{"id":1253192,"date":"2026-08-22T10:19:17","date_gmt":"2026-08-22T10:19:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1253192\/"},"modified":"2026-08-22T10:19:17","modified_gmt":"2026-08-22T10:19:17","slug":"sachsens-wohnungsverbaende-machen-druck-die-waermewende-muss-sozialvertraeglich-sein-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1253192\/","title":{"rendered":"Sachsens Wohnungsverb\u00e4nde machen Druck: Die W\u00e4rmewende muss sozialvertr\u00e4glich sein \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Energie- und W\u00e4rmewende ist in der s\u00e4chsischen Wohnungs- und Energiewirtschaft l\u00e4ngst operative Realit\u00e4t. Steigende CO\u2082-Kosten, hohe Investitionsbedarfe, neue Abrechnungs- und Umlageregelungen sowie kurzfristig ver\u00e4nderte F\u00f6rderbedingungen erh\u00f6hen den Druck auf die Mieter, die sozial orientierten Wohnungsunternehmen und die kommunalen Energieversorger.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit bezahlbares Wohnen und eine sichere W\u00e4rmeversorgung auch in Zukunft gew\u00e4hrleistet bleiben, fordern der Verband kommunaler Unternehmen e. V., Landesgruppe Sachsen (VKU), der vdw Sachsen Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e. V. und der Verband S\u00e4chsischer Wohnungsgenossenschaften e. V. (VSWG) energische Schritte.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anl\u00e4sslich ihrer gemeinsamen Pressekonferenz in Dresden am Donnerstag, 20. August, machen die drei Verb\u00e4nde deutlich: Wohnen und Energieversorgung m\u00fcssen gemeinsam gedacht werden. Eine sozialvertr\u00e4gliche W\u00e4rmewende kann nur gelingen, wenn Investitionen wirtschaftlich darstellbar, politische Rahmenbedingungen langfristig verl\u00e4sslich und die entstehenden Kosten transparent sowie fair verteilt sind. Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit d\u00fcrfen nicht gegeneinander<br \/>ausgespielt werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEs ist Zeit f\u00fcr wirksame, pragmatische und zielgerichtete Ma\u00dfnahmen durch verl\u00e4ssliche Rahmenbedingungen. Wohnungsunternehmen d\u00fcrfen nicht zum Versuchsfeld einer Transformation werden, bei der Aufwand, Unsicherheit und Risiko auseinanderfallen. Wir planen und investieren \u00fcber Jahrzehnte. Gleichzeitig wachsen mit jeder neuen Umlage-, Berechnungs- und Nachweispflicht der Verwaltungsaufwand und das Fehlerrisiko. Die Verantwortung f\u00fcr Kosten und Faktoren, die Wohnungsunternehmen kaum oder gar nicht beeinflussen k\u00f6nnen, darf nicht einseitig bei den Vermietern landen. Die W\u00e4rmewende braucht eine faire Lastenverteilung zwischen Staat, Energiewirtschaft, Vermieter sowie Mieter und sie muss f\u00fcr die Menschen bezahlbar bleiben\u201c, betonte am Donnerstag <a href=\"http:\/\/vswg.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">VSWG<\/a>-Vorstand Mirjam Philipp.<\/p>\n<p>Der Bund spart die W\u00e4rmewende kaputt<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders gravierend sind die zum 21. Juli 2026 ge\u00e4nderten Bedingungen der Bundesf\u00f6rderung f\u00fcr effiziente Geb\u00e4ude (BEG). Nach Berechnung der Verb\u00e4nde sinkt bei einer gef\u00f6rderten Einzelma\u00dfnahme in einem Geb\u00e4ude mit zw\u00f6lf Wohnungen die f\u00f6rderf\u00e4hige Kostenbasis von 360.000 Euro auf 151.000 Euro \u2013 ein R\u00fcckgang um rund 58 Prozent. <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Effizienzhausf\u00f6rderung