{"id":1250541,"date":"2026-08-21T04:26:20","date_gmt":"2026-08-21T04:26:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1250541\/"},"modified":"2026-08-21T04:26:20","modified_gmt":"2026-08-21T04:26:20","slug":"deutschlands-rohstoffschatz-schatz-weniger-abhaengigkeit-dank-erzgebirge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1250541\/","title":{"rendered":"Deutschlands Rohstoffschatz-Schatz: Weniger Abh\u00e4ngigkeit dank Erzgebirge?"},"content":{"rendered":"<p>Beim Kauf eines neuen Laptops denkt kaum jemand dar\u00fcber nach, woher die daf\u00fcr ben\u00f6tigten Rohstoffe kommen. Doch ihre Verf\u00fcgbarkeit ist l\u00e4ngst nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Die Stra\u00dfe von Hormus ist durch den <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/07\/22\/trump-usa-iran-kriegskosten\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">anhaltenden Krieg im Iran<\/a> noch immer blockiert. Nicht nur die \u00d6lpreise steigen &#8211; auch Lieferketten f\u00fcr andere Rohstoffe werden belastet.<\/p>\n<p>Gleichzeitig hat <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2026\/01\/27\/verliert-europa-den-wettlauf-um-die-sicherung-seltener-erden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">China <\/a>seine Exportkontrollen f\u00fcr Seltene Erden und andere kritische Rohstoffe in den vergangenen Monaten mehrfach versch\u00e4rft, <a href=\"https:\/\/www.deutsche-rohstoffagentur.de\/DERA\/SharedDocs\/Meldungen\/meldung-26-07-09.html?nn=811146\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">warnt die Deutsche Rohstoffagentur<\/a> (DERA). Die europ\u00e4ischen Importe bestimmter Seltener Erden aus China sind in den ersten f\u00fcnf Monaten 2026 gegen\u00fcber dem Vorjahr um 45 Prozent eingebrochen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland, das metallische Prim\u00e4rrohstoffe fast vollst\u00e4ndig importiert, sind das keine abstrakten Zahlen, sondern ein konkretes Risiko: Bei Metallerzen und -konzentraten liegt die Importabh\u00e4ngigkeit der heimischen Industrie bei fast 100 Prozent. Laut DERA wird diese Abh\u00e4ngigkeit durch den Einsatz von Recyclingrohstoffen, die allerdings teilweise auch importiert werden, zwar verringert. Doch momentan findet keine nennenswerte eigene F\u00f6rderung statt.<\/p>\n<p>Das lange \u00fcbersehene Metall<\/p>\n<p>Seit den 1990er Jahren besitzt Deutschland keine eigene Prim\u00e4rzinnproduktion mehr. Zinn wird vor allem als L\u00f6tzinn ben\u00f6tigt, um elektronische Bauteile zu verbinden. In Deutschland wird das Metall zus\u00e4tzlich stark als Lagermetall und in Bronzen verwendet.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Lieferl\u00e4nder f\u00fcr Raffinadezinn sind laut der Bundesanstalt f\u00fcr Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) heute Indonesien, Bolivien, Brasilien und Thailand, w\u00e4hrend weltweit gerade einmal drei L\u00e4nder, China, Indonesien und Myanmar, f\u00fcr mehr als 70 Prozent der globalen F\u00f6rderung sorgen.