{"id":1250527,"date":"2026-08-21T04:18:20","date_gmt":"2026-08-21T04:18:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1250527\/"},"modified":"2026-08-21T04:18:20","modified_gmt":"2026-08-21T04:18:20","slug":"patriot-notstand-die-ukraine-kaempft-sich-ohne-schutzschirm-in-den-winter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1250527\/","title":{"rendered":"Patriot-Notstand: Die Ukraine k\u00e4mpft sich ohne Schutzschirm in den Winter"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/shutterstock_2652523945-4497e73401851d36.jpeg\"  width=\"6928\" height=\"3893\"  alt=\" Patriot-Luftabwehrbatterie vor Wohngeb\u00e4uden\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Eine Patriot-Luftabwehrbatterie<\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0jamesonwu1972\/<a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/patriot-air-defense-system-deployed-park-2652523945?trackingId=26679067-e02c-4e39-9578-5509b68c6cea&amp;listId=searchResults\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Shutterstock.com<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Der Ukraine geht die Patriot-Munition aus \u2013 russische Raketen treffen fast ungehindert. Vor dem Winter sinken die Chancen auf eine Waffenruhe.<\/p>\n<p>Russland hat die Angriffe auf Kiew in den vergangenen Tagen intensiviert und dabei ballistische Raketen sowie Hyperschallwaffen eingesetzt. Wie der Economist <a href=\"https:\/\/www.economist.com\/international\/2026\/08\/18\/what-happens-when-the-west-runs-out-of-interceptor-missiles\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">berichtet<\/a>, verbringen viele Bewohner der ukrainischen Hauptstadt ihre N\u00e4chte inzwischen in \u00fcberf\u00fcllten U-Bahn-Stationen oder in Tiefgaragen.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Die Luftangriffe haben sich dabei zu einem regelrechten Schie\u00dfstand entwickelt: Der Ukraine sind die Patriot-Abfangraketen inzwischen praktisch ausgegangen. Der US-Sender CNN <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2026\/08\/17\/europe\/ukraine-patriot-missile-launchers-run-dry-intl\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">ver\u00f6ffentlichte<\/a> k\u00fcrzlich exklusive Aufnahmen leerer Patriot-Abschussanlagen \u2013 ein ukrainischer Chefingenieur sagte dem Sender, er habe seit sechs Wochen keinen Patriot-Start mehr erlebt.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj bezifferte die Lage konkret: Die Ukraine ben\u00f6tige 5 Prozent des US-Bestands an Abfangraketen, um durch den Winter zu kommen, verf\u00fcge aktuell aber nur \u00fcber 1 Prozent.<\/p>\n<p><strong>Ukrainische Luftabwehr versagt<\/strong><\/p>\n<p>Die schwierige Lage der Ukraine ist Ausdruck eines strukturellen Mangels an Abfangmitteln im Westen: Die USA und lizenzierte Hersteller in Deutschland und Japan produzieren zusammen nur etwa 840 Patriot-Einheiten pro Jahr \u2013 w\u00e4hrend Russland allein rund 750 Iskander-Raketen j\u00e4hrlich fertigt und die Produktion weiter steigern will.<\/p>\n<p>Versch\u00e4rft wird die Lage durch den US-Krieg gegen den Iran, der die Best\u00e4nde zus\u00e4tzlich belastet hat; die US-Lieferungen von Patriot-Raketen an Kiew sind derzeit eingestellt. Die Abfangquote sei dadurch von zuvor \u00fcber 70 Prozent praktisch auf null gefallen, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2026\/aug\/14\/patriot-missiles-ukraine-putin-kyiv-running-out-nato-danger\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">schreibt<\/a> Jack Watling, Milit\u00e4rforscher am Royal United Services Institute, in einem Meinungsbeitrag im Guardian. Die Nato-Staaten h\u00e4tten bei der Verteidigungsplanung &#8222;kl\u00e4glich versagt&#8220; \u2013 mit schweren Folgen f\u00fcr die Ukraine.<\/p>\n<p>Dabei verf\u00fcgt die Ukraine \u00fcber ein tief gestaffeltes Luftabwehrsystem sowie \u00fcber ein leistungsf\u00e4higes Netzwerk zur Abwehr von Drohnenschw\u00e4rmen. Auch dank westlicher Luftabwehrsysteme kann sie die meisten gro\u00dfen Marschflugk\u00f6rper abfangen. Bei ballistischen Raketen st\u00f6\u00dft dieses System jedoch an seine Grenzen: Nur Patriot-Systeme sind in der Lage, russische ballistische Raketen vom Typ &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/9K720\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Iskander-M<\/a>&#8220; und die aeroballistische Hyperschallrakete &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ch-47M2_Kinschal\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Kinschal<\/a>&#8220; abzufangen.