{"id":1253207,"date":"2026-08-22T10:30:18","date_gmt":"2026-08-22T10:30:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1253207\/"},"modified":"2026-08-22T10:30:18","modified_gmt":"2026-08-22T10:30:18","slug":"steinerne-pflege-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1253207\/","title":{"rendered":"Steinerne Pflege \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Schwarz-wei\u00dfe Aufnahmen aus der Vergangenheit neben gro\u00dfen Farbfotografien aus der Gegenwart illustrieren das Wirken der Denkmalpflege in Sachsen. Stolz ist das Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege auf die 200 Aufnahmen aus der Fotosammlung, wie der Ausstellung \u00bbDenkmal \u2013 bitte recht freundlich!\u00ab im Druckkunst-Museum anzumerken ist. Das Museum in der Nonnenstra\u00dfe 38 ist selbst ein Denkmal: 1908 als Gasgl\u00fchlicht- und Petroleumbrennerfabrik errichtet (wovon das Hofgeb\u00e4ude noch zeugt). Das Vordergeb\u00e4ude entstand 1915\u201317 und beheimatete die Verlagsbuchhandlung und die Buchdruckerei Dr.\u00a0Karl Meyer, sp\u00e4ter einen Standort des grafischen Gro\u00dfbetriebes Offizin Andersen Nex\u00f6 \u2013 seit 1994 befindet sich das Museum f\u00fcr Druckkunst hier.<\/p>\n<p>Die Ausstellung zeigt nun im ersten Raum die Gr\u00fcndung und Entwicklung der Denkmalpflege in Sachsen. Durch die industrielle Revolution und die damit einhergehenden grundlegenden Ver\u00e4nderungen der baulichen Struktur von St\u00e4dten, die oftmals den Abbruch von historischer Baumasse mit sich brachten, kam es nach privaten Initiativen 1894 zur Gr\u00fcndung der K\u00f6niglich S\u00e4chsischen Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkm\u00e4ler, 1917 entstand das Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege. Der Erste Internationale Kongress der Architekten und Denkmalpfleger im Oktober 1931 in Athen betonte die Restaurierung historischer Denkm\u00e4ler, um sie nicht der rasenden Moderne zu opfern. Die aktuelle Ausstellung ist anl\u00e4sslich des 90.\u00a0Tages der Denkmalpflege entstanden. Zwei Jahre vor dessen erster Ausgabe wurde das Gesetz zum Schutz der Kunst-, Kultur- und Naturdenkmale (das sogenannte Heimatschutzgesetz) verabschiedet und gab der Denkmalpflege \u00bbeinen neuen Stellenwert\u00ab, wie auf den Ausstellungstafeln zu lesen ist. Die Sammlungen (wie die von Fotos oder auch Karten) garantierten wissenschaftliche Begleitung. N\u00e4heres zu den damals neuen Aufgaben ist allerdings nicht zu erfahren, obwohl das Landesamt die Bedeutung der Denkmalpflege als \u00bbBr\u00fccke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft\u00ab betont.<\/p>\n<p>Nach 1950 entstand das Landesamt f\u00fcr Volkskunde und Denkmalpflege, zwei Jahre sp\u00e4ter das Institut f\u00fcr Denkmalpflege in Dresden. Seit 1993 k\u00fcmmert sich das Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege in Sachsen als obere Verwaltungsbeh\u00f6rde f\u00fcr Kulturdenkmale. <\/p>\n<p>Die ausgestellten Fotografien zeigen sowohl den historischen Bestand als auch den zeitgen\u00f6ssischen Zustand, jeweils erg\u00e4nzt um eine Texttafel. Zu sehen sind historische Stadtanlagen wie der Rote Turm in Chemnitz, Industriearchitektur wie die Spinnerei in Fl\u00f6ha \u2013 als Produktionsst\u00e4tte von 1809 bis 1994 die \u00e4lteste in Sachsen \u2013 und der Bergbau-Technikpark in Gro\u00dfp\u00f6sna, aber auch Geb\u00e4ude wie das Gohliser Schl\u00f6sschen. Der Blick auf die Texttafeln f\u00fchrt dabei zu einiger Verwunderung: So wurde etwa bei der Beschreibung der baulichen Umgebung am Roten Turm vor 1989 Karl-Marx-Stadt in Anf\u00fchrungszeichen gesetzt. Der selbst formulierte Br\u00fccken- bzw. Vermittlungscharakter zeigt sich dabei ebenso wenig wie beim Weglassen von historischen Fakten \u2013 etwa beim Gohliser Schl\u00f6sschen. Neben dessen Entstehung und Gestaltung im 18. Jahrhundert fehlen die sp\u00e4teren Nutzungen \u2013 als Wohnanlage und als Prototyp eines Hauses der Kultur im Nationalsozialismus. Sp\u00e4testens da wird die Frage laut: Welche Geschichte, Vergangenheit und Pflege wird hier eigentlich verhandelt? Und welche Spuren werden gepflegt und gehegt?