{"id":1252201,"date":"2026-08-21T23:06:15","date_gmt":"2026-08-21T23:06:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1252201\/"},"modified":"2026-08-21T23:06:15","modified_gmt":"2026-08-21T23:06:15","slug":"frankfurt-faschistische-symbolik-politiker-wollen-umstrittenes-konzert-verhindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1252201\/","title":{"rendered":"Frankfurt: \u201eFaschistische Symbolik\u201c \u2013 Politiker wollen umstrittenes Konzert verhindern"},"content":{"rendered":"<p>Der rechtsextreme kroatische S\u00e4nger Thompson soll im November in Frankfurt auftreten. Allerdings regt sich heftiger Widerstand. Gr\u00fcne, Linke und CDU fordern die Absage.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Karten f\u00fcr das Konzert des S\u00e4ngers Marko Perkovic alias \u201eThompson\u201c am 13. November in Frankfurt am Main sind kaum noch zu bekommen. Umstritten ist sein Auftritt dennoch. Abgeordnete der Gr\u00fcnen, der Linken und der CDU im Frankfurter Rathaus wollen das Konzert des S\u00e4ngers verhindern, dessen K\u00fcnstlername sich vom Modell seiner im Jugoslawienkrieg verwendeten Maschinenpistole ableitet. Perkovic ist in Kroatien ein Star.<\/p>\n<p>Thompson stehe seit Jahren wegen nationalistischer und faschistischer Symbolik bei seinen Auftritten in der Kritik, sagen die Fraktionsvorsitzende der Linken, Daniela Mehler-W\u00fcrzbach, und der Stadtverordnete Benjamin Alicic. Sein popul\u00e4rer Hit \u201eBatallion von Cavoglave\u201c etwa beginne mit den Worten \u201eZa dom spremni\u201c (\u201eBereit f\u00fcr die Heimat\u201c), dem Gru\u00df des faschistischen Ustascha-Regimes (1941-1945). Dieses sei f\u00fcr die \u201esystematische Verfolgung und Ermordung\u201c von Serben, Juden, Roma und Sinti sowie politischer Gegner verantwortlich. <\/p>\n<p>Auch Bez\u00fcge zu einem \u201eGro\u00dfkroatien\u201c f\u00e4nden sich immer wieder in Thompsons Liedern. \u201eDiese Ideologie steht historisch f\u00fcr Gebietsanspr\u00fcche gegen\u00fcber Bosnien und Herzegowina und ist untrennbar mit einer Politik verbunden, die die bosniakische Bev\u00f6lkerung verdr\u00e4ngen will und ihre eigenst\u00e4ndige politische und nationale Existenz leugnet\u201c, sagt Alicic.<\/p>\n<p>Linke appelliert daran, \u201eethnonationalistischem Hass keine B\u00fchne zu geben\u201c<\/p>\n<p>Der Auftrittsort, die Jahrhunderthalle in Frankfurt, wird privat betrieben. Das allerdings entbinde nicht von politischer Verantwortung, sagt Mehler-W\u00fcrzbach. Sie appelliert an die Verantwortlichen der Jahrhunderthalle, \u201efaschistischer Symbolik und ethnonationalistischem Hass keine B\u00fchne zu geben\u201c.<\/p>\n<p>Abgeordnete der Gr\u00fcnen schlie\u00dfen sich dem Appell an. Die Kritik richte sich nicht gegen Kroatien oder Menschen mit kroatischen Wurzeln, sondern gegen die Verherrlichung des faschistischen Ustascha-Regimes, erkl\u00e4rt Emre Telyakar, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Gr\u00fcnen: \u201eIn Frankfurt leben Menschen aus allen Nachfolgestaaten Jugoslawiens friedlich zusammen, darunter viele, deren Familien Krieg, Verfolgung und Vertreibung erlebt haben. Sie k\u00f6nnen von uns erwarten, dass wir der Normalisierung dieser Geschichte, die im engen Zusammenhang mit dem deutschen Nationalsozialismus steht, entschieden entgegentreten.