{"id":1255424,"date":"2026-08-23T12:39:18","date_gmt":"2026-08-23T12:39:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1255424\/"},"modified":"2026-08-23T12:39:18","modified_gmt":"2026-08-23T12:39:18","slug":"in-der-wildnis-rumaeniens-in-transsilvanien-ist-man-auf-du-und-du-mit-bisons-und-baeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1255424\/","title":{"rendered":"In der Wildnis Rum\u00e4niens: In Transsilvanien ist man auf du und du mit Bisons und B\u00e4ren"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Man kann sich in Rum\u00e4niens Karpaten einen Kindheitstraum erf\u00fcllen, wenn man nur auf die Toilette geht. Der Abend d\u00e4mmert, als ich aus der H\u00fctte trete. Dichter Nebel. Duft nach Kr\u00e4utern. Ich bin allein auf einer Bergwiese im F\u0103g\u0103ra\u0219-Massiv, 1600 Meter hoch.<\/p>\n<p>Da ert\u00f6nt ein Schnauben neben mir. Fortziehende Dunstschleier enth\u00fcllen ein Urvieh aus der Eiszeit, das eigentlich ausgestorben war: ein europ\u00e4isches Bison. Der Wisentbulle, etwa 700 Kilogramm schwer, hat aufgeh\u00f6rt zu kauen und betrachtet mich. Ich erstarre. Das ist mehr Wildnis, als ich mir erhofft hatte.<\/p>\n<p>Obwohl meine Erwartungen durchaus hoch waren. Urw\u00e4lder, W\u00f6lfe, Luchse, Europas h\u00f6chste Braunb\u00e4rdichte: Transsilvaniens Bergwelt bildet eine der letzten echten Wildnisse in der EU. Sie ungefiltert zu erleben und dabei ihre Rettung zu f\u00f6rdern \u2013 nicht weniger verspricht Travel Carpathia, der junge \u00d6kotourismusanbieter der Umweltstiftung Conservation Carpathia.<\/p>\n<p>Das deutsch-\u00f6sterreichische Biologen-Paar Barbara und Christoph Promberger gr\u00fcndete sie, um in <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/rumaenien-reisen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/rumaenien-reisen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rum\u00e4niens<\/a> Mitte ein Schutzgebiet von Weltrang zu schaffen, das mit gut 250.000 Hektar Fl\u00e4che achtmal gr\u00f6\u00dfer als die Landfl\u00e4che der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/malediven-urlaub\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/malediven-urlaub\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Malediven<\/a> werden soll. Das k\u00fcnftige \u201eYellowstone Europas\u201c, schrieb die \u201eNew York Times\u201c.<\/p>\n<p>Beste Chancen auf B\u00e4ren und Bisons<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man beide nicht vergleichen, aber tats\u00e4chlich ist die EU-Variante dem US-Nationalpark in wichtigen Punkten voraus: Die Anreise ist kurz, ohne l\u00e4stige Grenzformalit\u00e4ten und Jetlag. Statt den Park durchs Autofenster zu betrachten, wandert man mit einem Nature Guide direkt durch menschenleere, stra\u00dfenfreie Wildnis.<\/p>\n<p>Man hat dabei die besten Chancen, Bisons oder B\u00e4ren zu beobachten. Denn beide sind, im Gegensatz zu ihren nordamerikanischen Verwandten, nicht angriffslustig. Was laut Studien auch an jahrhundertelanger Jagd bei engem Zusammenleben mit Menschen liegt \u2013 nur die zur\u00fcckhaltenden Tiere \u00fcberlebten.