{"id":1247764,"date":"2026-08-19T21:23:33","date_gmt":"2026-08-19T21:23:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1247764\/"},"modified":"2026-08-19T21:23:33","modified_gmt":"2026-08-19T21:23:33","slug":"die-ernte-wird-knapp-was-jetzt-auf-deutschlands-bauern-zukommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1247764\/","title":{"rendered":"Die Ernte wird knapp \u2013 was jetzt auf Deutschlands Bauern zukommt"},"content":{"rendered":"<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Trockenheit und Hitze setzen den deutschen Landwirten zu: Der Deutsche Bauernverband (DBV) erwartet 2026 bei mehreren Agrarprodukten eine unterdurchschnittliche Ernte. Besonders die Best\u00e4nde in S\u00fcd- und Westdeutschland litten unter den fehlenden Niederschl\u00e4gen. \u201eDer Standort hat in diesem Jahr \u00fcber den Ertrag entschieden wie selten zuvor\u201c, sagt DBV-Pr\u00e4sident Joachim Rukwied.<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Mit 41,9 Millionen Tonnen fiel die Getreideernte rund sieben Prozent kleiner aus als im Vorjahr. Der Hektarertrag \u00fcber alle Getreidearten ging sogar um neun Prozent zur\u00fcck. Beim Winterweizen, mit rund 2,9 Millionen Hektar die wichtigste Kultur, lagen die Ertr\u00e4ge ebenfalls sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau. Besonders stark betroffen war der Winterraps: Mit 3,3 Millionen Tonnen wurden 20 Prozent weniger geerntet als im Vorjahr. Neben den klimatischen Bedingungen setzte den Pflanzen auch ein hoher Sch\u00e4dlingsdruck zu, gegen den keine ausreichend wirksamen Mittel zur Verf\u00fcgung stehen. Schlechte Ernten sorgen au\u00dferdem f\u00fcr weniger Tierfutter und setzen damit weitere H\u00f6fe unter Druck.<\/p>\n<p>Staatshilfen l\u00f6sen strukturelle Probleme nicht<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">F\u00fcr die Betriebe, so der DBV, kommen damit mehrere Belastungen zusammen: Niedrige Ertr\u00e4ge und geringe Erzeugerpreise treffen auf hohe Kosten f\u00fcr Betriebsmittel wie Diesel oder D\u00fcngemittel. Rukwied warnt, dass den Betrieben die notwendige Liquidit\u00e4t fehle, um die n\u00e4chste Ernte zu finanzieren, und fordert daher sofortige Ma\u00dfnahmen von der Politik: Das D\u00fcngemittelhilfspaket soll auf 180 Millionen Euro aufgestockt, Direktzahlungen sollen zum gro\u00dfen Teil bereits im Oktober ausgezahlt werden.\u00a0<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Doch Agrarwissenschaftler widersprechen vehement. \u201eAngesichts der Wetterextreme, die k\u00fcnftig noch st\u00e4rker auf uns zukommen werden, k\u00f6nnen wir uns nicht so aufstellen, dass jede Ernteeinbu\u00dfe staatlich kompensiert wird. Das wird nicht funktionieren\u201c, sagt Martin Qaim, Agrarwissenschaftler und Professor f\u00fcr Agrar\u00f6konomie an der Universit\u00e4t Bonn. Kurzfristige Finanzhilfen k\u00f6nnten die Folgen einzelner Extremjahre zwar abfedern \u2013 die grundlegenden Probleme, die mit dem Klimawandel kommen, l\u00f6sen sie jedoch nicht.\u00a0<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">\u201eEin Tropfen auf den hei\u00dfen Stein\u201c seien solche Hilfen, sagt auch Alfons Balmann, Agrar\u00f6konom und Direktor des Leibniz-Instituts f\u00fcr Agrarentwicklung in Transformations\u00f6konomien (IAMO). Denn eine besonders gro\u00dfe Rolle spiele die Unberechenbarkeit zuk\u00fcnftiger Ereignisse, die f\u00fcr erhebliche Unsicherheiten f\u00fcr Betriebe sorge. Auch der finanzielle Spielraum des Bundeslandwirtschaftsministers Alois Rainer (CSU) sei begrenzt \u2013 unter anderem, weil der Agrardiesel weiter subventioniert werde.