wurden die Tilgungszusch\u00fcsse pauschal um zehn Prozentpunkte reduziert und zugleich entf\u00e4llt der zus\u00e4tzliche EE-Bonus. Damit erhalten die Stufen EH 85 EE und EH 70 EE keinen Tilgungszuschuss mehr. F\u00fcr EH 55 EE verbleiben f\u00fcnf Prozent und damit bei voller Aussch\u00f6pfung des Kreditbetrags h\u00f6chstens 7.500 Euro statt zuvor bis zu 30.000 Euro je Wohnung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie neue F\u00f6rderung schw\u00e4cht ausgerechnet die Breitenmodernisierung. F\u00f6rderung darf nicht nur einzelne Leuchtturmprojekte erm\u00f6glichen. Sie muss dort ansetzen, wo f\u00fcr jeden investierten Euro m\u00f6glichst viel CO\u2082 eingespart und zugleich bezahlbarer Wohnraum erhalten werden kann. Wenn F\u00f6rderbedingungen mit kaum planbarem Vorlauf ge\u00e4ndert werden, die Effizienzhausstufen 70 EE und 85 EE ohne Tilgungszuschuss bleiben und die s\u00e4chsische F\u00f6rderung zwingend an die Bundesf\u00f6rderung gekoppelt ist, geraten wirtschaftlich tragf\u00e4hige Modernisierungen ins Wanken. Dann werden Vorhaben verschoben, reduziert oder vollst\u00e4ndig unm\u00f6glich und bezahlbares Wohnen sowie Klimaschutz verlieren gemeinsam\u201c, erkl\u00e4rt <a href=\"http:\/\/www.vdw-sachsen.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">vdw<\/a>-Verbandsdirektor Alexander M\u00fcller.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wohnungsverb\u00e4nde fordern daher, die F\u00f6rderung st\u00e4rker an tats\u00e4chlicher CO\u2082-Minderung und Kosteneffizienz auszurichten. F\u00fcr die Effizienzhausstufen 70 EE und 85 EE sind wieder tragf\u00e4hige Tilgungszusch\u00fcsse erforderlich. <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem m\u00fcsse die Degression der f\u00f6rderf\u00e4higen Kosten bei Mehrfamilienh\u00e4usern zur\u00fcckgenommen und ein Sozialbonus f\u00fcr niedrigpreisige Mietwohnungsbest\u00e4nde eingef\u00fchrt werden. F\u00f6rder\u00e4nderungen ben\u00f6tigen angemessene Vorl\u00e4ufe, belastbare \u00dcbergangsregelungen und eine bessere Abstimmung zwischen Bundes- und Landesf\u00f6rderung.<\/p>\n<p>Fernw\u00e4rme beeinflusst Wohnkosten<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fernw\u00e4rme spielt eine Schl\u00fcsselrolle. In den von den Verb\u00e4nden ausgewerteten Best\u00e4nden werden 168.657 von 213.582 Wohnungen und damit fast vier von f\u00fcnf Wohnungen mit Fernw\u00e4rme versorgt. 39.495 Wohnungen werden mit Gas beheizt, 5.430 entfallen auf sonstige Versorgungsarten. In den s\u00e4chsischen Metropolen liegt der Fernw\u00e4rmeanteil bei mehr als 90 Prozent, au\u00dferhalb bei rund 65 Prozent. Dort wird zugleich etwa ein Drittel der Wohnungen mit Gas versorgt. Zus\u00e4tzlich sind in den Mitgliedsbest\u00e4nden bereits mehr als 1.200 W\u00e4rmepumpen im Einsatz.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit wird jede Preisbewegung bei der Fernw\u00e4rme unmittelbar zu einer Frage der Wohnkosten. Wohnungsunternehmen k\u00f6nnen Preisbildung und Dekarbonisierungspfad der Energieversorger jedoch nur begrenzt beeinflussen. Anders als bei Strom oder Gas besteht aus wirtschaftlich-technischen Gr\u00fcnden bei der Fernw\u00e4rme in der Regel keine freie Anbieterwahl.