<\/p>\n<p>Positiv kommt hinzu, dass Transsilvanien \u2013 das historische <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/siebenbuergen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/siebenbuergen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Siebenb\u00fcrgen<\/a>, das von den <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/karpaten\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/karpaten\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Karpaten<\/a> auf drei Seiten umgeben ist \u2013 eine unerwartete kulturelle Vielfalt bietet. Schon der Transfer vom Flughafen Hermannstadt (Sibiu) ist wie eine Reise in eine andere Welt und Zeit. Der Fahrer h\u00f6rt ungarisches Radio; er ist Ungar, wie etliche Bewohner Siebenb\u00fcrgens, das einst zu \u00d6sterreich-Ungarn geh\u00f6rte. Die bunt get\u00fcnchten Hofh\u00e4user in den D\u00f6rfern bauten einst Siebenb\u00fcrger Sachsen, eine deutschsprachige Minderheit, die inzwischen fast vollst\u00e4ndig nach <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/deutschland-reisen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/deutschland-reisen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a> ausgesiedelt ist.<\/p>\n<p>Wir weichen Rindern auf der Stra\u00dfe aus. \u00dcberholen Pferdekarren. Ein Bauer melkt eine Kuh an einem steilen Hang per Hand. Frauen mit bunten Kopft\u00fcchern und langen R\u00f6cken gehen vorbei. Am Rande vieler D\u00f6rfer siedeln Roma. Abseits der Touristenorte ist auf dem Land auch Armut sichtbar. Ein weiteres Ziel der Umweltstiftung ist, neben dem Naturschutz, die Beteiligung der lokalen Bev\u00f6lkerung an den Chancen, die der nachhaltige <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/tourismus\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/tourismus\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tourismus<\/a> bringt.<\/p>\n<p>Mountainbiking, Wandern, Birdwatching<\/p>\n<p>Ein klares Beispiel hierf\u00fcr: die Cobor Biodiversity Farm im Landkreis Kronstadt (Brasov). Manager Joska, der sich wie alle hier nur mit Vornamen vorstellt, begr\u00fc\u00dft die Besucher vor dem alten Siebenb\u00fcrger Hof, der mit Liebe renoviert wurde. F\u00fcr Urlaub auf dem Land mit Bogenschie\u00dfen, Spielen und Exkursionen; f\u00fcr Familien, Mountainbiker, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/wandern\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/wandern\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wanderer<\/a>, Botanikfans und Birdwatcher.<\/p>\n<p>Der Fr\u00fchst\u00fcckstisch ist eine Offenbarung: hausgebackenes Brot. Gurken, Tomaten, Trauben aus dem Garten. Dazu Spezialit\u00e4ten lokaler Bauern, die die Stiftung unterst\u00fctzt: Wurst-, Schafs- und Kuhk\u00e4sesorten, Brombeer- und Hagebuttenmarmelade, Honig, Waldpilzaufstrich. Und Zacusc\u0103, eine k\u00f6stliche Paste aus gegrillter Paprika und Auberginen, raffiniert gew\u00fcrzt mit Honig und Chili.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter zuckeln wir bei einer Farmtour auf Pferdekarren durch die H\u00fcgel am Fu\u00dfe der Karpaten. Kornblumen, K\u00f6nigskerzen und Wei\u00dfdorn bl\u00fchen, umflattert von Schmetterlingen. So schnell war ich noch nie entschleunigt. \u201eDieses Gebiet haben wir mit mehreren Hundert Eichen wieder aufgeforstet\u201c, sagt Joska und deutet voraus.<\/p>\n<p>Er erz\u00e4hlt von verheerenden Abholzungen in Rum\u00e4nien nach der Wende. \u201eAber unsere Enkel werden hier wieder durch gro\u00dfe Eichenw\u00e4lder gehen.\u201c Bis heute hat die Stiftung mehr als 4,5 Millionen B\u00e4ume gepflanzt.