{"id":1254300,"date":"2026-08-22T23:14:27","date_gmt":"2026-08-22T23:14:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1254300\/"},"modified":"2026-08-22T23:14:27","modified_gmt":"2026-08-22T23:14:27","slug":"polizistenmord-in-augsburg-der-taeter-der-zweimal-toetete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1254300\/","title":{"rendered":"Polizistenmord in Augsburg: Der T\u00e4ter, der zweimal t\u00f6tete"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\" alt=\"Die Beine eines am Boden liegenden Menschen liegen im Scheinwerferlicht eines Polizeifahrzeugs in der Dunkelheit auf Laub.\" class=\"p19fvxmw\"\/><\/p>\n<p class=\"c1pbsmr2\">\u00dcblicherweise sind Polizisten diejenigen, die zur Aufkl\u00e4rung der Verbrechen beitragen. In dieser Folge von &#8222;Schuld und S\u00fchne&#8220; ger\u00e4t die Polizei selbst in die Schusslinie von Kriminellen.&#13;\n<\/p>\n<p>26.04.2024 | 42:48 min<\/p>\n<p class=\"r1nj4qn5 rvqyqzi\">In einer Oktobernacht im Jahr 2011 war der Polizist Mathias V. mit einer Kollegin auf Streife am Stadtrand von Augsburg. Ihnen fielen zwei M\u00e4nner auf, die mit einem Motorrad auf einem dunklen Parkplatz am Stadtrand fuhren. Als sie sie kontrollieren wollten, fl\u00fcchteten die M\u00e4nner sofort in ein angrenzendes Naturschutzgebiet. Dort schossen sie aus dem Hinterhalt auf die Polizisten. Mathias V. wurde getroffen und starb.<\/p>\n<p class=\"r1nj4qn5 rvqyqzi\">Aus ganz <a data-testid=\"richtext-link\" class=\"_nl_\" id=\"245d3de5\" href=\"https:\/\/www.zdfheute.de\/thema\/bayern-news-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bayern<\/a> eilten mehrere Hundertschaften der Polizei herbei und umstellten den Wald, in den die M\u00e4nner geflohen waren. Bis zu 1.000 Polizeibeamte waren im Einsatz. Es sei einer der gr\u00f6\u00dften Polizeieins\u00e4tze in der Geschichte der Stadt gewesen, sagt der Augsburger Journalist Holger Sabinsky-Wolf in der ZDFinfo-Doku &#8222;<a data-testid=\"richtext-link\" href=\"https:\/\/www.zdf.de\/video\/dokus\/schuld-und-suehne-mit-paulina-krasa--100\/schuld-und-suehne-mit-paulina-krasa-schuesse-aus-der-finsternis-100\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"\">Schuld und S\u00fchne &#8211; Sch\u00fcsse aus der Finsternis<\/a>&#8222;: &#8222;So etwas hatten wir zuvor noch nie gesehen.&#8220;<\/p>\n<p>Polizistenmord in Augsburg im Jahr 1975<\/p>\n<p class=\"r1nj4qn5 rvqyqzi\">Einen t\u00f6dlichen Angriff auf einen Polizisten, das hatte es in Augsburg zuletzt mehr als 30 Jahre davor gegeben: 1975 t\u00f6tete der damals 19-j\u00e4hrige Rudolf R. einen Polizisten bei einem Raub\u00fcberfall.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\" alt=\"Urteil im Fall des get\u00f6teten Polizisten\" class=\"p19fvxmw\"\/><\/p>\n<p class=\"c1pbsmr2\">Im Prozess um den get\u00f6teten Polizisten in V\u00f6lklingen wurde  das Urteil verk\u00fcndet. Der heute 19-j\u00e4hrige T\u00e4ter \u00fcberfiel eine Tankstelle und erschoss den Beamten im Einsatz.