{"id":1256734,"date":"2026-08-24T04:08:16","date_gmt":"2026-08-24T04:08:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1256734\/"},"modified":"2026-08-24T04:08:16","modified_gmt":"2026-08-24T04:08:16","slug":"regeln-die-grosse-schuetzen-manomama-aus-augsburg-stoppt-eu-versand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1256734\/","title":{"rendered":"\u201eRegeln, die Gro\u00dfe sch\u00fctzen\u201c: Manomama aus Augsburg stoppt EU-Versand"},"content":{"rendered":"<p> Magnus Trinkwalder ist 2023 bei Manomama eingestiegen. Seine Mutter Sina Trinkwalder hat das Unternehmen 2010 in Augsburg gegr\u00fcndet. Foto: B4B\/ Katharina Seeburger <\/p>\n<p class=\"text-start\"><strong>B4BSCHWABEN.de:\u00a0Wenn ich in den Niederlanden wohne und bei euch eine Jeans bestellen will: Geht das im Moment noch?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Magnus Trinkwalder:<\/strong>\u00a0Nur, wenn du Freund:innen in Nordrhein-Westfahlen besuchst und sie dorthin bestellen l\u00e4sst. Sonst leider nicht. <\/p>\n<p><strong>Das hei\u00dft, ihr habt den EU-Versand im Moment eingestellt?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. In die Benelux-Staaten verschicken wir schon l\u00e4nger nicht mehr, weil das grunds\u00e4tzlich schwierig zu koordinieren ist. Aber wir haben jetzt auch den Versand in alle anderen EU-Staaten au\u00dferhalb von Deutschland eingestellt. Wir haben schon ein paar Tage vorher versucht, unsere Kund:innen zu sensibilisieren. Gerade in \u00d6sterreich, wo wir einen Markt haben. Wir haben sie darauf vorbereitet, dass sie Alternativen brauchen. <\/p>\n<p><strong>Wie haben eure Kunden reagiert?<\/strong><\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dftenteils mit Verst\u00e4ndnis. Wir sind eine kleine Manufaktur und kein Textilriese wie Temu oder Shein mit gro\u00dfen Abteilungen, die solche Themen sofort abfedern k\u00f6nnen. F\u00fcr uns ist das aktuell ein Verwaltungsakt, den wir erst einmal verstehen und koordinieren m\u00fcssen. <\/p>\n<p><strong>Versucht ihr L\u00f6sungen zu finden oder ist das EU-Auslandsgesch\u00e4ft f\u00fcr euch abgehakt?<\/strong><\/p>\n<p>Unser Fokus war immer Deutschland. Als \u201eMade in Germany\u201c-Anbieter ist hier auch unsere Kernzielgruppe. Aber wir schauen uns die Zahlen an und pr\u00fcfen, in welche EU-M\u00e4rkte sich der Versand k\u00fcnftig lohnt, zum Beispiel \u00d6sterreich. Daf\u00fcr werden wir L\u00f6sungen finden. <\/p>\n<p><strong>Was hei\u00dft die Verordnung konkret f\u00fcr euch im Alltag?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin da pers\u00f6nlich in einem Zwiespalt: Die Verordnung hat wirklich gute Punkte, etwa H\u00f6chstgrenzen f\u00fcr PFAS in Lebensmittelverpackungen oder das Ziel, Verpackungsm\u00fcll zu reduzieren. Das sind Dinge, die wir als Manomama absolut unterschreiben. Das Problem ist die praktische Umsetzung. Die ist f\u00fcr uns aktuell kaum leistbar. Ich verstehe zum Beispiel nicht, warum es kein EU-zentrales Register gibt und dass man sich f\u00fcr 27 EU-L\u00e4nder einzeln registrieren muss. Warum gibt es eine EU-weite Verordnung, wenn die Umsetzung dann wieder national zersplittert ist? Damit zerschl\u00e4gt man ja die Harmonisierung dieses Binnenmarkts v\u00f6llig und den Grundgedanken der EU auch. So wird es unn\u00f6tig kompliziert. Wir m\u00fcssen jetzt L\u00f6sungen finden und \u00fcberlegen zum Beispiel auch, wie wir unsere Verpackungen noch nachhaltiger machen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p><strong>Welche Verpackungen nutzt ihr derzeit?