<\/p>\n<p>DERA-Geologin Sophie Damm macht die Abh\u00e4ngigkeit auf Anfrage von Euronews deutlich: &#8222;Aufgrund des hohen Bedarfs an Zinn durch die deutsche Industrie und der fehlenden Prim\u00e4rf\u00f6rderung in Deutschland ist die hiesige Wirtschaft vollst\u00e4ndig auf die Wiederverwertung von Zinn aus Schrotten und Abf\u00e4llen, aus Zinnchemikalien sowie Zinnimporten aus dem Ausland angewiesen&#8220;. Deutschland gilt laut DERA als gr\u00f6\u00dfter Verbraucher und wichtigster Importeur von Raffinadezinn in der gesamten EU.<\/p>\n<p>Bergbau-Comeback im Erzgebirge als L\u00f6sung?<\/p>\n<p>Und doch gibt es hier und da Lichtblicke. Kaum eine Region der Welt ist bergbaulich so gut erschlossen wie das Erzgebirge. Zeitweise war die Region sogar gr\u00f6\u00dfter Zinnproduzent Europas, bevor der Bergbau nach der deutschen Wiedervereinigung endg\u00fcltig zum Stillstand kam.<\/p>\n<p>Genau diese Bergbau-Tradition will die Saxore Bergbau GmbH aus Freiberg wieder zum Leben erwecken: Ziel des Unternehmens ist es, das historische Bergwerk Tellerh\u00e4user im Westerzgebirge als modernes Zinnbergwerk wiederzubeleben.<\/p>\n<p>Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Matthias Faust sieht in der langen Bergbaugeschichte der Region einen entscheidenden Standortvorteil: &#8222;Das Erzgebirge hat eine 4.000 Jahre zur\u00fcckgehende Tradition im Bergbau und ist vor allem wegen des fr\u00fcheren Uranbergbaus f\u00fcr die sowjetische Nuklearindustrie eine der am besten erkundeten Bergbauregionen der Erde, und das hei\u00dft, wir k\u00f6nnen auf diesen Datenschatz aufbauen, um mit relativ geringem Aufwand sehr gut erkundete Lagerst\u00e4tten neu zu starten.&#8220; <\/p>\n<p>F\u00fcr ihn ist das Projekt mehr als nur ein weiteres Bergbauvorhaben: &#8222;Das Tellerh\u00e4user-Projekt ist eine historisch einmalige Gelegenheit, um den Erzbergbau in Deutschland wiederzubeleben&#8220;.<\/p>\n<p>Aktuell befindet sich das Projekt im Genehmigungsverfahren: Der sogenannte Rahmenbetriebsplan liegt derzeit beim s\u00e4chsischen Oberbergamt zur Pr\u00fcfung. &#8222;Wird dieser genehmigt, beginnen wir mit dem Auffahren des Bergwerkes&#8220;, so Faust. Ein Probebetrieb sei allerdings fr\u00fchestens 2029 realistisch.<\/p>\n<p>Mehr Zinn als bisher erwartet<\/p>\n<p>Wie wichtig ein Projekt wie Tellerh\u00e4user f\u00fcr Deutschlands Rohstoffversorgung werden k\u00f6nnte, zeigt eine aktuelle Ressourcen-Sch\u00e4tzung: Nach <a href=\"https:\/\/www.londonstockexchange.com\/news-article\/1SN\/tellerhauser-mineral-resource-estimation-update\/16433568\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">j\u00fcngsten Berechnungen<\/a> liegen dort rund 138.000 Tonnen Zinnmetall, das sind etwa 30 Prozent mehr als bisher angenommen und es macht die Lagerst\u00e4tte zur gr\u00f6\u00dften best\u00e4tigten Zinnressource in der EU.<\/p>\n<p>F\u00fcr Matthias Faust k\u00f6nne dadurch die Rohstoff-Abh\u00e4ngigkeit verringert werden: &#8222;Wenn die Lieferung ausbleibt, dann kommt die Produktion zum Stehen. Deswegen ist es wichtig, dass man vor der eigenen Haust\u00fcr eine Ersatzlieferquelle hat, die sofort einspringen kann, falls mal die Lieferungen ausbleiben&#8220;, erkl\u00e4rt der Saxore-Chef im Interview mit Euronews. <\/p>\n<p>Die Lagerst\u00e4tte selbst gilt laut Faust als die gr\u00f6\u00dfte polymetallische Lagerst\u00e4tte in Europa und in den OECD-L\u00e4ndern, dominiert durch den Hauptwerttr\u00e4ger Zinn, aber auch durch weitere wertvolle Zusatzprodukte wie Kupfer, Eisen, Silber und Indium.