{"id":1250502,"date":"2026-08-21T04:02:14","date_gmt":"2026-08-21T04:02:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1250502\/"},"modified":"2026-08-21T04:02:14","modified_gmt":"2026-08-21T04:02:14","slug":"mainz-koeln-minenfeld-berufswahl-wie-eltern-unterstuetzen-ohne-zu-nerven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1250502\/","title":{"rendered":"Mainz\/K\u00f6ln | Minenfeld Berufswahl: Wie Eltern unterst\u00fctzen ohne zu nerven"},"content":{"rendered":"<p>Mainz\/K\u00f6ln (dpa\/tmn) &#8211; Das Schulpraktikum steht kurz bevor, doch der Nachwuchs hat noch keinen Platz. Oder: Der Abschluss ist geschafft, aber keine Ausbildung in Sicht. Jetzt werden viele Eltern nerv\u00f6s. Sollte man sich einmischen oder lieber zur\u00fcckhalten? Und wie k\u00f6nnen Eltern ihre Kinder bei der Berufsfindung sinnvoll unterst\u00fctzen?\u00a0<\/p>\n<p>Daliah Karp, Berufsberaterin bei der Agentur f\u00fcr Arbeit K\u00f6ln, und Marion Schwarz aus dem Bundesverband f\u00fcr Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (bkj), erkl\u00e4ren, wie Eltern sich in dieser Phase verhalten sollten.<\/p>\n<p>Die Rolle der Eltern<\/p>\n<p>Vorbilder, Motivatoren, Nervens\u00e4gen &#8211; je nach Situation k\u00f6nnen Eltern sehr unterschiedliche Rollen haben. In Bezug auf die Berufsorientierung ihrer Kinder sollten Eltern vor allem Begleiter sein, findet Marion Schwarz. \u00abEs geht darum, f\u00fcr die Kinder da zu sein, das Gespr\u00e4ch anzubieten. Gut ist es, auch mal praktische Vorschl\u00e4ge zu machen, aber nicht zu dirigieren\u00bb, sagt sie.\u00a0<\/p>\n<p>Je nachdem, wie gut sich das Kind bereits in der Welt der Berufe orientiert habe und wie es um seinen Entwicklungsstand und die pers\u00f6nlichen Interessen stehe, gebe es nicht nur den einen Weg, wie Eltern handeln sollten. \u00abDas muss man ausloten. Schwierig wird es, wenn Eltern den Jugendlichen mit ihrem eigenen Lebensweg kommen. Das k\u00f6nnen Jugendliche oft schwer annehmen\u00bb, so Schwarz.<\/p>\n<p>Erste Schritte in Sachen Berufsfindung<\/p>\n<p>Um \u00fcber die Zukunftsplanung in ein erstes Gespr\u00e4ch zu kommen, bieten sich oft Berufsorientierungsangebote der Schulen wie Potenzialanalysen oder Schulpraktika an, sagt Daliah Karp. \u00abEs ist ein guter Einstieg, um locker \u00fcber das Thema zu sprechen und ein erstes Gef\u00fchl zu entwickeln, wie das eigene Kind tickt\u00bb, so Karp.\u00a0<\/p>\n<p>Wichtig sei, die Kinder merken zu lassen, dass man sich f\u00fcr ihre \u00dcberlegungen interessiert. Dabei ist jedoch Feingef\u00fchl gefragt. Nachfragen wie \u00abSag mal, was du werden willst\u00bb h\u00e4lt Marion Schwarz f\u00fcr unpassend. \u00abMan sollte nicht mit der T\u00fcr ins Haus fallen oder den Jugendlichen vermitteln, sie br\u00e4uchten schon einen definitiven Plan, was sie ihr ganzes Leben lang machen wollen. Das \u00fcberfordert viele Jugendliche\u00bb, sagt die Psychotherapeutin.<\/p>\n<p>Wie stark sich Eltern einmischen sollten<\/p>\n<p>Stattdessen gilt es, gemeinsam mit dem Nachwuchs Ideen zu schmieden und Informationen zu sammeln. Zum Beispiel \u00fcber passende Praktikumspl\u00e4tze. Die seien im Hinblick auf die Berufsfindung \u00abimmens wichtig\u00bb, sagt Daliah Karp. Deshalb sollte man beim Praktikum auch nicht den Weg des geringsten Widerstandes gehen und das Kind in der eigenen Firma, bei Verwandten oder beim Regalr\u00e4umen im Supermarkt unterbringen.