<\/p>\n<p>01.04.2026 | 2:46 min<\/p>\n<p class=\"r1nj4qn5 rvqyqzi\">Im Fall von Mathias V. hatte die Polizei zun\u00e4chst wenig Ansatzpunkte: Das Motorrad war geklaut. Die DNA-Spuren am Tatort zeigten keinen Treffer in der Datenbank. Die Ermittler wandten sich bereits wenige Tage nach der Tat \u00fcber die ZDF-Sendung &#8222;<a data-testid=\"richtext-link\" class=\"_nl_\" id=\"064e83f3\" href=\"https:\/\/www.zdfheute.de\/thema\/aktenzeichen-xy-ungeloest-316.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Aktenzeichen XY<\/a>&#8220; an die \u00d6ffentlichkeit. 55.000 Euro wurden als Belohnung ausgelobt. \u00dcber 1.000 Hinweise arbeiteten die Beamten ab, aber ohne Erfolg.<\/p>\n<blockquote class=\"bosa0j6\">\n<p class=\"tley63f hhhtovw\">Wir haben vier Wochen lang ermittelt, und jeder Ermittlungsansatz ging bisher ins Leere.<\/p>\n<p>\u201e<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"abqjgdv m1lnp037\">Richard Wei\u00df, Mordkommission der Augsburger Polizei<\/p>\n<p>Hei\u00dfe Spur nach \u00dcberpr\u00fcfung eines Autos<\/p>\n<p class=\"r1nj4qn5 rvqyqzi\">Doch dann endlich eine Spur: Im Tatzeitraum hatte eine Polizeistreife in der N\u00e4he des Parkplatzes ein auff\u00e4lliges Auto \u00fcberpr\u00fcft. Die Polizei stellte sp\u00e4ter fest: Der Halter war verwandt mit Rudolf R., ausgerechnet jenem Mann, der bereits in den 1970er-Jahren einen Polizisten in Augsburg ermordet hatte. K\u00f6nnte er wieder der M\u00f6rder sein? &#8222;Das war nat\u00fcrlich dann schon eine hei\u00dfe Spur vom ersten Moment an&#8220;, erinnert sich Richard Wei\u00df von der Kriminalpolizei Augsburg.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\" alt=\"Gedenken an get\u00f6teten Zugbegleiter\" class=\"p19fvxmw\"\/><\/p>\n<p class=\"c1pbsmr2\">Im Fall des get\u00f6teten Zugbegleiters in Rheinland-Pfalz hat das Gericht entschieden: Der 26\u2011j\u00e4hrige Angeklagte muss f\u00fcr zehn Jahre ins Gef\u00e4ngnis. Die Familie k\u00fcndigte an, in Revision zu gehen.&#13;\n <\/p>\n<p>09.07.2026 | 1:19 min<\/p>\n<p class=\"r1nj4qn5 rvqyqzi\">Die Polizei observierte R. und stellte fest, dass er fast t\u00e4glich mit seinem Bruder spazieren ging. Sie trafen sich h\u00e4ufig in der N\u00e4he gro\u00dfer Gesch\u00e4fte. Die Polizei hatte einen Verdacht: Waren die Br\u00fcder vielleicht nicht nur f\u00fcr den Mord an Mathias V. verantwortlich, sondern auch die T\u00e4ter einer Reihe von Raub\u00fcberf\u00e4llen, die damals in der Region stattfanden?<\/p>\n<p>Ein Waffenarsenal zu Hause<\/p>\n<p class=\"r1nj4qn5 rvqyqzi\">Im Dezember 2011 nahm die Polizei die beiden Br\u00fcder fest. Sie durchsuchten die Grundst\u00fccke der beiden &#8211; mit Erfolg: &#8222;Wir fanden ein wahnsinniges Waffenarsenal in einem Ausma\u00df, das man selten sieht&#8220;, sagt Reinhard Wei\u00df. <\/p>\n<p class=\"r1nj4qn5 rvqyqzi\">Die Br\u00fcder versteckten dort auch das Raubgut von mehreren \u00dcberf\u00e4llen sowie die Tatwaffe, mit der Mathias V. get\u00f6tet wurde. Dazu unz\u00e4hlige Pistolen, Handgranaten und Kalaschnikows. Und schlie\u00dflich stie\u00dfen die Ermittler auf eine Tasche mit Blutspuren des get\u00f6teten Polizisten Mathias V. Damit hatten sie ein entscheidendes Indiz.