{"id":1258346,"date":"2026-08-24T21:53:27","date_gmt":"2026-08-24T21:53:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1258346\/"},"modified":"2026-08-24T21:53:27","modified_gmt":"2026-08-24T21:53:27","slug":"usa-und-kanada-im-handelskrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1258346\/","title":{"rendered":"USA und Kanada im Handelskrieg"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/cf1852ae-2494-40ba-a43a-695ce5de4d01.jpeg\" style=\"max-height:100%\"\/>Lastwagen am Grenz\u00fcbergang zu den USA auf der Peace Bridge, 27. Februar 2025  [AP Photo\/Lauren Petracca]<\/p>\n<p>Wie der kanadische Premierminister Mark Carney erkl\u00e4rte, befinden sich Kanada und die USA handelspolitisch \u201eim Krieg\u201c. Zuvor waren mehrw\u00f6chige Verhandlungen mit der Trump-Regierung um deren Vorhaben gescheitert, einen Zoll von 50 Prozent auf kanadische G\u00fcter im Wert von 20 Milliarden Dollar zu erheben \u2013 was f\u00fcnf Prozent der kanadischen Exporte in die USA im Gesamtwert von 380 Milliarden Dollar entspricht.<\/p>\n<p>Bedeutsam an dem Angriff der USA auf ihren engsten Handelspartner ist die Tatsache, dass erstmals eine Bestimmung des Tariff Act von 1930 angewandt wurde. Dieses Gesetz, das auch als Smoot-Hawley Act bekannt ist, hatte in den Handelskriegen der 1930er-Jahre eine verheerende Rolle gespielt.<\/p>\n<p>Bis Ende letzter Woche schien sich in den Verhandlungen zwischen den USA und Kanada eine Einigung abzuzeichnen. Die Z\u00f6lle sollten urspr\u00fcnglich am 19. August in Kraft treten, doch US-Pr\u00e4sident Trump k\u00fcndigte einen dreit\u00e4gigen Aufschub an. Er erkl\u00e4rte, die beiden L\u00e4nder h\u00e4tten eine Vereinbarung erzielt, die \u201enoch der endg\u00fcltigen Ausformulierung der Dokumente\u201c bed\u00fcrfe. <\/p>\n<p>Doch offenbar steckte der Teufel im Detail. Am Samstag scheiterten die Verhandlungen; beide Seiten \u00fcbersch\u00fctteten sich mit Vorw\u00fcrfen und versuchten, ihre eigenen nationalistischen Pl\u00e4ne voranzubringen.<\/p>\n<p>Carney verk\u00fcndete, er habe die Gespr\u00e4che ausgesetzt, weil die US-Seite in letzter Minute \u00c4nderungen eingebracht habe, die \u201eunfair und un\u00f6konomisch\u201c waren und \u201edie Zuverl\u00e4ssigkeit jeglicher Vereinbarung infrage stellten\u201c. Sp\u00e4ter erkl\u00e4rte er in einer Rede, Kanada befinde sich handelspolitisch \u201eim Krieg\u201c mit den USA.<\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rte vor der Presse: \u201eMan befindet sich im Krieg, wenn man angegriffen wird, und wir wurden angegriffen.\u201c<\/p>\n<p>Carney gab an, zu den \u00c4nderungen, welche die USA in letzter Minute gefordert h\u00e4tten, geh\u00f6rten auch Versuche, die Bestrebungen abzuwehren, mehr kanadische Inhalte in Online-Streamingdiensten anzubieten, u.a. auf Franz\u00f6sisch, das in Kanada eine der Amtssprachen ist.<\/p>\n<p>Carney erkl\u00e4rte, die kanadische Seite habe erkannt, dass sich Amerika ver\u00e4ndert habe, und dass \u201eseine Unterschrift manchmal nichts wert ist\u201c.<\/p>\n<p>\u201eWas sie uns angeboten haben, k\u00f6nnen wir nicht akzeptieren, und wir werden ihnen nicht geben, was sie gefordert haben. Wir waren nicht bereit, Kanadas Souver\u00e4nit\u00e4t zu gef\u00e4hrden oder unsere wichtigsten Industriezweige zu schw\u00e4chen.\u201c<\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rte, die USA h\u00e4tten sich \u201everkalkuliert\u201c, was Kanadas Entschlossenheit angehe. Kanada werde \u201eDollar f\u00fcr Dollar\u201c auf die USA reagieren. Er verk\u00fcndete mit nationalpatriotischem Gehabe, Kanada werde Vergeltungsma\u00dfnahmen ergreifen, um \u201eunsere Arbeiter und Unternehmen zu sch\u00fctzen\u201c.<\/p>\n<p><a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw-75rem-m bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/international-mayday-online-rally-2026.