{"id":1248816,"date":"2026-08-20T09:31:15","date_gmt":"2026-08-20T09:31:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1248816\/"},"modified":"2026-08-20T09:31:15","modified_gmt":"2026-08-20T09:31:15","slug":"orgelkonzert-in-der-neanderkirche-mit-ute-gremmel-geuchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1248816\/","title":{"rendered":"Orgelkonzert in der Neanderkirche mit Ute Gremmel-Geuchen"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es muss sich anf\u00fchlen wie Nachhausekommen: Ute Gremmel-Geuchen, heute Titularorganistin an der 1752 erbauten Orgel der Paterskirche in Kempen, war in ihrer Jugend einst Sch\u00fclerin von Oskar Gottlieb Blarr, der sagenhafte 38 Jahre Kantor und Organist an der Neanderkirche war. Nun sitzt die international konzertierende Solistin also wieder auf der Bank jener Orgel, die sie gut kennen muss, und ihr alter Lehrer und geistiger Urheber der \u201eSommerlichen Orgelkonzerte\u201c ist auch gekommen. Da liegt es nahe, \u00fcber die Zeit nachzudenken, und wie sie vergeht, wie Dinge vergessen werden und wie sie wieder ins Bewusstsein finden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gremmel-Geuchen beginnt mit Bach. Was sonst, wenn es gilt, die Zeit erst einmal anzuhalten? Pr\u00e4ludium und Fuge a-Moll BWV 543 entstanden in Bachs fr\u00fcher Weimarer Zeit, aber er ist hier schon ganz bei sich. Gremmel-Geuchen formuliert ganz frei, spielt auffallend gestisch und rhetorisch zugespitzt und registriert kontrastreich.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es folgt die erste der beiden Bachschen Ciaconen, die erst im vergangenen Jahr wiederentdeckt und ihm zugeschrieben worden sind. Und damit ist der ein zweiter Bezug zu Gremmel-Geuchens Studiengeschichte f\u00e4llig, denn es war ihr Amsterdamer Cembalo-Lehrer Ton Koopman, der im November 2025 in der Leipziger Thomaskirche die beiden Ciaconen erstmals der staunenden \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentierte. Aber wie anders klingt dieser sehr fr\u00fche Bach nun an der Rieger-Orgel der Neanderkirche. W\u00e4hrend Koopman in Leipzig den reifen Bach quasi mitdachte, spielt Gremmel-Geuchen die beiden Werke ganz bescheiden, schlicht, fast holzschnittartig, und l\u00e4sst das Instrument gelegentlich schnarren wie eine spanische Renaissance-Orgel.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dann kommen neue T\u00f6ne: Norbert Laufers \u201eTempus fugit\u201c-Suite besteht aus acht S\u00e4tzen, von denen drei mit \u201eMaestoso\u201c \u00fcbertitelt sind, einander in ihrer Struktur gleichen und das Werk ordnen. Sie beginnen jeweils mit wuchtigen Tutti, die von rezitativisch klingenden Passagen gefolgt werden, die wie frei improvisiert klingen und manchmal einstimmig vor sich hin sinnieren. Gremmel-Geuchen nutzt hier auch vibrato-satte Register. Im f\u00fcnften Satz \u201eComodo, ma poco giocoso\u201c glaubt man freche Vogelstimmen zu h\u00f6ren, im letzten \u201eMaestoso\u201c beenden insistierend geballte Kl\u00e4nge die farbenreiche, konzise Suite.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nach der zweiten Bach-Ciacona kehrt Gremmel-Geuchen mit einem St\u00fcck aus \u201eTrois Chorals pour Grand Orgue\u201c von C\u00e9sar Franck schlie\u00dflich zur\u00fcck zur Tonart a-Moll von Bachs Pr\u00e4ludium und Fuge vom Beginn. Mit str\u00f6mendem Atem \u00f6ffnet die Organistin das majest\u00e4tische Tor zur gro\u00dfen franz\u00f6sischen Orgel-Symphonik, die Rieger-Orgel rauscht und bringt den barocken Kirchenraum an seine Grenzen. Aber die Musikerin bleibt immer klar und durchh\u00f6rbar, m\u00fchelos ist das Wandern der Themen durch die Lagen zu verfolgen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Riesenapplaus in der gut gef\u00fcllten Neanderkirche, den Gremmel-Geuchen mit einem lustigen Rausschmei\u00dfer-Potpourri erdet, in dem sich Bachs Drittes Brandenburgisches, Vivaldis \u201eVier Jahreszeiten\u201c und Widors Orgel-Toccata gegenseitig ins Wort fallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es muss sich anf\u00fchlen wie Nachhausekommen: Ute Gremmel-Geuchen, heute Titularorganistin an der 1752 erbauten Orgel der Paterskirche in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1248817,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1831],"tags":[3364,29,3405,30,1310,22267,1209],"class_list":["post-1248816","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-duesseldorf","tag-de","tag-deutschland","tag-duesseldorf","tag-germany","tag-konzert","tag-neanderkirche","tag-nordrhein-westfalen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117127144355815247","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1248816","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1248816"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1248816\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1248817"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1248816"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1248816"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1248816"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}