{"id":1251503,"date":"2026-08-21T15:37:17","date_gmt":"2026-08-21T15:37:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1251503\/"},"modified":"2026-08-21T15:37:17","modified_gmt":"2026-08-21T15:37:17","slug":"marsupilami-im-kino-so-einen-film-haetten-sich-die-deutschen-nie-getraut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1251503\/","title":{"rendered":"\u201eMarsupilami\u201c im Kino: So einen Film h\u00e4tten sich die Deutschen nie getraut"},"content":{"rendered":"<p>Ein anarchisches, gelbes Fabelwesen muss Frankreich verhext haben. Mehr als sechs Millionen Zuschauer sahen sich \u201eMarsupilami\u201c im Kino an. Jetzt kommt der Film auf die deutschen Leinw\u00e4nde. K\u00f6nnen Millionen Franzosen irren?<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Damit sich hinterher keiner beschwert, dass er nicht gewusst h\u00e4tte, worauf er sich eingelassen hat, erw\u00e4hnen wir einen kleinen Scherz. Einen von jener Sorte, von der man in \u201eMarsupilami\u201c, dem erfolgreichsten franz\u00f6sischen Film des vergangenen Jahres (6,4 Millionen Zuschauer), ungef\u00e4hr so gepiesackt wird wie ein Schwimmer im Amazonas von ausgehungerten Piranhas. Warum sie denn blo\u00df ihren Ex und Vater ihres s\u00fc\u00dfen kleinen L\u00e9o nie geheiratet habe, wird Tess gefragt. Und noch bevor sie es ausspricht, wei\u00df man endlich, warum jener David, der Mann, den sie inzwischen herzlich hasst, den seltenen Nachnamen Ticoule tr\u00e4gt: Tess Ticoule \u2013 Testikel \u2013 wer will schon Hoden hei\u00dfen? \u2013 hahaha.<\/p>\n<p>Was lernt man daraus f\u00fcr den Fortgang dieser Geschichte? Jedes mit mehr oder weniger lustigen Einf\u00e4llen munitionierte Gewehr, das Philippe Lacheau und seine in Frankreich geradezu monty-pythonesk legend\u00e4re Anarchoscherztruppe <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/La_Bande_%C3%A0_Fifi\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/La_Bande_%C3%A0_Fifi&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Bande \u00e0 Fifi<\/a> (Fifi ist Lacheaus Spitzname) an eine der vielen Wendungen dieses Familienfilms h\u00e4ngt, wird gnadenlos aufs Publikum abgeschossen. Meistens aus der H\u00fcfte in den Unterleib. In der Regel h\u00f6rt man den Schuss schon lange, bevor Lacheau und seine Rasselbande \u00fcberhaupt den Finger am Abzug hatten.<\/p>\n<p>Stehen sie vor der Wahl, ihr Plotbr\u00f6tchen aufzuschneiden und sanft mit humoristischer Foie gras zu bestreichen, oder in G\u00e4nze mit Macht ins n\u00e4chstgelegene Fettn\u00e4pfchen zu rammen, machen sie selbstredend Letzteres. Und nat\u00fcrlich: Niemand in Deutschland w\u00fcrde sich einen Film wie \u201eMarsupilami\u201c trauen \u2013 und das hat nicht nur damit zu tun, dass es ein derartig kultig verehrtes Comicwesen nicht gibt, wie das von Andr\u00e9 Franquin 1952 erfundene eierlegende, katzengleiche, lemurengro\u00dfe, langbeschwanzte gefleckte Wundertier aus dem Urwald des fiktiven s\u00fcdamerikanischen failed state Palumbien.<\/p>\n<p>Womit wir endlich bei jener d\u00fcnnen Leine von Geschichte sind, an die Lacheau seine Tonnen von Witzware h\u00e4ngt. David (Philippe Lacheau) arbeitet in einem Tierpark, den ein finsterer Mafioso namens Malone (Jean Reno) finanziert, der angeblich einen seiner kriminellen Konkurrenten seinen umhegten Hy\u00e4nen zum Fra\u00df vorgeworfen hat. Zwischen Tess und David fliegen die Fetzen mit einer Wucht, gegen die bisher bekannte Rosenkriege im Kino Hallenhalma sind (sie legt Toilettenpapier mit seinem Konterfei ans Bidet, er frisiert die hauseigene Konifere zu einem Stinkefinger um \u2013 Unterleibshumor halt). Und zwischen ihren Volldampfhasstiraden steht der arme L\u00e9o, der nachtfinstere Bilder malt, sich nichts mehr w\u00fcnscht, als jene Familie, die es ein Jahr zuvor