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/1787608400_421_11d17052-6cfe-4508-a369-0296defc96b6.png\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/1787608401_703_4b19da99-80bf-4b7c-8443-cc2e6d33b6f6.png\"\/><\/a><\/p>\n<p>Hier geht es auch um politische Erw\u00e4gungen. Seit Carney die Nachfolge von Premierminister Justin Trudeau angetreten hat, beruht sein R\u00fcckhalt darauf, dass er sich als entschlossenster Verteidiger der kanadischen nationalen Interessen gegen die Trump-Regierung darstellt.<\/p>\n<p>Bezeichnenderweise erhielt er gro\u00dfen Zuspruch von Doug Ford, dem extrem rechten Premier von Ontario, dem Zentrum der kanadischen Industrie, der sich voll und ganz hinter Carneys \u201eentschlossene Reaktion\u201c stellte.<\/p>\n<p>Er postete auf X: \u201eWenn wir f\u00fcr den Schutz der Souver\u00e4nit\u00e4t und wirtschaftlichen Sicherheit Kanadas k\u00e4mpfen, muss alles auf den Tisch. Ontario ist bereit, seinen Teil zu leisten.\u201c<\/p>\n<p>In seiner Reaktion darauf in den sozialen Medien griff Trump indirekt seine fr\u00fchere Forderung wieder auf, Kanada solle der 51. US-Bundesstaat werden, wenn es US-Z\u00f6lle vermeiden wolle.<\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rte, Kanada wolle \u201edie Vorz\u00fcge eines Bundesstaats, ohne einer zu sein!!! Au\u00dferdem haben sie unseren gro\u00dfartigen Bauern viele Jahre lang enorme Z\u00f6lle abverlangt. Damit ist Schluss!!!\u201c<\/p>\n<p>Das deutet darauf hin, dass es bei dem Konflikt um mehr als die etwa 500 Produkte geht, auf die 50 Prozent Zoll erhoben werden sollten. Die Liste umfasst bereits eine gro\u00dfe Palette von Produkten, darunter Baumaterialien, Molkereiprodukte, Kleidung und Alkohol.<\/p>\n<p>Die US-Z\u00f6lle traten um Mitternacht von Samstag auf Sonntag in Kraft. Die kanadischen Z\u00f6lle, die noch nicht bekanntgegeben wurden, werden ab dem 8. September gelten. Carney deutete an, sie k\u00f6nnten sich auf \u201eStahl, Molkereiprodukte, Haushaltsger\u00e4te, landwirtschaftliche Maschinen, Zellstoff und Papier sowie Elektronikartikel\u201c erstrecken.<\/p>\n<p>Angesichts steigender Inflation in den USA, die durch die Auswirkungen des Iran-Kriegs und die zunehmenden Turbulenzen im Finanzsystem verst\u00e4rkt werden \u2013 was sich am Ausverkauf am Anleihemarkt zeigt \u2013 sind die neuen Z\u00f6lle Trumps auf Widerstand im Inland gesto\u00dfen.<\/p>\n<p>Das Wall Street Journal, das die Interessen jener Teile des US-Kapitals zum Ausdruck bringt, die ihre Interessen eher durch die \u201efreie Marktwirtschaft\u201c vertreten sehen, bezeichnet die Z\u00f6lle gegen Kanada und Mexiko weiterhin als \u201eden d\u00fcmmsten Handelskrieg der Geschichte\u201c und weist auf die Anwendung des Tariff Act von 1930 hin.<\/p>\n<p>Mike Pence, Vizepr\u00e4sident in Trumps erster Amtszeit, \u00e4u\u00dferte gegen\u00fcber CNN die Ansichten von Teilen der Republikanischen Partei, die nicht direkt der MAGA-Bewegung zuzuordnen sind: \u201eDas Letzte, was wir jetzt, wo unsere Wirtschaft wieder auf die Beine kommt, brauchen, ist ein Handelskrieg mit Kanada.\u201c<\/p>\n<p>Demokratische Gouverneure von Bundesstaaten, die an Kanada angrenzen, \u00e4u\u00dferten sich ebenfalls ablehnend. Gouverneurin Gretchen Whitmer aus Michigan, dem Bundesstaat, der aufgrund der Autoindustrie am st\u00e4rksten mit Kanada verflochten ist, erkl\u00e4rte, ihr Bundesstaat sei \u201ein einzigartiger Weise betroffen\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/library\/wohin-geht-amerika\/00.html\" class=\"no-underline pointer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/d8b1e754-dda2-4b2e-b1f0-58e6cab66628.png\" style=\"max-height:25rem\"\/><\/p>\n<p>David North (Hrsg.)<\/p>\n<p>Wohin geht Amerika? Faschismus oder Sozialismus<\/p>\n<p>Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Milit\u00e4r- und Polizeistaat nicht l\u00e4nger nur eine theoretische M\u00f6glichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.