<\/p>\n<p>Unverzichtbarer Rohstoff mit hoher Import-Abh\u00e4ngigkeit<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die EU laut DERA Zinn bislang weder als kritischen noch als strategischen Rohstoff einstuft, sieht die Deutsche Rohstoffagentur die Versorgungslage hierzulande als deutlich angespannter an.<\/p>\n<p>Matthias Faust zufolge funktioniert ohne Zinn praktisch keine moderne Elektronik. Andere Staaten h\u00e4tten das l\u00e4ngst erkannt, so bauten etwa die USA strategische Zinnreserven auf und investierten auch mit milit\u00e4rischer Unterst\u00fctzung in eigene H\u00fcttenkapazit\u00e4ten. Beim Verh\u00fctten wird das Zinn aus dem Erz gewonnen und zu nutzbarem Metall verarbeitet. In Europa gebe es vergleichbare Ma\u00dfnahmen bislang nicht.<\/p>\n<p>Die fehlende H\u00fctte als Schwachstelle<\/p>\n<p>Geologin Sophie Damm d\u00e4mpft deshalb die Erwartungen: Selbst bei einer Wiederaufnahme des Zinnabbaus m\u00fcsste das gewonnene Konzentrat zun\u00e4chst im Ausland verh\u00fcttet werden, da Deutschland \u00fcber keine eigene Prim\u00e4rh\u00fctte f\u00fcr Zinn verf\u00fcgt. Die Versorgungssicherheit lasse sich dadurch deshalb nur &#8222;moderat und mit Einschr\u00e4nkungen&#8220; verbessern, so Damm.<\/p>\n<p>F\u00fcr Saxore ist das jedoch kein Grund, das Projekt infrage zu stellen: Mit Energiewende, E-Mobilit\u00e4t und neuen Technologien steige die Nachfrage nach Zinn derart stark, dass laut Unternehmen dringend neue, konfliktfreie Rohstoffquellen ben\u00f6tigt w\u00fcrden. Tellerh\u00e4user werde als wichtiger erster Schritt zu mehr Rohstoffsouver\u00e4nit\u00e4t vorangetrieben.<\/p>\n<p>\u00c4ngste wegen Umweltbelastung<\/p>\n<p>Ganz ohne Widerstand geht ein solches Vorhaben nicht \u00fcber die B\u00fchne, obwohl Saxore mittlerweile detaillierte Grundwasserplanungen vorgelegt hat, reagierten Anwohner laut Freie Presse auch skeptisch.<\/p>\n<p>\u00d6kologisch will Saxore damit \u00fcberzeugen, dass das Bergwerk komplett unterirdisch entstehen soll. Matthias Faust erkl\u00e4rt: &#8222;Wir werden hier ein Leuchtturmprojekt umsetzen, das vollst\u00e4ndig unter Tage arbeiten wird. Wir werden keine \u00fcbert\u00e4gigen Absetzanlagen oder Aufbereitungsanlagen haben. Der Bergbau wird minimal invasiv sein&#8220;.<\/p>\n<p>Im Vergleich zum klassischen Tagebau gilt unterirdischer Bergbau als deutlich schonender f\u00fcr die Umwelt, weil die Landschaft an der Oberfl\u00e4che weitgehend unber\u00fchrt bleibt und Staub- sowie L\u00e4rmbelastung f\u00fcr Anwohner sp\u00fcrbar geringer ausfallen.<\/p>\n<p>Unstrittig ist das laut Umweltorganisationen allerdings trotzdem nicht: Auch der Untertagebau ben\u00f6tigt f\u00fcr die Erzaufbereitung gro\u00dfe Wassermengen und ver\u00e4ndert unterirdische \u00d6kosysteme.<\/p>\n<p>Konflikt zwischen Umwelt und Tempo<\/p>\n<p>Dass die Einhaltung von hohen Umweltstandards und eine schnelle Umsetzung moderner Bergbauprojekte nicht immer vereinbar sind, sieht auch Faust: &#8222;Diese langen Genehmigungsverfahren, die sieht man weltweit, ganz einfach, weil Umweltschutz auch global mittlerweile ernster genommen wird.