angeblich noch gab, und dem man dringend ein Therapietier w\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Jurassic Park in Palumbien<\/p>\n<p>Nachdem David durch eine alkoholbedingt verungl\u00fcckte Urinabgabe daf\u00fcr gesorgt hat, dass in seiner idyllischen Kleinstadt die B\u00e4ren und Elefanten los sind und Gorillas mit Bet\u00e4ubungspfeilen von den B\u00e4umen auf dem Kinderspielplatz geholt werden m\u00fcssen, macht ihm Malone ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Er soll eine Kreuzfahrt nach Palumbien machen mit Tess und L\u00e9o und ein Paket abholen, in das er aber niemals hineinschauen darf.<\/p>\n<p>Im Dschungel von Palumbien, der aussieht wie der Drehort f\u00fcr das n\u00e4chste Jurassic-Park-Franchise, haben sich im Auftrag von Malone m\u00e4chtig muskulierte M\u00e4nner eines kalebassenf\u00f6rmigen Eises bem\u00e4chtigt. Das wird David auf dem mit Slapstickwitzminen bestickten Weg zum palumbischen Kreuzfahrtschiffhafen sorgf\u00e4ltig in ein Paket verpackt auf einer mit Unterleibsscherzen vollgestellten Autobahntoilette \u00fcberreicht.<\/p>\n<p>Nach einer geschlagenen halben Stunde Exposition ist an Bord des Traumschiffs endlich das vollst\u00e4ndige Bande-\u00e0-Fifi-Team um den Karton versammelt. Ricky Salsa (Tarek Boudali), ein abgehalfterter Latin-S\u00e4nger mit schlimmen Locken, ist dabei, der nicht damit zurechtkommt, dass ihn keiner mehr kennt, im Gegensatz zu seinem Ex-Band-Kollegen Juanito. St\u00e9phane (Julien Arruti), Davids v\u00f6llig verbl\u00f6deter Tierparkkollege, der es auf sich nimmt, Lacheaus allerd\u00e4mlichste und naheliegendste Witzabf\u00e4lle aufzulesen und umzusetzen. Pablito, ein palumbischer Natursch\u00fctzer (Jamel Debbouze), der immer mal wieder pseudospanisch vor sich hinbrabbeln muss (\u201eOh Kacko! Mi Pistoletto\u201c). <\/p>\n<p>Und das Marsupilami ist geschl\u00fcpft. Das muss erst derart viel einstecken (Flug aus dem Bullauge, Eingewickeltwerden in eine elektrische Schuhb\u00fcrste, Verabreichung von potenzsteigernden Mitteln), dass man schon den Tierschutz rufen m\u00f6chte. Dann wird Bibi, so hei\u00dft das angeblich seltenste Wesen der Welt und so hie\u00df tats\u00e4chlich eins der ersten drei Marsupilami-Kinder bei Franquin, zum Therapietier f\u00fcr den ganzen Film. Sein (bis zu acht Meter langer) Schwanz, mit dem Bibi zuschlagen kann, der als Seil zum H\u00fcpfen dient und \u00fcberhaupt sehr praktisch ist, h\u00e4lt alles zusammen. <\/p>\n<p>Unterwegs in ein (wenig \u00fcberraschend) v\u00f6llig unglaubw\u00fcrdiges, aber vorhersehbares Finale werden Filmklassiker verballhornt \u2013 \u201eE.T.\u201c und \u201eSpeed\u201c und \u201eTitanic\u201c und \u201eCasablanca\u201c \u2013, eine besondere Form von \u201eLast One Laughing\u201c wird gespielt, der Strand von \u00c9tretat mit dem ber\u00fchmten Felsen im Hintergrund in Mitleidenschaft gezogen. Menschen fliegen durch die Gegend und blaue Bohnen. Gegenwartsph\u00e4nomene (TikTok-Videos zum Beispiel) werden in den Wahnsinn gedreht. Jedes Familienmitglied darf sich unter seinem Niveau am\u00fcsieren und tut das merkw\u00fcrdigerweise tats\u00e4chlich. <\/p>\n<p>Die Bande \u00e0 Fifi hat eine Methode perfektioniert \u2013 voll auf die Zw\u00f6lf. Es tut einem alles weh hinterher\u00a0\u2013 Hirn, Herz, Zwerchfell, Unterleib. Den Weg zur\u00fcck in den palumbischen Dschungel und in eine Huba-Huba-Hop-Serienproduktion hat Bande \u00e0 Fifi zwar eigentlich beinahe unm\u00f6glich gemacht. Aber was ist f\u00fcr diese Combo schon unm\u00f6glich? <\/p>\n<p>\u201eMarsupilami\u201c l\u00e4uft ab 20. August 2026 in den deutschen Kinos.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein anarchisches, gelbes Fabelwesen muss Frankreich verhext haben. 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