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Wie zugespitzt die Situation ist, zeigt der Umgang der ukrainischen Luftstreitkr\u00e4fte mit den eigenen Erfolgszahlen: Sie haben inzwischen aufgeh\u00f6rt, \u00f6ffentlich \u00fcber abgeschossene Raketen zu berichten.<\/p>\n<p>Zu beobachten ist eine neue Eskalation im Russland-Ukraine-Krieg, der sich bereits im f\u00fcnften Jahr befindet. In vielen Phasen des Konflikts wurde deutlich, dass eine Seite zeitweise einen leichten Vorsprung oder Vorteil hatte \u2013 sowohl auf dem direkten Kampffeld als auch bei der automatisierten Kriegsf\u00fchrung im Luftraum. Auf solche Entwicklungen reagierte die jeweils andere Seite stets mit Gegenma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p><strong>Gegenschl\u00e4ge und Eskalation<\/strong><\/p>\n<p>Dem derzeit harten Vorgehen Russlands gingen intensive ukrainische Angriffe unterschiedlichen Charakters voraus. Diese richteten sich unter anderem gegen Raffinerien und andere Erd\u00f6l-Infrastrukturen, Stromanlagen sowie zuletzt gegen Lagerhallen und Verteilerzentren des Unternehmens Wildberries \u2013 h\u00e4ufig als &#8222;russisches Amazon&#8220; bezeichnet.<\/p>\n<p>In den vergangenen Wochen kam es zudem zu Angriffen auf Getreideschiffe, die vom Asowschen Meer nach Rostow <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/russia-prepares-reroute-grain-exports-sea-azov-after-ukrainian-attacks-2026-07-14\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">unterwegs <\/a>waren. Auch zwei Getreideterminals im russischen Hafen Noworossisk wurden <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/russias-novorossiysk-grain-terminal-halts-operations-after-ukrainian-drone-2026-08-12\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">besch\u00e4digt<\/a> und stellten den Betrieb ein.<\/p>\n<p>Es folgten Angriffe russischer Streitkr\u00e4fte auf die ukrainische Schwarzmeer-Region, woraufhin der Betrieb der H\u00e4fen Odessa, Tschornomorsk und Juschny ausgesetzt werden musste. \u00dcber diese H\u00e4fen l\u00e4uft ein erheblicher Anteil der Frachten, die auf den ukrainischen Seeh\u00e4fen <a href=\"https:\/\/www.osw.waw.pl\/en\/publikacje\/analyses\/2026-07-28\/ukraine-suspension-shipping-to-black-sea-ports-and-associated-risks?page=1\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">umgeschlagen<\/a> werden.<\/p>\n<p>Die ukrainische Wirtschaft ist gezwungen, dringend nach alternativen Transportwegen zu suchen. Reziprok auf die Angriffe auf Wildberries nimmt Russland nun auch ukrainische Lagerhallen mit Lebensmitteln sowie Verteilerzentren, etwa der gr\u00f6\u00dferen Handelskette &#8222;Silpo&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.economist.com\/europe\/2026\/08\/18\/russian-attacks-are-doing-severe-harm-to-ukraines-economy\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">ins Visier<\/a>.<\/p>\n<p>Berichten des Verteidigungsministeriums zufolge richteten sich russische Schl\u00e4ge zuletzt gegen mehrere milit\u00e4risch-industrielle Ziele in der Ukraine. Darunter war auch eine Produktionsst\u00e4tte des R\u00fcstungsunternehmens Fire Point in Kiew, das nach russischen Angaben Komponenten und Gefechtsk\u00f6pfe f\u00fcr die Flamingo-Marschflugk\u00f6rper herstellt.<\/p>\n<p>Bereits seit Wochen f\u00fchrt die Ukraine massive Angriffe auf die Krim aus, mit dem Ziel, die Halbinsel von der Versorgung abzuschneiden. Hinzu kommen Schl\u00e4ge weit ins russische Hinterland. Die Ukraine erh\u00e4lt dabei enorme westliche Unterst\u00fctzung. So werden jedes Mal, wenn die Ukraine auf einem bestimmten Gebiet einen zeitweiligen Vorteil erzielt, in westlichen Medien neue sogenannte &#8222;Gamechanger&#8220; durch die Medienlandschaft getrieben und eine nahende Niederlage Russlands diskutiert.