<\/p>\n<blockquote class=\"bosa0j6\">\n<p class=\"tley63f hhhtovw\">Das war der Durchbruch, wo man dann sicher war: Das waren die M\u00f6rder vom Kollegen V.<\/p>\n<p>\u201e<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"abqjgdv m1lnp037\">Markus Pfann, Mordkommission der Augsburger Polizei<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\" alt=\"Fachwerkhaus von oben: Jugendstrafanstalt Seehaus in Leonberg\" class=\"p19fvxmw\"\/><\/p>\n<p class=\"c1pbsmr2\">Europaweit sind die Gef\u00e4ngnisse \u00fcberf\u00fcllt und personell unterbesetzt. Hohe R\u00fcckfallquoten lassen Zweifel am bestehenden System aufkommen. Welche Alternativen bieten offene Gef\u00e4ngnisse?<\/p>\n<p>23.05.2026 | 29:33 min<\/p>\n<p>Erneutes T\u00f6tungsdelikt ist statistisch selten<\/p>\n<p class=\"r1nj4qn5 rvqyqzi\">Der verurteilte Polizistenm\u00f6rder von 1975, Rudolf R. war nach seiner Haft r\u00fcckf\u00e4llig geworden. Merten Neumann vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen erforscht die R\u00fcckfallquote bei Straft\u00e4tern. Einige werden r\u00fcckf\u00e4llig, begehen gleich nach der Haft neue Taten, doch bei T\u00f6tungsdelikten sieht es laut Neumann anders aus.<\/p>\n<p class=\"r1nj4qn5 rvqyqzi\">Nach einer Statistik des Bundesjustizministeriums begehen nur 0,5 Prozent derjenigen, die wegen eines T\u00f6tungsdelikts verurteilt wurden, wieder eine solche Tat. Merten Neumann erkl\u00e4rt: &#8222;T\u00f6tungsdelikte entstehen oft aus einer speziellen Beziehungssituation. Dass die wieder auftritt, ist unwahrscheinlich.&#8220;<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/haft-strafe-vollzug-100~384x216.jpeg\"  alt=\"Haftzelle wird mit einem gro\u00dfen Schl\u00fcssel zugesperrt.\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"  style=\"object-fit:cover;object-position:center\" fetchpriority=\"low\" class=\"f1mqliu0\"\/><\/p>\n<p>Interview<\/p>\n<p class=\"r1nj4qn5 rvqyqzi\">Doch es gibt einen Faktor bei R., der eine erneute Straftat wahrscheinlicher gemacht habe. Er t\u00f6tete bei einem Raub\u00fcberfall: &#8222;Wenn Gewalt als Mittel zum Zweck verwendet wird, zum Beispiel bei Raubdelikten, ist die R\u00fcckfallquote h\u00f6her&#8220;, sagt Neumann. Sein Verhalten vor Gericht lie\u00df zudem auf eine tiefe Ablehnung gegen\u00fcber dem Staat schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Nie wieder in Freiheit<\/p>\n<p class=\"r1nj4qn5 rvqyqzi\">2013 begann der Mordprozess gegen die Br\u00fcder R. vor dem Landgericht Augsburg. Der Bruder von Rudolf R. wurde zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Bei Rudolf R. selbst war das Urteil noch h\u00e4rter: Er wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld verurteilt. Das Gericht ordnete daher die anschlie\u00dfende Sicherungsverwahrung des T\u00e4ters an: Die Gefahr, dass Rudolf R. wieder ein Verbrechen begeht, sei zu hoch, um ihn je wieder freizulassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00dcblicherweise sind Polizisten diejenigen, die zur Aufkl\u00e4rung der Verbrechen beitragen. 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