{"id":125691,"date":"2025-05-20T15:00:09","date_gmt":"2025-05-20T15:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/125691\/"},"modified":"2025-05-20T15:00:09","modified_gmt":"2025-05-20T15:00:09","slug":"berlin-deutlich-mehr-erfasste-sexualdelikte-gegen-kinder-im-netz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/125691\/","title":{"rendered":"Berlin | Deutlich mehr erfasste Sexualdelikte gegen Kinder im Netz"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\">Berlin (dpa) &#8211; Es ist ein Anstieg, der nicht nur Experten aufhorchen l\u00e4sst: Fast 15.700 F\u00e4lle von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Internet hat die Plattform Jugendschutz.net im Jahr 2024 erfasst &#8211; und damit mehr als 10.000 F\u00e4lle mehr im Vergleich zum Vorjahr. Bei einer Pressekonferenz in Berlin sprach der Leiter der Plattform, Stefan Glaser, von einem \u00abenormen Zuwachs\u00bb. 2023 waren hier noch etwas mehr als 5.000 F\u00e4lle registriert worden. Die Zahl hat sich damit mehr als verdreifacht.<\/p>\n<p>Unter sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Internet fallen etwa Missbrauchsabbildungen, andere nicht altersgerechte Darstellungen, mit denen Minderj\u00e4hrige konfrontiert werden, oder auch unangemessene Chatnachrichten an minderj\u00e4hrige M\u00e4dchen.<\/p>\n<p>\u00abDunkelfeld wird zunehmend erhellt\u00bb<\/p>\n<p>\u00abDas Dunkelfeld wird zunehmend erhellt\u00bb, sagte Glaser zur Analyse, wie es zu diesem Anstieg kommen konnte. Er sei vor allem durch mehr Hinweise, etwa \u00fcber die Hotline der Plattform oder durch internationale Partner, zustande gekommen. Auch k\u00f6nne die verst\u00e4rkte Nutzung von K\u00fcnstlicher Intelligenz zur Produktion von strafbaren Inhalten zum sehr deutlichen Anstieg der F\u00e4lle beigetragen haben, sagte Glaser. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Zahlen in den n\u00e4chsten Jahren entwickelten.<\/p>\n<p>Insgesamt registrierte das Portal &#8211; ein gemeinsames Kompetenzzentrum von Bund und L\u00e4ndern &#8211; 17.630 F\u00e4lle, in denen gegen den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz versto\u00dfen wurde. Sexualisierte Gewalt machte den Angaben zufolge 90 Prozent aller F\u00e4lle aus &#8211; 2023 waren es noch 67 Prozent. Als Negativbeispiel f\u00fcr Plattformen, auf denen Missbrauchsdarstellungen geteilt w\u00fcrden, nannte Glaser den Messenger-Dienst Telegram. \u00abDer Betreiber von Telegram schiebt hier bislang keinen Riegel vor.\u00bb Der Dienst sei ein \u00abUmschlagplatz\u00bb f\u00fcr strafbare Inhalte.<\/p>\n<p>Online-Plattformen als \u00abEinfallstor f\u00fcr Extremisten\u00bb<\/p>\n<p>Einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen verzeichnete Jugendschutz.net auch bei politischem Extremismus. Hier habe es mit 1.245 Versto\u00dff\u00e4llen 400 F\u00e4lle mehr als 2023 gegeben. Davon seien 732 Meldungen auf Rechtsextremismus entfallen, 513 auf Islamismus.\u00a0<\/p>\n<p>Gef\u00e4hrdet seien Kinder und Jugendliche etwa auf Gaming-Plattformen, die Glaser als \u00abEinfallstor f\u00fcr Extremisten\u00bb bezeichnete. In der Online-Spielewelt sei es leicht, niedrigschwellig junge Menschen zu erreichen. Ein weiteres Ph\u00e4nomen seien Onlinedienste wie Discord mit Chat-Funktionen, in denen islamistische Influencer, getarnt als Alltagsratgeber, Verschw\u00f6rungsmythen verbreiteten. Marc Jan Eumann, Leiter der Kommission f\u00fcr Jugendmedienschutz, betonte im Kontext von Extremismus, dass der Holocaust im Jahr 2024 auff\u00e4llig h\u00e4ufig geleugnet worden sei.\u00a0<\/p>\n<p>Noch gro\u00dfe L\u00fccken bei digitaler Alterspr\u00fcfung\u00a0<\/p>\n<p>Um junge Menschen besser zu sch\u00fctzen, warben die Experten wie bereits im Vorjahr f\u00fcr eine verl\u00e4ssliche Alterspr\u00fcfung bei der Registrierung in digitalen Diensten. Hier sieht die Plattform noch gro\u00dfe L\u00fccken &#8211; vor allem aufseiten der Betreiber. Es werde h\u00e4ufig nur das Geburtsdatum abgefragt und unzureichend gepr\u00fcft, ob eine Altersangabe der Realit\u00e4t entspreche.