<\/strong><\/p>\n<p>Wir nutzen bereits Versandtaschen aus Papier mit doppelter Klebelasche, die man wiederverwenden kann, zum Beispiel f\u00fcr R\u00fcckversand oder andere Pakete. Alles, was bei uns ankommt, wird sortenrein getrennt und dem passenden Werkstoff zugef\u00fchrt. Was Endkund:innen am Ende damit machen, k\u00f6nnen wir aber nicht kontrollieren. Auch nicht durch Registrierung oder Geb\u00fchren. Insgesamt ist das aber ein kleiner Teil unseres Unternehmensm\u00fclls. Der Gro\u00dfteil unseres Gesch\u00e4fts macht B2B aus. Und da entsteht quasi kein Verpackungsm\u00fcll, weil wir Stoffe in gro\u00dfen Metallbeh\u00e4ltern versenden, die zur\u00fcckgehen und wiederverwendet werden. Genutzte Folie zum Regenschutz wird bei uns sortenrein entsorgt und wieder in den Kreislauf gef\u00fchrt. <\/p>\n<p><strong>Viele sind unsicher, wer wof\u00fcr zust\u00e4ndig ist oder was bei den Registrierungen gilt. Wie geht es euch damit?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind nicht nur Textilh\u00e4ndler, sondern auch Textilerzeuger, das bringt zus\u00e4tzliche Anforderungen. Unser Verpackungslieferant kommt aus der Region. Wir sind schon l\u00e4nger im Austausch, weil es auch in den letzten ein, zwei Jahren neue Kennzeichnungspflichten gab. Aber auch bei unserem Verpackungslieferanten merke ich Unsicherheiten bei dem Thema. Mittelst\u00e4ndische Zulieferer haben keine gro\u00dfen Rechtsabteilungen, die sich durch EU-Definitionen arbeiten. Die hohen Bu\u00dfgelder sorgen zus\u00e4tzlich f\u00fcr Unsicherheit. <\/p>\n<p><strong>Wer setzt sich bei euch damit auseinander und was bedeutet das im Alltag?<\/strong><\/p>\n<p>Im Grunde alle, die mit der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung zu tun haben. Wir f\u00fchlen uns da ungerecht behandelt: Es sind mal wieder Regeln, die am Ende gro\u00dfe Unternehmen sch\u00fctzen, weil sie Ressourcen haben, um sich dagegen zu wappnen. Kleine und mittelst\u00e4ndische Betriebe werden ins kalte Wasser geworfen. Wenn manche EU-Staaten Bagatellgrenzen haben und andere nicht, verst\u00e4rkt das das Ungleichgewicht zus\u00e4tzlich. Ich glaube, es kann nicht das Ziel sein, dass wir die Kleinen g\u00e4ngeln und den Gro\u00dfen den Weg ebnen. <\/p>\n<p><strong>Lesen Sie auch:<\/strong><a href=\"https:\/\/www.b4bschwaben.de\/b4b-nachrichten\/augsburg_artikel,-neue-euverpackungsregeln-was-jetzt-auf-unternehmen-zukommt-_arid,275499.html\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">EU-Verpackungsverordnung: Das m\u00fcssen Unternehmen wissen<\/a><\/p>\n<p><strong>Du hast gesagt, dass du hinter dem Anliegen der EU stehst, nur nicht hinter deren Umsetzung. Was h\u00e4tte die EU anders machen k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Sinnvoll w\u00e4ren Bagatellgrenzen gewesen, also Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit. Ein Betrieb mit zehn Mitarbeiter:innen kann gar nicht so viel Verpackungsm\u00fcll verursachen, wie es an Aufwand kostet, alles zu monitoren und zu bezahlen. Au\u00dferdem h\u00e4tte man Betriebe besser mitnehmen und vorbereiten m\u00fcssen, statt sie im Prinzip allein auf Infos in Nachrichten oder auf Websites zu verweisen. <\/p>\n<p><strong>Die Verordnung ist ja auch nicht die erste, die die B\u00fcrokratie f\u00fcr Unternehmen erh\u00f6ht.<\/strong><\/p>\n<p>Es werden viele richtige Ziele etwa mit der Verpackungsverordnung und auch mit den Nachhaltigkeitsberichten verfolgt. Das tut dem Planeten langfristig gut. Was mir fehlt, ist der Praxisbezug beim Erlassen solcher Verordnungen. Die Leute, die Posten bei der EU besetzen, sollten mehr praktischen Background haben und ein Fingerspitzengef\u00fchl daf\u00fcr, was ihre Regeln dann bei mittelst\u00e4ndischen Unternehmen ausl\u00f6sen. <\/p>\n<p><strong>Welche Teile der Verordnung sind f\u00fcr euch die gr\u00f6\u00dfte Last?