\u201c<\/p>\n<p>Auch die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/cdu\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/cdu\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">CDU<\/a> \u00e4u\u00dferte sich kritisch zum geplanten Auftritt. \u201eKunstfreiheit ist ein hohes Gut, aber sie darf nicht als Freibrief f\u00fcr die Verherrlichung faschistischer Symbolik verstanden werden \u2013 ich erwarte daher eine klare Haltung und alle rechtlich m\u00f6glichen Schritte gegen diesen Auftritt\u201c, so der Stadtverordnete Christian Becker.<\/p>\n<p>Die Betreiber der Jahrhunderthalle teilten auf eine Anfrage von \u201eHessenschau\u201c mit, dass eine Absage derzeit nicht im Raum stehe.\u201eSelbstverst\u00e4ndlich pr\u00fcfen wir im Vorfeld einer solchen Veranstaltung und auch anschlie\u00dfend, ob das Programm oder die Inhalte im Rahmen des geltenden Rechts stattfinden, also keine verfassungsfeindlichen oder strafrechtlich relevanten Inhalte konkret zu erwarten sind oder sonstige Gefahren f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sicherheit und Ordnung drohen\u201c, hie\u00df es. Aktuell g\u00e4be es dahingehend aber keine konkreten Erkenntnisse.<\/p>\n<p>Soziologe sieht \u201ekluges taktisches Doppelspiel\u201c<\/p>\n<p>Dass \u201eThompson\u201c seit Jahren immer wieder auch in Deutschland auftreten k\u00f6nne, habe mehrere Gr\u00fcnde, sagt der Soziologe Jakob Schergaut vom Projekt \u201eGeschichte statt Mythen\u201c der Universit\u00e4t Jena, das sich gegen Geschichtsrevisionismus wendet: \u201eDas, was er sagt und was er tut, ist nach deutschem Recht nicht strafbar.\u201c Weder Symbolik noch Losungen der Ustascha seien in der Bundesrepublik verboten, anders als in \u00d6sterreich. Zudem betreibe der K\u00fcnstler seit Jahren ein \u201ekluges taktisches Doppelspiel\u201c. \u00d6ffentlich erkl\u00e4re er immer wieder, er beziehe sich nicht auf die mit Nazi-Deutschland verb\u00fcndeten kroatischen Faschisten, sondern auf die kroatische HOS-Miliz aus der Zeit der Jugoslawienkriege. Die jedoch stehe wiederum klar in der Tradition der Ustascha.<\/p>\n<p>Das Wissen um den kroatischen Faschismus und dessen Symbole sei in Deutschland bislang nicht weit verbreitet, bedauert Schergaut. Zudem w\u00fcrden positive Bez\u00fcge zur Ustascha oft verharmlost: \u201eDa hei\u00dft es dann, die Kroaten sind halt etwas patriotischer.\u201c Zugleich r\u00e4umt auch der Jenaer Wissenschaftler ein: Nicht alle Konzertbesucher h\u00e4tten eine rechtsradikale Gesinnung.<\/p>\n<p>\u201eThompson\u201c bekam in Deutschland bereits in der Vergangenheit Gegenwind zu sp\u00fcren: Ein <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/konzerte\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/konzerte\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Konzert<\/a> in Berlin wurde nach Protesten abgesagt. Die Stadt Essen lie\u00df den Kroaten hingegen 2014 in der st\u00e4dtischen Eissporthalle auftreten, weil eine K\u00fcndigung des Vertrags nicht m\u00f6glich gewesen sei. Allerdings sei eine Vereinbarung getroffen worden, wonach die Musiker mit Vertragsstrafen rechnen mussten, sollten sie in Deutschland verbotene Symbole, Texte oder Aussagen verwenden.<\/p>\n<p>Nach \u00dcberzeugung des Soziologen Schergaut k\u00f6nnen Kommunen sehr wohl Wege finden, um solche Auftritte zu verhindern. In jedem Fall gebe es M\u00f6glichkeiten einzuschreiten, wenn Fans \u2013 wie bei Konzerten durchaus \u00fcblich \u2013 den rechten Arm zum faschistischen Gru\u00df nach oben streckten. <\/p>\n<p>luwi mit epd<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der rechtsextreme kroatische S\u00e4nger Thompson soll im November in Frankfurt auftreten. Allerdings regt sich heftiger Widerstand. 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