\u00a0<\/p>\n<p>Es gebe zur Alterspr\u00fcfung im Netz bereits Dutzende Angebote, sagt Experte Eumann. Wer Jugendliche im Netz sch\u00fctzen wolle, k\u00f6nne dies l\u00e4ngst tun. \u00dcber die Betreiber sagt er: \u00abIch habe keinen Zweifel, dass sie alles machen k\u00f6nnen. Sie tun es nur nicht, wenn es ihr Gesch\u00e4ftsmodell gef\u00e4hrdet.\u00bb Hier m\u00fcsse die Politik klar durchgreifen. Die Betreiber h\u00e4tten gen\u00fcgend Zeit gehabt, die Aufgabe ernst zu nehmen.<\/p>\n<p>Prien verspricht zu handeln: \u00abWir werden das jetzt mutig angehen\u00bb<\/p>\n<p>Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sprach von \u00abalarmierenden\u00bb Erkenntnissen. Der Schutz der jungen Generation sei eine \u00abpolitische Aufgabe\u00bb, der sich die neue Regierung stellen werde. \u00abWir werden das jetzt mutig angehen\u00bb, erkl\u00e4rte sie. Die Bundesregierung werde sich \u00abmit Nachdruck\u00bb auf EU-Ebene daf\u00fcr einsetzen, dass sich Plattformbetreiber auch an die Regeln halten.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem m\u00fcssten junge Menschen lernen, sicher mit digitalen Medien umzugehen. Das sei auch eine Aufgabe von Eltern und Lehrern. Noch herrsche nicht \u00fcberall ein Bewusstsein daf\u00fcr, dass Kinder online genauso gesch\u00fctzt werden m\u00fcssten wie offline, erkl\u00e4rte Prien. Hier k\u00f6nnten auch einzelne Ma\u00dfnahmen, wie etwa ein Handyverbot an Grundschulen, helfen, sagte die ehemalige Bildungsministerin von Schleswig-Holstein. Dort hatte Prien per Erlass ein Verbot der privaten Handynutzung an Grundschulen durchgesetzt.<\/p>\n<p>Plattform kritisiert L\u00f6schpraxis der Anbieter<\/p>\n<p>Ein wichtiges Mittel im Kampf gegen strafbare Inhalte im Netz ist eine zuverl\u00e4ssige L\u00f6schpraxis. Jugendschutz.net gab an, dass bei 9.732 der 17.630 registrierten Versto\u00dff\u00e4lle Anbieter aufgefordert worden seien, die Inhalte zu beseitigen. Dies sei in 99 Prozent der F\u00e4lle dann auch geschehen, hie\u00df es. In mehr als 6.600 F\u00e4llen sei es um Kinder- und Jugendpornografie sowie um Gefahren f\u00fcr Leib und Leben gegangen. Hier habe Jugendschutz.net direkt die Ermittlungsbeh\u00f6rden eingeschaltet.<\/p>\n<p>Die Plattform bem\u00e4ngelt, dass Anbieter wie Youtube, Instagram oder Tiktok Inhalte erst dann l\u00f6schten, wenn Verst\u00f6\u00dfe von Jugendschutz.net selbst, also von offizieller Seite, gemeldet w\u00fcrden. Wenn die Plattform dies als normaler Nutzer versucht habe, seien die L\u00f6schquoten deutlich niedriger gewesen &#8211; im Falle von Youtube seien dann etwa nur sechs Prozent der beanstandeten Inhalte entfernt worden, gegen\u00fcber 90 Prozent bei offiziellem Kontakt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Es ist ein Anstieg, der nicht nur Experten aufhorchen l\u00e4sst: Fast 15.700 F\u00e4lle von sexualisierter&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":125692,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30,198,2279,3931],"class_list":{"0":"post-125691","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-internet","12":"tag-kriminalitat","13":"tag-sicherheit"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114540761852919361","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/125691","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=125691"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/125691\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/125692"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=125691"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=125691"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=125691"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}