<\/p>\n<p>Wir passieren eine Herde archaischer Rinder. Silbergraues Fell, ausladende H\u00f6rner. Transsilvanisches Grauvieh, eine historische Rasse, extrem robust, wehrhaft gegen Raubtiere, hervorragendes Fleisch, stark vor dem Pflug. Industrielle Landwirtschaft lie\u00df dieses Steppenrind fast aussterben. Auf der Cobor-Farm wird es vermehrt, zur Landschaftspflege und f\u00fcr exzellentes Gulasch, das man sonst nirgendwo bekommt. Eine weitere Attraktion sind Wanderungen mit speziellen Karpaten-Hirtenhunden, die hier ebenfalls gez\u00fcchtet werden. Fertig ausgebildet gehen sie kostenlos an Sch\u00e4fer, um deren Herden vor B\u00e4ren, Luchsen und W\u00f6lfen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Wanderungen nur mit zertifiziertem Guide<\/p>\n<p>B\u00e4ren sind ein hei\u00dfes Thema. In Rum\u00e4nien leben rund 60 Prozent des europ\u00e4ischen Bestands au\u00dferhalb von Russland, etwa 8000 Tiere. Biologen sehen sie als unverzichtbare Akteure f\u00fcr eine intakte Natur. Teile der Bev\u00f6lkerung f\u00fcrchten sie. Touristen kommen gezielt ihretwegen. Traurige Ber\u00fchmtheit erlangten die \u201eBettel-<a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/baeren\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/baeren\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">B\u00e4ren<\/a>\u201c an der Hochstra\u00dfe Transf\u0103g\u0103r\u0103\u0219an.<\/p>\n<p>Durch jahrelanges F\u00fcttern, was verboten ist, lernten sie, ihre Menschenscheu zu unterdr\u00fccken. 2025 starb ein Motorradtourist, als er abstieg und f\u00fcr Selfies B\u00e4renjunge aus seiner Hand fressen lie\u00df. Ihre Mutter verlor die Nerven und griff an.<\/p>\n<p>Denn von Natur aus f\u00fcrchten und meiden die wilden B\u00e4ren der Karpaten Menschen. Im Gegensatz zu den Grizzlys im Yellowstone-Nationalpark, wo man sogar auf Deodorant verzichten soll, weil dieser Duft sie anlockt. Europ\u00e4ische <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/braunbaeren\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/braunbaeren\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Braunb\u00e4ren<\/a> hingegen sind fluchtorientiert. Was nicht hei\u00dft, dass sie nicht gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnen. Deshalb \u2013 und um die Wildnis zu genie\u00dfen, statt sich in ihr zu verirren \u2013 sollte man mit einem zertifizierten Guide auf Wandertour gehen.<\/p>\n<p>\u201eWir haben immer B\u00e4renspray dabei\u201c, sagt Radu von Travel Carpathia. \u201eAllerdings hat es bisher keiner gebraucht. Wir verhalten uns eben so, dass die B\u00e4ren sich verziehen, bevor wir sie bemerken.\u201c Mit Gl\u00fcck k\u00f6nnten wir einen durchs Fenster der Bergh\u00fctte sehen, in der wir \u00fcbernachten werden.<\/p>\n<p>Zerkratzte B\u00e4ume, Kothaufen, Prankenabdr\u00fccke<\/p>\n<p>Wem das zu unsicher ist, der bucht die B\u00e4rentour der Eco-Lodge \u201eEquus Silvania\u201c. Die komfortable Unterkunft mit Reiterhof liegt nahe des Stramba-Tals, wo die lokale Forstbeh\u00f6rde eine Beobachtungsstation f\u00fcr Touristen eingerichtet hat. Durch heimliches Auslegen von Nahrung \u2013 strikt ohne Menschenkontakt \u2013 besuchen wilde B\u00e4ren dort regelm\u00e4\u00dfig eine Lichtung.