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus Sicht der Verb\u00e4nde erschwert zudem das geltende Kostenneutralit\u00e4tsgebot die Umstellung vermieteter Geb\u00e4ude auf eine gewerbliche W\u00e4rmelieferung oder einen W\u00e4rmenetzanschluss. Der vorgeschriebene Kostenvergleich orientiert sich an historischen Verbrauchs- und Kostendaten. Investitions- und Transformationskosten einer neuen Versorgung, k\u00fcnftige Preissteigerungen f\u00fcr fossile Energie, zus\u00e4tzliche CO\u2082-Kosten und sp\u00e4tere Effizienzgewinne werden dabei nur unzureichend ber\u00fccksichtigt. Politisch gew\u00fcnschte Anschl\u00fcsse an W\u00e4rmenetze werden dadurch wirtschaftlich und rechtlich blockiert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eFernw\u00e4rme ist f\u00fcr Sachsen keine Randfrage, sondern ein zentraler Bestandteil der Daseinsvorsorge. Ihre Dekarbonisierung erfordert hohe und langfristige Investitionen. Diese Kosten m\u00fcssen angemessen, transparent und nachvollziehbar refinanzierbar sein. Zugleich m\u00fcssen Effizienzvorteile und \u00f6ffentliche F\u00f6rdermittel bei den Kunden ankommen, damit Transformationskosten nicht zum endlosen Preistreiber in der Fernw\u00e4rme werden. <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein r\u00fcckw\u00e4rtsgewandter Kostenvergleich darf die politisch gewollte Umstellung auf Fernw\u00e4rme nicht verhindern. Wir brauchen einen zukunftsorientierten Gesamtkostenvergleich, klare Kosten- und Preisregeln, eine verl\u00e4sslich finanzierte Bundesf\u00f6rderung f\u00fcr effiziente W\u00e4rmenetze und eine Fortf\u00fchrung des Kraft-W\u00e4rme-Kopplungsgesetzes \u00fcber 2026 hinaus\u201c, stellt <a href=\"http:\/\/www.vku.de\/verband\/struktur\/vku-in-den-laendern\/sachsen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">VKU<\/a>-Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. Florian Gr\u00e4\u00dfler fest.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die kommunale W\u00e4rmeplanung ist nach Auffassung der Verb\u00e4nde ein wichtiges Instrument. Ihre Ergebnisse m\u00fcssten jedoch verbindlicher werden: Volkswirtschaftlich m\u00fcssen parallele Infrastrukturen und Doppel-F\u00f6rderungen vermieden werden. Energieversorger, Wohnungsunternehmen und Geb\u00e4udeeigent\u00fcmer brauchen eine gemeinsame, langfristig belastbare Planungsgrundlage.<\/p>\n<p>Die Forderungen<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die drei Verb\u00e4nde b\u00fcndeln ihre Forderungen in vier Punkten:<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>F\u00fcr Kontinuit\u00e4t und Verl\u00e4sslichkeit in der F\u00f6rderung sorgen:<\/strong> Bundesf\u00f6rderung f\u00fcr effiziente Geb\u00e4ude (BEG) und Bundesf\u00f6rderung f\u00fcr effiziente W\u00e4rmenetze (BEW) m\u00fcssen dauerhaft und ausk\u00f6mmlich finanziert werden. \u00c4nderungen von F\u00f6rderbedingungen brauchen Vorlauf und \u00dcbergangszeit. Bundes- und s\u00e4chsische F\u00f6rderung m\u00fcssen so verzahnt werden, dass Sozialbindungen und Modernisierungsvorhaben nicht an F\u00f6rderl\u00fccken scheitern.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fernw\u00e4rme attraktiver machen:<\/strong> Investitionskosten in klimafreundliche Fernw\u00e4rme m\u00fcssen f\u00fcr Vermieter refinanzierbar werden, indem das Kostenneutralit\u00e4tsgebot reformiert wird. Fernw\u00e4rme-Kosten m\u00fcssen sachgerecht, transparent und rechtssicher \u00fcber Entgelte finanzierbar sein \u2013 durch einen fairen Ausgleich zwischen Verbraucherschutz der Kunden und Investitionssicherheit der Energieversorger. Das Kraft-W\u00e4rme-Kopplungsgesetz ist \u00fcber 2026 hinaus fortzuf\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lasten fair verteilen:<\/strong> Kosten, Verwaltungsaufwand und Haftungsrisiken d\u00fcrfen nicht einseitig auf Mieter, Vermieter oder Energieversorger verlagert werden. Abrechnungs- und Nachweispflichten m\u00fcssen praktikabel und rechtssicher ausgestaltet sein.