<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem die Registrierung in einzelnen L\u00e4ndern. Das ist ein finanzieller Aufwand. Hochgerechnet auf alle EU-L\u00e4nder kommt man schnell in einen f\u00fcnfstelligen Bereich. Das ist einfach eine finanzielle H\u00fcrde f\u00fcr uns. Dazu kommt die Unsicherheit durch die harte Durchsetzung der Verordnung und hohe Bu\u00dfgelder. Das ist fast Hauptproblem: Man arbeitet unter dem Druck, Fehler und Strafen vermeiden zu m\u00fcssen. Das l\u00e4hmt und sorgt, daf\u00fcr, dass wir uns im Fernabsatzhandel schwerer tun. <\/p>\n<p><strong>Kann man den Mehraufwand und die Mehrkosten auf eine Jeans herunterbrechen?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man die j\u00e4hrlichen Geb\u00fchren f\u00fcr die Registrierung in einem EU-Land auf Jeans umlegt, sind das grob etwa ein Euro pro Hose. Den geben wir nicht an die Kund:innen weiter, sondern m\u00fcssen ihn \u00fcber unsere Marge auffangen. Wir arbeiten nicht mit riesigen Margen wie gro\u00dfe Textilunternehmen. Die haben Margen \u00fcber 200 oder 300 Prozent, wir eher 20 bis 30 Prozent. Da kann so ein Euro schnell 15 bis 20 Prozent der Marge auffressen. Und der Verwaltungsaufwand ist da noch gar nicht eingerechnet. <\/p>\n<p><strong>Die Verordnung betrifft auch den Versand innerhalb Deutschlands. Was bedeutet das f\u00fcr euer Deutschlandgesch\u00e4ft?<\/strong><\/p>\n<p>Damit haben wir uns schon vorher besch\u00e4ftigt. Und weil unser Hauptmarkt Deutschland ist, haben wir hier viel mehr Bestellungen. Wenn man den Aufwand auf die Menge umlegt, ist er pro Bestellung geringer. Im EU-Ausland ist die Bestellmenge oft zu klein, sodass die Belastung pro Bestellung deutlich h\u00f6her wird. Das ist etwas, das f\u00fcr viele kleine Unternehmen ein Problem ist. Dass es sich dann halt nicht mehr lohnt. <\/p>\n<p><strong>Welche Folgen erwartest du in den n\u00e4chsten Jahren?<\/strong><\/p>\n<p>Im Optimalfall sinkt die M\u00fcllproduktion in der EU deutlich. Das Ziel waren bis 2040 um mindestens 15 Prozent. Gleichzeitig gibt es viel Unmut und Diskussionen, etwa \u00fcber Vorschl\u00e4ge, die Registrierung um viele Jahre zu verschieben. Ich verstehe aber auch das Argument der L\u00e4nder: Wenn ausl\u00e4ndische Unternehmen Verpackungsm\u00fcll ins Land bringen und nichts zahlen, bleibt die Entsorgung am jeweiligen Land h\u00e4ngen. Ich bin gespannt, ob es Anpassungen gibt. Ich glaube, es wird sich wieder einpendeln und es wird L\u00f6sungen geben. Schade finde ich, dass vor allem kleine Unternehmen leiden und nicht die, die f\u00fcr einen sehr gro\u00dfen Anteil am Verpackungsm\u00fcll verantwortlich sind. Ware aus China wird dadurch zum Beispiel weiterhin nicht wirklich geregelt. <\/p>\n<p><strong>Und was erwartest du f\u00fcr Manomama mit Blick auf die Verordnung?<\/strong><\/p>\n<p>Wir gehen unseren Weg weiter. Ich behaupte selbstbewusst: Wir machen vieles nachhaltiger und innovativer, als die EU es bislang vorsieht. Wir wollen Kreisl\u00e4ufe noch st\u00e4rker schlie\u00dfen. Und wir \u00fcbernehmen seit 17 Jahren Verantwortung f\u00fcr die Produkte selbst: Wenn eine Jeans oder ein T\u2011Shirt kaputtgeht, k\u00fcmmern wir uns um Reparatur oder um sortenreine Entsorgung bzw. Recycling. Einen gro\u00dfen negativen Nachhaltigkeits-Impact f\u00fcr uns sehe ich deshalb wenig, weil wir in einem anderen Nachhaltigkeits-Scale arbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Magnus Trinkwalder ist 2023 bei Manomama eingestiegen. 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