<\/p>\n<p>Auch wegen seiner unber\u00fchrten Urw\u00e4lder ist das Tal einen Besuch wert. Bei einer Wanderung erkl\u00e4rt Radus Kollegin Elena die Pflanzen, Pilze \u2013 und die \u00fcberall sichtbaren \u201eVisitenkarten\u201c der B\u00e4ren: zerkratzte B\u00e4ume als Reviermarkierung, Kothaufen, Prankenabdr\u00fccke und Holzbrocken, die sie aus morschen St\u00e4mmen rei\u00dfen, um verborgene Insekten zu fressen. Wir begegnen keinem Menschen au\u00dfer einer Professorin mit einer Gruppe Wissenschaftler, die uns auf Deutsch ihre Forschungen erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Am Treffpunkt f\u00fcr die B\u00e4rentour wartet ein Ranger mit einem Gewehr, das aber nicht gebraucht wird, sondern an seiner Schulter h\u00e4ngen bleibt. Er f\u00fchrt uns an einem Bach entlang, wir sollen schweigen. Die H\u00fctte steht auf Stelzen, eine Leiter f\u00fchrt hinauf. Lautlos warten wir. Blicken 20 Minuten auf die leere Lichtung. Pl\u00f6tzlich: Eine B\u00e4rin erscheint! Mit zwei Jungen!<\/p>\n<p>Zwei Jahre sind die alt, h\u00f6ren wir sp\u00e4ter, und damit nahezu selbstst\u00e4ndig. Aber sie benehmen sich wie Kinder, klettern auf St\u00e4mme, spielen und purzeln herum, teils nur zehn Meter von uns entfernt.<\/p>\n<p>Eine halbe Stunde lang beobachten wir sie entz\u00fcckt. Bis sie weiterziehen und der Ranger uns zur\u00fcckf\u00fchrt. \u201eSo nahe kommen wir den B\u00e4ren nimmer!\u201c, freut sich ein Paar aus <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/nuernberg\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/nuernberg\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">N\u00fcrnberg<\/a> aus der G\u00e4stegruppe, die heute vier K\u00f6pfe z\u00e4hlt. Bis nach <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/kanada-reisen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/kanada-reisen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kanada<\/a> seien sie gereist, um B\u00e4ren zu beobachten. \u201eAber sie waren sehr weit weg.\u201c Beim Abendessen im \u201eEquus Silvania\u201c zeigen wir einander die B\u00e4renfotos.<\/p>\n<p>Dann geht es mit Radu in die Berge. Zu rustikalen H\u00fctten ohne Internet, flie\u00dfendes Wasser und Elektrizit\u00e4t, daf\u00fcr mit Pfadfinderromantik und wahnsinniger Aussicht. Gute Wanderstiefel sind ein Muss, in den Rucks\u00e4cken tragen wir Gep\u00e4ck f\u00fcr zwei N\u00e4chte, Regen- und Daunenjacken. Die Pfade sind steil und einsam. Anders als in den <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/alpen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/alpen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Alpen<\/a> oder Yellowstone wird uns in den n\u00e4chsten Tagen kein einziger Tourist begegnen.<\/p>\n<p>Auf Anweisung L\u00e4rm machen<\/p>\n<p>Daf\u00fcr begleiten B\u00e4ren- und Wisentspuren unsere Wanderung hoch zu den \u201eComisu\u201c-Wildnish\u00fctten. Zehn Kilometer und rund 500 H\u00f6henmeter geht es zumeist durch dichten Wald. Auf gut 1400 Metern l\u00f6sen Nadelb\u00e4ume die Buchen ab. Wir streifen durch Blau-, Brom- und Himbeergeb\u00fcsch, finden wilde Fr\u00fcchte, sind besonders laut, auf Weisung des Guides: \u201eB\u00e4ren lieben Beeren. Im Naschrausch k\u00f6nnten wir sie erschrecken, so k\u00f6nnen Unf\u00e4lle passieren.\u201c<\/p>\n<p>Pause auf einem Gebirgsplateau mit grandiosem Panorama. Der Kronst\u00e4dter erz\u00e4hlt, dass er nach 13 Jahren auf <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/kreuzfahrtschiffe\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/kreuzfahrtschiffe\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kreuzfahrtschiffen<\/a> gl\u00fccklich ist, in seiner Heimat arbeiten zu k\u00f6nnen. \u201eNichts ist sch\u00f6ner als unsere Berge.