<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Statt auf staatliche Unterst\u00fctzung zu setzen, m\u00fcsse die Landwirtschaft deshalb st\u00e4rker ihre eigenen Risiken ber\u00fccksichtigen, sagt Balmann. \u201eLetztlich muss die Landwirtschaft selbst darauf achten, wie sie sich positioniert und ihre Risiken managt.\u201c Ackerbaubetriebe etwa, die h\u00e4ufig auf Pachtfl\u00e4chen wirtschaften, sollten bei ihren Pachtgeboten vorsichtiger kalkulieren.<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Doch wie muss sich die Landwirtschaft auf den Feldern ver\u00e4ndern, um f\u00fcr eine Zukunft mit zunehmenden Wetterextremen gewappnet zu sein?<\/p>\n<p>Mehr Vielfalt auf den \u00c4ckern<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Ein Schl\u00fcssel sei dabei mehr Vielfalt auf den Feldern. Neben klassischen Kulturen wie Weizen, Gerste, Mais und Raps sollten verst\u00e4rkt auch bislang weniger verbreitete Pflanzen angebaut werden, die mit den ver\u00e4nderten klimatischen Bedingungen besser zurechtkommen. Linsen und Kichererbsen etwa vertragen Trockenheit besser, ben\u00f6tigen weniger D\u00fcngemittel und liefern zugleich mehr pflanzliches Eiwei\u00df. Qaim: \u201eMit Blick auf die Nachhaltigkeit sollte der Weg dorthin f\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Doch nicht nur die Auswahl der Kulturen kann die Landwirtschaft widerstandsf\u00e4higer machen. Auch neue Technologien k\u00f6nnten helfen. Bei der genomischen Z\u00fcchtung l\u00e4sst sich das Erbgut von Pflanzen gezielt ver\u00e4ndern, um sie etwa robuster gegen Trockenheit zu machen oder die Entwicklung neuer Sorten zu beschleunigen.<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">In der EU gelten daf\u00fcr bislang strenge Gentechnik-Regeln. Im Juni dieses Jahres einigten sich die Mitgliedstaaten jedoch auf eine neue Verordnung, die Qaim aus wissenschaftlicher Sicht f\u00fcr l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig h\u00e4lt: Genomisch gez\u00fcchtete Pflanzen mit nur kleinen Ver\u00e4nderungen im Erbgut sollen k\u00fcnftig weitgehend wie konventionell gez\u00fcchtete Pflanzen behandelt werden. Qaim: \u201eSo k\u00f6nnen lange Zulassungsprozesse vermieden werden.\u201c\u00a0<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Bis die neuen Regeln in nationales Recht umgewandelt werden, d\u00fcrfte es noch ein bis zwei Jahre dauern. Danach k\u00f6nnten genomische Z\u00fcchtungsmethoden in den n\u00e4chsten Jahren st\u00e4rker zur Anwendung kommen. Allerdings kann auch die Entwicklung neuer Sorten mit diesen Technologien Jahre dauern, wie Balmann hervorhebt.<\/p>\n<blockquote class=\"ParagraphQuote_quote__rVzYl Tokens_quote__XJy_x\">\n<p>\u201eSelbst die leistungsf\u00e4higste Sorte bringt keinen Ertrag, wenn im Boden kein Wasser mehr verf\u00fcgbar ist.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Lorenz Kottmann vom Institut f\u00fcr Pflanzenbau und Bodenkunde am Julius K\u00fchn-Institut<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Neue Methoden der Pflanzenz\u00fcchtung sind deshalb ohnehin nur ein Baustein der Klimaanpassung. Die Grundlage sei ein humusreicher, gut strukturierter Boden, der Wasser m\u00f6glichst lange speichern kann, betont Lorenz Kottmann vom Institut f\u00fcr Pflanzenbau und Bodenkunde am Julius K\u00fchn-Institut. \u201eSelbst die leistungsf\u00e4higste Sorte bringt keinen Ertrag, wenn im Boden kein Wasser mehr verf\u00fcgbar ist oder der Boden durch Erosion oder Verdichtung gesch\u00e4digt ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Erst im Zusammenspiel mit einem angepassten Anbausystem und gutem Bodenmanagement k\u00f6nne die Wahl der richtigen Sorte ihre Wirkung entfalten. Hinzu kommt: Trockenheits- und Hitzetoleranz sind komplexe, von vielen Genen gesteuerte Eigenschaften. Einzelne genetische Ver\u00e4nderungen leisten daher meist nur einen kleinen Beitrag. Umso wichtiger bleibe die Kombination mit der klassischen Z\u00fcchtung, so Kottmann.