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abEs ist wichtig, dass Eltern ihren Kindern vermitteln, dass man Praktika durchaus f\u00fcr sich nutzen kann. Viele Eltern nehmen ihren Kindern alles ab und entscheiden \u00fcber ihren Kopf hinweg. Andere interessiert es gar nicht\u00bb, so Karp. Der goldene Mittelweg sei das Ziel.<\/p>\n<p>Aufmerksam und kommunikativ bleiben, Hilfe anbieten, das gemeinsame Gespr\u00e4ch suchen &#8211; das hilft auch bei der Wahl des passenden Bildungswegs nach der 10. Klasse. Verfolgen Eltern die Wahl der weiterf\u00fchrenden Schule und des fachlichen Schwerpunkts nicht mit, kann es fatal sein, sagt Karp. \u00abMan sollte nicht w\u00e4hlen, was der beste Freund w\u00e4hlt, sondern gezielt nach den eigenen Interessen schauen\u00bb, so die Expertin.<\/p>\n<p>Was Eltern nicht tun sollten<\/p>\n<p>Ebenso schwierig kann es werden, wenn Eltern ihre Kinder mit zu vielen Informationen versorgen. \u00abDann ruhen sich Jugendliche irgendwann darauf aus\u00bb, sagt Karp. \u00abDenn die Kinder sollen lernen, wie sie sich selbst informieren, um eine gute Entscheidung f\u00fcr sich zu treffen und daf\u00fcr auch Angebote wie die Berufsberatung an ihrer Schule nutzen.\u00bb Auch sollten Eltern ihre eigene Erwartungshaltung hinterfragen und nicht auf einen bestimmten Schulabschluss oder die Bestnote nach der Ausbildung dr\u00e4ngen.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abIn der Berufswahl muss auch ein Scheitern m\u00f6glich sein d\u00fcrfen. Das sind alles Erfahrungen, die wichtig f\u00fcr das ganze weitere Leben sind\u00bb, so Schwarz. Oft k\u00f6nne es sinnvoll sein, mit den Kindern gemeinsam eine Berufsberatung aufzusuchen. Allerdings empfiehlt Daliah Karp den Eltern, im Wartezimmer zu bleiben. \u00abDie Jugendlichen sind sonst oft blockiert. Eltern m\u00fcssen auch lernen loszulassen und ihren Kindern zuzutrauen, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen.\u00bb<\/p>\n<p>Alternativen bei Orientierungslosigkeit finden<\/p>\n<p>Wer g\u00e4nzlich ohne Orientierung ist, dem k\u00f6nnen Potenzialanalysen, wie sie von der Agentur f\u00fcr Arbeit angeboten werden, eine erste Perspektive geben. \u00abOft k\u00f6nnen junge Menschen gut benennen, was sie nicht machen wollen. Auch das hilft. So kann man sich herantasten\u00bb, sagt Karp. Wichtig sei, dass die Tests wirklich von den Jugendlichen und nicht den Eltern durchgef\u00fchrt werden. \u00abEs geht ja gerade darum, die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen zu erkennen\u00bb, so Karp.<\/p>\n<p>Manchmal aber ist es schlichtweg noch nicht der richtige Zeitpunkt, um in die Berufswelt zu starten. Dann empfiehlt Marion Schwarz, gemeinsam \u00fcber Alternativen wie ein Freiwilliges Soziales Jahr oder Work and Travel nachzudenken. \u00abAuch das kann Druck rausnehmen\u00bb, sagt sie.<\/p>\n<p><strong>Hilfe in Anspruch nehmen<\/strong><\/p>\n<p>Ist der Nachwuchs v\u00f6llig antriebslos, k\u00f6nnen auch andere Probleme dahinterstecken. \u00abManche Jugendliche werden depressiv, weil sie unter der eigenen Ratlosigkeit leiden\u00bb, sagt Schwarz. Dann sollte man signalisieren, dass man die Sorge wahrnimmt, f\u00fcr den Jugendlichen da ist und sich zugleich zur\u00fccknehmen kann. Sie empfiehlt, dann fachliche Hilfe zur Abkl\u00e4rung in Anspruch zu nehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mainz\/K\u00f6ln (dpa\/tmn) &#8211; Das Schulpraktikum steht kurz bevor, doch der Nachwuchs hat noch keinen Platz. 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