<\/p>\n<p>Auch bei neueren Kulturdenkm\u00e4lern zeugen die Texttafeln von irritierenden Formulierungen: Die Leuchtreklame der L\u00f6ffelfamilie vom VEB Feinkost auf dem Feinkostgel\u00e4nde an der Karl-Liebknecht-Stra\u00dfe wird da als \u00bbkultigste Neonwerbung\u00ab beschrieben \u2013 ein Superlativ, der nur gefeiert werden kann, weil eine Vielzahl \u00e4hnlicher Anlagen nach 1990 zerst\u00f6rt wurde oder im Depot der \u00d6ffentlichkeit entzogen ist. <\/p>\n<p>Zu den neueren Eintr\u00e4gen auf der s\u00e4chsischen Denkmalkarte z\u00e4hlt das Graffito von Blek Le Rat, das er zur Ausstellung der Kustodie 1991 \u00fcber Schablonen ans Eckhaus Karl-Liebknecht-\/Hohe Stra\u00dfe anbrachte. Der aktuellste Eintrag geh\u00f6rt dem Objekt in der Kamenzer Stra\u00dfe \u2013 dem KZ-Au\u00dfenlager der HASAG, das seit einigen Wochen auf der Karte auftaucht. Dieser Eintrag wiederum verweist auf den langen und auch hartn\u00e4ckigen Kampf gesellschaftlicher Akteurinnen und Akteure, um den Denkmalschutz erst zu aktivieren und historisch wichtiger Baumasse den Schutzstatus zu verleihen (s. www.kreuzer-leipzig.de).<\/p>\n<p>Jenseits der Ausstellung gibt das vor Kurzem erschienene Jahrbuch der s\u00e4chsischen Denkmalpflege in zahlreichen Berichten Auskunft \u00fcber die Aktivit\u00e4ten. So kann hier die Bergung, Restaurierung, Rettung und Wiederaufstellung der vier Wandreliefs aus dem abgerissenen Robotron-Geb\u00e4ude in der Gerberstra\u00dfe nachgelesen werden. Auch zu Kirchenbauten in der DDR im Bistum Dresden-Mei\u00dfen ist dort etwas zu erfahren, ebenso \u00fcber die \u00bbDenkmalpflegerische Einordnung der erhaltenen baulichen Zeugnisse und restauratorische Befunde\u00ab im ehemaligen KZ Sachsenburg, was im kreuzer auch schon \u00f6fter thematisiert wurde. Der Abriss der dortigen Kommandantenvilla konnte offensichtlich nicht verhindert werden \u2013 ein besonders wichtiges Zeugnis im heute in der Struktur noch fast vollst\u00e4ndig erhaltenen fr\u00fchen KZ in Sachsen.\u00a0<\/p>\n<p>&gt; Ausstellung \u00bbDenkmal \u2013 bitte recht freundlich! Fotografie im Auftrag der s\u00e4chsischen Denkmalpflege\u00ab: bis 13.9., Museum f\u00fcr Druckkunst Leipzig<\/p>\n<p>&gt; Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege Sachsen (Hg.): Denkmalpflege in Sachsen. Jahrbuch 2022. Mitteilungen des Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege Sachsen. Dresden: Sandstein Kultur 2026, 200 S., 15 \u20ac<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Schwarz-wei\u00dfe Aufnahmen aus der Vergangenheit neben gro\u00dfen Farbfotografien aus der Gegenwart illustrieren das Wirken der Denkmalpflege in Sachsen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1253208,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[2076,3364,11351,29,20475,30,2075,71,859],"class_list":["post-1253207","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-ausstellung","tag-de","tag-denkmal","tag-deutschland","tag-erinnerung","tag-germany","tag-kunst","tag-leipzig","tag-sachsen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117138700736313288","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1253207","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1253207"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1253207\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1253208"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1253207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1253207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1253207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}