{"id":1248991,"date":"2026-08-20T11:39:16","date_gmt":"2026-08-20T11:39:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1248991\/"},"modified":"2026-08-20T11:39:16","modified_gmt":"2026-08-20T11:39:16","slug":"berlin-warum-berlins-justizsenatorin-ihre-doktorarbeit-pruefen-laesst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1248991\/","title":{"rendered":"Berlin | Warum Berlins Justizsenatorin ihre Doktorarbeit pr\u00fcfen l\u00e4sst"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Nach Plagiatsvorw\u00fcrfen l\u00e4sst Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) ihre Doktorarbeit untersuchen. Der Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung ist durchaus heikel, denn am 20. September ist in Berlin die Abgeordnetenhauswahl. Badenberg tritt als Spitzenkandidatin auf der Bezirksliste in Charlottenburg-Wilmersdorf an.<\/p>\n<p>Was soll die Universit\u00e4t K\u00f6ln pr\u00fcfen?<\/p>\n<p>Mehr als 80 Plagiate hat der \u00f6sterreichische Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber nach eigenen Angaben in Badenbergs Doktorarbeit an der rechtswissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t K\u00f6ln gefunden und ein Gutachten dazu ver\u00f6ffentlicht. Konkret spricht Weber von \u00ab83 Plagiatsfragmenten\u00bb, die schwerwiegend seien. Darunter sind einzelne S\u00e4tze und ganze Abs\u00e4tze, die abgeschrieben worden sein sollen. Auch die Danksagung zu Beginn der Arbeit r\u00fcgt er.<\/p>\n<p>Was sagt Badenberg zu den Vorw\u00fcrfen?<\/p>\n<p>Inhaltlich hat Badenberg zu den Vorw\u00fcrfen bislang nicht Stellung genommen. Sie teilte jedoch mit: \u00abDie Dissertation wurde nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt.\u00bb Sie habe die Hochschule kontaktiert, an der sie promovierte. \u00abIch habe die Universit\u00e4t zu K\u00f6ln gebeten, meine Dissertation unabh\u00e4ngig und umfassend zu pr\u00fcfen. Die wissenschaftliche Bewertung einzelner Fundstellen ist Gegenstand dieses Verfahrens.\u00bb<\/p>\n<p>Wie kam Weber dazu, sich Badenbergs Arbeit anzusehen?<\/p>\n<p>Dazu macht er keine Angaben. \u00abIch bin als Berufsdetektiv der \u00f6sterreichischen Gewerbeordnung unterworfen und diese verpflichtet mich zur Verschwiegenheit bez\u00fcglich eines etwaigen Auftraggebers\u00bb, antwortete er der Deutschen Presse-Agentur auf Nachfrage. Der als \u00abPlagiatsj\u00e4ger\u00bb bekannte Weber erhebt immer wieder Plagiatsvorw\u00fcrfe und l\u00e4sst sich f\u00fcr solche Untersuchungen auch beauftragen.\u00a0<\/p>\n<p>Mitte Mai etwa legte Bj\u00f6rn H\u00f6ckes AfD-Fraktion in Th\u00fcringen ein von ihr bezahltes Gutachten von Weber vor. Es sollte weitere Plagiatsstellen in der Doktorarbeit von CDU-Ministerpr\u00e4sident Mario Voigt belegen. Die Technische Universit\u00e4t Chemnitz hatte Voigt im Januar den Doktortitel entzogen.<\/p>\n<p>Welche F\u00e4lle hat Weber noch untersucht?<\/p>\n<p>Weber hat nach eigenen Angaben seit 2007 \u00abhunderte Sprachwerke auf Plagiat \u00fcberpr\u00fcft\u00bb &#8211; Doktorarbeiten, aber auch Buchmanuskripte, publizierte B\u00fccher sowie Gerichtsgutachten und Patentantr\u00e4ge. Auf seiner Website f\u00fchrt der Privatdozent an der Universit\u00e4t Wien 16 F\u00e4lle auf, in denen akademische Grade nach Plagiatsgutachten seines Teams rechtskr\u00e4ftig aberkannt worden seien.<\/p>\n<p>Zu den Prominenten, die nach seinen Recherchen in wissenschaftlichen Arbeiten oder B\u00fcchern unsauber gearbeitet haben sollen, geh\u00f6ren neben Voigt unter anderen die fr\u00fcheren Gr\u00fcnen-Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck, die CDU-Politiker Armin Laschet und Norbert Lammert sowie die Verfassungsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf. Gerichtsfest bewiesen wurden diese Vorw\u00fcrfe nicht. Baerbock r\u00e4umte 2021 Fehler in den Quellenangaben ihres Buches ein, es wurde nicht neu aufgelegt. Die Juristin Brosius-Gersdorf zog am Ende ihre Kandidatur als Verfassungsrichterin zur\u00fcck, sie beklagte eine aus ihrer Sicht insgesamt unsachliche und diffamierende Kampagne gegen sich.