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sozialvertr\u00e4glichkeit sichern:<\/strong> Die W\u00e4rmewende braucht eine wirksame sozialpolitische Abfederung. Aus Sicht der Verb\u00e4nde geh\u00f6ren dazu eine Aufstockung der W\u00e4rmenetzf\u00f6rderung (BEW) und nach wie vor die Einf\u00fchrung eines Klimageldes. Bezahlbare Wohn- und Energiekosten sind Voraussetzung f\u00fcr die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit verl\u00e4sslichen Rahmenbedingungen, einer fairen Lastenverteilung und einer wirtschaftlich tragf\u00e4higen F\u00f6rderung kann die W\u00e4rmewende klimafreundlich und bezahlbar gelingen. Bund und Freistaat sind gefordert, die notwendigen Weichenstellungen z\u00fcgig vorzunehmen.<\/p>\n<p>Die Zahlen zum Jahr 2025<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mitgliedsunternehmen des vdw Sachsen investierten im Jahr 2025 insgesamt 703,6 Millionen Euro in ihre Wohnungsbest\u00e4nde. Gegen\u00fcber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg um 68,4 Millionen Euro bzw. rund 10,8 Prozent. Der Investitionsschwerpunkt lag weiterhin auf dem Bestand.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">42,2 Prozent der Gesamtinvestitionen entfielen auf Instandhaltungs- und Instandsetzungsma\u00dfnahmen (297,3 Millionen Euro), weitere 40,5 Prozent auf Modernisierungsma\u00dfnahmen (284,7 Millionen Euro). Damit wurden rund 83 Prozent aller Investitionen in die Erhaltung, Modernisierung und Weiterentwicklung des vorhandenen Wohnungsbestandes investiert. Die Investitionen in den Neubau beliefen sich auf 121,6 Millionen Euro und machten 17,3 Prozent der Gesamtinvestitionen aus. Gleichzeitig konzentrieren sich die Unternehmen zunehmend auf die Modernisierung und den Erhalt ihrer Best\u00e4nde.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wohnungsbestand der Mitgliedsunternehmen weist insgesamt eine gute energetische Qualit\u00e4t auf, betonen die Wohnungsgenossenschaften. Der gr\u00f6\u00dfte Anteil der Wohnungen liegt in den Energieeffizienzklassen B, C und D. Im Jahr 2025 entfielen allein 39,6 % des Bestandes auf Klasse C und 23,2 % auf Klasse D. Weitere 19,4 % lagen in Klasse B. Damit befinden sich rund 83,3 % der Wohnungen im Verbandsgebiet in den Klassen A+ bis D. Gegen\u00fcber 2023 zeigt sich eine leichte Verbesserung: Der Anteil der Klasse C ist von 36,3 % auf 39,6 % gestiegen. Insgesamt zeigt sich gegen\u00fcber 2023 eine positive Entwicklung der energetischen Qualit\u00e4t des Bestandes.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">***<br \/><strong>In eigener Sache:<\/strong> Wer die Arbeit der LZ unterst\u00fctzen m\u00f6chte, kann dies durch den Abschluss eines Abonnements tun. Wer es abschlie\u00dft, bekommt die LZ ohne aufploppende Werbung zu sehen, und jeden Abend per Mail eine \u00dcbersicht der am Tag ver\u00f6ffentlichten Artikel frei Haus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Energie- und W\u00e4rmewende ist in der s\u00e4chsischen Wohnungs- und Energiewirtschaft l\u00e4ngst operative Realit\u00e4t. 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