{"id":1253284,"date":"2026-08-22T11:26:16","date_gmt":"2026-08-22T11:26:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1253284\/"},"modified":"2026-08-22T11:26:16","modified_gmt":"2026-08-22T11:26:16","slug":"steuern-augsburger-professor-fordert-abschaffung-von-30-abgaben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1253284\/","title":{"rendered":"Steuern: Augsburger Professor fordert Abschaffung von 30 Abgaben"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Professor <strong class=\"font-bold\">Gregor Kirchhof<\/strong> will nicht an der n\u00e4chsten kleinen Stellschraube drehen. Der Augsburger Steuerrechtler greift gedanklich gleich zum richtig dicken Rotstift. Von den rund 40 verschiedenen Steuern in Deutschland k\u00f6nnten seiner Ansicht nach 30 bis 36 einfach im Nirvana verschwinden. Und das Erstaunliche an seiner Rechnung, in der Staatskasse soll danach nicht weniger, sondern sogar mehr Geld liegen!\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Was zun\u00e4chst nach einem gewaltigen Wunschzettel f\u00fcr Steuerzahler klingt, bezeichnet Kirchhof als n\u00fcchterne Rechnung. \u201eDas klingt paradox, ist aber schlicht Mathematik. Komplexit\u00e4t hat ihren Preis\u201c, sagt der Professor f\u00fcr \u00d6ffentliches Recht, Finanzrecht und Steuerrecht. Seine Idee: Einkommen- und Umsatzsteuer moderat anheben \u2013 und daf\u00fcr einen Gro\u00dfteil der kleineren Steuerarten komplett abschaffen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Dargelegt hat Kirchhof seinen Vorschlag in einem <a href=\"https:\/\/www.uni-augsburg.de\/de\/campusleben\/neuigkeiten\/2026\/08\/21\/steuerrechtsexperte-prof-dr-gregor-kirchhof-uber-reformbedarf-des-deutschen-steuersystems\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" class=\"underline \">Interview mit dem Presse-Team der Universit\u00e4t Augsburg<\/a>. Kirchhof leitet an der Juristischen Fakult\u00e4t das Institut f\u00fcr Wirtschafts- und Steuerrecht. Sein Urteil \u00fcber das deutsche System ist mehr als deutlich: \u201eDeutschland erhebt rund 40 verschiedene Steuern. Das ist kein Zeichen von Differenziertheit \u2013 das ist ein historisch gewachsenes Geflecht, das dringend entwirrt werden m\u00fcsste.\u201c\n  <\/p>\n<p>            Vier Steuern bringen bereits 85 Prozent<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Allein Einkommen-, Umsatz-, K\u00f6rperschaft- und Gewerbesteuer br\u00e4chten rund 85 Prozent der gesamten Steuereinnahmen. Die zehn ertragreichsten Steuerarten k\u00e4men zusammen auf 95 Prozent.<br \/>\nDie \u00fcbrigen rund 30 Abgaben steuern lediglich f\u00fcnf Prozent bei. Noch drastischer ist der Blick auf das untere Ende: \u201eDie untersten 20 bringen gemeinsam nicht einmal ein Prozent\u201c, erkl\u00e4rt Kirchhof. Trotzdem m\u00fcssten auch diese Steuern geregelt, erhoben, verwaltet und gepr\u00fcft werden \u2013 \u201eein enormer Aufwand f\u00fcr die B\u00fcrger, Unternehmen und den Staat\u201c.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Seine Rechnung ist deshalb radikal, aber einfach: \u201eW\u00fcrden wir die Einkommen- und Umsatzsteuer moderat anheben, k\u00f6nnten wir 30 bis 36 Steuern abschaffen \u2013 und h\u00e4tten am Ende sogar mehr Geld in der Staatskasse.\u201c Die Menschen w\u00fcrden von Steuern und B\u00fcrokratie entlastet, w\u00e4hrend der Staat h\u00f6here Einnahmen erzielen k\u00f6nne.\n  <\/p>\n<p>            Kirchhof kritisiert die Erbschaftsteuer<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Auch beim \u201ehei\u00dfen Eisen\u201c Erbschaftsteuer analysiert Kirchhof eiskalt. Diese bringe gerade einmal 1,5 Prozent der Steuereinnahmen ein, w\u00e4hrend die Einkommensteuer 25-mal mehr zum Staatshaushalt beitrage. Die Erbschaftsteuer sei zudem kein geeignetes Instrument, um die Schere zwischen Arm und Reich wirksam zu schlie\u00dfen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eWer die Erbschaftsteuer erh\u00f6ht, l\u00f6st kein Haushaltsproblem und beantwortet auch keine soziale Frage\u201c, sagt der Augsburger Professor. Stattdessen entst\u00fcnden teure B\u00fcrokratie, komplizierte Bewertungen, Rechtsunsicherheiten und Risiken f\u00fcr Arbeitspl\u00e4tze und Steuerertr\u00e4ge. Sein Fazit: \u201eLetztlich schadet die Erbschaftsteuer mehr, als sie bringt.\u201c<br \/>\nKirchhof bestreitet dabei nicht, dass es berechtigte Gerechtigkeitsfragen rund um gro\u00dfe Erbschaften gibt. F\u00fcr den sozialen Ausgleich brauche es seiner Ansicht nach jedoch passendere Antworten \u2013 etwa bessere Bildungschancen und Konzepte, die mehr Menschen einen privaten Verm\u00f6gensaufbau erm\u00f6glichen.\n  <\/p>\n<p>            Hat die Politik schlicht Angst vor einer Reform?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Warum eine gro\u00dfe Reform bislang ausgeblieben ist, erkl\u00e4rt Kirchhof nicht allein mit mangelnder Einsicht. \u201eDie Politik scheint den m\u00f6glichen Gegenwind zu f\u00fcrchten, den eine echte Steuerreform mit sich bringen k\u00f6nnte\u201c, sagt er. Gleichzeitig gehe es um Zust\u00e4ndigkeiten, Einnahmen \u2013 und Macht.<br \/>\nEinkommen- und Umsatzsteuer stehen Bund und L\u00e4ndern gemeinsam zu. \u00c4nderungen ben\u00f6tigen daher Mehrheiten im Bundestag und im Bundesrat. Der Bund greife deshalb lieber zu Schulden oder halte an Konstruktionen wie dem Solidarit\u00e4tszuschlag fest. Kirchhofs Urteil: \u201eSteuerpolitik folgt eben nicht nur \u00f6konomischer Vernunft, sondern auch f\u00f6deraler Machtarithmetik.\u201c<br \/>\nDass es einfacher gehen kann, zeige der Blick ins Ausland. \u201eIn Schweden reicht eine SMS, in Finnland ein Schweigen\u201c, sagt Kirchhof \u00fcber die dort bereits vorausgef\u00fcllten Steuererkl\u00e4rungen. Weniger B\u00fcrokratie und niedrigere Kosten seien also keine theoretischen Versprechen: \u201eDas ist kein Experiment \u2013 es ist bew\u00e4hrte Praxis in anderen L\u00e4ndern.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Quelle:<a href=\"https:\/\/www.uni-augsburg.de\/de\/campusleben\/neuigkeiten\/2026\/08\/21\/steuerrechtsexperte-prof-dr-gregor-kirchhof-uber-reformbedarf-des-deutschen-steuersystems\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" class=\"underline \"> Universit\u00e4t Augsburg<\/a>\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Professor Gregor Kirchhof will nicht an der n\u00e4chsten kleinen Stellschraube drehen. 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