{"id":1248978,"date":"2026-08-20T11:32:16","date_gmt":"2026-08-20T11:32:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1248978\/"},"modified":"2026-08-20T11:32:16","modified_gmt":"2026-08-20T11:32:16","slug":"muenchen-anschlag-auf-juedisches-heim-antisemit-mit-hitler-tick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1248978\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchen | Anschlag auf j\u00fcdisches Heim \u2013 \u00abAntisemit mit Hitler-Tick\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen (dpa) &#8211; Sie hatten das Grauen des Holocaust \u00fcberlebt \u2013 und fanden sich 25 Jahre nach ihrer Rettung in einem Flammeninferno wieder. Sieben Menschen starben am 13. Februar 1970 bei einem Brandanschlag auf ein j\u00fcdisches Altenheim in M\u00fcnchen. Mehr als 56 Jahre sp\u00e4ter nennt die Generalstaatsanwaltschaft M\u00fcnchen nun einen Tatverd\u00e4chtigen: einen als rechtsextrem und antisemitisch bekannten Deutschen, der 2020 starb.<\/p>\n<p>Einer der \u00abschwersten Anschl\u00e4ge gegen j\u00fcdisches Leben\u00bb<\/p>\n<p>\u00abWir sprechen hier von einem der schwersten Anschl\u00e4ge gegen j\u00fcdisches Leben seit dem Zweiten Weltkrieg\u00bb, sagt Oberstaatsanwalt Andreas Franck, Antisemitismusbeauftragter der bayerischen Justiz. Der Fall sei eine \u00abWunde in der j\u00fcdischen Seele\u00bb gewesen, aber auch in der deutschen. Das nun vorgelegte Ergebnis leiste hoffentlich einen Beitrag zu einem Rechtsfrieden, auch wenn f\u00fcr den verstorbenen Verd\u00e4chtigen die Unschuldsvermutung gilt. Anhaltspunkte f\u00fcr weitere Tatbeteiligte wurden nicht gefunden.<\/p>\n<p>\u00abHilfe, wir werden verbrannt\u00bb<\/p>\n<p>Der damalige Tatzeitpunkt: zwischen 20.40 Uhr und 20.55 Uhr. Den Ermittlungen zufolge hatte der Tatverd\u00e4chtige in dem Geb\u00e4ude der Israelitischen Kultusgemeinde ein Benzingemisch versch\u00fcttet und angez\u00fcndet \u2013 an mehreren Stellen im h\u00f6lzernen Treppenhaus. Der einzige Zugang zu den Wohnr\u00e4umen \u00fcber vier Stockwerke wirkte dabei wie ein Kamin. In k\u00fcrzester Zeit loderten den Ermittlern zufolge die Flammen bis hoch zum Dachgeschoss, dazu kam viel Rauch.<\/p>\n<p>Die von dem Kabarettisten Christian Springer 2020 gegr\u00fcndete Initiative Schulterschluss gibt auf ihrer Internetseite Einblicke in die entsetzlichen Momente. \u00abHilfe, wir werden verbrannt\u00bb, so einer der vielen dort dokumentierten verzweifelten Hilferufe.<\/p>\n<p>Viele Menschen konnten gerettet werden, etwa weil sie aufs Dach fl\u00fcchteten oder von der Feuerwehr \u00fcber Drehleitern befreit wurden. F\u00fcnf M\u00e4nner und zwei Frauen zwischen 59 und 71 Jahren starben: Max Blum sprang aus dem Fenster in den Tod. Leopold Gimpel lag tot auf den Toiletten im Gang. Georg Pfau, Rosa Drucker David Jakubowicz und Regina Becher starben im Treppenhaus auf der Flucht. Der schwerh\u00f6rige Siegfried Offenbacher bemerkte das Feuer zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>\u00abAntisemit mit &#8222;Hitler-Tick&#8220;\u00bb<\/p>\n<p>Was wei\u00df man \u00fcber den Mann, der daf\u00fcr verantwortlich sein soll? Die Generalstaatsanwaltschaft w\u00e4lzte Akten fr\u00fcherer Ermittlungen und verh\u00f6rte Menschen aus dem Umfeld des damals 25-j\u00e4hrigen. \u00abZeugen beschrieben ihn als Antisemiten mit einem &#8222;Hitler-Tick&#8220;\u00bb, so die Beh\u00f6rde.<\/p>\n<p>Als Jugendlicher habe er Reden von Adolf Hitler auf Schallplatte geh\u00f6rt. Im sogenannten F\u00fchrersperrgebiet am Obersalzberg habe er Schie\u00dfen ge\u00fcbt. Er hantierte demnach auch gern mit explosiven Stoffen. F\u00fcr die Zerst\u00f6rung zweier Telefonzellen in den 1960er Jahren sei er zu einer Jugendstrafe verurteilt worden.<\/p>\n<p>Mit Dolch der Hitlerjugend<\/p>\n<p>\u00abDer Verd\u00e4chtige ist schon in fr\u00fchester Kindheit mit nationalsozialistischem Gedankengut in Kontakt gekommen\u00bb, erl\u00e4utert Franck. Dazu habe vor allem sein Onkel beigetragen, der sich vorwiegend um ihn gek\u00fcmmert habe und der im Nationalsozialismus Mitglied der \u00abLeibstandarte SS Adolf Hitler\u00bb war.