\u00a0<\/p>\n<p>Wie geht es jetzt weiter?<\/p>\n<p>Berlins Justizsenatorin Badenberg hat nach eigenen Angaben die Universit\u00e4t K\u00f6ln mit der \u00dcberpr\u00fcfung beauftragt. Wie genau diese Pr\u00fcfung abl\u00e4uft und wie lange sie dauern k\u00f6nnte, ist noch nicht bekannt.<\/p>\n<p>Welche Karriere hat Badenberg bisher hingelegt?<\/p>\n<p>Badenberg ist seit 2023 Senatorin f\u00fcr Justiz und Verbraucherschutz in Berlin. Damals war sie noch parteilos, gut ein Jahr sp\u00e4ter trat sie in die CDU ein. Die 51-J\u00e4hrige ist seit Februar auch Mitglied im CDU-Bundesvorstand. Geboren im Iran, ging sie ab 1987 in Deutschland zur Schule, studierte Jura und promovierte. Ab 2006 arbeitete sie im Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz und baute unter anderem die Cyberabwehr auf.<\/p>\n<p>Beim Verfassungsschutz leitete sie den Bereich Rechtsextremismus und Terrorabwehr und k\u00fcmmerte sich auch um die Beobachtung der AfD als rechtsextremistischer Verdachtsfall. Im Jahr 2022 wurde sie Vizepr\u00e4sidentin der Beh\u00f6rde &#8211; als erste Frau auf diesem Posten.<\/p>\n<p>Was hei\u00dft der Fall f\u00fcr die CDU kurz vor der Abgeordnetenhauswahl?<\/p>\n<p>Das wird sich zeigen. Die Vorw\u00fcrfe werden einen Monat vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September publik. Dabei tritt Badenberg auf Platz eins der CDU-Bezirksliste in Charlottenburg-Wilmersdorf an. In Berlin regiert derzeit die CDU mit der SPD. Berlins Regierender B\u00fcrgermeister Kai Wegner (CDU) wird aber nach der Aff\u00e4re um sein Krisenmanagement w\u00e4hrend des gro\u00dfen Stromausfalls im Januar nicht mehr antreten.<\/p>\n<p>Badenberg wurde zwischenzeitlich als m\u00f6gliche Nachfolgerin gehandelt, dann aber wurde Finanzsenator Stefan Evers der neue Spitzenkandidat der CDU. Er lobte nun Badenbergs Arbeit als Senatorin: \u00abWer sie kennt, wei\u00df, mit welcher Integrit\u00e4t, Ernsthaftigkeit und Professionalit\u00e4t sie ihr Amt aus\u00fcbt. Angesichts der erhobenen Vorw\u00fcrfe, \u00fcber deren Ursprung und Motivation ich nicht spekulieren m\u00f6chte, hat sie proaktiv die Universit\u00e4t K\u00f6ln um eine \u00dcberpr\u00fcfung der Doktorarbeit gebeten. Dieses Vorgehen unterst\u00fctze ich ausdr\u00fccklich.\u00bb<\/p>\n<p>Welche anderen Plagiatsf\u00e4lle spielten zuletzt in Berlin eine Rolle?<\/p>\n<p>Zuletzt waren Plagiatsvorw\u00fcrfe unter anderem gegen die fr\u00fchere Berliner Umwelt- und Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) erhoben worden. Im Jahr 2024 entzog ihr die Universit\u00e4t Rostock ihren Doktortitel wegen Fehlern in ihrer Dissertation. Sie trat zur\u00fcck, \u00abum Schaden vom Berliner Senat abzuwenden\u00bb. Schreiner selbst betonte: \u00abIch habe an keiner Stelle meiner Dissertationsarbeit vors\u00e4tzlich get\u00e4uscht oder betrogen.\u00bb<\/p>\n<p>Bundesweit bekannt ist auch der Fall der heutigen Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Im Jahr 2021 hatte ihr die Freie Universit\u00e4t Berlin den Doktortitel aberkannt &#8211; wegen T\u00e4uschung bei der \u00dcbernahme fremder Inhalte. Von ihrem Amt der Bundesfamilienministerin trat Giffey damals zur\u00fcck, wurde aber sp\u00e4ter Berlins Regierende B\u00fcrgermeisterin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Nach Plagiatsvorw\u00fcrfen l\u00e4sst Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) ihre Doktorarbeit untersuchen. 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