<\/p>\n<p>Internationaler Handel bleibt wichtig<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Zu einem resilienten System geh\u00f6rt nach Qaim allerdings nicht nur, die heimische Landwirtschaft nachhaltiger aufzustellen. Auch die Einbindung in den internationalen Handel bleibe wichtig. Gerade angesichts geopolitischer Konflikte werde immer wieder \u00fcber mehr Unabh\u00e4ngigkeit vom Weltmarkt und einen st\u00e4rkeren nationalen Anbau diskutiert. Qaim sieht darin jedoch eine Gefahr: Eine st\u00e4rkere Abh\u00e4ngigkeit von der heimischen Ernte k\u00f6nnte die Folgen von D\u00fcrre und anderen Wetterextremen sogar versch\u00e4rfen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Die erwartete schwache Erntebilanz bewertet der Agrarwissenschaftler auch deshalb nicht als besorgniserregend, da uns noch andere M\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung stehen. \u201eDie durchschnittlich zehn Prozent geringere Ernte kann man durch etwas mehr Importe, eine Verschiebung zwischen Futtermitteln und Brotgetreide sowie durch eine geringere Nutzung f\u00fcr Biotreibstoffe durchaus ausgleichen\u201c sagt Qaim.<\/p>\n<p>Preise werden nicht sofort explodieren<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Doch was kommt auf die Konsumentinnen und Konsumenten im Supermarkt zu? Auch in anderen Regionen der Welt, beispielsweise in Nordamerika, sei die Ernte niedriger ausgefallen. Mit sprunghaft ansteigenden Lebensmittelpreisen rechne Quaim trotzdem nicht, auch wenn die Preise f\u00fcr Getreide beispielsweise steigen k\u00f6nnten. Das Brot werde dadurch jedoch nicht viel teurer, zu gering sei der Getreideanteil am Brotpreis.\u00a0<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Dennoch, langfristig k\u00f6nnte der Klimawandel die Preise im Supermarkt steigen lassen. Das Potsdam Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung rechnet zum Beispiel damit, dass der\u00a0Klimawandel dazu f\u00fchren k\u00f6nnte, dass Lebensmittelpreise bis 2035 jedes Jahr um 3,2 Prozentpunkte steigen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"ParagraphText_copy__RDxsO SplitTextParagraph_bodyText__MTZ77\">Der Klimawandel und seine Herausforderungen sind l\u00e4ngst da. Jetzt braucht es Bereitschaft zur Ver\u00e4nderung.<\/p>\n<p><a class=\"Article_homeBtn__kEoMA Button_secondary__PNkAv Button_base__GoPte Tokens_buttonLabel__UEWx8\" href=\"https:\/\/www.focusplus.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zur Startseite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Trockenheit und Hitze setzen den deutschen Landwirten zu: Der Deutsche Bauernverband (DBV) erwartet 2026 bei mehreren Agrarprodukten eine&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1247765,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12,591],"class_list":["post-1247764","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-eu","tag-europa","tag-europaeische-union","tag-europe","tag-european-union","tag-headlines","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen","tag-wissen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117124281324228225","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1247764","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1247764"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1247764\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1247765"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1247764"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1247764"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1247764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}