\u201c<\/p>\n<p>Die aber h\u00fcllen sich in Nebel, als wir die Unterkunft erreichen, eine ausgebaute Sch\u00e4ferh\u00fctte auf 1600 Metern H\u00f6he mit K\u00fcche, Stockbetten und einem Doppelzimmer. Radu wird zum Wirt, feuert den Holzofen an, zaubert b\u00e4uerliche Leckereien auf den Tisch, darunter saftiges Olivenbrot und Br\u00e2nz\u0103 de burduf, ein w\u00fcrziger Siebenb\u00fcrger Schafsk\u00e4se, gereift in Tannenrinde. Nat\u00fcrlich alles von lokalen Produzenten. Sp\u00e4ter kocht er ein Gericht mit Steinpilzen, die er unterwegs gesammelt hat.<\/p>\n<p>Rechtzeitig zur D\u00e4mmerung geht es in die Beobachtungsh\u00fctte mit Panoramafenstern. Sie liegt 70 Meter weiter und 35 Meter h\u00f6her. \u201eMein Lieblingsort. Auch wenn sich keine Tiere blicken lassen\u201c, sagt der Guide. Er schw\u00e4rmt von der Aussicht auf die Gipfel.<\/p>\n<p>Auge in Auge mit Europas seltenstem Gro\u00dfwild<\/p>\n<p>Heute aber ist es, als ob wir in den Wolken s\u00e4\u00dfen: Wei\u00dfe Schwaden wabern, bilden sich st\u00e4ndig neu. Es hat etwas Hypnotisches, \u00dcberweltliches, Meditatives. Wir trinken Tee und geben uns der Stimmung hin. Bis ich auf dem Weg zum Au\u00dfenklo die eingangs erw\u00e4hnte Begegnung meines Lebens habe. Mit dem <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/wisente\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/wisente\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wisent<\/a> im Nebel.<\/p>\n<p>Auge in Auge mit Europas seltenstem Gro\u00dfwild \u2013 das ist gef\u00fchlt wie ein Rendezvous mit einem Einhorn. Vor 100 Jahren wurde das letzte Wisent in der Natur erschossen. Nur zw\u00f6lf der \u00dcberlebenden in Zoos taugten f\u00fcr die Nachzucht. Doch Schutzprogramme wirkten Wunder: Heute gibt es fast 10.000 frei lebende Tiere. Die meisten in <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/polen-reisen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/polen-reisen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Polen<\/a>, wo sie bereits 1952 ausgewildert wurden.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen Exemplare sind gr\u00f6\u00dftenteils scheu und praktisch unsichtbar. Anders als amerikanische Bisons, die gar nicht sch\u00fcchtern und so gef\u00e4hrlich sind, dass Yellowstone einen Abstand von mindestens 25 Yards (23 Metern) vorschreibt.<\/p>\n<p>Der Gigant, der hier nur wenige Wisentl\u00e4ngen vor mir steht, bleibt hingegen cool. Senkt den Kopf, grast unbeirrt weiter. Seine massige Gestalt l\u00e4sst die gebogenen H\u00f6rner winzig wirken. Ich h\u00f6re das Rupfen und Mahlen seiner Z\u00e4hne. Sehe die Atemwolken in der kalten H\u00f6henluft. Bleibe regungslos. Er scheint mich zu vergessen. Kommt mampfend immer n\u00e4her. Ich frage mich herzklopfend, ob die Tiere wirklich friedlich sind. Sicherheitshalber gehe ich lieber einen Schritt zur\u00fcck. Das Urvieh macht es mir nach und trottet fort.<\/p>\n<p>Der F\u00e4hrmann erz\u00e4hlt von badenden B\u00e4ren<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter sehen wir den Wisent wieder. \u201eDie Bullen sind allein unterwegs, die Weibchen in Herden\u201c, sagt Radu. Gut 100 Wisente gibt es inzwischen im F\u0103g\u0103ra\u0219-Massiv, wo Conservation Carpathia 2020 ein Auswilderungsprojekt begann. Wir wandern bergab, durch dichte Wildnis. \u00dcberqueren auf 1117 Metern H\u00f6he den Pecineagu-Stausee. Der F\u00e4hrmann erz\u00e4hlt von badenden B\u00e4ren.