<\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>\u201eUnternehmen \u2013 vor allem unsere Autobauer \u2013 stehen vor der schwierigen Entscheidung, entweder Arbeiter zu entlassen oder die Kosten an ihre Kunden weiterzugeben.\u201c<\/p>\n<p>Der leitende Vizepr\u00e4sident f\u00fcr die Nord- und S\u00fcdamerika-Abteilung der US-Handelskammer, Neil Herrington, rief die kanadischen Unterh\u00e4ndler dazu auf, an den Verhandlungstisch zur\u00fcckzukehren und ein Handelsabkommen zu schlie\u00dfen. Er erkl\u00e4rte, die Alternative sei \u201eeine eskalierende Spirale von Z\u00f6llen, die zu steigenden Kosten und gehemmtem Wirtschaftswachstum f\u00fchren wird\u201c.<\/p>\n<p>Der Vorstandschef des Business Roundtable, Joshua Bolten, warnte: \u201eDie neuen Z\u00f6lle und das Risiko von Vergeltungsma\u00dfnahmen k\u00f6nnten die Kosten f\u00fcr amerikanische Unternehmen und Familien in die H\u00f6he treiben, wichtige Lieferketten unterbrechen und die wichtigen Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Kanada belasten.\u201c<\/p>\n<p>Neel Kashkari, der Pr\u00e4sident der Federal Reserve von Minneapolis, erkl\u00e4rte am Sonntag gegen\u00fcber CBS News: \u201eJe l\u00e4nger dieses Hin und Her an der Handelsfront andauert, und je l\u00e4nger es im Konflikt mit dem Iran hin und her geht, umso mehr werden letztendlich die Auswirkungen und die Inflation verl\u00e4ngert und verz\u00f6gert.\u201c Da Mitglieder der Federal Reserve normalerweise Kommentare zur Politik der Regierung vermeiden, war dieser Schritt eher ungew\u00f6hnlich.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten, solange diese beiden Punkte nicht erledigt sind, wird die Inflation hoch bleiben, und die Fed wird die Zinsen nicht senken, sondern m\u00f6glicherweise sogar erh\u00f6hen. Der Krieg gegen den Iran und der Handelskrieg sind miteinander verbunden, da sie beide Bestandteile der verzweifelten Bestrebungen der Trump-Regierung sind, den Niedergang des US-Imperialismus durch Wirtschaftskrieg als auch durch milit\u00e4rische Mittel zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Der Ausbruch dieses Konflikts geht weit \u00fcber den Handel mit Kanada hinaus. Er hat globale Auswirkungen.<\/p>\n<p>Die Z\u00f6lle wurden gem\u00e4\u00df Abschnitt 338 des Smoot-Hawley Act verh\u00e4ngt. Diese Bestimmung, die bisher noch kein US-Pr\u00e4sident angewandt hat, sieht vor, dass er Z\u00f6lle gegen L\u00e4nder verh\u00e4ngen kann, die \u201edirekt oder indirekt den Handel der Vereinigten Staaten\u201c benachteiligen.<\/p>\n<p>Im April 2025 hatte Trump mit seinen so genannten \u201ereziproken Z\u00f6llen\u201c einen Handelskrieg gegen den Rest der Welt begonnen. Doch der Oberste Gerichtshof hatte Anfang dieses Jahres die Z\u00f6lle f\u00fcr rechtswidrig erkl\u00e4rt, nachdem sie bereits eingezogen worden waren. So musste das Finanzministerium etwa 160 Milliarden Dollar an US-Konzerne zur\u00fcckzahlen. Dies widerlegte auch die L\u00fcge der Regierung, dass ausl\u00e4ndische Regierungen und Unternehmen die Kosten der Z\u00f6lle tragen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Seither sucht die Regierung nach anderen M\u00f6glichkeiten, Z\u00f6lle zu verh\u00e4ngen, vor allem gem\u00e4\u00df dem Trade Act von 1974. Doch dabei handelt es sich um ein umst\u00e4ndliches und langwieriges Verfahren, w\u00e4hrend die Regierung Z\u00f6lle lieber schnell und willk\u00fcrlich verh\u00e4ngen w\u00fcrde, so wie Trump es vorhatte.<\/p>\n<p>Wie bereits bei dessen erstmaliger Nutzung erw\u00e4hnt wurde, k\u00f6nnte die Anwendung von Abschnitt 338 ein Testlauf f\u00fcr die breitere Anwendung sein, da die Regierung ihren Wirtschaftskrieg gegen den Rest der Welt versch\u00e4rft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Lastwagen am Grenz\u00fcbergang zu den USA auf der Peace Bridge, 27. 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