, bessere Lebensqualit\u00e4t im \u00f6ffentlichen Raum herzustellen.<\/p>\n<p><b>Stichwort Kampf gegen das Auto, den Gr\u00fcnen wird ja immer Ideologie vorgeworfen. Sind Sie ideologisch unterwegs, oder pragmatisch?<\/b><\/p>\n<p>Ich lege Wert darauf, die unterschiedlichen Perspektiven im Blick zu behalten. Ich bin passionierter Rennradfahrer, ich fahre Auto, ich nutze die Bahn und liebe es, St\u00e4dte als Fu\u00dfg\u00e4nger zu erleben.<\/p>\n<p>Mobilit\u00e4t muss f\u00fcr alle gedacht sein und vom konkreten Bed\u00fcrfnis her. Da geht\u2019s nicht um Verdr\u00e4ngung und Entweder-oder. Und da sind viele Dinge mitzubeachten: Aufenthaltsqualit\u00e4t, Sicherheit zum Beispiel f\u00fcr Kinder, aber auch Luftqualit\u00e4t.<\/p>\n<p><b>Zum Schluss noch die Frage: Angenommen Sie w\u00fcrden Oberb\u00fcrgermeister, wie sieht Leipzig am Ende der ersten Amtszeit 2034, in Ihrer Vorstellung, aus?<\/b><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte, dass wir 2034 einen Wohnungsmarkt haben, der Menschen nicht verdr\u00e4ngt, sondern es allen erm\u00f6glicht, angstfrei hier zu leben und zu wohnen. Ich m\u00f6chte, dass wir wesentlich weiter sind, was die Klimawandelanpassung dieser Stadt anbelangt, also Durchgr\u00fcnung, Entsiegelung, Gew\u00e4sser beispielsweise.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte, dass wir bei der Rettung des Auwaldes ein richtiges St\u00fcck vorangekommen sind, weil der die nat\u00fcrliche Klimaanlage dieser Stadt ist. Ich m\u00f6chte in einer Stadt leben, in der man respektvoll miteinander umgeht, in der die verschiedenen Akteure und Gruppen an Entscheidungen beteiligt werden. Und in der engagierte Menschen Freir\u00e4ume f\u00fcrs Machen und Mitgestalten vorfinden.<\/p>\n<p>Ich kenne die schwierige Haushaltslage der Stadt. Bis 2034 wird es uns gelungen sein, auch dank Digitalisierung, mit weniger Ressourcen eine funktionsf\u00e4hige Verwaltung zu behalten, vielleicht sogar eine noch funktionsf\u00e4higere Verwaltung als heute zu haben. Und umgekehrt soll es den Menschen in der Verwaltung Spa\u00df machen, Dinge zu erm\u00f6glichen und zu bewegen. Auf gar keinen Fall d\u00fcrfen wir an der Zukunftsf\u00e4higkeit Leipzigs k\u00fcrzen.<\/p>\n<p><b>Herr G\u00fcnther, ich bedanke mich f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/b><\/p>\n<p>Wolfram G\u00fcnther ist der zehnte Kandidierende, es werden bestimmt noch mehr werden. Wir werden sp\u00e4ter, in der hei\u00dfen Phase des Wahlkampfes mit den Kandidierenden erneut sprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"This article is also available in English: Read this article in English. 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