<\/p>\n<p>Ziel ist das Wildniscamp \u201ePoiana T\u0103ma\u0219\u201c auf 1420 Metern. Die Zelte auf der Bergwiese, jedes mit zwei Betten und Daunendecken, sind von einem Elektrozaun umgeben. \u201eDamit die Wisente sich nicht an den Zelten schubbern\u201c, sagt der Guide und deutet auf plattgelegene Vegetation direkt vor dem Zaun.<\/p>\n<p>Der Nebel ist inzwischen verschwunden. Und gibt eine spektakul\u00e4re Aussicht frei auf die Kalksteinwand des Piatra Craiului (K\u00f6nigsstein) sowie auf die gut 2300 Meter hohen Gipfel P\u0103pu\u0219a (Puppe) und B\u0103tr\u00e2na (Alte Dame). Radu pr\u00fcft die Wildtier-Kamerafalle am Weg zum Camp und zeigt uns die besten Treffer: B\u00e4ren, Wisente, F\u00fcchse, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/wildschweine\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/wildschweine\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wildschweine<\/a>, eine europ\u00e4ische <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/wildkatzen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/wildkatzen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wildkatze<\/a>.<\/p>\n<p>Forschungen der Stiftung erfassten 67 Luchse und eine Wolfsdichte von zwei Tieren pro 100 Quadratkilometern. Erstmals seit 70 Jahren schweben auch wieder G\u00e4nsegeier \u00fcber das Gebirge, das j\u00fcngste Auswilderungsprojekt. Urt\u00fcmliche Laute lassen uns erschauern: das R\u00f6hren von Rothirschen.<\/p>\n<p>Nach einer Dusche mit Ausblick \u2013 Radu hat daf\u00fcr Wasser auf dem Feuer erhitzt und in die Beh\u00e4lter der Freiluftkabinen gef\u00fcllt \u2013 sitzen wir in einem fr\u00fcheren Schafstall am lodernden Feuer. Ein eigens angereister Koch serviert regionale Gerichte. Darunter Schweinebraten, Auberginensalat, Bohnen, Risotto, gebratener Schafsk\u00e4se, alles von lokalen Bauern und Hirten. Dazu tolle rum\u00e4nische Weine und Tuica, einen kr\u00e4ftigen Pflaumenbrand. \u00dcberfl\u00fcssig zu erw\u00e4hnen, dass es so etwas nicht in Yellowstone gibt.<\/p>\n<p>Tipps und Informationen:<\/p>\n<p><b>Wie kommt man hin?<\/b> Nach Hermannstadt (Sibiu) mit Austrian Airlines via Wien oder mit Wizz Air ab Memmingen, Dortmund, N\u00fcrnberg oder Karlsruhe\/Baden-Baden. Den Transfer in die Wildnis \u00fcbernimmt der Reiseanbieter.<\/p>\n<p><b>Karpaten-Reisen:<\/b> Travel Carpathia bietet individuelle und Kleinstgruppenreisen mit spezialisierten Guides an, etwa eine siebent\u00e4gige Wildlife-Tour, ab 2185 Euro pro Person ohne Fl\u00fcge. Alle Gewinne flie\u00dfen in das Naturschutzprojekt der Mutterstiftung (travelcarpathia.com\/de). Bei Wikinger Reisen gibt es eine zw\u00f6lft\u00e4gige Gruppentrekkingreise durch die Karpaten, ab 2185 Euro inklusive Fl\u00fcge ab Deutschland (wikinger-reisen.de).<\/p>\n<p><b>Weitere Infos:<\/b> romania.travel\/en<\/p>\n<p>Die Teilnahme an der Reise wurde unterst\u00fctzt von Travel Carpathia. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabh\u00e4ngigkeit finden Sie unter <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.axelspringer.com\/de\/was-uns-ausmacht\/downloads\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.axelspringer.com\/de\/was-uns-ausmacht\/downloads&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">go2.as\/unabhaengigkeit<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Man kann sich in Rum\u00e4niens Karpaten einen Kindheitstraum erf\u00fcllen, wenn man nur auf die Toilette geht. 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