<\/p>\n<p>Zum 12. Geburtstag bekam er laut Generalstaatsanwaltschaft eine Pistole und einen Dolch der Hitlerjugend. Den soll er bei einer Auseinandersetzung auf dem Gel\u00e4nde eines Internats gez\u00fcckt haben, wie eine Lehrkraft berichtete. Sie beschrieb den ehemaligen Sch\u00fcler als k\u00fchl berechnend und geltungss\u00fcchtig. Mitsch\u00fcler erinnerten sich demnach an die Feindschaft, die er gegen\u00fcber Juden empfand, das sei pr\u00e4gend gewesen.<\/p>\n<p>Neue Zeugin brachte Ermittlungen wieder ins Rollen<\/p>\n<p>Doch wie wurde der Tatverd\u00e4chtige auf das Altenheim aufmerksam? Er sei oft bei einem Freund in der Reichenbachstra\u00dfe gewesen, sagte Franck. Am Tatabend soll er daran vorbeigegangen sein. Franck zitiert sinngem\u00e4\u00df die Worte, die er gesprochen haben soll: \u00abDie Juden haben alles, wir haben nichts, ich z\u00fcnde sie jetzt an\u00bb. Eine Viertelstunde sp\u00e4ter habe das Haus in Flammen gestanden.<\/p>\n<p>Die Informationen stammen von der Zeugin, die die Ermittlungen wieder ins Rollen brachte. Ein naher Verwandter hatte ihr davon erz\u00e4hlt. Dieser habe mit dem Tatverd\u00e4chtigen in engem und vertrautem Kontakt gestanden. Nach dem Tod ihres Angeh\u00f6rigen meldete sich die Frau Anfang 2025 bei der Initiative Schulterschluss, die die Generalstaatsanwaltschaft in M\u00fcnchen einschaltete.<\/p>\n<p>Ermittelt wurde gegen Unbekannt, um nach m\u00f6glichen weiteren Beteiligten zu suchen. Hinweise darauf fand die Beh\u00f6rde nicht, deshalb endete das Verfahren mit der Einstellung. \u00abDer Mann ist tot und von daher wird es auch keine Gerichtsverhandlung geben und damit auch kein rechtskr\u00e4ftiges Urteil\u00bb, erkl\u00e4rte Franck. Dennoch sei hier \u00abein wirklich belastbares und auch deutliches Ermittlungsergebnis rausgekommen\u00bb.<\/p>\n<p>Akten nicht \u00abauf Nimmerwiedersehen\u00bb einsperren<\/p>\n<p>Christian Springer von der Initiative Schulterschluss spricht von einer Sensation, dass die Ermittlungen wieder aufgerollt wurden. Doch f\u00fcr ihn ist das erst der Beginn. \u00abDer tote T\u00e4ter war mit Sicherheit kein Einzelt\u00e4ter. Das hei\u00dft: Da gibt`s noch welche, die was wissen\u00bb, sagte der Kabarettist der dpa.<\/p>\n<p>Zudem sei vieles noch nicht gekl\u00e4rt. \u00abWer in das Jahr 1970 blickt, wei\u00df, dass der Judenhass viele geeint hat: Rechte, Linke, pal\u00e4stinensische Terroristen. Ich kann mir auch eine &#8222;gemischte&#8220; T\u00e4tergruppe sehr gut vorstellen.\u00bb Seine Bitte: \u00abMitwisser, Zeugen, meldet Euch!\u00bb<\/p>\n<p>In der Tat waren die Verdachtsmomente im Laufe der Jahrzehnte vielf\u00e4ltig. Immer wieder wurde ermittelt, auch von der Bundesanwaltschaft, die das Verfahren gegen eine linksextremistische Gruppierung aber 2017 einstellte.\u00a0<\/p>\n<p>Oberstaatsanwalt Franck jedenfalls schlie\u00dft weitere Ermittlungen nicht aus, sollten neue Hinweise auftauchen. \u00abDie Akten werden jetzt nicht auf Nimmerwiedersehen weggesperrt.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00fcnchen (dpa) &#8211; Sie hatten das Grauen des Holocaust \u00fcberlebt \u2013 und fanden sich 25 Jahre nach ihrer&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1248979,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1827],"tags":[772,29,1549,987,30,1584,1268,2544],"class_list":["post-1248978","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-muenchen","tag-bayern","tag-deutschland","tag-extremismus","tag-feuer","tag-germany","tag-kriminalitaet","tag-muenchen","tag-terrorismus"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117127619973700309","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1248978","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1248978"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1248978\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1248979"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1248978"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1248978"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1248978"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}