&#8220;<\/p>\n<p>Trotzdem pocht der Saxore-Chef auf mehr politisches Tempo: &#8222;Wenn man den Metallerzbergbau in Deutschland wieder haben m\u00f6chte, dann muss man dort Komplexit\u00e4t rausnehmen&#8220;. Auch f\u00fcr Investoren sei das abschreckend. Zudem wird die mangelhafte Bereitstellung von F\u00f6rdermitteln in der Branche oft kritisiert.<\/p>\n<p>Nicht nur Zinn: Das Erzgebirge im Rohstoff-Aufbruch<\/p>\n<p>Saxore ist dabei nur eines von mehreren Unternehmen, die derzeit auf ein Bergbau-Comeback in der Region setzen. Faust z\u00e4hlt neben Zinn auch Kupfer, Lithium und Wolfram zu den Rohstoffen, die Deutschland dringend selbst f\u00f6rdern sollte.<\/p>\n<p>Die grenz\u00fcberschreitende Lagerst\u00e4tte Zinnwald gilt als eines der gr\u00f6\u00dften Lithiumvorkommen Europas: Die Zinnwald Lithium GmbH hat die gesch\u00e4tzten Ressourcen 2024 auf rund 429.000 Tonnen erh\u00f6ht, ein Abbau k\u00f6nnte fr\u00fchestens 2030 beginnen und das Bergwerk \u00fcber rund 70 Jahre versorgen. Das Unternehmen will das im Erzgebirge gef\u00f6rderte Lithium k\u00fcnftig zu batterief\u00e4higem Lithiumhydroxid verarbeiten und damit Europas Autoindustrie unabh\u00e4ngiger von Importen machen.<\/p>\n<p>Beim Kupfer plant die KSL Kupferschiefer Lausitz GmbH an der Grenze zu Brandenburg Deutschlands gr\u00f6\u00dftes Kupfer-Untertagebergwerk mit rund 90 Millionen Tonnen Erz \u00fcber etwa 20 Jahre, eine Produktion ist laut Unternehmen aber auch erst in den 2030er Jahren realistisch.<\/p>\n<p>Indium als wertvolles Nebenprodukt<\/p>\n<p>Neben Zinn enth\u00e4lt Tellerh\u00e4user auch rund 700 Tonnen Indium, ein f\u00fcr Displays, Solarzellen und Halbleiter unverzichtbares Metall, und z\u00e4hlt damit zu den bedeutendsten Indium-Ressourcen weltweit.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst will Saxore beide Metalle klassisch mit Sprengungen f\u00f6rdern. Parallel testet das Unternehmen mit der TU Bergakademie Freiberg im Besucherbergwerk Zinnkammern P\u00f6hla ein schonenderes Verfahren, bei dem Indium unter Tage direkt aus dem Gestein gel\u00f6st wird.<\/p>\n<p>R\u00fcckenwind aus Br\u00fcssel<\/p>\n<p>Seit dem 23. Mai 2024 gilt die <a href=\"https:\/\/commission.europa.eu\/topics\/competitiveness\/green-deal-industrial-plan\/european-critical-raw-materials-act%5Fde\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">EU-Verordnung f\u00fcr kritische Rohstoffe<\/a> (CRMA), die Europas Abh\u00e4ngigkeit von einzelnen Lieferl\u00e4ndern wie China verringern soll. Bis 2030 sollen demnach mindestens 10 Prozent des europ\u00e4ischen Verbrauchs an strategischen Rohstoffen aus heimischem Bergbau stammen, 40 Prozent der Verarbeitung in der EU erfolgen und 25 Prozent des Bedarfs \u00fcber Recycling gedeckt werden. Zus\u00e4tzlich soll kein einzelnes Drittland mehr als 65 Prozent eines strategischen Rohstoffs liefern. <\/p>\n<p>Um diese Ziele zu erreichen, sieht der CRMA unter anderem beschleunigte Genehmigungsverfahren f\u00fcr Rohstoffprojekte vor, verst\u00e4rkte Exploration sowie eine gezielte F\u00f6rderung der Kreislaufwirtschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Beim Kauf eines neuen Laptops denkt kaum jemand dar\u00fcber nach, woher die daf\u00fcr ben\u00f6tigten Rohstoffe kommen. 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