<\/p>\n<p><strong>Westliche Rolle und Eskalationsdynamik<\/strong><\/p>\n<p>Dabei zeigt sich eine klare Entwicklung: W\u00e4hrend zu Beginn des Krieges vor allem Helme und Schutzwesten geliefert wurden, geht es inzwischen um weitreichende Waffensysteme, Satellitenaufkl\u00e4rung und KI-gest\u00fctzte Zielerfassung. Besonders die Rolle der USA hat sich gewandelt: Unter Pr\u00e4sident Joe Biden bestand lange Zur\u00fcckhaltung bei Angriffen auf russisches Kernterritorium mit US-Waffen; unter seinem Nachfolger Donald Trump wurde diese Beschr\u00e4nkung gelockert. Dadurch wurden Angriffe tief im russischen Staatsgebiet erst m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Oberst Markus Reisner vom \u00f6sterreichischen Bundesheer, bekannt f\u00fcr seine sachlichen Analysen der gegenw\u00e4rtigen Kriegssituation im \u00f6sterreichischen und deutschen \u00f6ffentlichen Fernsehen, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KABC9Ewfd90\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">sieht<\/a> in dieser Eskalation ein typisches Muster langwieriger Konflikte. Jede Seite \u00fcberschreite eine bisherige Grenze, w\u00e4hrend keine Seite bereit sei nachzugeben. Um den Krieg zu gewinnen, sei man bereit, diese Grenze immer weiter nach hinten zu verschieben.<\/p>\n<p>Reisner verwendet daf\u00fcr den milit\u00e4rischen Begriff &#8222;Center of Gravity&#8220;. F\u00fcr die Ukraine liege dieser &#8222;Schwerpunkt&#8220; in der Unterst\u00fctzung durch den Westen.<\/p>\n<p>Russland m\u00fcsse deshalb nicht zwingend nur milit\u00e4rische Ziele in der Ukraine zerst\u00f6ren \u2013 strategisch wirksamer w\u00e4re es, einen Keil zwischen die Ukraine und ihre westlichen Unterst\u00fctzer zu treiben, etwa durch hybride Angriffe oder Sabotageakte, die die westliche Bev\u00f6lkerung dazu bringen k\u00f6nnten, die Unterst\u00fctzung infrage zu stellen. Aus russischer Sicht gelten die westlichen Unterst\u00fctzer dabei ohnehin bereits als Kriegsparteien.<\/p>\n<p>Ma\u00dfnahmen dieser Art sind in der russischen Milit\u00e4rdoktrin auf einer bestimmten Stufe der Eskalation tats\u00e4chlich ausdr\u00fccklich vorgesehen. Somit verf\u00fcgt Russland unterhalb der nuklearen Schwelle noch \u00fcber einige Handlungsm\u00f6glichkeiten im weiteren Verlauf des Konflikts.<\/p>\n<p>Atomwaffen betrachtet Reisner als ein reales Eskalationsinstrument. Er sagt explizit nicht, dass Russland zwangsl\u00e4ufig Atomwaffen einsetzen werde, h\u00e4lt es jedoch f\u00fcr falsch, die russischen Nukleardrohungen grunds\u00e4tzlich als Bluff abzutun.<\/p>\n<p><strong>Der Winter naht<\/strong><\/p>\n<p>Oberst Reisner deutet die j\u00fcngste ukrainische Eskalation \u2013 den Krieg zunehmend nach Russland und damit vor die eigene Haust\u00fcr der Angreifer zu tragen \u2013 vor allem als Versuch, noch vor dem Winter eine Waffenruhe zu erzwingen. Denn der kommende Winter k\u00f6nnte f\u00fcr die Ukraine sehr hart werden, sollten russische Streitkr\u00e4fte erneut beginnen, bereits besch\u00e4digte kritische Infrastruktur gezielt anzugreifen.<\/p>\n<p>Bislang ist dieser Versuch nach Einsch\u00e4tzung Reisners jedoch gescheitert: Die massiven ukrainischen Angriffe setzen Russland zwar \u00f6konomisch unter Druck, doch Moskau reagiert darauf nicht mit Zugest\u00e4ndnissen, sondern erh\u00f6ht seinerseits kurzfristig den milit\u00e4rischen Druck. Beide Seiten schaukeln sich damit in einer Eskalationsspirale gegenseitig hoch.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich lehnte Moskau eine von Kiew angefragte Waffenruhe f\u00fcr Angriffe auf zivile Schiffe und H\u00e4fen im Schwarzen Meer ab. Marija Sacharowa, Pressesprecherin des Au\u00dfenministeriums der Russischen F\u00f6deration, <a href=\"https:\/\/www.themoscowtimes.com\/2026\/08\/14\/russia-dismisses-calls-for-black-sea-ceasefire-a93499\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">erkl\u00e4rte<\/a> dazu, Moskau habe nicht die Absicht, &#8222;dem Kiewer Regime eine tempor\u00e4re Verschnaufpause zu gew\u00e4hren&#8220;.<\/p>\n<p>Vor einem Jahr kamen die Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin und Donald Trump in Anchorage, Alaska, zu einem Gipfeltreffen zusammen, das damals als m\u00f6glicher Durchbruch bei den Bem\u00fchungen um eine Beilegung des Ukraine-Krieges gehandelt wurde. Doch heute ist der sogenannte&#8220;Geist von Anchorage&#8220; l\u00e4ngst verpufft. Die Chancen, noch in diesem Jahr eine Waffenruhe zu f\u00fcr beide Seiten akzeptablen Bedingungen zu erreichen, stehen schlecht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Patriot-Luftabwehrbatterie (Bild:\u00a0jamesonwu1972\/Shutterstock.com) Der Ukraine geht die Patriot-Munition aus \u2013 russische Raketen treffen fast ungehindert. 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